BMW R 12 G/S Test auf Gran Canaria
Diese GS fährt nicht ins Hirn, sondern direkt ins Herz
Gran Canaria, Sonne, Kollegen und ein Motorrad, das mehr fordert als es erklärt. Die BMW R 12 G/S ist keine bequeme Antwort, sondern eine ehrliche Frage an den Fahrer. Wir sind sie gefahren – und hatten dabei öfter hohen Puls als gedacht.
Emotionaler Einstieg zwischen Sonne, Kollegen und Respekt
Gran Canaria ist so ein Ort, der Motorrädern alles verzeiht. Sonne oft von früh bis spät, Asphalt wie frisch gebügelt und Kurven, die dir irgendwann am Nachmittag fast schon vertraut vorkommen. Wir waren mit mehreren BMW-Modellen unterwegs, die Kollegen gut verteilt, jeder irgendwo mit Helm unterm Arm und diesem leichten Zeitdruck im Nacken, den man bei solchen Terminen immer hat. Am Vortag die R 1300 GS, sehr intensiv, sehr logisch. Heute dann endlich die BMW R 12 G/S. Dieses Motorrad hat uns schon auf Fotos nervös gemacht. Schön, roh, ein bisschen provokant. Als wir dann davorstanden, irgendwann zwischen Vormittag und Mittag, war dieses Gefühl wieder da: Respekt. Nicht Angst. Respekt. Beim ersten Aufsteigen wirkt sie größer, schwerer, mächtiger als erwartet. Die Sonne steht schon hoch, irgendwo klappert Werkzeug, ein Kollege flucht leise und murmelt etwas über die Onboard-Kamera-Halterung. Und ich denke mir nur: Okay, Maria. Jetzt schau ma mal, wer hier wen erzieht.
BMW R 12 G/S - Was sie sein will und für wen sie es wirklich ist
Die BMW R 12 G/S ist kein Versuch, alles richtig zu machen. Sie will nicht everybodys Darling sein, sie will keine Excel-Listen gewinnen. Sie trägt das G/S nicht als Marketing-Aufkleber spazieren, sondern als Ansage. Das ist ein Motorrad für Menschen, die genau wissen, warum sie keine R 1300 GS fahren wollen. Nicht, weil die schlecht wäre. Im Gegenteil. Sondern weil sie zu angepasst ist. Zu glatt. Zu vernünftig. Die R 12 G/S richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die noch arbeiten wollen im Sattel. Körperlich und mental. Körpergröße spielt dabei eine größere Rolle, als viele zugeben wollen. Und ja, sie ist schwer beim Schieben. Deutlich schwerer, als sie aussieht. Das schränkt die Zielgruppe ein. Aber genau das macht sie auch ehrlich. Sie ist kein Motorrad für Einsteiger, kein Wohlfühlgerät. Sie ist für Leute, die fahren können und fahren wollen. Punkt.
Ergonomie und Alltag – schön, aber nicht nett
Im Sattel selbst überrascht sie uns. Positiv. Die Sitzbank schaut nach Designobjekt aus, fühlt sich aber erstaunlich komfortabel an. Kniewinkel passt für uns alle gut, der breite Lenker liegt satt in den Händen und gibt sofort dieses Gefühl von Kontrolle. Gleichzeitig sitzt man sehr offen im Wind. Windschutz ist de facto nicht vorhanden. Autobahn? Ja, geht. Will man aber nicht lange. Der Spritschutz ist ebenfalls überschaubar. Nach Regenfahrten schaut sie nicht mehr so instagrammable aus, sagen wirs wie es ist. Das Rangieren selbst bleibt der anstrengendste Teil. Für Personen um die 1 Meter 70 Zentimeter sind Wendemanöver ein echter Nervenkitzel und eine Planungsaufgabe. Ich bin 170cm groß, weiblich aber nicht schwach - doch beim Rangieren fühlte ich mich leider mickrig.
Für Sozius und Gepäck ist sie kein Naturtalent. Topcase schaut einfach falsch aus. Funktioniert vielleicht, fühlt sich aber an wie Socken in Sandalen.
