Reiseenduro Reifenempfehlung fürs Gelände

Intensive Erfahrungen auf der Tenere 700 bei der Bosnia Rally

Intensive Erfahrungen im Gelände! Welches ist die beste Wahl für die Reiseenduro wenn es ins etwas gröbere Gelände geht? Wir testen intensiv und absolvieren 1.500 km bei der Bosniarally.

Anzeige

Seit über 20 Jahren schon mache ich den Job bei 1000PS. In diesen Jahren habe ich natürlich auch sehr viel Erfahrungen mit Motorradreifen gesammelt. In diesen Jahren hab ich oft recherchiert und immer wieder auch Entscheidungen treffen müssen. Doch es gibt bis heute kein Thema welches für mich so schwierig ist wie die Wahl des passenden Reifens für die Reiseenduro. Denn nirgendwo anders sind die Anforderungen so unterschiedlich und vielfältig wie bei einer Reiseenduro.

Bosniarally 2022 mit der Tenere 700
Reifentest intensiv - Diesmal 1500 km echtes Gelände aber auch Asphalt bei der Bosniarally 2022

Die Aufgabenstellung - der passende Reifen für die Reiseenduro im Gelände

Im Rahmen der Bosniarally werde ich mit der Yamaha Tenere 700 insgesamt rund 1.500 km absolvieren. Diese Strecke wird je nach Tagesetappe zu 75-90% im Gelände gefahren. Wobei ich im Rahmen der Rally sämtliche Streckenabschnitte befahren werde. Also auch jene Passagen, welche eigentlich für Hardenduros gedacht sind. Somit benötige ich Reifen welche einen unglaublich breiten Anwendungsbereich abdecken. Einerseits möchte ich bei den Etappen auf der Straße bei großer Hitze (bis zu 40 Grad werden erwartet) einigermaßen flott unterwegs sein. Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass es einmal regnet und Teile der Strecke (Asphalt und Gelände) auf nasser Piste absolviert werden müssen. Die Offroad-Passagen sind großteils sehr steinig. Es sind jedoch auch Passagen auf Wiesen und im Wald mit dabei. Die obligatorischen Schlammlöcher waren im letzten Jahr nicht besonders dramatisch, fehlen jedoch bei keiner Enduro Veranstaltung. Ich möchte in der Lage sein auf Asphalt auch problemlos 130 km/h fahren zu können. Die Anreise zum Event absolviere ich zum Glück nicht auf Achse. Womit ich beim Thema Laufleistung auch nicht so stark eingeschränkt sind. Die Reifen sollen grundsätzlich die volle Distanz von 1.500 Kilometer im Gelände durchhalten. Wenn es die Zeit zulässt, werde ich jedoch nach ca. ? der Strecke das Hinterrad tauschen. Das soll jedoch kein Muss sein sondern ein Luxus den ich mir gerne gönne.

Empfehlungen Reifen Reiseenduro
Breites Aufgabenspektrum - auch diese langen Asphaltpassagen muss der Stollenreifen gut und sicher absolvieren.
Anzeige

Der Begriff “Gelände” ist breit gefasst

Hersteller von Enduroreifen bieten ein gewaltiges Angebot an Reifen an. Mittlerweile werden sie einigermaßen praxistauglich angepriesen. Wenn man von 50/50 Reifen spricht, dann ist eine gemischte Nutzung von Straße und Gelände zu ungefähr gleichen Teilen vorgesehen. Ein 80/20 Reifen soll den Großteil der Strecke auf Asphalt absolvieren, während 20% der Strecke im Gelände geplant sind. Diese Formulierungen sind grundsätzlich richtig. Es hakt am Ende nur beim Begriff Gelände oder Offroad. Für den Großteil der Reiseenduristen beginnt das Gelände dort, wo der Asphalt aufhört. So sind dann auch diese Reifen ausgelegt. Als Gelände / Offroad betrachtet man also eher unbefestigte Straßen, Güterwege aber nicht wirklich echtes Gelände. Bei der Bosniarally befahre ich jedoch echtes Gelände. Das sind zum Beispiel Abfahrten welche im Winter als schwarze Piste genutzt werden oder Auffahrten welche für den Viehtrieb dienen. Unbefestigte Straßen sehen am Balkan auch ganz anders aus als in Österreich oder Deutschland. Insofern sind selbst Verkehrsverbindungen welche von den Einheimischen mit den Autos genutzt werden zum Teil als echtes Gelände zu bezeichnen.

Enduroreifen im Gelände auf Schotter
Enge Kehren auf Schotter bergab! Hier braucht man viel Vertrauen für das Vorderrad

Grundsätzliches - Straße und Gelände mit dem selben Reifen

Kein Hersteller hat im Moment einen Reifen am Start welcher alles kann. Also tolle Fahrleistungen im Gelände und auf der Straße. Beides in akzeptabler Performance bei Nässe und im Trockenen. Es gibt gute Kompromisse - aber keine eierlegende Wollmilchsau. Wobei der Kompromiss zwischen Straße und Gelände immer besser gelöst wird. Der Kompromiss zwischen Nässe / Trockenheit jedoch noch nicht. Also jeder Enduroreifen am Markt welcher echte Geländegängigkeit bietet ist im Nassen auf Asphalt mit großer Vorsicht zu genießen. Legt man Wert auf hohe Sicherheit bei Nässe auf Asphalt muss man auf grobe Geländegängigkeit verzichten.

