Africa Eco Race Etappe 7: Sandsturm und Navigation entscheiden

Härtester Tag in Mauretanien: Luca Seppele kämpft sich ins Biwak

Etappe 7 bringt den bisher härtesten Mauretanien-Tag beim Africa Eco Race. 462 Kilometer reine Sonderprüfung, Sandsturm und schwierige Navigation sorgen für Chaos und Dramatik. Top-Fahrer verirren sich, bleiben ohne Sprit in der Wüste liegen und kämpfen um jede Sekunde auf dem Weg nach Dakar.

Die Action beim Africa Eco Race erreicht in Mauretanien ihren Höhepunkt. Auch wenn Dakar für die Teilnehmer gefühlt näher rückt, ist der Weg bis zum Ziel noch lang - und Etappe 7 beweist eindrucksvoll, warum die zweite Woche die Karten neu mischen soll. Zum ersten Mal spielt sich ein kompletter Renntag ausschließlich auf mauretanischem Boden ab, vom Morgen bis in die Nacht. Die Stage umfasst 462 Kilometer reine Sonderprüfung ohne Liaison und ist damit die längste Special Stage dieser 17. Ausgabe. Ein Tag, der vollständig von Navigation geprägt ist, durch typische mauretanische Landschaften aus Sand, Kamelgras und riesigen Off-Track-Passagen, unterbrochen von besonders tückischen Abschnitten.


Sandsturm, Dünen und unsichtbare Spuren: Navigation entscheidet alles

Schon zu Beginn müssen die Fahrer mit einem massiven Sandsturm kämpfen. Die Sicht wird drastisch reduziert, das Lesen des Terrains beinahe unmöglich. Genau das macht diesen Tag so brutal: In der scheinbar endlosen Weite ohne klare Orientierungspunkte reicht ein kleiner Fehler, um komplett vom Kurs abzukommen. Die Sonderprüfung wird zu einem mentalen Überlebenskampf, bei dem nicht nur Geschwindigkeit zählt, sondern vor allem die korrekte Richtung und das konsequente Finden der Waypoints. Viele der Spitzenfahrer verirren sich, einige verlieren fast eine Stunde, andere müssen sogar zurückfahren, um verpasste Kontrollpunkte zu bestätigen. Etappe 7 wird damit zu einem jener Rallye-Tage, die man nicht gewinnt, sondern übersteht.


Das deutlich sandigere und monotonere Mauretanien stellt andere Herausforderungen an die Teilnehmer des Africa Eco Race als die Woche zuvor in Marokko.
Das deutlich sandigere und monotonere Mauretanien stellt andere Herausforderungen an die Teilnehmer des Africa Eco Race als die Woche zuvor in Marokko.

Motorradwertung: Gallas siegt hauchdünn vor Wiedemann

Sportlich liefert die Motorradklasse ein dramatisches Ergebnis. Kevin Gallas gewinnt die Etappe in 5:53:58 Stunden, nur 18 Sekunden vor seinem Landsmann Mike Wiedemann - ein deutsches 1-2 auf einem der härtesten Tage der Rallye. Rookie Thomas Marini komplettiert das Podium mit 7:49 Minuten Rückstand. Der zuvor Führende Jean-Loup Lepan wird Vierter, nachdem auch er fast eine Stunde lang den richtigen Weg suchen musste. Die Etappe sorgt für ein massives Durcheinander in der Gesamtwertung: Gallas übernimmt nach seinem zweiten Tagessieg nun auch die Gesamtführung, während Marini und Lepan dicht dahinter lauern. Besonders bitter trifft es Titelverteidiger Jacopo Cerutti, der sich komplett verirrt, schließlich ohne Benzin liegen bleibt und nur mit Hilfe anderer Fahrer aus der Prüfung kommt.


Die Drama-reiche Etappe 7 bringt die Spitze der Motorrad-Wertung gehörig durcheinander.
Die Drama-reiche Etappe 7 bringt die Spitze der Motorrad-Wertung gehörig durcheinander.

Auch abseits der Spitze zeigt sich der manchmal gnadenlose Geist des Africa Eco Race: In der Motul Extreme Rider Kategorie sorgt Amaury Baratin nach einem Sturz für Drama, beschädigt seinen Navigationstower, kämpft mit technischen Problemen und sogar einem kleinen Feuer am Motorrad - ein Beispiel dafür, wie Mauretanien Mensch und Maschine fordert.


