Ducati Streetfighter V2 vs. V4: Duell auf der Landstraße

Spanische Sonne, endlose Kurven und zwei Extreme

Die Bedingungen waren ideal: Sonne, trockener Asphalt und kurvige Straßen rund um Barcelona. Genau hier traten die Ducati Streetfighter V2 S und V4 S direkt auf der Landstraße gegeneinander an. Zwar sind beide Modelle bekannt und wurden bereits getestet, doch die direkte Gegenüberstellung der neuen, stark überarbeiteten Generationen liefert eine frische Perspektive. Bei den Vorgängern zeigte sich, dass die kleinere Variante auf öffentlichen Straßen deutlich praxistauglicher war als das leistungsstarke Flaggschiff. Ob sich dieses Bild auch bei den neuen Modellen bestätigt, soll dieser Test klären.

Ducati Streetfighter V2 S: Leicht, direkt und fokussiert

Die Ducati Streetfighter V2 S (Modelljahr 2025) präsentiert sich als komplett neu entwickeltes Motorrad mit klarem Fokus auf die Landstraße.


Mit 120 PS, 93 Nm und einem fahrbereiten Gewicht ohne Sprit von nur 175 Kilogramm bringt sie genau jene Zutaten mit, die in diesem Einsatzbereich entscheidend sind: geringes Gewicht, hohe Agilität und einen direkten Charakter.


Herzstück ist der neue 890-Kubik-V2, der kompakter und deutlich leichter geworden ist. Die reine Leistung mag auf dem Papier geringer erscheinen als beim Vorgänger – entscheidend ist jedoch, wie effizient diese Leistung auf der Straße genutzt werden kann.


Genau hier setzt die V2 an: zugänglich, lebendig und darauf ausgelegt, im realen Straßenbetrieb zu funktionieren – nicht nur auf dem Datenblatt.


Ducati Streetfighter V4 S: Leistung neu definiert

Die Ducati Streetfighter V4 S (Modelljahr 2025) stellt das andere Ende der Skala dar.


Mit 214 PS, 120 Nm und rund 189 Kilogramm fahrfertig ohne Sprit liefert sie Werte, die klar in Richtung Superbike gehen. Doch entscheidend ist nicht nur die Leistung selbst, sondern wie kontrollierbar und zugänglich sie geworden ist.


Im Vergleich zum Vorgänger zeigt sich die neue V4 S deutlich kultivierter. Sie wirkt souveräner, berechenbarer und im engen Kurvengeläuf überraschend gut kontrollierbar.


Gerade auf anspruchsvollen Landstraßen fällt auf, dass sie nicht nur mehr Performance bietet, sondern diese auch deutlich besser nutzbar macht.


Optik im Vergleich: V2 S vs. V4 S

Bereits im Stand wird klar: Die beiden gehören zusammen, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.


Die V2 S wirkt schlank, kompakt und reduziert. Ihr Design ist klar und aufgeräumt, der Knieschluss eng und sportlich. Der bewusste Verzicht auf Winglets unterstreicht den Fokus auf ein natürliches Fahrgefühl. Hier steht nicht maximale Aerodynamik im Vordergrund, sondern Zugänglichkeit und Leichtigkeit.


Die V4 S hingegen tritt deutlich präsenter auf – breiter, aggressiver und mit integrierten Winglets, die nicht nur optisch stimmig wirken, sondern auch funktional sind. Bei den Leistungswerten der V4 ergibt zusätzlicher Anpressdruck durchaus Sinn.


Unterm Strich: Die V2 ist reduziert und elegant, die V4 kompromisslos auf Performance ausgelegt.


Leistungsdaten & Sound: V2 S vs. V4 S

Ein Blick auf die Zahlen zeigt den klaren Unterschied:
- V2 S mit 120 PS, 93 Nm, 175 kg
- V4 S mit 214 PS, 120 Nm, 189 kg


Das Leistungsgewicht der V4 liegt rund 65 % über jenem der V2 – ein Unterschied, der sich auf der Straße deutlich bemerkbar macht.


