Test: thyssenkrupp-Carbonfelgen an der Ducati Streetfighter V4S

Rollende Leichtfüßigkeit

Carbonfelgen - edle Tuning-Parts mit mächtiger Wirkung. Doch wie schlagen sie sich im Vergleich zu Schmiedefelgen? Wir haben eine Ducati Streetfighter V4 S mit und ohne Carbonfelgen verglichen.

Text: Philipp Bednar

Der Streetfighter - ein wahres Traummotorrad

Fetische haben etwas Faszinierendes an sich: Sie klammern bewusste Entscheidungsparameter komplett aus und lassen Emotionen, Gelüste und Verlangen Überhand nehmen. Man muss ein Bike-Fetischist sein, um sich eine neue Ducati Streetfighter V4 S zu kaufen. Ein Hypernakedbike, wie es die Welt zuvor noch nicht gesehen hat: laut, stark, schön und extrem teuer. Aber: Mehr Superbike ohne Verkleidung geht kaum. Daher lässt sich Ducati den nackten Wahnsinn anständig bezahlen. Dafür bekommt man jedoch edelste Komponenten: Öhlins TTX-Fahrwerk - natürlich elektronisch-dynamisch. Brembo Stylema-Bremsen - das beißt, dass der berühmte Anker bemüht werden darf.

Marchesini-Schmiedefelgen, ultraleicht, herrlich schön. Das Vorderrad, mit Lager und Reifenventil, wiegt 3,1 Kilogramm. Das Hinterrad mit Reifenventil nur 3,5 Kilogramm. Wir sprechen hier von OEM-Felgen, mit voller Straßenzulassung, für den Sozius- und Gepäckbetrieb ausgelegt. Und trotzdem sind die Schmiedefelgen so leicht, dass man im ersten Moment glaubt, eine Magnesiumfelge in Händen zu halten. Und genau diese leichten Felgen verhelfen der nackten italienischen Schönheit auch zu ihrem leichtfüßigen, teils schon leicht kippeligen Fahrverhalten.

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Carbon auf der Ducati Streetfighter V4 S? Fehlanzeige!

Leider hat Ducati bei der Streetfighter - trotz S-Kürzel - auf jegliche Carbonteile vergessen - in der Serienauslieferung. Im Ducati Performance-Katalog findet sich allerhand Schönes aus geharztem Kohlenstoff. Nun teilen viele Ducati-Treiber einen ausgeprägten Carbonfetisch. Und das ist auch gut so, denn Carbon ist einfach ein geiler Werkstoff, der nicht umsonst in den rennsportlichen Königsklassen Standard ist. Und ausgerechnet thyssenkrupp jetzt jetzt eines drauf und hat 2019 die ersten straßenzugelassenen Carbonräder auf den Markt gebracht. Wer gern Denglisch spricht, könnte jetzt sagen: Das ist ein Gamechanger.

Carbonfelgen - Gewicht und Preis

Heuer hat thyssenkrupp nachgelegt und die Carbonfelgen für Einarmschwingen präsentiert. Grund genug für uns, gleich mal einen Satz für unsere TuneUp Ducati Streetfighter V4 S zu ordern. Standesgemäß, passend zum Dark Stealth Mattlack, im matten Finish. Können Carbonfelgen das ohnehin schon extrem leichtfüßige Handling der Streetfighter noch weiter verbessern? Und wie groß ist der Unterschied wirklich zu den leichten Schmiedefelgen? Bereits vor der Montage schockieren die Carbonfelgen mit Hammerwerten auf der Waage: Das Vorderradfelge wiegt gerade einmal 2,3 Kilogramm. Mit Radlagern und Reifenventil montagefertig. Die Hinterradfelge ebenfalls mit Reifenventil nur 3,1 Kilogramm.

Der thyssenkrupp Carbonfelgensatz für die Streetfighter V4 und Panigale V4 unterbietet die Schmiedeserienfelgen der S-Modelle um stolze 1,4 Kilogramm. Das sind knapp 23 Prozent Gewichtsersparnis. Und zwar genau dort, wo man es am meisten spürt: rotierende Masse, die ständig beschleunigt und abgebremst werden muss. Die Theorie lehrt: Das Handling müsste leichter sein, die Beschleunigung und das Abbremsen besser. Nachteile? Keine. Denn wer die Angst hätte, dass Carbonfelgen leichter brechen oder Risse bekommen können als Aluräder, der irrt.

