Ducati Streetfighter V4 S 2020 - Erster Test auf der Landstraße

Kann man das Biest mit 208 PS auf der Landstraße zähmen?

Nach dem Prototyp beim Pikes Peak und der Präsentation kurz vor der EICMA 2019 ist der Hype um Ducatis Streetfighter ungebrochen. Nun hält fast ganz Europa aufgrund der aktuellen Coronavirus Pandemie den Atem. Nichtsdestotrotz hatten wir die Möglichkeit, unter Einhaltung aller erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen, die neue Ducati Streetfighter V4 in der S Variante auf der Landstraße zu testen. Eine willkommene Abwechslung in diesen herausfordernden Zeiten.

Alles ging plötzlich ganz schnell. Einige E-mails und ein paar Anrufe später hieß es plötzlich: “Sie ist da, Ducatis neue Wunderwaffe steht in Deutschland!”. Innerhalb weniger Stunden packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg, um Ducatis mächtige Ansage im Naked Bike Segment zu testen. Nach einer langen Autofahrt und einer etwas kürzeren Nacht (durch die Aufregung auf die neue Streetfighter V4 S bekam ich kaum ein Auge zu) machte ich mich gleich morgens auf den Weg, um die Maschine erstmals in Natura zu bestaunen!

Ducati Steetfighter V4 S - der Desmosedici Stradale Motor erzeugt Gänsehaut!

Schlüssel ins Zündschloss, umgedreht, Zündung an und das Feuerwerk auf dem 5 Zoll großen hochauflösenden TFT Bildschirm beginnt. Auf den Startknopf gedrückt und mir fehlen die Worte! Beim Start des V4- Triebwerks mit insgesamt 1.103 cm³ bleibt mir die Spucke weg. Wie haben die Ingenieure bei Ducati dieses Meisterwerk bloß vollbracht? Der Sound klingt brachial, kernig, mit Emotionen auf höchstem Niveau. Die Vibrationen die der V4 Motor erzeugt tun ihr übriges. Vorbei ist die Sorge um Euro 5 - die Italienier können es nach wie vor! Aber natürlich ist der Sound nicht der einzige Punkt, der mich in Staunen versetzte. Natürlich stelle ich mir ebenfalls die Frage, wie viel Know-How und Entwicklungsarbeit notwendig war, um den Motor als tragendes Elemt in die Rahmenkonstruktion zu integrieren. Im Vergleich zu herkömmlichen Brückenrahmen wird so zum einen deutlich Gewicht gespart (Gesamtgewicht des Rahmens beträgt nur 4 kg), zum anderen wird das begehrenswerte V4 Aggregat auf diese Art und Weise unglaublich schön zur Schau gestellt. In kaum einem anderen Naked Bike lässt sich der Motor so schön und umfassend betrachten. Kaum ein anderes Fahrzeug ist ein besseres Beispiel für ein Motor - Rad.

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Landstraßentaugliche Ergonomie auf der Ducati Streetfighter V4 S ?

Gleich nach dem Start des Motors, beim ersten Aufsitzen auf das italienische Power-Ross, war ich von der Ergonomie angenehm überrascht. Die Sitzposition fällt mit 845 mm eher hoch aus, die angepasste Fußrastenstellung sorgt in Kombination mit dem erstaunlich hohen und breiten Lenker für eine ausgewogene Partie aus Sportlichkeit und Komfort. Soweit mein erster Eindruck. Auf der Landstraße hat sich dieser erste Eindruck dann auch gleich bestätigt. Die Sitzposition ist wirklich erstaunlich komfortabel. Das liegt an einem angenehmen Kniewinkel und der komfortablen Lenkerhöhe. Die Sitzbank der Streetfighter fällt während der Fahrt auf der Landstraße ebenfalls positiv auf. Man hat genügend Bewegungsfreiheit um die Sitzposition dem individuellen Fahrstil anzupassen. Wenn es mal etwas sportlicher sein darf, habt Ihr genügend Platz, um euch besonders dynamisch auf dem “italienischen Muskelprotz” passend zum Radius der Kurve zu positionieren - Bravo Ducati!

