KTM 390 Adventure vs. Honda CRF250L Vergleich 2020

Reiseenduro oder Dual-Sport?

Die KTM 390 Adventure hat in ihrer ersten Saison bereits bewiesen, wie viel Reiseenduro die Mattighofner in ein A2-Motorrad packen können. Doch wie schlägt sie sich gegen einen robusten und vielleicht schon ein wenig in die Jahre gekommenen Klassiker der Dual-Sport Klasse - die Honda CRF250L? Zwei unterschiedliche Bikes, die sich ähnlicher sind, als gedacht. Wir haben sie verglichen!

Experten, bzw. Liebhaber der CRF-Baureihe werden an der Farbe sofort erkennen, dass es sich nicht um eine CRF250L des Modelljahres 2020 handelt. Das liegt daran, dass es sich um die private Maschine der 1000PS IT-Sommerpraktikantin und Fahranfängerin Luise handelt, die uns bei diesem Test begleitet hat.

Die Honda CRF250L BJ 2018 im Überblick

Wer nun einen unfairen Wettbewerb, aufgrund des Alters der Honda, befürchtet, darf entwarnt sein: Das letzte Technikupdate kam 2017, weshalb unser Testexemplar noch immer Top-aktuell ist. Damals wurde nämlich (im Zuge der Umstellung auf Euro-4) der 249ccm große Einzylinder grundlegend überarbeitet und ihm eine Spur mehr Leistung verpasst. Die 250er Honda leistet somit 25 PS bei 8.500 Touren und das maximale Drehmoment von 22,6 Nm liegt bei 6.750 Umdrehungen an. Zusätzlich wurde dem Bike serienmäßig ein Zweikanal-ABS verpasst, das sogar die Option bietet, den Eingriff am Hinterrad zu deaktivieren - ein Muss für einen echten Offroader!

Abgesehen davon findet man keinerlei Elektronik-Spielereien auf der Honda CRF250L. Keine Fahrhilfen und auch das LC-Display wirkt aus heutiger Sicht sehr sehr rudimentär. Insbesondere wenn man es mit der KTM 390 Adventure vergleicht...

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Die KTM 390 Adventure BJ 2020 im Überblick

Selbstverständlich darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Während Honda die CRF als Dual-Sport positioniert, stellt KTM mit der 390 Adventure eine langstreckentaugliche Reiseenduro auf die Beine. Deshalb profitiert sie auch vom umfangreichen Elektronikpaket, das wir bereits aus den hubraumstärkeren Adventure-Modellen kennen. Das umfasst ein perfekt ablesbares TFT-Farbdisplay, Kurven-ABS mit Offroad Funktion, schräglagenabhängige Traktionskontrolle (MTC) und den optionalen Quickshifter, der bei unserem Testfahrzeug verbaut war. Gepaart wird all dies mit dem bekannten 373 ccm großen Einzylinder mit 44 PS bei 9.000 Umdrehungen und 37 Nm bei 7.000 Umdrehungen und einem voll einstellbaren WP Fahrwerk. Schaaf war bei der Präsentation und hat alle Fahreindrücke detailliert geschildert: Schaaf testet die KTM 390 Adventure.

390 Adventure vs. CRF250L Leistung und Beschleunigung

Mit einer Leistung von 44 PS (KTM) und 25 PS (Honda) wird sich die Frage, welches der beiden Bikes besser beschleunigt, nicht stellen, aber eines muss gesagt sein: auf beiden Enduros muss noch aktiv Motorrad gefahren werden. Das bedeutet spätes Bremsen, mit viel Schwung durch die Kurve und frühes Beschleunigen, um ja wenig Tempo auf der Strecke zu lassen. Mit ihrem Leistungsvorteil absolviert die KTM 390 Adventure dieses Kapitel natürlich souveräner, doch das geht unter anderem auf die Rechnung des optionalen Quickshifter Plus (mit Blipper Funktion). Damit lässt sich der Einzylinder wahrlich sportiv bewegen und dank der A2-tauglichen Leistung können mehrere Gänge durchgeschalten werden, ohne das Tempolimit zu brechen. So sieht aktives Motorradfahren aus!

