Reisebericht, mit dem Motorrad durch Norwegen

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Ich sitze vor meinem Computer und versuche über eine Motorradreise zu schreiben. Unglaublich viele Sätze und Formulierungen schwirren durch meinen Kopf, doch leider sind sie absolut zusammenhangslos und vor allem weiß ich noch gar nicht, worüber ich eigentlich schreiben soll. Mein Herz gehört dem Norden, doch der Süden ist faszinierend und stimmt oft genug nachdenklich.

Am Morgen weckt uns ein unangenehmes Geräusch. Sanft klopfen die Regentropfen an unsere Zeltwand. So müssen wir nun also das erste mal in Norwegen unsere Regenhosen anziehen. Ab Steinkjer verlassen wir die E6 und folgen der Straße Nummer 17. Immer wieder müssen mit kurzen Fährfahrten Fjorde überquert werden. Inzwischen haben wir uns mit dem Wetter abgefunden und uns den Gleichmut der Norweger zum Vorbild gemacht. Es regnet, na und? Irgendwann wird es schon aufhören. Nur wenn ein Regentropfen die mühevoll gedrehte Zigarette genau an der Spitze trifft kommt noch ein Schimpfwort herausgebrüllt. Jedoch liegt gerade bei Regenwetter eine ganz besondere Stimmung über den trist wirkenden, einsamen Fjorden in der Luft, die zu beschreiben über meine verbalen Fähigkeiten hinaus geht. Am Abend mieten wir uns bei einem Campingplatz eine Hütte. Dies ist eine günstige Alternative zum Zelt. Diese Hütten, die es auf fast jedem Campingplatz bzw auch oft bei Bauern zu mieten gibt, verfügen über Heizung und Kochmöglichkeit. Ein kräftiger Schuss Whisky in den Kaffee am Abend vertreibt das letzte Quäntchen Kälte aus dem Körper und die Stimmung ist ohnehin vom Schlechtwetter unbeeindruckt.



So gesehen wird der Sonnenschein des nächsten Tages nur als eine Art Zugabe empfunden. Gegen Mittag erreichen wir die Industriestadt Mo i Rana und am frühen Nachmittag den Polarkreis. Dieser wird auf einem Hochland in einer Mondlandschaft, die durchaus mit einer zentralen Isländischen Geröllwüste vergleichbar ist gequert. Die Auffahrt auf dieses Hochland ist atemberaubend. So wie auf fast jedem Kilometer in Norwegen wird man auch hier vom Wasser begleitet. Zwar nicht in Form eines Wasserfalls, Fjordes, Sees, Gletschers oder des Meeres, aber in Form eines gewaltigen, unverbauten Gebirgsflusses. Der Polarkreis selbst ist eigentlich keine Beschreibung wert. Wie an vielen massentouristisch erschlossenen Orten kann man auch hier ein halbes Vermögen für Ansichtskarten, Aufkleber, Stoffelche und Holztrolle (made in people´s republic of china) ausgeben, doch eigentlich ist der naturwissenschaftliche Hintergrund des Polarkreises interessant. Durch die Schräglage der Erdachse von rund 23 Grad kommt es dazu, dass täglich zur astronomischen Mittagszeit der Polarkreis der "oberste Punkt" der Erde ist Der Erdschrägstellung verdanken wir die Jahreszeiten und das Gebiet nördlich des Polarkreises den Polartag und die Polarnacht.
Wir flüchten bereits bald wieder vor dem Touristenrummel und fahren weiter nordwärts. Als wir in waldbewachsene Tiefen kommen bemerke ich, dass Robert aus dem Rückspiegel verschwunden ist. Kurz nachdem ich umgedreht habe treffe ich ihn am Straßenrand an. Er grinst verlegen und sagt etwas von "Tank leer". Vor etwa 150km hat er noch gelästert, dass ich mit meinem 16 Liter fassenden Tank ständig an den Zapfsäulen stehe und sein BMW Tank viel weiter reicht. Nun bin ich dran mit dem lästern, was ich auch ordentlich auskoste, während wir Benzin umfüllen. Wie üblich in solchen Situationen kommt nach etwa einem Kilometer die nächste Tankstelle. Am späten Nachmittag erreichen wir Bodö, die erste große Stadt (~40.000Ew) nördlich des Polarkreises. Für die Mitternachtssonne sind wir einige Tage zu spät dran, denn die scheint so weit im Süden nur von 4. Juni bis 8. Juli, dafür dauert hier die Polarnacht auch nur rund ein Monat. Selbst wenn der Streckenabschnitt der E6 von hier bis Narvik als eine der schönsten Teile in Norwegen gilt, beschließen wir mit der Fähre die vierstündige Überfahrt auf die Lofoten zu machen. Diese Strecke ist berühmt für ihre raue See. Stunden später weiß ich was damit gemeint ist. Manchmal dreht die Fähre etwas, um die Wellen besser von vorne als an der Querseite zu bekommen. Menschen fallen von den Bänken. Andere verkeilen sich mit Händen und Füssen in den Toiletten um beim Kotzen wenigstens in die Klomuschel zu treffen. Angst? Nein, Angst braucht man keine zu haben, die Norweger dieses alte Seefahrervolk wissen wie sie mit dem Meer umgehen müssen. Wenn man bedenkt mit welch kleinen, zerbrechlichen Booten die Wikinger, also die Vorfahren der Norweger nach Island und wer weiß wo sonst noch überall hin geschippert sind, dann gibt es auch beim wildesten Seegang keinen Grund für Angst.