High End Komponenten als Teil der Fight Formula

Nicht kleckern sondern klotzen! Genau unter diesem Motto muss die Ducati Streetfighter gerade mit dem S in der Modellbezeichnung bei Ducati entstanden sein. Egal wohin man das Auge schweifen lässt, man kann sich kaum satt sehen an der Diva aus Bologna. Ich entdeckte jedes Mal neue Details und edelste Komponenten auf dem Streetfighter. Natürlich hat Ducati nicht nur aus Designgründen Top-Ware verbaut. Ziel war es, ein Naked Bike auf die Straße zu bringen, ohne im Vergleich zu einem Superrsportler Abstriche machen zu müssen und das ist Ducati auch in fast allen Bereichen gelungen.
Wenn man das Leergewicht von 178 Kg, bzw. 199 Kg fahrbereit in der S Variante betrachtet, wird schnell klar, dass diese Gewichtsangabe bei der Motorengröße von 1.103 cm³ im Naked Bike Segment, eine Kampfansage ist.

Vollbracht wurde das Ganze durch die zuvor erwähnte Reduktion der Rahmenkonstruktion, dem besonders leichten Aluminiumtank, den geschmiedeten Aluminium Marchesini Felgen, Einarmschwinge und Vieles mehr. Die wirklich große Herausforderung jedoch ist es, dass all diese Maßnahmen noch zusätzlich dafür sorgen, dass das Bike so grandios fährt. Es mag sich anhören wie eine Lobhudelei, de facto ist es jedoch so, dass es kaum etwas auszusetzen gibt (vom Preis einmal abgesehen). Das “Ankern” ist mit den Brembo Stylema Monoblock-Bremskolben, die aus den leistungsstarken M50-Bremskolben entwickelt wurden und mit jeweils vier 30 mm-Kolben auf eine 330 mm-Scheibe beißen, einfach gigantisch! Das semi-aktive Fahrwerk bestehend aus Öhlins TTX36 Federbein und einer 43 mm Öhlins NIX30 Upside-Down Gabel sorgt sowohl bei stärkeren Bremsvorgängen, als auch bei der brachialen Beschleunigung des Desmosedici Stradale Aggregats für eine ausgezeichnete Straßenlage und Steifigkeit. Speziell auf der Landstraße dürfte man über die vielseitigen Einstellmöglichkeiten beim Fahrwerk dankbar sein, mit denen sich das Dämpfungsverhalten spielend leicht an die eigenen Vorlieben anpassen lässt.

We die meisten unter euch wohl bereits wissen, hat die Ducati Streetfighter das ausgereifte Elektroniksystem der Panigale V4, mit an Board. Das Fahrwerk und der Lenkungsdämpfer in der S Variante werden semi-aktiv mittels Öhlins Smart EC 2.0-System gesteuert. Das elektronische Fahrwerk kann entweder im Modus „fixed“ - manuell, oder automatisch im Modus „dynamic“ abgestimmt werden. Für den eintägigen Aufenthalt auf der Landstraße war der automatische "dynamic" Modus mehr als zufriedenstellend und hat die unterschiedlichen Fahrsituationen und Untergrundbeschaffenheiten ordentlich “glatt gebügelt”. Wir freuen uns bereits darauf, die vielen Einstellungsmöglichkeiten, die das Fahrwerk zur Verfügung stellt, in unserem nächsten Test ausgiebiger auszuprobieren!

Ducati Streetfighter V4 S - Elektroniksystem wie ein Supersportler

Insgesamt lässt das ausgereifte Elektroniksystem der Streetfighter V4 wirklich keinen Herzenswunsch offen. Von Kurven-ABS, Traktions- und Wheelie-Kontrolle, dreistufige Launch Control über Anti-Hopping-Kupplung und eine in drei Stufen einstellbaren Motorbremse, lässt die Streetfighter keinen Wunsch unerhört. Dabei habt ihr zudem die Möglichkeit jeden der drei Fahrmodi über die Multifunktionstasten am Lenker individuell zu konfigurieren. Dem Fortschritt sei Dank, behält man auf dem gut ablesbaren TFT Bildschirm den Überblick über die gesetzten Einstellungen.