Das Defizit von knapp 20 PS wird im Sattel der Honda CRF250L leider schnell spürbar. Ein Umstand, der jedoch nur auf der Straße negativ auffällt - doch dazu später mehr. Während unseren Landstraßen-Testfahrt wird zudem schnell spürbar, dass es wenig Sinn hat, den Motor bis in den Drehzahlbegrenzer zu drehen. Tatsächlich passiert nach dem Erreichen des maximalen Drehmoments von 22,6 Nm bei 6.750 Umdrehungen außer stärker werdenden Vibrationen nicht mehr viel. Lieber etwas früher schalten und entspannt dahingleiten. Dieses Bike erwacht erst abseits der Straße zum Leben.

KTM 390 Adventure gewinnt im Straßenbetrieb

Es sollte also keine große Überraschung sein, dass die KTM 390 Adventure den Straßenabschnitt gewinnt. Schon der Blick auf das Datenblatt verrät es: 19 Zoll Vorderrad bei der KTM, 21 Zoll bei der KTM. Auch das Fahrwerk ist in der KTM mit seiner vollständigen Einstellbarkeit deutlich sportlicher abgestimmt, als das nicht einstellbare Pendant in der Honda. Verbunden mit der nach vorne gelehnten Sitzposition ist die KTM 390 Adventure auch auf der Straße sportlich unterwegs, während man auf der Honda aufrecht sitzend durch die Landschaft cruisen sollte.

Ebenbürtig, sobald die Straße endet

Kommen wir nun zum spannenden Teil des Vergleichs: Unbefestigte Straßen. KTMs Ursprünge liegen im Offroad-Bereich und die CRF250L steht da wie eine Wettbewerbs-Enduro mit Kennzeichenhalten. Wie schlagen sie sich also? Überraschenderweise finden sich auf Schotterwegen, die wir als Testort verwendet haben, nur kaum Unterschiede. Die 146 kg (vollgetankt) schwere Honda CRF250L punktet mit ihren gewaltigen Federwegen von 250 mm in der Front und 240 mm im Heck, wobei sich die Federkomponenten leider nicht einstellen lassen. Auch das 21 Zoll Vorderrad spricht für sie, denn das Ergebnis ist ein wahnsinnig stabiles Fahrverhalten, selbst wenn man den Hahn komplett aufdreht. Dank der geringen Leistung muss man zudem nie befürchten, Traktionsprobleme zu haben, wodurch sie sehr zugänglich und einsteigerfreundlich wirkt. Einzig der etwas schmale Lenker könnte kritisiert werden.

Denn dieser ist bei der 158 kg (Trockengewicht) schweren KTM deutlich breiter, wodurch die etwas geringere Stabilität, die das 19 Zoll Vorderrad bietet, gut kompensiert wird. Dadurch macht die 390 Adventure jedoch auch einen verspielten Eindruck, denn wenn die Traktionskontrolle deaktiviert ist, lassen sich auch kleine Drifts in den Staub ziehen. Due Federwege von 170 mm vorne und 177 mm verraten aber, dass auch die Straßenkomponente bedient werden will, weshalb wirklich ernste Offroad-Passagen lieber der Honda überlassen werden sollten.

Horvaths Fazit: KTM 390 Adventure vs. Honda CRF250L - welches Bike für welchen Einsatzzweck?

Nun stellt sich also die Frage? Welches Motorrad soll ich mir kaufen? Ganz klar: geht es auf längere Reisen, oder will man ein Bike, dass sowohl Straße, als auch Offroad kann, ist die KTM 390 Adventure die richtige Wahl. Hochwertige Ausstattung, ein stabiles Fahrverhalten auf Asphalt und Schotter, sowie die bequeme Sitzposition machen sie zum perfekten Begleiter für alle Einsatzzwecke. Sucht man jedoch ein Motorrad mit dem man hauptsächlich abseits der Straße unterwegs ist und das nicht so schmerzt, wenn es im Schotter einmal fällt, dann ist die Honda CRF250L das Bike der Wahl. Ihr schlichter und schmaler Aufbau sind perfekt für viel Offroad und im Fall eines Rutschers müssen nur ein paar Plastics getauscht werden, um sie wieder fit zu machen. Mit ihrer dünnen Sitzbank, der geringen Leistung und dem nicht vorhandene Windschutz würde ich sie persönlich nicht als Reisefahrzeug wählen, wobei schon viele AbenteurerInnen auf so einem Bike die Welt umrundet haben. Für mich wäre es jedoch nichts.

