Triumph Tiger 1200 GT Pro vs. KTM 1290 Super Adventure S 2022

Britische Krallen gegen österreichische V-Power!

Soll die KTM 1290 Super Adventure S nach nur einem Jahr bereits zum alten Eisen gehören?! Die neue Triumph Tiger 1200 GT Pro wurde nämlich gegenüber ihrer Vorgängerin erheblich leichter, stärker und technisch aufgerüstet - aber reicht das auch, um die bärenstarke Oberösterreicherin in die Schranken zu weisen?

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Dass Triumph in vielen Modellen am Reihen-Dreizylinder festhält, ist keineswegs ein Fehler, denn vor allem der 1200er-Dreiender, bekannt aus und beliebt in der aktuellen Speed Triple 1200 RS / RR macht mit seinen 1160 Kubik Hubraum auch in der neuen Tiger 1200 GT Pro eine ausgezeichnete Figur. Heruntergestutzt von 180 auf 150 PS bei 9000 Umdrehungen, dafür mit einem kräftigen Drehmoment von 130 Newtonmeter bei 7000 Touren ausgestattet, macht die fesche Engländerin eigentlich alles richtig. Wäre da nicht dieser unnachahmlich souveräne und gleichsam spaßige V2-Motor der KTM 1290 Super Adventure S! Auch bei KTM kann dieses mächtige Triebwerk mit gigantischen 1301 Kubik Hubraum in den Modellen 1290 Super Duke R und GT bis zu 180 PS stemmen, für die SA S wird er allerdings nur um 20 auf 160 PS bei 8750 Umdrehungen abgespeckt und es bleiben gewaltige 138 Newtonmeter Drehmoment bei 6750 Touren übrig. Der Unterschied von 10 PS und 8 Newtonmeter mag zwar nicht allzu viel erscheinen, allerdings geht der KTM-Murl einfach nur herrlich ans Gas, vor allem im mittleren Drehzahlbereich kommt ein Schub, der gewaltig ist und trotzdem kontrollierbar bleibt.

In Sachen Laufruhe und semiaktive Fahrwerke schenken sich KTM und Triumph nicht viel

Selbst in Sachen Laufkultur leistet sich der V2 der KTM keine entscheidende Schwäche, da der Triumph-Motor mit seinem T-Plane genannten Hubzapfenversatz ohnehin einem Zweizylinder ähneln möchte und sogar erstaunlich viele Vibrationen an den Fahrer heran lässt. Man muss es schon ganz untertourig mögen, damit die Triumph ihren Vorteil durch die drei Zylinder ausspielen kann, denn die bessere Laufruhe unter 2500 Touren ist nun mal nicht zu leugnen. Beim Fahrwerk schenken sich die beiden Europäerinnen nicht allzu viel, immerhin vertraut sowohl die Tiger 1200 GT Pro als auch die 1290 SA S auf ein semiaktives Fahrwerk. Bei der Triumph von Showa, bei der KTM von WP bieten beide Systeme so viele vor allem leicht verständliche Verstellmöglichkeiten, dass von Komfort bis Sport alle Vorlieben bedient werden.

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Die KTM 1290 Super Adventure S ist etwas agiler

Dass die KTM dennoch ein klein wenig agiler und leichtfüßiger wirkt, muss wohl an ihrem, auf beiden Seiten weit herunter gezogenen Tank liegen. Denn der Gewichtsunterschied von gerade mal fünf Kilo zugunsten der KTM (auf unserer 1000PS-Waage bringt es die Triumph vollgetankt auf 251, die KTM auf 246 Kilo) dürfte nicht wirklich spürbar sein. Noch mehr verwundert es, wenn man bedenkt, dass die Triumph im Heck auf einen schmäleren und daher eigentlich wendigeren Metzeler Tourance Next-Reifen im Format 150/70-18 setzt, während die KTM auf einen verhältnismäßig dicken Mitas TerraForce-R im Format 170/60-17 vertraut. Bei den vorderen Pneus sind sich die beiden aber wieder einig, beide nutzen die goldene Mitte zwischen 17 und 21 Zoll, einen 120/70-19er.