Der einzige Wermutstropfen war das Fahrverhalten in engen Serpentinen mit einer stärkeren Steigung den Berg aufwärts bei bescheidenen Straßenverhältnissen. In solchen Passagen war ich quasi gezwungen langsam zu fahren. Da gelangt die Maschine ihre und auch ich an meine Grenzen.

Die Streetfighter V4 S Motorleistung ohne Ende aber auch kontrollierbar?!

Selbstverständlich erzeugt das V4 Aggregat mit 208 PS und 123 Nm mehr als genügend Leistung und das tatsächlich in jeder Lebenslage, egal in welchem Drehzahlbereich. Natürlich konnten und wollten wir die Motorleistung nicht komplett ausreizen. Zum einen ist die Landstraße sowieso nicht der richtige Ort dafür und zum anderen wollten wir das Risiko möglichst gering halten. Im Licht der aktuellen Coronavirus Pandemie ist es erforderlich so viele Krankenbetten wie mögich freizuhalten. Um die Power der Maschine zu spüren ist es jedoch gar nicht notwendig, mit der rechten Hand voll am Ride by wire "Gashahn" zu drehen. Wenige Zentimeter Drehbewegung reichen absolut aus, um den Piloten mit einem euphorisierenden Kick nach vorne zu bringen und ihm ein fettes Grinsen ins Gesicht zu zaubern.

Das volle Potenzial der Streetfighter lässt sich auch nach diesem Test nur erahnen, wird aber mit 99 prozentiger Wahrscheinlichkeit ebenso wie bei der Panigale alles andere als enttäuschend sein. Aufgrund der unterschiedlichen Fahrmodi (Race, Sport, Street mit “nur 155 PS) und der genialen Traktionskontrolle bietet die Maschine gerade was die unterschiedlichen Landstraßenverhältnisse angeht, eine wirklich ausgezeichnete Grundlage um die Leistung zu kontrollieren und auch auf den Asphalt zu übertragen.

Auch wenn ich in einem Test, der hauptsächlich auf der Landstraße stattfand, Ducatis Aussagen zum Verhalten der Doppeldecker Winglets bei hohen Geschwindigkeiten nicht wirklich erfahren konnte, so hat doch eine kurze und etwas schnellere Autobahn Passage, das Potenzial der ausgefeilten Aerodynamik erahnen lassen. Die Maschine ist besonders stabil, spurtreu und vermag auch bei höheren Geschwindigkeiten die Leistung gut auf den Asphalt zu bekommen.

Wir alle müssen uns zur Zeit etwas in Geduld und Nachsicht üben, dennoch hoffen wir, dass euch dieser kleine Einblick in Ducatis neueste Schöpfung den derzeit mitunter tristen Alltag etwas erhellen konnte.