Africa Eco Race 2026 Stage 7 Resultate, Motorrad klassenübergreifend

RangStartnummerFahrerMotorradKlasseZeitRückstand
1171Kevin GallasYamaha Tenere 700+6505:53:58-
2191Mike WiedemannYamaha Tenere 700 JYTR+6505:54:16+0:18
330Thomas MariniHusqvarna 450 Rally4506:01:47+7:49
4176Jean-Loup LepanKTM 450 Rally Replica4506:07:03+13:05
521Gautier PaulinYamaha Tenere 700+6506:18:16+24:18
66Marco MenichiniAprilia Tuareg 660+6506:24:23+30:25
717Matteo BottinoKove 800X Rally LS+6506:25:50+31:52
899Robert Jr. Van PeltHusqvarna 450 RR4506:27:54+33:56
9124Nicolas CharlierYamaha Tenere 700+6506:29:05+35:07
102Alessandro BotturiYamaha Tenere 700+6506:30:22+36:24
11128Max BianucciHusqvarna 450 Rally Replica4506:30:38+36:40
1280Roman KrejciKTM 450 Rally Replica4506:37:29+43:31
13109Antonio MaioYamaha Tenere 700+6506:42:53+48:55
1491Benoit Dalle PalleKTM 450 EXC4506:45:28+51:30
15121Sebastiano AntonelloKove 450 Rally4506:47:39+53:41
1694Valentin SertilhangesKTM 450 Rally4506:47:48+53:50
17110Francesco MontanariAprilia Tuareg 660+6506:53:13+59:15
1892Stephan SavelkoulsHusqvarna 450 RR4507:01:50+1:07:52
1928Boris WoltersHusqvarna 450 Rally4507:04:19+1:10:21
20150Matthew GirdHusqvarna 450 FR4507:07:34+1:13:36
[...]
3719Luca SeppeleKove 450 EX4508:03:16+2:09:18

Luca Seppele: „Die härteste Stage, die ich jemals gefahren bin“

Für den österreichischen Rallye-Fahrer Luca Seppele aus Kärnten wird Etappe 7 zu einem absoluten Grenzerlebnis. Er beschreibt den Tag als die härteste Sonderprüfung, die er jemals gefahren ist - und ist am Ende einfach nur froh, überhaupt im Biwak angekommen zu sein. Die Stage bietet alles, was Mauretanien so berüchtigt macht: immer wieder Dünen-Abschnitte, endlose Sandpisten, technisch anspruchsvolle Passagen mit Kamelgras und dazwischen schnelle Highspeed-Stücke, bei denen Navigation und Konzentration permanent gefordert sind. Genau diese Mischung macht den Tag extrem schwer, denn in der Weite der Wüste reichen kleinste Fehler aus, um Minuten oder sogar Stunden zu verlieren.


Mama didn't raise no quitter: Luca bewältigt die anspruchsvollen 462 Kilometer dehydriert und stark geschwächt von einer unruhigen Nacht mit Magen-Darm-Problemen.
Mama didn't raise no quitter: Luca bewältigt die anspruchsvollen 462 Kilometer dehydriert und stark geschwächt von einer unruhigen Nacht mit Magen-Darm-Problemen.

Zusätzlich wird Luca auch körperlich hart geprüft. Bereits am Vortag kämpft er mit einer Magen-Darm-Geschichte, schläft nur wenig und startet angeschlagen in die längste Sonderprüfung der Rallye. Ab Mittag macht sich der Flüssigkeitsverlust deutlich bemerkbar, Luca ist komplett erschöpft und muss sich im wahrsten Sinne des Wortes ins Biwak retten. Dort wird er im Medical Center versorgt, erhält eine Infusion und Medikamente, bevor endlich Ruhe und Schlaf möglich sind. Trotz dieses Tiefpunkts steht Luca am nächsten Morgen wieder am Start von Etappe 8. Noch rund 2.133 Kilometer trennen das Feld von Dakar - und Luca hofft, dass der kommende Tag weniger brutal wird als dieser mauretanische Navigationstest, der den Teilnehmern alles abverlangt hat.