BMW R 12 G/S Motor und Antrieb – roh, lebendig, manchmal frech
Der Boxer in der R 12 G/S hat etwas, das man heute selten findet. Er lebt. Beim ersten Zurückschalten hab ich gelacht. Wirklich gelacht im Helm. Kein automatisches Glattbügeln, keine Motorbremsregelung, die alles korrigiert. Wenn du kein Zwischengas gibst, stempelt sie. Wenn du grob am Gas bist, antwortet sie genauso grob. Die Lastwechsel sind deutlich spürbar. Das ist nicht immer bequem, aber immer ehrlich. Und trotzdem: kein Konstantfahrruckeln, kein nerviges Gezicke im Teillastbereich. Sie ist modern genug, um nicht zu nerven, aber alt genug, um Charakter zu haben. Auf der Autobahn schnurrt sie plötzlich ruhig dahin, fast unspektakulär. Dachte ich zuerst. Stimmt aber nicht ganz. Unter der Oberfläche ist immer dieses Gefühl von Spannung. Wie ein Hund an der Leine, der jederzeit losziehen könnte. Sound, Vibrationen, Druck alles präsent, alles fühlbar.
Fahrwerk und Handling – unvernünftig, aber bewusst
Vorne ein 21-Zoll-Rad, ein breiter Lenker, lange Federwege. Auf kurvigen Bergstraßen fühlt sich die R 12 G/S fast wie eine große, böse Supermoto an. Sie ist nicht so ruhig wie eine 1300 GS. Sie will geführt werden. Bei höherem Tempo kommt Unruhe rein, ein Hauch Nervosität. Bis etwa 140, 150 km/h fühlt sie sich wohl. Danach nicht mehr. Und das ist okay. Dafür ist sie nicht gemacht. Das Fahrwerk ist konventionell, kein Knopfdruck, kein automatisches Anpassen. Es ist eher straff abgestimmt, vermutlich aus gutem Grund. Sonst wäre sie noch instabiler.
Elektronik und Bedienung – reduziert, aber vertraut
Das Display ist klein. Wirklich klein. Aber es gibt einen analogen Tacho! Die Bedienlogik ist trotzdem BMW-typisch, also schnell vertraut. Alles dort, wo man es erwartet. Kein Spielzeug-Menü, kein Overkill. Wer will, bekommt sogar einen Drehzahlmesser angezeigt. Die Assistenzsysteme halten sich zurück. Sie greifen nicht ständig ein, sie lassen dich fahren. Das passt zum Charakter des Motorrads. Es fühlt sich nicht an wie ein digitales Produkt, sondern wie ein mechanisches. Und das meine ich positiv. Für mich war das nach den hochgerüsteten GS-Modellen fast schon befreiend. Weniger denken, mehr fühlen.
Bremsen und Vertrauen – das passt
Die Bremsen geben mir von Anfang an Vertrauen. Gute Dosierbarkeit, klarer Druckpunkt. Kein Drama, kein Überraschungsmoment. Gerade bei einem Motorrad, das vorne gerne leicht wird und hinten viel arbeitet, ist das wichtig. Das ABS greift nachvollziehbar ein, ohne Panik zu verbreiten. Auf der Straße, selbst wenn man es ein bisschen übertreibt, bleibt alles kontrollierbar. Vertrauen entsteht hier nicht durch Elektronik-Feuerwerk, sondern durch ehrliches Feedback. Und das funktioniert.
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Technische Eckdaten im echten Leben erklärt
Der große Boxer liefert massig Hubraumgefühl und Drehmoment, ohne sich wie ein altes Traktorherz anzufühlen. Das 21-Zoll-Vorderrad prägt das Handling stark, der lange Federweg sorgt für Reserven, aber auch für Bewegung. Die konventionellen Federelemente lassen sich manuell einstellen, hinten mit einem gut zugänglichen Verstellrad für die Federvorspannung. Kein elektronisches Fahrwerk, keine automatische Absenkung. Gewicht und Sitzhöhe verlangen nach körperlicher Präsenz.
Die Bekleidung und Ausrüstung
Auf den Bildern seht ihr eine Vanucci VSJ-6 Lederjacke, eine Vanucci VST-6 Lederhose, einen Nishua NTX-6 Sport Integralhelm, Vanucci VTB 16 Sympatex Stiefel und Vanucci VSG-2 Handschuhe. Hier die Informationen zur Marke Vanucci und zu den Produkten. Die Kommunikation zwischen unseren Maschinen ermöglichte das Cardo Packtalk Edge System, das in all unseren Helmen verbaut war. Für die Tourenplanung und Navigation kam Calimoto zum Einsatz, das sich besonders für kurvenreiche Strecken auf der Insel bewährt hat: https://calimoto.com/de/ Die Onboardaufnahmen machen wir mit unseren favorisierten ActionCam: AcePro2 von Insta360. Im Alltag begeistert uns vor allem das Flip-Display und die Stärke bei wechselnden Lichtverhältnissen.