Doch entscheidend ist das Fahrgefühl: Die V2 S überzeugt mit linearer Leistungsentfaltung und einer Zugänglichkeit, die ihresgleichen sucht. Ab mittleren Drehzahlen baut sich sauber Druck auf, ohne zu überfordern, und liefert genau in den Drehzahlbereichen ab, die im Alltag und auf kurvigen Landstraßen am häufigsten genutzt werden.


Die V4 S liefert dagegen eine andere Dimension. Ab mittleren Drehzahlen entfaltet sie eine massive, kontinuierliche Beschleunigung, die bis in höchste Drehzahlbereiche anhält.


Beim Quickshifter zeigen beide leichte Schwächen, ebenso bei der Gasannahme im unteren Bereich, bedingt durch die Euro5+-Abstimmung.


Was den Sound betrifft, so bleibt die V2 S zurückhaltender, aber charakterstark, mit dominantem Ansauggeräusch und angenehmer Präsenz.
Die V4 S wirkt deutlich extrovertierter: aggressiver Klang, intensiver Auftritt und ein Soundbild, das klar zur Leistung passt.


Leistungsdaten: V2 S vs. V4 S

KategorieStreetfighter V2 SStreetfighter V4 SDifferenz
Motor90° V2-Zylinder90° V4-Zylinder
Hubraum890 cm³1.103 cm³+213 cm³
Leistung120 PS bei 10.750 U/min214 PS bei 13.500 U/min+94 PS
Drehmoment93 Nm bei 8.250 U/min120 Nm bei 11.250 U/min+27 Nm
Gewicht Fahrbereit175 kg ohne Sprit189 kg ohne Sprit+14 kg
Leistungsgewicht0,69 PS/kg1,13 PS/kg+64 %

Geometrie, Ergonomie & Handling: V2 S vs. V4 S

Auf der Straße zeigen sich klare Unterschiede im Charakter: Die V2 S fährt sich intuitiv, leicht und gutmütig. Sie vermittelt schnell Vertrauen und lässt sich mühelos durch Kurven bewegen. Ein Motorrad, das sofort funktioniert.


Die V4 S verlangt mehr Einsatz. Sie ist frontlastiger, direkter und fordert eine aktivere Fahrweise, während sie gleichzeitig mit hoher Stabilität und präzisem Feedback überzeugen kann.


Der Unterschied liegt im Zugang, denn die V2 präsentiert sich einfach, berechenbar und zugänglich, während die V4 sportlicher, fordernder und trotz deutlicher Verbesserungen weiterhin anspruchsvoller bleibt.


Geometrie, Ergonomie und Handling: V2 S vs. V4 S

KategorieStreetfighter V2 SStreetfighter V4 SDifferenz
Radstand1.493 mm1.496 mm+3 mm (länger)
Lenkkopfwinkel24,1°24,5°+0,4° (flacher)
Nachlauf103 mm99 mm-4 mm (kürzer)
Sitzhöhe838 mm845 mm+7 mm (höher)
Lenkerhoch und breitbreit und leicht nach vorne orientiert

Fahrwerk, Räder, Reifen und Bremsen: V2 S vs. V4 S

Die V2 S setzt auf ein komfortorientiertes, voll einstellbares Öhlins-Fahrwerk, das Unebenheiten sauber verarbeitet und dennoch sportlich bleibt.


Die V4 S geht einen Schritt weiter: elektronisches Fahrwerk, höhere Steifigkeit und klarer Fokus auf maximale Performance.


Auch bei den Bremsen zeigen sich klare Unterschiede. Die V2 überzeugt mit starker, gut dosierbarer Verzögerung, während die V4 mit brachialem Biss und enormen Reserven auftritt, insgesamt aber deutlich schärfer und kompromissloser wirkt.