 

Um drei Uhr morgens legt die Fähre bei Sorvagen auf den Lofoten an. Es ist bitter kalt, es regnet, ich bin müde und habe überhaupt keine Lust mit dem Motorrad aus dem warmen und trockenen Bauch der Fähre hinaus zu fahren, doch es nützt nichts. Schlafplatz, wir brauchen unbedingt sofort einen Schlafplatz. Etwa 30km suchen wir herum, doch zwischen den steilen Felsen und dem Meer gibt es nur das schmale Band der Strasse und keinen Platz für unser Zelt. In einem Bushaltehäuschen hat sich mittlerweile ein junger KTM Fahrer zur Nachtruhe begeben, also fällt auch diese Möglichkeit buchstäblich ins Wasser. Endlich, endlich finden wir unmittelbar neben der Strasse ein paar Quadratmeter ebener Erde und unmittelbar dahinter auch einen kleinen Wasserfall, also ist auch unser Teewasser gesichert. Innerhalb von Minuten steht das Zelt und kocht der Tee der mit Whisky abgeschmeckt wird.

Gegen Mittag steckt Robert den Kopf aus dem Zelt und verfällt sofort in eine Abfolge begeisteter Worte. Es ist wolkenloser Himmel, das Meer liegt ruhig und tiefblau vor uns und hinter uns ragen viele hundert Meter hohe Granitfelswände in den Himmel. Perfekter könnte es gar nicht sein und bei Temperaturen um die 20 Grad darf man sich hier nördlich des Polarkreises auch nicht beschweren. Bald nach dem Frühstück brechen wir auf mit dem Ziel die Lofoten von Süd nach Nord und anschließend die Vesteralen bis Andenes zu befahren. Diese etwa 350 Kilometer wollen wir aber auch auf kleinen Nebensträßchen hinter uns bringen. Immer wieder kommen wir an karibisch anmutenden Buchten mit strahlend weißem Sandstränden vorbei. Längst schon ist das Ziel unserer Reise nicht mehr das Nordkap sondern das Fahren an sich. Das Mittagessen am frühen Abend ist eigentlich nur eine lästige Unterbrechung, denn damit sieht man eine halbe Stunde nichts Neues. 

In Marokko habe ich es erlebt, wie bettelnde Kinder mehr verdienen als hart arbeitende Erwachsene. Viele Touristen glauben etwas gutes zu tun, diesen Kindern, die es fast überall gibt, eine, für europäische Verhältnisse Kleinigkeit zu geben. In Wahrheit hält man sie jedoch damit davon ab in eine Schule zu gehen. Aus bettelnden Kindern werden orientierungslose Jugendliche, ohne Ausbildung, die sich oft mit Kleinkriminalität über Wasser halten müssen und deren Kinder dann auch wieder zum Betteln geschickt werden. So hat falsch betriebener Tourismus zur Verarmung weiter Bevölkerungsschichten beigetragen. Das Land ist unglaublich schön, mit seinen ausgedehnten Wäldern im Rif-Atlasgebirge, Flüssen, die in die Wüste fließen und bis weit hinein von einem üppigen grünen Band begleitet sind und natürlich den großen Sanddünen im Erg-Chebby, doch die offensichtliche soziale Ungerechtigkeit und die beklemmende Hoffnungslosigkeit, die man beim Durchqueren der Slumgürtel um die großen Städte spürt, macht sehr nachdenklich.