Zubehör und Einordnung im Vergleich
Als Zubehör waren Sturzbügel montiert, praktisch und ehrlich. Für den Verleiher Canary Ride ein Segen, für uns ideal, um Kameras zu montieren. Im Vergleich zur R 1300 GS und zur GS Adventure ist die R 12 G/S klar unpraktischer, unruhiger, anstrengender. Bei den schnellen Überholmanövern auf der Autobahn wirkte sie auch wirklich etwas schwächer. Am Kurvenausgang wirkt sie weniger brutal, aber keinesfalls langweilig. Der Motor fühlt sich irgendwie besser dimensioniert an. Bei den 1300er Modellen wirkt der Motor eigentlich immer wieder mal zu brutal für eine Enduro - der hier ist goldrichtig!
Die BMW R 12 G/S ist kein Motorrad für alle. Sie fordert Körpergröße, Können und Lust auf Arbeit im Sattel. Wer das mitbringt, bekommt Charakter, Emotion und dieses leiwande Gefühl richtig Motorrad zu fahren.
1000PS Betriebsausflug Gran Canaria 2026
Zubehör und Tuning für die R 12 G/S - Unit Garage
Unit Garage an der BMW R 12 G/S trifft genau den Punkt zwischen Machbarkeit und bewusster Einschränkung. Hier geht es nicht um endloses Baukasten-Tuning, sondern um gezielte Eingriffe mit klarer Haltung. Fahrwerk, Schutz und Gepäck lassen sich spürbar aufwerten etwa mit dem kompromisslosen Öhlins-Gabelkit oder massiven Motorschutzlösungen, die der R 12 G/S im Gelände echte Reserven geben. Gleichzeitig setzt Unit Garage bewusst Grenzen: keine Komfort-Orgie, keine Touring-Übertreibung, kein alles geht immer. Windschutz, Elektronik-Spielereien oder ergonomische Feinanpassungen stehen nicht im Fokus. Das Ergebnis ist kein besser gemachtes Serienbike, sondern eine klar interpretierte Retro-Enduro. Wer maximale Anpassbarkeit sucht, wird anderswo glücklicher. Wer aber aus der R 12 G/S ein Motorrad mit Charakter, Konsequenz und ehrlicher Offroad-Attitüde formen will, findet bei Unit Garage genau die richtigen und eben nicht beliebigen Stellschrauben.
Gran Canaria 2026
Motorradfahren und feiern mit der 1000PS Crew
Die BMW R 12 G/S könnt ihr wie viele andere BMW-Modelle direkt beim Newchurch Summit ausprobieren. Und ja, wir reden hier vom Event-Highlight 2026. BMW fährt dort mit einem richtig großen Fuhrpark auf, und die 1000PS Community kann sich durch die komplette Palette testen, fühlen, vergleichen. Die Testbikes stehen von 25. bis 28. Juni bereit. Wir von der 1000PS Crew sind die ganze Summit Week vor Ort für Gespräche, Benzintalk, Probefahrten und natürlich auch für die eine oder andere Nacht, die ein bisschen länger wird. Wir freuen uns auf euch.
Fazit: BMW R 12 G/S 2025
Die BMW R12 G/S ist keine vernünftige GS, sondern eine emotionale. Sie richtet sich an große, erfahrene Fahrer, die Charakter, Direktheit und klassisches Boxer-Feeling höher bewerten als Komfort, Elektronik und Alltagstauglichkeit. Wer sie versteht und fahren kann, bekommt ein Motorrad mit echtem Charisma und seltenem Fahrspaß – alle anderen werden mit ihr nicht glücklich.- charismatischer luft-/ölgekühlter Boxer
- direktes, analoges Fahrgefühl
- überraschend komfortable Sitzbank
- stabiles, sportliches Fahrwerk auf guten Straßen
- hochwertiger Gesamteindruck
- eigenständiger Charakter
- mechanisch hochwertiger Gesamteindruck
- anspruchsvolle Sitzhöhe
- schweres Rangieren
- begrenzte Autobahntauglichkeit
- wenig Windschutz
- spürbare Vibrationen am Lenker
- spürbare Lastwechselreaktionen
Bericht vom 25.01.2026 | 5 Aufrufe