Triumph Bonneville T120 Black Test 2016

Triumph Bonneville T120 Black Test 2016

Schwarze Schale, starker Kern

Mit 80 PS und 105 Nm will Triumph nun auch jene Klassikfans zufriedenstellen, die sich eine stärkere Bonneville gewünscht haben.

Ich habe einen Uhrmacher kennengelernt, der meinte, in den Sechzigerjahren wurden die besten Uhrwerke gebaut und er würde für seine Eigenkreationen deshalb nur Kaliber aus dieser Zeit verwenden, selbst wenn es heute viel modernere, genauere Mechanik gibt, als vor 50 Jahren. Auch die Designs von damals werden immer öfter imitiert und rekreiert, sodass man tatsächlich glauben könnte, früher wäre alles besser gewesen.

Bonneville 2016: 80 PS und 105 NM (bei 3.100 U/min)

Im Motorradbau ist es ähnlich, nur werden hier Rahmenbedingungen von der Politik zum Wohle der Allgemeinheit geschaffen, die einen technischen Stillstand beim Antrieb gar nicht zulassen. Die Technik muss also immer sparsamer, immer umweltfreundlicher und immer leiser werden, während wir uns nach der Optik der guten alten Zeit sehnen. Denn scheinbar sind viele der Meinung, Motorräder waren schon mal schöner.

Zu jenen Marken, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten eine Modellfamilie stringent und herkunftsfreu durch die Geschichte führen, gehört Triumph. Deren Bonneville darf bereits ihren Sechziger feiern und sieht dabei besser aus als je zuvor. Kein Wunder, wurde sie doch kräftig aufgespritzt . Die Zeit der Unschuld ist mit dem flüssigkeitsgekühlten 1200er Parallel-Twin in der High Torque-Variante endgültig vorbei. Er leistet bei 6.550 Touren maximal 80 PS, das Drehmoment von satten 105 Nm steht schon bei 3100 U/Min. an.

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Klassik nach EURO4-Norm

Die notwendigen Modernisierungsmassnahmen am Motor entsprechend der EURO4-Norm fallen optisch kaum auf, die saubere Integration aller Komponenten stand auf Seite eins des Pflichtenhefts der Ingenieure. Die neue Bonnie sieht kräftiger aus, aber nicht dicker, moderner, aber nicht modisch, im Profil ein Anblick nobler Reinheit. (Man beachte die makellose Krümmer-Auspuff-Linie!)

Trockengewicht 224 kg. Verbrauch nur 4,5 l.

Wie ihre sportliche Schwester Thruxton wurde auch ihre Fahrdynamik durch einen kürzeren Radstand, weniger Nachlauf und einen steileren Lenkkopfwinkel verbessert. Das Trockengewicht beträgt 224 kg, der Tankinhalt 15 l. Man kann von einem vollgetankten Gewicht von etwas über 240 kg ausgehen. Das sind um mindestens 13 kg mehr als das alte Modell mit dem 865 cc Motor. Dieser Zunahme stehen allerdings auch ein Plus von 12 PS und 37 Nm gegenüber und ein Verbrauch von lediglich 4,5 l auf 100 km. (Im Test bei ca. 4,7 l)

Traktionskontrolle, Fahrmodi

Weil heute sogar 125er Roller eine Traktionskontrolle haben, lässt die Bonneville auch dieses Sicherheitsfeature nicht missen. Es ist ebenso serienmässig mit an Board wie ein ABS und die beiden Fahrmodi Rain und Road. Möglich macht das natürlich ein Ride-by-Wire. Die umfangreiche Serienausstattung wird durch LED-Beleuchtung, eine Wegfahrsperre, einen Hauptständer und eine USB-Steckdose komplettiert.

Pirelli Phantom Sportscomp in 18 und 17"

Die Sitzhöhe von 785 mm macht die Bonnie zu einem zugänglichen Motorrad, die klassische Optik strahlt amikale Heiterkeit aus. Ein Motorrad wie ein Freund. Die „Black“-Variante, die es in ganz, ganz Schwarz und Graphit/Schwarz gibt, nimmt es zwar etwas ernster, man muss trotzdem keine Angst vor der Frau in Schwarz haben. Das Fahrwerk liefert Kayaba in Form einer 41 mm Gabel und zwei Federbeinen, vorne wie hinten mit 120 mm Federweg. In der Gabel steckt eine 18“ Speichenfelge, in der Schwinge eine in 17“, bereift mit Pirelli Phantom Sportscomp.