Preis-Leistungs-Verhältnis der thyssenkrupp Carbonfelgen

Streng genommen sind die Belastungsspitzen, die die Carbonräder aushalten, sogar höher, da die thyssenkrupp-Felgen aufgrund ihres Flechtverfahrens auch einen gewissen Flex mitbringen, sprich einwirkende Kräfte etwas abfedern können. Das können zwar hochfeste aber auch sprödere Materialien wie geschmiedetes Aluminium oder Magnesium in der Form nicht. Der thyssenkrupp-Carbonfelgensatz in der Dimension 3,5 x 17 Zoll (vorne) und 6,0 x 17 Zoll (hinten) kostet in der glänzenden Ausführung 3.799 Euro, in der von uns getesteten matten Ausführung 289 Euro mehr. 1,4 Kilogramm Gewichtsersparnis zum Preis von 4.088 Euro. Pro eingespartes Kilo zahlt man demnach 2.920 Euro. Oder anders gerechnet: 4.088 Euro für 5,4 Kilogramm schweres Carbon. Ergibt einen Kilopreis von 757 Euro für die thyssenkrupp-Carbonfelgen in der matten Ausführung.

Fahrverhalten Carbonfelgen vs. Schmiedefelgen

Können 1,4 Kilogramm Einsparung das wert sein? Ja, leider. Ich fahre privat selbst eine Ducati Streetfighter V4 S - mit Schmiedefelgen. Beim Test konnte ich direkt von einer Streetfighter auf die nächste hupfen und den Vergleich herausfahren bei exakt gleichen Bedingungen: gleiche Strecke, gleiche Temperaturen, gleiche Reifen, gleiche Fahrwerkseinstellung. Und man spürt die Carbonfelgen sofort. Es ist kein Unterschied wie Tag und Nacht, aber er ist so groß, dass man bereits beim Abbiegen in erhöhter Schrittgeschwindigkeit spürt, dass etwas anders ist. Meine Befürchtung, dass die Streetfighter V4 S durch die Carbonfelgen noch kippeliger wird, eventuell sogar hyperagil, haben sich in keiner Weise bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: Im direkten Vergleich scheint mir das Handling mit den Carbonfelgen sogar neutraler aber trotzdem auch leichtfüßiger. Die Tendenz zum Kippeligen in engen Ecken mit eher kühlen Reifen ist spürbar geringer. Ab 60 km/h wird der Handlingvorteil richtig deutlich. In sehr schnellen Ecken (ca. Autobahntempo) ist das Handling einfach nur traumhaft. Von links auf rechts klappt man spielerisch um - noch spielerischer als mit den Schmiedefelgen, obwohl auch das schon ein Genuss an sich ist.

thyssenkrupp Carbonfelgen im Test
Der direkte Vergleich: Carbonfelgen gegen Schmiedefelgen.

Fazit Carbonfelgen

Verdammt ja, 4.088 Euro ist viel Geld für Carbonfelgen. Und in Relation zum Motorradneupreis ist es auch noch eine Menge. Aber: Das ohnehin einfache Handling der Ducati Streetfighter V4 S profitiert in jeder Fahrsituation von dem Räderupgrade. Man kann es sich auch schönrechnen: Die original Ducati Performance Carbon-Winglets (4 Stück) kosten 1.200 Euro, ohne echten Mehrwert außer minimaler Gewichtsersparnis und aufgewerteter Optik. Dagegen wirken die thyssenkrupp-Carbonfelgen zwar noch immer nicht wie ein Schnäppchen, aber für Carbonfetischisten und all jene, die wirklich nur Geld für ein Mehr an Performance ins Bike stecken wollen, sind die Carbonfelgen eine deutlich preiswertere und sinnvollere Investition. Und, um das nochmals hervorzuheben: Bei voller Legalität im Straßenverkehr, ohne Einschränkungen bei der Montage oder im Betrieb.

Bericht vom 09.09.2021 | 7.662 Aufrufe

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