Luises Fazit zum Vergleich 390 Adventure gegen CRF250L

Sowohl die Honda als auch die KTM machen Spaß zum fahren. Die unterschiedlichen Baujahre von 2018 und 2020 machen sich allerdings teilweise bemerkbar. Auffallend ist vor allem das TFT-Display der KTM. Auch die Scheinwerfer der KTM übertreffen die der Honda. Sie sind angenehm stark und leuchten die ganze Fahrbahn schön aus. Somit fühlt man sich auch beim Fahren in der Dunkelheit sehr wohl. Die stärkere Leistung der KTM ist gleich zu bemerken. Die Honda zieht erst im höheren Drehzahlbereich gut weg. Die Sitzhöhe ist etwas höher bei der Honda, doch durch den breiteren Sattel der KTM ist der Unterschied nicht so deutlich ausgeprägt. Einen markanten Unterschied kann man allerdings beim Gewicht erkennen. Die Honda ist spürbar leichter als die KTM. Das ist allerdings nicht der einzige Vorteil für das Fahren im Gelände mit der Honda. Durch den höheren Lenker der Honda nimmt man beim stehenden Fahren eine angenehmere Position als mit der KTM ein. Zusammenfassend ist für mich die KTM eine bessere Wahl auf der Straße, allerdings siegt die Honda im Gelände.

Honda CRF250L und KTM 390 Adventure im Preisvergleich

Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die Honda CRF250L schon einige Jahre am Markt ist und somit gebrauchte Exemplare deutlich günstiger sind, als die neue KTM 390 Adventure. Den gesamten Preisvergleich gibt's hier: Honda CRF250L und KTM 390 Adventure kaufen.

Fazit: Honda CRF250L

Hondas kleine CRF250L sollte als echtes Offroad-Bike ernst genommen werden. Auch wenn die Leistung keine Berge versetzt, erwacht sie zum Leben, wenn einmal der befestigte Untergrund endet. Hier zählt keine Höchstgeschwindigkeit, sondern das stabile Fahrverhalten, das sie an den Tag legt. Deshalb eignet sich diese zugängliche Honda auch perfekt, die ersten Offroad-Schritte zu machen, denn selbst falls sie mal am ungeplant zu Boden geht: Plastics wechseln und weiter gehts! Wer den Asphalt hinter sich lassen will und die Welt offroad erkunden will, liegt mit der CRF250L genau richtig!


  • Optik einer Wettbewerbs-Enduro
  • einfaches Fahrverhalten
  • gute Offroad-Eigenschaften
  • robuster Eindruck
  • minimalistischer Aufbau bedeutet geringe Ersatzteilkosten
  • Lenker könnte breiter sein
  • nicht einstellbares Fahrwerk
  • Vibrationen bei hoher Drehzahl

Fazit: KTM 390 Adventure

Die KTM 390 Adventure: Der Allrounder dieser Klasse und ein echter Preis-Leistungs-Sieger. Das hochwertige Elektronik-Paket, die aggressive Sitzposition, sowie der kernige Einzylinder machen sie zum puren Spaßgerät, das unerfahrene Offroad-Piloten fest bei der Hand nimmt. Egal auf welchem Untergrund man sich bewegt - die 390 Adventure macht einfach immer Spaß! Ob man mehr KTM Adventure braucht, ist natürlich die nächste Frage.. doch das klären wir in einem anderen Testbericht.


  • kräftiger Motor
  • optionaler Quickshifter +
  • einstellbares Fahrwerk
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • echtes Spaßgerät auf jedem Untergrund
  • für große Piloten etwas kompakt

Bericht vom 01.08.2020 | 18.959 Aufrufe

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