Yamaha WR 450 F 2016 Test

Yamaha WR 450 F 2016 Test

Edi E testet die neue Yamaha Enduro

Yamaha komplettiert mit seiner neuen WR 450 F ihre 4-Takt Enduropalette und ist mit einem Schlag wieder voll im Geschäft!

Wenige Tage vor Abflug in den sonnigen Süden der Anruf aus der Redaktion, ob ich Zeit für die Präsentation der Yamaha hätte. Zeit für die neue WR? Soviel Zeit muss sein, kommt ja nicht so oft vor, dass ein japanischer Hersteller eine neue Enduro in die Auslage stellt.

Nun, nachdem der Spaß auch schon wieder vorbei ist, ich bereits am Flughafen alle Shops durch habe und der Anschlussflug noch eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten lässt, ist der wohl perfekte Zeitpunkt, die noch frischen Eindrücke auf Papier zu bringen, bevor mich der Büroalltag wieder in Besitz nimmt.

Bruce Wayne oder doch Batman?

Eigentlich ist die Präsentation eines einzigen Modells eine einfache Aufgabe, doch diesmal war es anders. Wovon soll ich euch berichten, von dem netten Bruce Wayne oder von Batman?

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Neue WR: Racing-orientiert

Aber bevor es soweit ist noch etwas Background technischer Natur. Yamaha hat vor einem Jahr die neue WR 250F an den Start geschoben. Demselben Konzept folgte nun die große Schwester. Man nehme eine sehr erfolgreiche Motocross ( Roman Fevre wurde heuer Weltmeister in großen Klasse) und adaptiere diese auf 100% Enduro. Dass da nichts Schlechtes dabei raus kommen kann, liegt auf der Hand. Aber wenn man die Japaner kennt, wird da nicht gehudelt sondern zu 100% durchgedacht. Vor Ort war auch der japanische Sensei und erklärte, warum Yamaha nun wieder ein scharfes Auge auf den Offroadsport geworfen hat. Der Endurosport wächst in Europa und da will man den Zug nicht verpassen, daher wurden die neuen WR Modelle ganz klar auf Racing getrimmt. Diese Aussage ist wesentlich, denn bislang wurden die Yamaha Offroader für einen weltweiten Offroadmarkt entwickelt. Mit der neuen WR 450 F wird gezielt auf die Enduro Racing Szene inklusive Rallye Raid und nicht mehr Dualsport Bikes.

Motor und Rahmen Yamaha WR 450 F 2016

Motor und Rahmen sind quasi ident mit der MX, Letzterer ist übrigens sowohl in der 250er als auch in der 450er im Einsatz und wurden für den Enduro Einsatz nur in den Aufhängungen flexibler gestaltet. Das „Reversed Engine“ Konzept, also den umgekehrten Motor mit der Gemischaufbereitung vorne und dem Auslass hinten setzt sich auch in der WR fort. Der Vorteile des nach hinten geneigten Zylinders sorgen für eine zentralere Gewichtsverteilung, ebenso die Auspuffführung rund um den Zylinder welche damit auch die Auspuffanlage in der Gesamtlänge verkürzt. Ebenso Yamaha Unikat der Luftfilter hinter dem Zylinderkopf.

Neuerungen Yamaha WR 450 F 2016

Diese Positionierung hat nicht nur den Vorteil, dass Flussquerungen den Schrecken verlieren, sondern nimmt auch weniger Staub auf als klassisch positionierte Luftfilter. Davon konnten wir uns nach 190 sehr staubigen km selbst überzeugen. Der meiste Staub wird nämlich vom eigenen Hinterrad aufgewirbelt und herkömmlich angesaugt. Was gibts sonst noch Neues? Die vordere Bremsscheibe wuchs auf beachtliche 270 mm, der Zündschalter ist gefallen und nun reicht der Yamaha auch endlich nur der Startknopf zum zünden des Aggregates. Die Fußrasten wurden um 5mm gesenkt, der Motor kommt mit 4 Ventilen aus und bekam 3 Kolbenringe. Um einen kühlen Kopf zu behalten, wurde serienmässig ein Lüfter verbaut.

Kurze Eingewöhnung

San Jose, nullachthundert, die WR warmgelaufen, die Hebel justiert, Frans Verhofen, Rallye Fux aus Holland hat die Brille schon auf, 190 scharfe Km warten auf uns. Wir starten genau auf der Ranch wo schon Clint Eastwood für eine Hand voll Dollar ausgeritten ist ins Tal des Todes. Wie sich im Nachhinein heraus stellt, sollte ich genau dort in die Knie gezwungen werden, quasi von hinten erschossen. Die Sonne im Anschlag die Welt auf ein Neues zu erobern ritten wir ein paar Dutzend Km auf typischen Rallyraid Pisten um uns auf die WR einzuschießen. Die Eingewöhnung dauerte nicht lange und ich hatte schon ein sehr heimeliges Gefühl auf der WR.