Fahrwerk, Räder, Reifen und Bremsen

KategorieStreetfighter V2 SStreetfighter V4 S
Federweg vorne/hinten120 mm/160 mm125 mm/130 mm
Federung vorneÖhlins NIX30 43 mm, voll einstellbare USD-Gabel mit TiN-BeschichtungÖhlins NIX30 (SV) S-EC 3.0 43 mm, voll einstellbare Gabel mit TiN-Beschichtung, elektronische Zug-/Druckstufenverstellung
Federung hintenVoll einstellbares Öhlins-Federbein, Aluminium-ZweiarmschwingeVoll einstellbares Öhlins TTX36 (SV) S-EC 3.0 Federbein, elektronische Zug-/Druckstufenverstellung, Aluminium Hollow Symmetrical Swingarm
RäderY-Speichen-Leichtmetallräder, vorne 3.50 x 17, hinten 5.50 x 175-Speichen-Schmiederäder aus Aluminium, vorne 3.50 x 17, hinten 6.00 x 17
ReifenPirelli Diablo Rosso IV, vorne 120/70 ZR17, hinten 190/55 ZR17Pirelli Diablo Rosso IV Corsa, vorne 120/70 ZR17, hinten 200/60 ZR17
Bremsen vorne2 x 320 mm halbschwimmend, Brembo Monobloc M50, radial, Bosch Cornering ABS2 x 330 mm halbschwimmend, Brembo Monobloc Hypure 4-Kolben, radial, Race eCBS
Bremse hinten245 mm Scheibe, 2-Kolben-Sattel, Bosch Cornering ABS245 mm Scheibe, 2-Kolben-Sattel, Race eCBS

Elektronik, Alltag & Kosten: V2 S vs. V4 S

Die V2 S wird bewusst einfach gehalten, bietet alle wichtigen Systeme und punktet dabei mit einer intuitiven, unkomplizierten Bedienung.


Die V4 S bietet ein deutlich umfangreicheres Paket mit Systemen wie dem Ducati Vehicle Observer und Race eCBS, die aktiv in das Fahrverhalten eingreifen.


Im Alltag zeigt sich die V2 klar im Vorteil:
- Bessere Alltagstauglichkeit in der Stadt und auf der Landstraße
- Geringerer Verbrauch
- Größere Reichweite
- Längere Serviceintervalle


Auch preislich liegt die V2 S deutlich unter der V4 S. Während sie in Deutschland bei rund 18.400 Euro startet, werden für die V4 S etwa 28.400 Euro fällig. Dafür bietet sie mehr Technik und Möglichkeiten, verlangt jedoch auch eine entsprechend höhere Investition.


Elektronik, Alltagstauglichkeit & Kostenkontrolle

KategorieStreetfighter V2 SStreetfighter V4 S
FahrmodiSport, Road, RainRace, Sport, Road, Wet
ElektronikRiding Modes, Power Modes, Cornering ABS, Traktionskontrolle, Wheelie Control, Engine Brake Control, Quickshifter up/down, Launch Control, Pit LimiterRiding Modes, Power Modes, Race eCBS, Ducati Vehicle Observer, Traktionskontrolle, Wheelie Control, Slide Control, Engine Brake Control, Quickshifter up/down, Launch Control, Pit Limiter, Ducati Slide Control
Display5 Zoll TFT6,9 Zoll TFT
BeleuchtungFull LED mit DRLFull LED mit DRL
Tankinhalt15 l16 l
Verbrauch5,3 l/100 km7,1 l/100 km
Reichweite~280 km~225 km
Ölwechsel15.000 km / 24 Monate12.000 km / 24 Monate
Ventilspielkontrolle45.000 km24.000 km
Listenpreis Deutschlandab 17.990 Euroab 28.390 Euro (+10.400 Euro)
Listenpreis Österreichab 21.295 Euroab 35.995 Euro (+14.700 Euro)
Listenpreis Schweizab 16´690 CHFab 28´290 CHF (+11.600 CHF)