Die Triumph Tiger 1200 GT Pro bietet brachiale Bremspower

Ganz enges Winkelwerk liegt daher der KTM mehr, die Triumph mag eher weitere Radien und glänzt insgesamt bei längeren Strecken mit richtig viel Komfort. Nicht, dass die KTM kein gutes Reisemotorrad wäre, aber die Sitzbank ist definitiv härter und ein Beifahrer hat auf der Triumph mehr Platz. Außerdem vertraut die Tiger 1200 nach wie vor auf einen wartungsarmen Kardan-Antrieb und empfiehlt sich damit für alle Weitreisenden, die auf die mühselige Pflege der Kette pfeifen möchten. Die große Stunde der Triumph schlägt aber bei den Bremsen, da zeigt sich, dass sich die Britin an den Besten in diesem Segment orientiert und so richtig aus dem Vollen schöpft. Denn die Brembo Stylema packt dermaßen heftig zu, dass sich vor einigen Jahren wohl noch Superbikes darüber gefreut hätte. Allerdings keineswegs unangenehm brachial sondern einfach extrem kräftig, stabil und gut dosierbar. Das klingt nun so, als hätte die KTM eine schlechte Bremse, in Wahrheit ist es Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau, denn auch die Brembo-Anlage der KTM ist überaus präzise und packt ebenfalls richtig kräftig zu. Nicht ganz so vehement wie bei der Triumph, aber so mancher wird sich zu Recht die Frage stellen, wie brachial die Bremse auf einer Reiseenduro sein muss oder darf.

Die elektronischen Helferlein sind auf KTM und Triumph umfangreich

Bei den elektronischen Helferlein bieten die beiden Reiseenduros zwar nicht exakt die gleichen Features, bieten aber jede für sich betrachtet so viel, dass man beide als vollausgestattet bezeichnen darf. Riesige 7-Zoll Farb-TFT-Displays mit weitreichender Connectivity, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Kurven-ABS, verschiedene Fahrmodi, Voll-LED-Beleuchtung, Heizgriffe und Keyless-Systeme sind bei beiden Standard. Die KTM hat zusätzlich noch ACC, einen adaptiven, radargestützten Tempomaten, der wie von Geisterhand den Abstand zum Vordermann hält und sogar selbstständig herunterbremst. Der moderne Quickshifter mit Blipper, also auch zum Herunterschalten ist wiederum nur auf der Triumph Serie, bei der KTM kostet er zwar nur knapp 400 Euro Aufpreis, allerdings ist es dadurch noch unverständlicher, dass er nicht serienmäßig dabei ist. Verzichten sollte man darauf aber nicht, denn jener auf der KTM funktioniert dermaßen gut und einfach, dass er den, eben nur guten Quickshifter auf der Tiger 1200 GT Pro in den Schatten stellt.

Vaulis Fazit zu Triumph Tiger 1200 GT Pro vs. KTM 1290 Super Adventure S:

Die völlig neue Triumph Tiger 1200 GT Pro ist gegenüber ihrer Vorgängerin enorm leichter und stärker, gegenüber der KTM 1290 Super Adventure S aber etwas schwächer und sogar schwerer. Der Unterschied ist zwar nicht so eklatant, dass die KTM auf Anhieb besser wäre, dennoch präsentiert sich die Österreicherin etwas agiler und handlicher als die Britin. Vor allem der V2-Motor der KTM ist noch kraftvoller und im mittleren Bereich bauchiger als die ohnehin schon sehr kräftige Triumph. Bei der großen Reise dürfte aber wieder die Britin zuschlagen, da bietet sie etwas mehr Komfort, dem Beifahrer mehr Platz und einen wartungsarmen Kardan-Antrieb. Bei der Bremsanlage macht ihr schließlich kaum eine andere Reiseenduro etwas vor, bestenfalls die Ducati Multistrada V4 ist da eine nennenswerte Konkurrentin. Wirklich arg ins Hintertreffen gerät also keine der beiden, zwar ist die KTM für all jene, die es auf einer Reiseenduro besonders sportlich und kräftig wollen, die bessere Wahl, wirklich absetzen kann sie sich aber von der Triumph, die eben noch besser bremst und mehr Komfort bietet, nicht. Da wundert es nicht sonderlich, dass sich die beiden auch bei den Preisen nicht weit voneinander entfernen, die KTM ist mit derzeit 21.899 Euro in Österreich rund einen Tausender günstiger als die 22.950 Euro teure Triumph. In Deutschland schrumpft der Unterschied zwischen der KTM um 19.249 Euro und der Triumph um 19.950 Euro sogar auf 700 Euro und rechnet man den, meiner Meinung nach verpflichtenden Quickshifter+ mit ein, sind es ohnehin nur noch knapp 600 Euro in Österreich und 300 Euro in Deutschland. Ist doch schön, wenn zwei Europäerinnen in Zeiten wie diesen zusammenrücken!