Fast schon zu stark

An die breitere Front hat man sich schnell gewöhnt. Die größere Bremsscheibe war eine super Entscheidung und passt perfekt zur Racingperformance. Die Seilzugkupplung ist zwar etwas schwerfälliger als die der kleinen Schwester, aber immer noch im grünen Bereich, auch nach fast 200 km pro Tag. Auf einem eigens angelegten Extremtest mit super-rutschigem Untergrund war das etwas schärfere Mapping, das uns voreingestellt wurde, fast schon zuviel Leistung; wenig später auf einem Crosstest im tiefen Sand mit fetten Anliegern war die WR dann voll in Ihrem Element. Sie liegt super satt, lässt sich einfach in die Kurven drücken.

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Leicht trotz StVO

Die Balance war in der Grundabstimmung etwas kopflastig. Kurz vor High Noon im Flussbett Tal des Todes ließen wir die WRʻs richtig fliegen. Die Staubentwicklung war enorm. Aber die Strecke und das tolle Fahrwerk der Yamaha verleitete zu Übermut, viel Übermut. Aus einer Staubwolke tauchte dann eine Geländekante auf und ich im Staub ab. Der Impact war hart aber die Gabel der WR hat zuvor noch viel Energie abgefedert, den Rest nahm der Lenker und der Auspuff auf. Als sich der Staub verzogen hatte barg ich die WR, und da die nächste Erkenntnis: Trotz des ganzen StVo. Zeugs fühlt sich die Yamaha nicht schwer an, genaue Gewichtsangaben konnte ich vor Ort nicht überprüfen.

Standard-Mapping für Topzeiten

In der Mittagspause wurde dann die Gabel um 5 Klicks in der Compression härter gestellt und fühlte sich anschließend super ausbalanciert an. Das Mapping wurde zum Vergleich mit dem Powertuner auf Standard gestellt und eine WR mit Akrapovic und voller Leistung begleitete uns für den Rest des Tages. Danach folgten wir dem Rio Bravo für 30km, zumindest sah das Flussbett so aus. Mit dem Standard Mapping läuft die WR unten raus schön rund und über das ganze Drehzahlband linear und unspektakulär aber effektiv. Dann war die Akrapovic WR an der Reihe. Was soll ich sagen, what the hell? Was für eine Waffe. Wie kann ein und das selbe Motorrad mit einem anderen Auspuff und anderem Mapping so verschieden sein. Mit der vollen Leistung fühlte sich die WR sehr befreit an, der Motor drehte spritzig und fühlte sich um 10 kg leichter an, der Fun Factor war auf 100%, ein Monster, ein geiles. Doch so geil es auch ist, die Stoppuhr auf der Enduroprüfung sprach eine andere Sprache, das effektive Standard Mapping sorgte für Topzeiten, die Monster WR für viel Applaus und noch mehr Spaß.

Aber egal, das Wesentliche was uns die Yamaha Leute uns zeigen wollten gelang ihnen. Mit der WR 450F kauft man eine Enduro und kann mit dem Powertuner, der leider als Zubehör geordert werden muss, in einer Minute entweder eine sanfte Enduro zum Endurowandern haben oder eben eine Erzberg Prolograkete, Je nach dem wo hin man gerade fährt. Die neue Welt der elektronischen Einspritzung hat halt auch seine Vorteile. Doch was bleibt über am Ende des Tages?

Testberichte Neuheiten 2016

Fazit: Yamaha WR 450 F

Die neue WR 450F ist eine waschechte Racingenduro die technisch und innovativ in der ersten Reihe steht. Ein Kayaba Fahrwerk, das im Serienbau seinesgleichen sucht, Bremsen die top sind. Ein etwas größerer Tag wäre noch fein und etwas mehr „Vergaserfeeling“ im Drehzahlkeller. Aber das Beste sind die Möglichkeiten, die mittels Powertuner unkompliziert geboten werden.

1
Vorteile
  • größere Bremsscheibe
  • Luftfilter hinter Zylinderkopf
  • zentrale Gewichtsverteilung
  • agiles Handling
1
Nachteile
  • Powertuner Zubehör
  • etwas kopflastig

Bericht vom 16.12.2015 | 27.374 Aufrufe

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