Oder sollte ich über Libyen schreiben, einem Land, das bislang weitestgehend vom Tourismus verschont blieb. Sicher es gibt auch einige Reiseveranstalter die organisierte Reisen nach Libyen anbieten und in Libyen sehr kritisch beurteilt werden. Verständlicher weise, bleibt doch dabei kaum etwas für das Land. Auf Menschen, Kultur und Sitten wird dabei selten Rücksicht genommen. Dabei wäre das gerade in der momentanen politischen Situation so wichtig. Das Bild, welches von den Medien über moslemische Staaten verbreitet wird, entspricht so absolut nicht dem, was ich erlebt habe. Nie werde ich es vergessen, wie wir uns mit drei einheimischen Jugendlichen einen ganzen Nachmittag ein Snowboard und eine hohe Sanddüne teilten, wie wir am Markt spontan zu Tee und Keks eingeladen wurden und wie stolz der junge Vater war, als ich ihn fragte ob ich ihn mit seiner etwa vierjährigen Tochter auf dem Arm fotografieren darf.

Oder vielleicht Island? Dieser Insel, weit draußen im sturmumtosten Nordatlantik, Grönland näher als irgend einem anderen Nachbarn. Diesem Land, über das es im Kultfilm Reykjavik 101 hieß: "On Iceland there is nothing. No insects, no trees, no nothing. The only reason why people live here is because they were born here". Island ist ein verrücktes Land. Etwa 1,5 mal so groß wie Österreich ist es die Heimat von nur etwa 250tsd Menschen, von denen wiederum etwa 160tsd in oder um Reykjavik leben, der ausgeflipptesten Stadt die ich kenne. Gleichzeitig hört, mit Ausnahme der Ringstrasse, die die Insel umrundet, gleich außerhalb der Stadt der Asphalt auf. Traumhaftes Endurogelände, doch Island ist nicht einfach, Island ist oft kalt und abweisend, Minuten später wieder freundlich und unglaublich schön. Nicht jeder kann den Anblick der Isländischen Hochlandwüsten ertragen, hier gibt es einfach nichts womit sich der normale, aus unserer Fun- und Unterhaltungswelt kommende Mensch ablenken könnte, doch wer sich offen auf das Spiel mit Wind, Licht und Wolken einlässt, der wird wohl immer wieder von Island träumen.

So wird es wohl doch Norwegen, mein Traumland, über das ich etwas schreiben will. Vorweg muss ich jedoch warnen: Wenn es um Norwegen geht bin ich nicht objektiv, denn ich kann es nicht sein.

Wieder sitze ich in der Küche und bereite mir einen Kaffee. An lernen war in diesen ersten Jännerwochen nicht zu denken. Die Frage, warum die blöde Lawine gerade dort und genau zu diesem Zeitpunkt abgehen musste bewegte mich viel mehr als das Skriptum, das ich für die nächste Prüfung auf der Uni lernen sollte. Christian, ein Kollege schaute mich an und sagte: "Du hast doch ein Motorrad, fahr nach Skandinavien, da bekommst wieder Ruhe. Aber ich muss dich warnen, wenn dich das Nordvirus erwischt, dann fährst du immer wieder rauf". Wenige Minuten später stand mein Beschluss fest: Ich fahre in den Norden. Zufälligerweise erfuhr ich etwa eine Woche vor meiner geplanten Abfahrt, dass ein Studienkollege auch mit dem Motorrad nach Norwegen wollte. Unser Treffen um über die Route zu sprechen endete mit einem gewaltigen Rausch und wenige Tage später ging es mit vielen Erwartungen los. Sie wurden allesamt übertroffen. Etwa ein Monat und 10tsd km später war mir klar, dem Nordvirus erlegen zu sein.

Norwegen ist das schönste Land der Welt, Norwegen ist so schön, dass es innerlich schmerzt. Solche und ähnliche Beschreibungen ließt man immer wieder. Lässt sich die Schönheit eines Landes wirklich einfach in eine Rangliste stellen? Und doch, Norwegen hat etwas ganz besonderes. Nimmt man bei gut 30 Grad im Schatten ein Sonnenbad oder geht schwimmen, so sollte man es genießen, denn bereits am nächsten Tag kann es wieder kalt sein. Fährt man auf den Strassen die erlaubten 80km/h und schließt auf ein anderes Fahrzeug auf, so wird dieses spätestens bei der nächsten Ausweiche stehen bleiben und einen vorbei lassen und hat man irgend ein Problem, so braucht man nicht lange zu fragen - helfen ist für die sonst oft unfreundlichen Norweger Ehrensache. Wohl kaum wo anders auf der Welt trifft man auf so viele Menschen verschiedener Hautfarbe, Religion oder Kultur. Die Norweger sind sich ihrer multikulturellen Gesellschaft kaum bewusst. "Das ist doch ganz einfach. Wenn jemand verfolgt wird, dann muss man ihm helfen", ist die oft gehörte Antwort von den Norwegern. Es ist nicht verwunderlich, dass der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen wird.

