Kawasaki Z650 2020 Test

Kann sie mit Elektronik die Konkurrenz ausstechen?

Wo soll man ansetzen, wenn das Paket bereits stimmt? Im Falle der neuen Z650 bei den Details! So stellt uns Kawasaki in der Nähe von Barcelona das frische Mittelklasse Naked Bike vor, das zwar vielleicht technisch keine neue Höhen erreicht, dafür in der Elektronik mächtig dazu gewinnt! TFT, LED und Connectivity im kompakten und leistbaren Paket! Wie steht sie im Vergleich zur Konkurrenz dar?

Unglaublich wie die Zeit vergeht! Bereits vor drei Jahren präsentierte Kawasaki die erste Generation der Z650, die als direkter Nachfolger der beliebten ER-6n diente. Schon 2017 erfreute das kompakte Zweizylinder Naked Bike mit sehr zugänglichen Tugenden und bot ein angenehm neutrales Paket, das für keinerlei unangenehme Überraschungen sorgte, aber trotzdem sehr ehrlichen Motorradspaß brachte. Wo wurde der Rotstift also angesetzt?

Kawasaki Z650 Optik – Sugomi in voller Pracht!

Nicht falsch verstehen – die alte Z650 war ein fesches Motorrad, doch im Vergleich zur Konkurrenz machte sie einen sehr schmalen und beinahe schüchternen Eindruck. Für 2020 setzte man sich deshalb bei Kawasaki an das Zeichenbrett und gab dem Naked Bike die Sugomi-Behandlung. Unter diesem Begriff aus dem Land der aufgehenden Sonne versteht die grüne Fraktion ihr aktuelles Design der Z-Baureihe: Aggressiv, gedrungen, kompakt. Gelungen? Absolut!

Am steilen Tank der Z650 finden wir nun seitlich neue Verkleidungen des Kühlers, die dem Bike deutlich breitere Schultern geben und mit ihrer Vorwärtsneigung alleine im Stand Sportlichkeit suggerieren. Auch die Maske bekam eine wohlverdiente Frischzellenkur und punktet nun nicht nur mit einer neuen Form – die stark an die neue Kawasaki Z900 erinnert – sondern erstrahlt nun auch mit einem kräftigen LED-Scheinwerfer. Am Heck tat sich bis auf einen dicker gepolsterten Sozius-Sitz dafür reichlich wenig, das Rücklicht in Z-Form lockt beim Anblick aber immer noch ein Schmunzeln hervor.

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Braver Z650 Motor bringt genug Leistung auf den Asphalt

Bei der Präsentation auf der EICMA 2019 gab es in den Kommentaren unserer Social Media Kanäle Verwunderung, dass Kawasaki nicht mehr Leistung in den DOHC-Zweizylinder füllte. Doch ganz ruhig: die Kawasaki Z650 wiegt fahrbereit nur 188 Kilogramm! Damit kommt der 649 ccm große Motor mit seinen 68 PS bei 8.000 U/min und 64 Nm bei 6.700 U/min ganz entspannt zurecht und überrascht gleichzeitig mit seiner kräftigen Mid-Range-Power. Explosionsartige Leistungsschübe sollte man jedoch nicht erwarten – gleichmäßig und berechenbar dreht der Zweizylinder bis knapp über 10.000 Umdrehungen, bis der Drehzahlbegrenzer einsetzt.

Ein interessantes Phänomen an der neuen Z650 ist ihr Sound. Der Katalysator wurde vergrößert, während der Auspuff an Länge verlor (aus Gründen der Emissionen), was im Stand immernoch für ein sattes Blubbern sorgt. Im Sattel unter Volllast bekommt man davon aber gehörig wenig mit, denn die für 2020 modifizierte Airbox übernimmt hier den Ton. Mit einem tiefen Grunzen inhaliert sie den Fahrtwind und gibt das Gefühl eines deutlich mächtigeren Motorrads! Ist das der Schritt in die Zukunft? Der Sound, den die Auspuffe aufgrund von Euro-Normen nicht mehr generieren können, wird nun von der Ansaugung übernommen? Nach der Fahrt mit der Z650 hätten wir nichts dagegen!