Technische Daten Ducati Streetfighter V4 S 2020

Motor und Antrieb
MotorbauartV
Grad90
Zylinderzahl4
Taktung4-Takt
Ventile pro Zylinder4
VentilsteuerungDesmodromik
Kühlungflüssig
Hubraum1103 ccm
Bohrung81 mm
Hub53,5 mm
Leistung208 PS
U/min bei Leistung12750 U/min
Drehmoment123 Nm
U/min bei Drehmoment11500 U/min
Verdichtung14
GemischaufbereitungEinspritzung
Einspritzdüsen pro Zylinder2
StarterElektro
KupplungMehrscheiben im Ölbad
AntriebKette
GetriebeGangschaltung
Ganganzahl6
Chassis
RahmenAluminium
RahmenbauartMonocoque
Lenkkopfwinkel65,5 Grad
Nachlauf100 mm
Fahrwerk vorne
AufhängungTelegabel Upside-Down
MarkeÖhlins
Durchmesser43 mm
Federweg120 mm
EinstellmöglichkeitDruckstufe, Federvorspannung, Zugstufe
Fahrwerk hinten
AufhängungEinarmschwinge
MaterialAluminium
FederbeinMonofederbein
MarkeÖhlins
Federweg130 mm
EinstellmöglichkeitDruckstufe, Federvorspannung, Zugstufe
Bremsen vorne
BauartDoppelscheibe
Durchmesser330 mm
KolbenVierkolben
AufnahmeSemi-Schwimmsattel
Betätigunghydraulisch
Technologieradial, Monoblock
MarkeBrembo
Bremsen hinten
BauartScheibe
Durchmesser245 mm
KolbenEinkolben
Fahrassistenzsysteme
AssistenzsystemeABS, Ride by Wire, Fahrmodi, Fahrwerk dynamisch, Launch-Control, Schaltautomat, Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, Kurven-ABS
Daten und Abmessungen
Reifenbreite vorne120 mm
Reifenhöhe vorne70 %
Reifendurchmesser vorne17 Zoll
Reifenbreite hinten200 mm
Reifenhöhe hinten60 %
Reifendurchmesser hinten17 Zoll
Radstand1488 mm
Sitzhöhe von845 mm
Gewicht trocken (mit ABS)178 kg
Gewicht fahrbereit (mit ABS)199 kg
Tankinhalt16 l
FührerscheinklassenA
AusstattungLED-Scheinwerfer, TFT Display

Fazit: Ducati Streetfighter V4 S

Die Ducati Streetfighter V4 S gehört mit Abstand mit zu dem edelsten Power Naked Bikes aus diesem Bereich. Ducati hat scheinbar keine Mühen und Kosten gescheut, um uns Motorradfahrern ein ganz besonders heißes Eisen zur Verfügung zu stellen. Vorausgesetzt man besitzt das nötige Kleingeld. Doch wie heißt es (leider) immer so schön: “Gute Dinge haben Ihren Preis. Ausgezeichnete Dinge Ihre Liebhaber”. Ducati´s neue Schöpfung macht auf der Landstraße eine TOP Figur und ist dabei durch das ausgereifte Elektroniksystem, die angenehme Sitzposition und die top Komponenten sicherlich nicht nur etwas für die Ducatisti unter uns. Durch die detaillierten Einstellmöglichkeiten der Assistenzsysteme haben auch weniger geübte Piloten die Möglichkeit sicher mit der Maschine zu fahren, dem Fortschritt sei Dank. Nichtsdestotrotz kostet auf Dauer einiges an körperlicher Ertüchtigung mit der Power der Maschine mitzuhalten. Eben alles eine Frage der “Einstellung”, aber genau das möchte “Mann” doch! Dabei vermag die Streetfighter V4 einem vor allem eines, ein riesengroßes Lächeln bis über beide Ohren zu verschaffen. Nicht zu guter Letzt durch das unglaubliche Herzstück der Maschine. Wahrscheinlich kommt daher auch die Anekdote der Streetfighter Maske und des Jokers.


  • Unglaubliche Motorleistung und Drehmoment in allen Bereichen! Power ohne Ende!
  • Ein Naked Bike quasi ohne Abstriche. Edelste Komponente, die Dank ausgeklügelter Software harmonisch funktionieren
  • Angenehme Sitzposition, guter Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort + genügend Bewegungsfreiheit!
  • Präzises Fahrwerk, 200er Hinterreifen + ausgereifte Elektronik bringen die Leistung der Streetfighter souverän auf die Straße
  • Tolle Aerodynamik + Stabilität bei höher Geschw.
  • ...ein Italiener eben!
  • Leider Gottes bleibt diese Maschine ein Privileg, in dessen Genuss nicht jeder von uns Motorradfahrer kommen wird.
  • Enge Radien in Serpentinen bei langsamer Fahrt, kostet einiges an Kraft und Überwindung.
  • Lastwechsel bei schnellen Gas Schüben spürbar, jedoch nicht wirklich störend...

Bericht vom 26.03.2020 | 18.495 Aufrufe

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