Ein altes Lederfauteuil

Man fühlt sich wie in einem alten Lederfauteuil, wenn man sich auf der flachen Sitzbank der Bonneville niederlässt, auch wenn es sich um Kunstleder handelt, in das die Nähte teilweise geprägt sind. So, wie man uns nur mit der Thruxton R fahren liess, bot man uns nur die Bonnie Black zur Testfahrt an. Das klingt jetzt unfairer, als es ist. Im Gegensatz zur Thruxton und Thruxton R gibt es bei den Bonnies keine technischen Unterschiede.

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Maximaler Genuss bei minimaler Drehzahl

Zwei 310 mm Scheiben und Nissin Doppelkolben-Schwimmsättel mit ABS-Unterstützung haben den 80 PS ordentlich was entgegenzusetzen, hinten hilft bei Bedarf ein Doppelkolben-Schwimmsattel mit 255 mm Bremmscheibe zur Stabilisation beim Anbremsen und in engen Kurven. Der Motor ist für maximalen Genuss bei minimalen Drehzahlen optimiert, dennoch lässt er sich hochdrehen bis ca. 7.000 Touren, ohne, dass man das falsch finden könnte. Aber: Es mag sein, dass mit solchen Motorrädern früher Rennen gefahren worden sind, heute sollte man das lieber nicht mehr.

Komfortzone zwischen 3000 und 4000 U/min.

Die Komfortzone des 1200ers liegt zwischen 3.000 und 4.000 Touren, wer sich in und um diese bewegt, der spürt die geballte Faust und die zarte Hand des grossen Parallel-Twins, gleichzeitig. Es ist die wunderbare Leichtigkeit des Seins, die sich hier offenbart. Es läuft, genau hier, genau jetzt, genau in diesem Mass. Man kann nichts wegnehmen und nichts hinzufügen, um das Leben gerade besser zu machen. Zwischen 3.000 und 4.000 Touren will man bleiben, giert nicht nach mehr und wünscht sich nicht weniger. Wer zu hetzen beginnt, wird merken, dass in der Brust mehr Kraft steckt als in den Beinen, das Fahrwerk stösst irgendwann an seine Grenzen, die Schräglagenfreiheit ist ohnehin stark begrenzt. Beim Einlenken darf man nicht versuchen, sie über den Lenker in den Radius zu zwingen, sondern muss versuchen, sich synchron mit ihr zu bewegen, als eine Einheit.

Stark genug

Die Bonneville ist in dieser Art und Weise jetzt sicher stark genug, mehr Leistung würde mehr Fahrwerk bedeuten. Vielleicht wirkt deshalb die Street Twin noch etwas harmonischer, die noch stärker auf Drehmoment setzt als die grosse Halbschwester. Zum Geniessen würde mir diese mit ihren 54 PS reichen, für eine sportlichere Gangart stiege ich auf eine Thruxton. Aber ich kann den Wunsch vieler Klassikfreunde nach einer Bonnie mit mehr „Moach“ verstehen. Und Triumph ist den Erwartungen mehr als gerecht geworden.

Mehr als 160 Zubehörteile

Der Individualisierung sind mit mehr als 160 Originalzubehörteilen kaum Grenzen gesetzt, ich finde die Standardversionen schon so schön und würde dem kaum etwas hinzufügen wollen. Individuell genug sind die Preise, fast jede Farbvariante kostet unterschiedlich viel, die teuersten sind die Zweifarblackierungen. Ein bisschen zu jung fühle ich mich noch auf der Bonnie und sattle deshalb auf die Thruxton R um, die mich diese Saison begleiten wird. Doch wenn die Aufregung auf der Rennstrecke, der Stress in der Arbeit, das Heimweh auf Reisen wiedermal zu gross waren, dann werde ich mich nach der heilsamen Geborgenheit der alten englischen Dame sehnen.

Fazit: Triumph Bonneville T120 Black

Mit der neuesten Generation der Bonneville hat es Triumph geschafft, Vergangenheit und Geschichte mit Zukunft und Moderne zu verbinden. Die Optik ist rein und schön, die aktuelle Technik meisterhaft integriert. Der dicke Druck aus dem Drehzahlkeller wird genau das sein, was viele Klassikfans gesucht haben, um im Verkehr praktisch nirgendwo mehr unterzugehen. Die Bonneville ist noch immer und mehr denn je ein Genussmotorrad par excellence.

1
Vorteile
  • drehmomentstarker Motor
  • kaum Vibrationen
  • starke Bremsen
  • originale Optik
  • viel Originalzubehör
1
Nachteile
  • dürftige Schräglagenfreiheit
  • Fahrwerk mittelmäßig

Bericht vom 15.03.2016 | 57.873 Aufrufe

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