Fahrwerk der Kawasaki Z650 – unscheinbar, aber in der Klassenstreber!

Fahrwerksabstimmungen der Naked Bike Mittelklasse sind immer ein schwieriges Thema. Viele Hersteller wollen genug Komfort für den Alltag übriglassen, was bei forscher Gangart zu schwammigem Fahrverhalten führt. Hier spielt die Kawasaki eine Stärke aus, die man ihr auf den ersten Blick vielleicht nicht zutraut. Die 41 mm Teleskop-Gabel ist optisch nun mal eben keine USD-Gabel, doch auf der Landstraße beweist sie, dass Optik nicht alles ist! In Kombination mit dem in Federvorspannung einstellbaren Federbein zirkelt das Fahrwerk die Z650 stabil von Radius zu Radius, ohne das Gefühl von Unsicherheit zu geben. Ihr Gewicht und der kompakte Radstand von 1.410 mm spielen ihr hier natürlich in die Karten. In der Stadt kann man sich hingegen wegen fehlenden Komforts nicht beschweren – so muss das sein!

Mitschuld am spielerischen Handling hat natürlich auch die neue Serienbereifung von Dunlop. In den Dimensionen 120/70-17 (Front) und 160/60-17 (Heck) wurde der Sportmax Roadsport 2 aufgezogen, der auch bei den kühlen und teils feuchten Bedingungen während unseres Tests für transparentes Feedback sorgte.

Integriertes Fahren auf niedriger Sitzhöhe

In den letzten Jahren hat sich die Kawasaki Z650 den Ruf als beliebtes Fahrschulmotorrad angeeignet. Während dieser Begriff fälschlicherweise negativ behaftet ist, sollte er nämlich viel mehr als Kompliment für die Zugänglichkeit der Z650 gewertet werden! Wirklich, denn mit der Sitzhöhe von 790 mm und dem schmalen Schnitt der Sitzbank wird es nur wenige PilotInnen geben, die keinen sicheren Stand an der Ampel finden. Auf Wunsch kann im Zubehör ein 30 mm höherer Sattel geordert werden (Sitzhöhe 820 mm), doch eines sei gleich gesagt: Große PilotInnen sollten sich lieber bei anderen Z-Modellen, wie der neuen Z900, umsehen.

Grund dafür ist unter anderem der scharf gezeichnete 15 Liter Tank, der weit nach oben gezogen wurde. Er bietet dank seiner Linienführung hervorragenden Halt an den Knien, was bei langen Beinen vielleicht knapp werden könnte. Doch die Verbindung zwischen niedriger Sitzhöhe und hochgezogenem Kraftstofftank gibt das Gefühl, tief integriert zu sitzen. Anstatt von oben herab, zirkelt man verbunden mit der Maschine durch die Kurven. Ein Gefühl von Sicherheit, das ungeübten FahrerInnen zugutekommt!

Kawasaki Z650 2020 Bremsen: klarer Druckpunkt wird gesucht!

Kawasaki zielt mit der Z650, wie auch bereits mit der ER-6n, auf Leute ab, die ihr erstes großes Motorrad kaufen. Deshalb dürfen auch die Bremsen beim ersten Zupacken keine Angst vermitteln. Die 300 mm große Doppelscheibe mit Nissin 2-Kolben-Bremssattel und die 220 mm große Einzelscheibe mit Einkolben-Sattel bremsen zuverlässig und mit einer klassentypischen Stärke – trotzdem verbreitet sich während der Fahrt der Wunsch nach mehr! Doch nicht unbedingt nach mehr Bremsleistung, sondern eher nach einem klar definierten Bremspunkt. Wann die Bremsklötze das erste Mal zugreifen wird während der Fahrt nämlich nicht klar, was bei einem solch sportlichen Gesamtpaket etwas traurig stimmt.