Shoei NXR 2 im Ducati-Style

NoPain wurde mit dem tourentauglichen Shoei NXR 2 Integralhelm in auffälligem ”Shiny Red” ausgestattet – sportliche Performance trifft hier auf hohen Langstreckenkomfort. In Kombination mit dem photochromatischen Transitions-Visier, das sich automatisch an wechselnde Lichtverhältnisse anpasst, war unser Protagonist von den ersten Sonnenstrahlen bis in die Abendstunden bestens gerüstet.


Wir haben die Grenzen des edlen Visiers im Alltag und auf der Rennstrecke ausgelotet und berichten darüber in Kürze im 1000PS Performance Check.


Unser Streetfighter-Fazit: Zwei Wege, ein Einsatzgebiet, eine klare Empfehlung

Beide Streetfighter verfolgen unterschiedliche Ansätze, treffen aber am selben Ort aufeinander: der Landstraße. Die V2 S präsentiert sich dabei als das stimmigere Gesamtpaket – leicht, zugänglich und genau dort stark, wo sie im Alltag tatsächlich bewegt wird.


Die V4 S beeindruckt hingegen mit enormer Performance, moderner Technik und großen Reserven, verlangt dafür aber auch mehr Einsatz und Erfahrung.


Zwar lässt sich kein eindeutiger Sieger küren, wohl aber eine klare Empfehlung aussprechen: Für die meisten Landstraßenfahrer ist die V2 S die sinnvollere Wahl, während die V4 S jene anspricht, die maximale Performance suchen und bereit sind, diese auch auszuschöpfen.


Fazit: Ducati Streetfighter V4 S 2026

Auch wenn man hier eine 214PS Rakete unterm Hintern hat, lässt sich die neue V4 Streetfighter auch von Ungeübten dank ihrer angenehmen Leistungsentfaltung, des sehr stabilen Fahrverhaltens und der angenehmen Ergonomie sehr einfach fahren. Gerade die enorme Stabilität beeindruckt dabei am meisten für ein unverkleidetes Bike und hebt damit die neue Ducati deutlich über die Konkurrenz. Neben dem hohen Preis bleibt bei der neuen V4 dabei wohl die notwendige Selbstbeherrschung das größte Manko, um im Straßenverkehr nicht gleich in Handschellen abgeführt zu werden.


  • Hohe Stabilität
  • Starker Motor
  • Gute Rückmeldung
  • Gute Ergonomie
  • Preis
  • Servicekosten - Desmo
  • Einzelsitzer-Konfiguration (Sozius-Sitz nur mit Aufpreis)

Fazit: Ducati Streetfighter V2 S 2026

Mit der neuen Streetfighter V2 hat Ducati wirklich ein Highlight zu bieten. Auch wenn die 120PS vielleicht einige nicht vom Hocker reißen werden, punktet die Neue mit ihrer enormen Stabilität und Leichtigkeit. Sie bietet damit - und dank ihrer A2-Tauglichkeit - nicht nur dem Einsteiger einen guten Zugang, sondern auch dem versierten Fahrer jede Menge Fahrspaß. Trotz überschaubarer Leistung ist sie vor allem auf der Straße dank ihres durchdachten Gesamtkonzepts gut aufgestellt. Und für all jene, die am Stammtisch gerne mit Daten um sich werfen, hat Ducati mit der neuen V4 Streetfighter noch ein Ass im Ärmel.


  • Stabiles Fahrverhalten
  • Gutes Handling
  • Gute Ergonomie
  • Schaltautomat ist manchmal hakelig
  • Abgasführung zum Endschalldämpfer gewöhnungsbedürftig
  • Preis

Bericht vom 24.04.2026 | 2.587 Aufrufe

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