Africa Eco Race 2026 Gesamtwertung Motorrad nach Etappe 7

RangStartnummerFahrerMotorradKlasseGesamtzeitRückstand
1171Kevin GallasYamaha Tenere 700+65023:25:11-
230Thomas MariniHusqvarna 450 Rally45023:31:23+6:12
3176Jean-Loup LepanKTM 450 Rally Replica45023:34:51+9:40
421Gautier PaulinYamaha Tenere 700+65023:53:05+27:54
5191Mike WiedemannYamaha Tenere 700 JYTR+65024:02:49+37:38
61Jacopo CeruttiAprilia Tuareg 660+65024:40:47+1:15:36
7109Antonio MaioYamaha Tenere 700+65024:49:22+1:24:11
86Marco MenichiniAprilia Tuareg 660+65024:54:09+1:28:58
92Alessandro BotturiYamaha Tenere 700+65025:03:49+1:38:38
1094Valentin SertilhangesKTM 450 Rally45025:38:34+2:13:23
1199Robert Jr. Van PeltHusqvarna 450 RR45025:58:17+2:33:06
12124Nicolas CharlierYamaha Tenere 700+65026:15:54+2:50:43
1380Roman KrejciKTM 450 Rally Replica45026:40:52+3:15:41
1495Amaury BaratinKTM 450 Rally45027:27:33+4:02:22
15150Matthew GirdHusqvarna 450 FR45027:28:00+4:02:49
1692Stephan SavelkoulsHusqvarna 450 RR45027:36:50+4:11:39
1750Hans DovlandKTM 450 RFR45027:37:03+4:11:52
18106Bertrand GavardYamaha Tenere 700+65027:39:51+4:14:40
19121Sebastiano AntonelloKove 450 Rally45027:46:50+4:21:39
2028Boris WoltersHusqvarna 450 Rally45027:52:26+4:27:15
2196Lejon FokkemaHusqvarna 450 RR45027:53:27+4:28:16
2291Benoit Dalle PalleKTM 450 EXC45028:01:01+4:35:50
23128Max BianucciHusqvarna 450 Rally Replica45028:09:42+4:44:31
2440Stefano DogliottiKove 450 Rally EX45028:22:38+4:57:27
2517Matteo BottinoKove 800X Rally LS+65028:27:52+5:02:41
2612David FretignéHonda CRF 450 Rally45028:33:01+5:07:50
2713Alexandre AzinhaisKTM 500 EXC-F Fivard+45028:36:40+5:11:29
2861Jim MoisaKTM 450 RFR45029:02:40+5:37:29
2989Thierry TraccanHonda CRF 450 Rally45029:31:51+6:06:40
3034James SimoninHusqvarna 450 Rally Replica45029:32:23+6:07:12
3119Luca SeppeleKove 450 EX45029:35:05+6:09:54

Auto, SSV und Truck: Van Pollaert, Lafay und Zuurmond weiter stark

Auch bei den Vierrädern herrschen extreme Bedingungen mit Hitze, schlechter Sicht und Navigationsfehlern selbst bei den Favoriten. In der Auto-Kategorie bleibt Pol Van Pollaert vorne, während Christian Femont weiterhin der erste Verfolger ist. In der SSV-Klasse holt Pierre Lafay den Tagessieg und bleibt ein zentraler Faktor im Gesamtklassement. Bei den Trucks setzt Gerrit Zuurmond seine Dominanz fort und scheint weiterhin kaum zu schlagen. In der Historic-Kategorie sind ebenfalls höchste Konzentration und Präzision gefragt, denn Mauretanien macht keinen Unterschied zwischen modernen Prototypen und Legendenfahrzeugen.


Africa Eco Race 2026 Auto Gesamtwertung nach Stage 7

RangStartnummerFahrerBeifahrerFahrzeugKategorieKlasseGesamtzeitRückstand
1205Pol Van PollaertAnthony PesMD OptimusT1T1.222:19:31-
2201David GerardPascal DelacourMD OptimusT1T1.223:09:09+49:38
3215Christian FemontGregg DocxMini Cooper X-RaidT1T1+23:15:13+55:42
4232Philippe LambilliotteFrançois BéguinMD OptimusT1T1.223:33:03+1:13:32
5230Guy HoussetLoic MinaudierMD OptimusT1T1.223:52:41+1:33:10

Africa Eco Race 2026 Truck Gesamtwertung nach Stage 7

RangStartnummerFahrerCrewFahrzeugKategorieKlasseGesamtzeitRückstand
1400Gerrit ZuurmondTjeerd Van Ballegooij / Klaas KwakkelMAN TGAT5T5.129:54:35-
2405Mike PanhuijzenPieter Kuypers / Eric Jan HartjesMAN TGAT5T5.145:22:09+15:27:34
3407Franck CoquideDaniel Penkala / Jean-Francois DelavalRenault K520T5T5.152:18:37+22:24:02
4410Martin RoeterdinkRoy Korenromp / Geralt Van `t BlikDAF CFT5T5.152:26:51+22:32:16

Ausblick: Etappe 8 bringt den nächsten Navigationstest

Etappe 7 wird als einer der bedeutendsten Tage dieser Africa Eco Race Ausgabe in Erinnerung bleiben. Ein Tag purer Navigation, der erneut beweist: Mauretanien ist der ultimative Richter dieser Rallye. Doch die nächste Herausforderung wartet bereits. Stage 8 steht als 415 Kilometer lange Sonderprüfung auf dem Programm, eine abwechslungsreiche Schleife voller Kontraste und wechselnder Bedingungen. Die Entscheidung rückt näher, doch die Wüste hält noch viele Fallen bereit.


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Bericht vom 04.02.2026 | 1.823 Aufrufe