Norwegen ist groß, oder zumindest sehr lang. Wenn man in Südschweden von der Fähre Rostock - Trelleborg rollt, dann sollte man sich darüber im klaren sein, dass Palermo etwa gleich weit entfernt ist wie das Nordkap. Nach etwa 700km erreicht man Oslo. Abhängig davon, wie viel Zeit man hat, ist es zu überlegen, diese Etappe auf zwei Tage auf zu teilen. Üblicherweise bringt man am Vortag Deutschland hinter sich und auch der Schlaf am harten Boden der Fähre ist nicht unbedingt die absolute Entspannung. So trifft es sich gut, dass Südschwedens Seen durchaus sehr warm sind und bereits nach rund 300km Göteborg erreicht wird.

Hier finden sich im Umkreis von etwa 50km viele kleine, in den weiten Wäldern versteckte Seen wo man das erste mal vom Jedermannsrecht (jeder darf sich in der Natur überall, also auch auf Privatgrund (nicht in abgezäunten Gärten) frei bewegen, sowie überall eine Nacht mit Zelt bleiben, jedoch mindestens 150m Abstand zum nächsten Haus) Gebrauch machen kann. Südschweden hat üblicherweise warme und trockene Sommer, sodass die Badesachen unbedingt zwischen die dicken Pullover ins Topcase gestopft werden müssen. Ab Göteborg empfiehlt es sich die E6 zu verlassen und auf den kleinsten Strassen die in der Karte eingezeichnet sind Richtung Oslo zu fahren. Damit ist man nun endlich in Norwegen und auch gleich in der Hauptstadt. Wenn man ans Nordkap will und nicht unbedingt viel Zeit hat, wird man dazu verleitet sein, sich für Oslo keine Zeit zu nehmen, trotzdem sollte man es machen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass man entweder nichts alkoholisches trinkt, oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. So wie fast alle Regeln im Verkehr wird zwar auch das Blutalkohollimit von 0,2 Promille kaum kontrolliert, aber wenn, dann gibt es extreme Strafen. 0,5 Promille kosten 1,5 Bruttomonatsgehäter und ab 1,5 Promille geht es unweigerlich ins Gefängnis. Wie erwähnt es wird selten kontrolliert, doch sehr viel im Norwegischen System ist auf Vertrauen und Ehrlichkeit aufgebaut, wodurch Verkehrsdelikte von der Bevölkerung wie Verbrechen betrachtet werden. Vom nahegelegenen Campingplatz "Ekeberg" geht man etwa eine halbe Stunde in die Stadt. Dann kann man sich in den zahllosen Pubs, Bars und Discos davon überzeugen, dass Alkohol wirklich sehr teuer ist, die Norweger deshalb aber nicht weniger trinken.

Grundsätzlich sollte man sich schon vor dem Reiseantritt darüber im klaren sein, dass Norwegen etwa 2 bis 2,5 mal so hohe Preise hat wie Mitteleuropa. Das Öl wurde um 1970 herum entdeckt und hat Norwegen zum reichsten Land der Erde gemacht. Gleichzeitig brauchte die boomende Wirtschaft dringend Arbeitskräfte und hat jahrzehntelang die Löhne bereitwillig erhöht. Seit etwa 30 Jahren dreht sich die Lohn-Preisspirale und innerhalb des Jahres 2002 stieg die Krone zusätzlich noch gegenüber dem Euro kräftig an. Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Mit Motorrad, Zelt und Gaskocher kann man durchaus recht günstig das Land bereisen.

Wer als Motorradfahrer nach Norwegen fährt wird vermutlich nicht unbedingt daran interessiert sein lange Zeit in Oslo zu verbringen, trotzdem sollte man das fast südliche Flair dieser Stadt ein bisschen auf sich wirken lassen. Darüber hinaus hat diese Stadt durchaus auch einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, wobei ich beispielsweise hier nur die Holmenkollen Sprungschanze und den Vigelandpark erwähne. Den Großteil der Motorradfahrer zieht es nach Norden. Trotz der großen Distanzen und der geringen Geschwindigkeit sind lange Tagesetappen kein Problem. Die durchgehende Verbindung in den Norden ist die E6. In den Sommermonaten ist bereits in Oslo die Nacht sehr kurz.