Empfehlung - Straße und Gelände 50/50

Für ein etwas anderes Szenario hätte ich eine große Auswahl von Reifen. Jenen Teilnehmern welche mit dem Motorrad auf Achse anreisen und vor Ort die normale Reiseenduro-Strecke befahren können problemlos auf die aktuelle Auswahl an 50/50 Reifen zurückgreifen:

  • Bridgestone AX 41 - Sehr gute Universallösung für unbefestigte Straßen und Asphalt
  • Conti TKC 80 - Der Klassiker von Conti. Mittlerweile hat er starke Konkurrenz. Die Laufleistung ist jedoch immer noch eine Macht.
  • Metzeler Karoo 4: Topmodern. Ein sehr guter Kompromiss für gemischten Einsatz. Einige Teilnehmer waren vor Ort mit diesem Pneu unterwegs.
  • Michelin Anakee Wild: Unter den 50/50 Reifen aus meiner Sicht jener Pneu mit der besten Performance im Gelände. Auf der Straße dafür eher unterdurchschnittlich
  • Mitas E-07+: Überraschend gut auf der Straße.
  • Pirelli Scorpion Rally: Sehr guter Universalreifen. Würde ich privat auf die Tenere montieren sobald die Rally vorbei ist.

Hartes Gelände mit der Reiseenduro - An Mitas führt kein Weg vorbei

Verlässt man die Wege und befährt echtes Gelände dann wird die Auswahl an Reifen dramatisch kleiner. Die radikaleren Enduroreifen sind teilweise zu schmal für die Reiseenduro-Felgen. Auf der anderen Seite sind die MX-Reifen oder Enduroreifen dann auf der Straße auch ungeeignet. Daher bleibt am Ende für mich nur eine kleine aber feine Auswahl als Empfehlung übrig:

  • Mitas E-12 / E-13 Rally Star - Diesen Reifen fuhr ich 2021 und war sehr zufrieden. Aus meiner Sicht der beste Reifen für diesen Zweck. Allerdings war der Hinterreifen zur Rally-Halbzeit schon stark abgefahren und ich musste einen neuen Reifen aufziehen. Der Pneu bietet jedoch kaum Grip auf nasser Strecke und der Reifen ist auf Asphalt unkomfortabel und nicht mehr wirklich praxistauglich. Er ist auch eine gute Empfehlung für alle Piloten welche gerne TET Etappen fahren.
  • Mitas E-09 Enduro - Diesen Reifen setze ich persönlich 2022 ein. Er bietet eine höhere Laufleistung als der Rally Star und ist noch einigermaßen praxistauglich auf der Straße. Nassgrip vermisst man jedoch auch hier.
  • Wo kann man Mitas Reifen kaufen? Hier eine Händlerliste für Mitas Motorradreifen.
MITAS E-09 Hinterreifen nach 3 Tagesetappen
MITAS E-09 Hinterreifen im Rally-Einsatz auf der Tenere
MITAS E-09 Vorderrad
Überraschend gut auf Asphalt - auf Schotter doch etwas schwächer als der E-13 von MITAS - der E-09 Vorderreifen.

Im Zweifelsfall: Schummeln!

Ich muss gestehen: Für schlechte Wetterprognosen habe ich ein Ass im Ärmel. Für die Tenere 700 habe ich mir 2022 eine zweite Hinterradfelge gegönnt. Diese ist schmäler als die Serienfelge und hier kann ich echte Wettbewerbsreifen aufziehen. Sollte das Gelände anspruchsvoller sein als geplant dann würde ich das E-09 Hinterrad durch ein EF-07 Hinterrad ersetzen. Damit habe ich dann einen echten Geländereifen am Start. Dieser bietet jedoch eine geringe Laufleistung, eine schlechte Performance auf der Straße und auf der Straße auch keinen Fahrkomfort. Diese Lösung ist also nur jenen Piloten zu empfehlen, welche fast ausschließlich sehr anspruchsvolles Gelände fahren und dabei auch eher kurze Etappen absolvieren müssen.