Pokys Senf zu Triumph Tiger 1200 GT Pro vs. KTM 1290 Super Adventure S:

Die Leichtgewichte unter den Groß-Reiseenduros treten zum Duell an, wobei man diesen Begriff natürlich nicht allzu wörtlich nehmen darf. Rund 250 kg bringen die beiden jeweils auf die Waage. Umso überraschender ist, wie spielerisch sich Tiger und Super Adventure bewegen lassen. Im engen Geläuf gelingt das der KTM eine Spur besser, während in weiteren Radien die Triumph durch ihr harmonisches Fahrverhalten die Nase vorne hat. Leider setzen die Fußrasten des Groß-Tigers relativ früh auf und verhindern so ein noch sportlicheres Fahrverhalten. Der Dreizylindermotor der Triumph zeichnet sich durch eine sehr harmonische Leistungsentfaltung aus und bietet genug Kraft in allen Lebenslagen. In höheren Drehzahlregionen katapultiert er den Piloten unter infernalischem Röhren nach vorne - Powerspektakel bis in den Begrenzer. Etwas ungestümer mit unfassbarem Punch von unten präsentiert sich hingegen der Riesen-V2 in der KTM. Auch er dreht willig hoch, wenngleich das für raschen Vortrieb gar nicht nötig ist. Die semi-aktiven Fahrwerke beider Motorräder sind der Oberklasse mehr als würdig und erlauben den Wechsel zwischen gemütlicher Sänfte und sportlich-straffem Kurvenräuber innerhalb dem Bruchteil einer Sekunde. Die gesamte Elektronik lässt ganz nach dem Motto "Klotzen statt Kleckern" da wie dort keine Wünsche offen: Sitzheizung gefällig? Radargestützter Tempomat gewünscht? Kein Problem, ist bei Tiger GT Pro bzw. Super Adveture S serienmäßig an Board! Einzig die Materialanmutung der Knöpfe der KTM und der Quickshifter der Triumph trüben den ausgezeichneten Gesamteindruck. Trotzdem irre Reisemotorräder, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen!

Fazit: KTM 1290 Super Adventure S

Die KTM 1290 Super Adventure S ist auch ein Jahr nach ihrer Präsentation alles andere als ein altes Eisen. Der Euro5-Motor glänzt nach wie vor unfassbar mit seinen 160 PS und dem argen Drehmoment von 138 Newtonmeter. Die verfeinerte Elektronik sorgt für eine noch geschmeidigere Fahrbarkeit, was aufgrund des herrlich agilen Handlings in sehr viel Spaß beim Kurvenräubern mündet. Doch auf für Komfort-Freaks und all jene, die Wert auf die Reisequalitäten dieser Motorradgattung legen, hat die neue SASi einiges zu bieten. Ein nettes, serienmäßiges Feature ist der adaptive Tempomat ACC, der selbständig den Abstand zum Vordermann einhält - und richtig gut funktioniert. Empfehlenswert ist in jedem Fall der Quickshifter+ oder gleich das allumfassende TechPack - bei dem Grundpreis fallen rund 1000 Euro Aufpreis ohnehin nicht mehr so stark ins Gewicht.


  • Sehr sportliches, aber auch kultiviertes V2-Kraftwerk
  • trotz hohem Gewicht äußerst spielerisches Handling
  • bequeme, fahraktive Sitzposition
  • gute Bremsen inklusive Kurven-ABS
  • umfangreiches Elektronik-Paket
  • adaptive Cruisecontrol ACC
  • übersichtliche, gut strukturierte Armaturen mit riesigem 7 Zoll-Display
  • Schaltassistent aufpreispflichtig
  • eigenwillige Optik
  • sehr straffe Sitzbank

Fazit: Triumph Tiger 1200 GT PRO

Mit der schlanker und stärker gewordenen Tiger 1200 GT Pro hat Triumph nach den Mittelklasse-Modellen auch in der Reiseenduro-Oberklasse endgültig zu den Allerbesten aufgeschlossen. Die GT Pro überzeugt mit ausgeprägter Agilität und dank dem charaktervollen Dreizylinder auch mit Power und Souveränität in jeder Lebenslage. Ihr großer Vorteil ist die tolle Mischung aus Sportlichkeit und richtig viel Komfort auf der langen Reise, wo man sich dank Kardan-Antrieb auch die lästige Kettenpflege spart. Die neue Tiger 1200 muss sich also keineswegs vor ihren Mitstreiterinnen verstecken und hat für all jene, die auf den herrlichen Dreizylinder-Motor stehen, das Zeug zur perfekten Reiseenduro.


  • Souveräner Motor
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • semiaktives Fahrwerk regelt fein
  • üppige Serienausstattung
  • Langstreckenkomfort
  • hervorragender Wind- und Wetterschutz
  • Kardanantrieb
  • Geringfügige Lastwechselreaktionen
  • Totwinkel-Assistent nicht für die Pro-Modelle verfügbar

Bericht vom 07.05.2022 | 14.901 Aufrufe

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