Wir verlassen Oslo am frühen Abend und fahren zunächst auf der E16 später auf den Strassen 245 und 250 Richtung Lillehammer. Unterwegs suchen wir uns einen Zeltplatz denn die Temperatur ist in den letzten Stunden regelrecht abgestürzt, die Sonne ist unter gegangen und mittlerweile ist es Mitternacht. Das Abendessen wird auf grund des starken Windes im Zelt zubereitet, danach falle ich sofort in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen weckt uns die Hitze im Zelt. Die Sonne steht schon wieder seit vielen Stunden am Himmel als wir gegen 10 Uhr aufstehen und nach Lillehammer zum Frühstücken fahren. Dort lasse ich meine Maschine beim lokalen Händler stehen, denn meine Antriebskette gibt mittlerweile ein trauriges Bild ab. Robert, mein Kollege, grinst mich hämisch an und verweist im anschließenden Nebensatz auf die Vorteile seiner Kardangetriebenen 1000er BMW GS. Dafür ist bei mir das morgendliche Starten nicht jedes Mal mit einem Gebet verbunden und die Ölflasche konnte ich auch zu Hause lassen. Als wir zurück kommen steht meine 650er Dominator mit neuer Kette in der Sonne und fordert mich förmlich auf sie weiter nach Norden zu treiben. Wir beschließen den beiden Enduros auf den nächsten 70km etwas Schotter zu gönnen und fahren den Peer Gynt vei, eine Schotterstraße, die über ein kleines Hochplateau auf etwa 1100m, also oberhalb der Waldgrenze führt. In der Ferne kann man die eisgepanzerten Gipfel von Jotunheimen erkennen. Danach folgen wir der E6 nach Dombas und von dort weiter auf das Dovrefjell Hochplateau. Fasziniert stellen wir die Motorräder am Straßenrand ab. Alles was ich heraus bringe ist: "Viel Gegend". Fotos werden gemacht, doch können sie nicht ansatzweise die Stimmung wiedergeben, die diese Schneefelder in der unberührten Weite in mir auslösen. "Bruker dere hjelp"? ruft uns ein stehen gebliebener Autofahrer zu. "No, thanks, everything okay". Stottern wir total überrascht über diese Hilfsbereitschaft zurück. Am Abend erreichen wir Trondheim. Die alte, ehemalige Königsstadt ist die drittgrößte Stadt Norwegens und mit etwa 140.000 Einwohnern auch die nördlichste Großstadt des Landes. Hier ist bereits der Charme des Nordens zu spüren. Hier, etwa 500km südlich des Polarkreises geht zwar auch im Frühsommer die Sonne noch unter, doch Dunkel wird es im Juni und Juli nicht mehr. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich einige Jahre später sechs Monate in Trondheim leben werde, so hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Nach einem kurzen Stadtrundgang geht es gegen 23 Uhr im weichen Licht des Sonnenuntergangs weiter. Nach etwa 100km beschließen wir, dass für heute unsere Motorradsucht befriedigt ist und so begeben wir uns gegen ein Uhr morgens auf einen Campingplatz.

Die ständige Helligkeit hat längst unseren Tagesrhythmus durcheinander geworfen. Aufgestanden, gegessen, Motorrad gefahren und schlafen gegangen wird nicht mehr nach der Uhr sondern rein nach dem inneren Befinden. Am Abend erreichen wir Andenes wo wir am nächsten Tag mit einem Walbeobachtungsboot hinaus fahren wollen. Gegen 23:45 schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und gibt diese erst gegen 0:05 wieder frei, sodass es auch heute keine richtige Mitternachtssonne gibt. In der Früh müssen wir zeitig raus, denn die Walbesichtigungstour sollte gegen neun Uhr starten. Auf Grund des heftigen Sturmes ist es jedoch nicht sicher ob wir überhaupt hinaus fahren können. Schließlich geht es aber dann doch, mit dem immer wieder wiederholten Tipp, mit dem Wind aber keinesfalls gegen den Wind das eingenommene Frühstück als Fischfutter zu verteilen. Insgesamt können wir vier Pottwale beobachten. Die Größe, Schönheit und Erhabenheit dieser Meeressäuger lässt sich nicht in Worte fassen .
hier geht`s zum zweiten Teil des Berichtes...

Bericht vom 07.01.2003 | 19.200 Aufrufe

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