Kaufentscheidung Reiseenduro Reifen Gelände

Bei der Kaufentscheidung hat man es als Kunde also auf der einen Seite sehr leicht. Die renommierten Hersteller bieten allesamt topmoderne Produkte an welche richtig gut funktionieren. Man muss nur in der Lage sein den eigenen Einsatzzweck richtig einzuschätzen um die passende Kategorie zu wählen. Trifft man die richtige Kategorie, ist die Wahl der Marke am Ende Geschmackssache. Bei den 50/50 Reifen aber auch bei den 80/20 Reifen gibt es aus meiner Sicht nicht eine dominierende Marke mit einem überragenden Produkt. Bei den 50/50 Reifen wird das Ausmaß der Geländegängigkeit jedoch aus meiner Sicht von allen Herstellern etwas übertrieben. Was jedoch auch gut für die Kunden passt - denn auch diese fahren in der Praxis deutlich weniger abenteuerliche Strecken als die Optik der Ausrüstung vermuten lässt. Werden die Anspruche speziell kommen die kleineren Reifenmarken zum Zug. Als Top-Tipp für sehr anspruchsvolles Gelände darf man Mitas empfehlen. Als Legende für besonders lange Laufleistung gilt der K60 von Heidenau.

Mit der Reiseenduro in Bosnien
20/80 , 50/50 , oder 80/20 - Passagen wie diese hier können wohl mit allen 3 Varianten gut befahren werden.
Anzeige

Erfahrungen MITAS E-09 Bosniarally 2022

Ich persönlich hab mit dem MITAS E-09 gute Erfahrungen in Bosnien gemacht. Der Reifen war auf der Straße besser als erwartet und bot praxistaugliche Fahrleistungen. Müsste ich eine Klassifizierung abgeben würde ich ihn als 30/70 Pneu bezeichnen. Also 30% Straße und 70% Gelände. Auf der Straße war er in den Kurven weniger kippelig als die radikalere E-12 / E-13 Kombi von MITAS. Im Gelände war jedoch vor allem das Vorderrad doch spürbar schwächer. Die Stollen war kürzer und steifer - auf felsigem Terrain bot er weniger Sicherheit. Doch insgesamt meisterte die Kombination die unfassbar breit gesteckte Anforderung sehr gut. Etwas enttäuscht war ich jedoch von der Laufleistung. Doch ich muss gestehen, dass auch die Kollegen im Fahrerlager mit 50/50 Pneus ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Der Schotter macht die Reifen einfach fertig. Egal ob Bridgestone AX41, Metzeler Karoo 4 oder eben der MITAS E-09. Am Hinterrad war am letzten Tag der Etappe nirgendwo mehr anständiges Profil vorhanden. Die Laufleistung im Gelände war hier auf Schotter mit dem E-09 offen gesagt nicht besser als mit dem E-12.

Meine klare Empfehlung für 2023: Ich persönlich würde die Rally im Jahr 2023 mit dem MITAS E-12 / E-13 befahren. Sollte die Anreise auf Achse stattfinden dann würde ich auf den MITAS E-09 setzen. Wer die Hard-Etappen auslässt und die Strecke auf der Lite-Spur absolviert, kann auch auf 50-50 Reifen setzen. Diese bieten jedoch keine echten Vorteile in Sachen Laufleistung, sind jedoch bei der Anreise noch komfortabler.

Tolle Aussichten für 2023
Große Vorfreude auf die Aussichten für 2023! Bosnia wir kommen wieder!

Ausrüstung und Ausstattung Bosnia Rally 2022

Yamaha Tenere 700
Die Yamaha Tenere 700 von 1000PS beim Einsatz auf der Bosniarally 2022.

Das Event - Die Bosnia Rally 2022

Gleich vorweg: Die Bosnia Rally ist kein Rennen. Die Veranstaltung ist eine durchaus sportliche Herausforderung. Der Veranstalter Stefan Rosner versucht einen guten Kompromiss aus Herausforderung und Abenteuer ohne Racingstress hinzukriegen. Als Teilnehmer profitiert man von einer zentralen Organisation. Dort kümmert man sich um die Streckenführung und die medizinische Notfallversorung. Es gibt keine Zeitnehmung. Das Event war auch 2022 sehr schnell ausverkauft und ist sehr erfolgreich. Als Basislager dient ein Skiresort in Kupres in der nordwestlichen Herzegowina. Von Kupres ausgehend werden Tagesetappen mit 200-400 km Länge absolviert. Grundsätzlich kann man auf der Rally mit Roadbook navigieren. Das ist wahnsinnig spannend und für den Veranstalter auch sehr aufwendig. Ich persönlich nutze diese Gelegenheit sehr gerne. Das ist eine der seltenen Möglichkeiten um echten Dakar-Spirit live zu erleben. Der Veranstalter stellt jedoch auch die GPS Tracks zur Verfügung. Schwere Streckenabschnitte können mit Lite-Tracks umfahren werden. Diese Lite-Tracks werden hauptsächlich für Reiseenduristen genutzt. Im Jahr 2021 konnte ich mit der Tenere 700 die Hardenduro-Strecke durchgängig absolvieren. Ich hoffe, dass mir dies auch 2022 gelingen wird. Links: https://bosnia-rally.com/ , Mein Eventvideo zur Bosniarally vom Vorjahr.

Bericht vom 07.08.2022 | 17.212 Aufrufe

Du hast eine Neue?

Verkaufe dein Gebrauchtmotorrad im 1000PS Marktplatz.

Inserat erstellen