Für keine Enttäuschung sorgte hingegen Kawasakis bewährte Assist- und Slipper-Clutch. Diese erleichtert nicht nur den Zug an der Kupplung enorm (nur ein Finger nötig!), sondern sorgt auch für mehr Sicherheit beim Herunterschalten. Die Forcierung dieser Technologie in der gesamten Modellpalette ist definitiv der richtige Schritt. Hut ab, Kawasaki!

TFT-Display auf der Kawasaki Z650 – First in Class!

Betrachtet man die direkte Konkurrenz bestehend aus Honda CB650R, Suzuki SV650 und Yamaha MT-07, wird die Z650 als einziges Motorrad mit einem 4,3 Zoll TFT-Display ausgestattet (KTM 790 ausgenommen, die spielt in der Klasse darüber). Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern bietet auch Vorteile in der Ablesbarkeit und der Connectivity. Die Darstellung (Bild in der Galerie) ist klar verständlich und bietet alles, was man während der Fahrt sucht und benötigt: Ganganzeige, Geschwindigkeit, Drehzahl, Tankfüllstand, Tripzähler und der aktuelle Verbrauch sind auf einen Blick ersichtlich. Letzterer lag im Übrigen während unserer Testfahrt bei 5,6 Liter / 100 km, wobei wir hier von sehr flottem Tempo reden.

Kawasaki Z650 Bluetooth Connectivity

Die gerade erwähnte Connectivity findet in Form der Kawasaki ‚Rideology‘-App statt, die sowohl für iOS, als auch für Android frei erhältlich ist. Nachdem Motorrad und Smartphone per Bluetooth verbunden sind, zeichnet die App alle Daten des Motorrads auf und stellt sie zur späteren Überprüfung klar verständlich dar. Einzig das Feature des Riding Logs – also der Routenaufzeichnung – hat nicht zu 100 Prozent funktioniert. Die grobe Strecke war korrekt, doch folgte sie nicht dem Straßennetz, sondern war viel mehr ein Zick-Zack zwischen einzelnen Punkten, an denen das GPS-Signal wohl am stärksten war. Per Updates lässt sich das bestimmt auch noch korrigieren.

Kawasaki Z650 Farben, Zubehör und Preis

KäuferInnen steht eine Auswahl an klassischen Kawasaki-Farben zur Verfügung: Schwarz, Grün-Schwarz und Weiß. Wir fuhren die Z650 in klassischem Schwarz, was durch zahlreiche Grüne Akzente jedoch deutlich aufgepeppt wurde. Zusätzlich kann noch eine Reihe an Zubehör bestellt werden, das von Seitentaschen, bis LED-Blinker reicht.

Aktuelle Preise der Kawasaki Z650 findet ihr am 1000PS Motorrad Marktplatz: Neue und gebrauchte Kawasaki Z650 kaufen.

Natürlich könnt ihr die Kawasaki Z 650 auf der Swissmoto bewundern.

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Fazit: Kawasaki Z 650

Einfach herrlich, was Kawasaki für ein komplettes Paket mit der neuen Z650 geschnürt hat. Die technischen Komponenten mögen im Einzelnen vielleicht nicht vom Hocker hauen, doch in Verbindung ergeben sie ein angenehm neutrales Motorrad, mit dem jeder/jede viel Freude haben wird. Keine zickigen Eigenheiten - einfach ein Naked Bike das auf kurvigen Landstraßen richtig gut funktioniert. Als Plus kommt natürlich das TFT-Display hinzu, das wir bei der Konkurrenz zurzeit noch nicht finden, sowie die erwachsene Optik, die sich stark an den größeren Z-Modellen orientiert. Nur der Druckpunkt der Vorderbremse hätte klarer definiert werden können - in dieser Preisklasse kann man aber eben nicht alles haben.


  • durchzugsstarker Zweizylinder
  • aggressives Ansauggeräusch
  • kompakte Ausmaße
  • niedrige Sitzhöhe
  • stabiles Fahrwerk
  • TFT-Display mit Connectivity
  • erwachsene Optik
  • Druckpunkt der Vorderbremse
  • für große FahrerInnen wahrscheinlich unbequem
  • Rideology App bedarf noch an Updates

Bericht vom 16.01.2020 | 15.221 Aufrufe

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