Triumph Street Triple RS 2020 Test

Triumph Street Triple RS 2020 Test

Alles gleich oder alles neu bei der Streety RS?

Nur schlechte Motorräder müssen radikal erneuert werden, bei guten Motorrädern reicht ein behutsames Update, um den Charakter der Maschine nicht zu verwässern. Und wenn ein traditionsbewusster Hersteller wie Triumph eines seiner wichtigsten Modelle erneuert, müssen typische Stilelemente erhalten bleiben, um nicht nur Neuinteressenten sondern auch die treuen Fans bei Laune zu halten. Daher scheint die neue Street Triple RS auf den ersten Blick ganz die Alte zu sein – reicht das, um weiterhin an der Spitze der sportlichen Mittelklasse-Naked Bikes mitzumischen?

Wir Menschen neigen dazu, immer mehr zu wollen. Auch wenn uns eigentlich reicht, was wir haben, streben wir in der Regel nach Höherem. Nur sehr wenige Exemplare des Homo Sapiens sind mit ihrer aktuellen Situation restlos glücklich. Bei Motorrädern ist das nicht anders, selbst wenn das Vorgängermodell schon richtig gut war und man dieser Version eigentlich eine perfekte Balance nachsagt, soll die Nachfolgerin irgendetwas besser können. Nun, die Triumph Street Triple RS ist in ihrer, noch bis Anfang Dezember 2019 aktuellen Version ein solch richtig gutes Eisen, bei dem man sich nicht unbedingt radikale Änderungen wünschen müsste. Mehr Leistung? Kann man grundsätzlich immer brauchen, ist in der Naked Bike-Mittelklasse aber nicht zwingend notwendig, denn dann würde die Streety ja in eine höhere Klasse entschwinden – in der es ohnehin die legendäre Speed Triple gibt.

Bei der neuen Triumph Street Triple RS wird niemand an den Postler denken

Ein besseres Handling? Mit ihrem sensationell niedrigen Gewicht von 187 Kilo fahrfertig zeigt die aktuelle Street Triple RS bereits am Datenblatt, dass sie abbiegt wie ein Kaninchen. Ein ärgeres Design? Das Styling ist bei Triumph immer eine Gratwanderung zwischen Moderne und Tradition, wirklich radikale Änderungen sucht man bei den Briten vergeblich - denn genau das mögen die treuen Fans der Marke. Dem entsprechend wurde also die neue Street Triple RS für 2020 aufgebaut: Was nicht minimal verbessert wurde, bleibt gleich gut und das Design fügt sich eindeutig in die bekannte Linienführung ein – da wird gewiss auch beim neuesten Kind niemand auf die Idee kommen, dass der berühmt berüchtigte Postler am Werk gewesen sein könnte.

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Die neue Streety RS schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne

Es bleibt bei den markanten Doppelscheinwerfern an der Front, die ganz typisch nach wie vor sehr stark von der Gabel abstehen – das bekommen andere Hersteller meiner Meinung nach doch etwas dynamischer und besser integriert hin. Allerdings ist die neue Street Triple RS dank ihrer markanten LED-Tagfahrleuchten über den eigentlichen Scheinwerfern auch eindeutig als ganz neues Modell erkennbar und schafft somit diesen bereits erwähnten Spagat zwischen Moderne und Tradition. Dieser Grundgedanke zieht sich schließlich über die gesamte neue RS nach hinten, der Tank besitzt die gewohnte Form, die Abdeckungen unter dem Sattel sind vertraut und dass das Heck anders gestaltet ist, merkt man nur im direkten Vergleich mit der Vorgängerin. In seinen Grundzügen entspricht es dem bekannten Look der Street Triple-Familie und sogar die Lackierungen halten sich britisch nobel zurück, außer den jeweils gelben und roten Akzenten der beiden erhältlichen Farben ist da nichts auffällig oder gar schrill – und das passt auch so.

Der Motor der neuen Triumph Street Triple RS wird souveräner

Ein ehrliches Paket also, diese neue Street Triple RS, könnte man sagen, denn auch technisch wurde zwar viel geändert, um der strengeren Euro5-Norm gerecht zu werden, den sportlichen Charakter der Streety trübt das alles aber nicht. So wie bei Euro4 gibt uns die neue Street Triple RS vielmehr Hoffnung, dass es andere Hersteller ebenfalls schaffen, die strengeren Vorschriften in eine noch bessere Performance umzumünzen. Denn am Papier stehen bei der Street Triple RS nach wie vor 123 PS bei 11.750 Umdrehungen (Vorgängerin 123 PS bei 11.700 Touren) und mit 79 Newtonmeter Drehmoment zwei Newtonmeter mehr. Das scheint jetzt nicht großartig erwähnenswert, die Tatsache, dass diese 79 Newtonmeter nun bereits bei 9350 Touren statt 77 Newtonmeter bei 10.800 Umdrehungen anliegen, legen aber die Vermutung nahe, dass man mit der Streety sogar etwas mehr Punch aus der Mitte erwarten darf.

Die Streety RS liebt man vor allem für ihre Drehfreude

Nun, das mag schon stimmen, wer aber die „alte“ Street Triple RS vor allem wegen des drehfreudigen Charakters ihres Dreizylindermotors geschätzt hat, wird von der Neuen nicht enttäuscht. Das Triebwerk mit 765 Kubik Hubraum hat nämlich die seltene Gabe, den Fahrer zum sogenannten „Auswinden“ zu animieren, ohne dabei zu aufdringlich zu werden. Wer also auf der Streety Spaß haben will, muss sie drehen, das herrliche Ansprechverhalten suggeriert dem Fahrer ohnehin, dass er nie etwas anderes wollte. Das ist nun auch bei der neuen Triumph Street Triple RS so, zusätzlich hat man aber auch noch den Bonus einer etwas bauchigeren Mitte. Damit animiert auch die neue RS zum ordentlichen Ausdrehen, erlaubt aber auch ein souveränes Plateau im mittleren Drehzahlbereich.

Theoretisch hat die Triumph Street Triple RS ein Moto2-Triebwerk. Theoretisch

Warum ich nur am Rande erwähne, dass dieses Triebwerk von jenem Ingenieurs-Team entwickelt wurde, das auch die aktuellen Moto2-Rennmotoren betreut, liegt daran, dass die nackte Street Triple RS meiner Meinung nach doch ziemlich weit weg von diesen reinrassigen Renneisen ist und die Marketingabteilung der Briten ohnehin genug darauf verweist. Falls ich jemals in den Genuss kommen sollte, ein Exemplar der neuen Daytona 765 Moto2 Limited Edition testen zu dürfen, werde ich natürlich gebührend auf die Verwandtschaft der Triebwerke eingehen. Ich sehe es aber als Ehre für die Street Triple RS, dass ihr Triebwerk keineswegs ein allzu spitz ausgelegtes High-Performance-Aggregat ist, sondern auch im Alltag eingesetzt werden kann.

Die Street Triple RS kann beides – Rennstrecke und Landstraße

Denn bei den Tests im spanischen Cartagena musste sich die neue Triumph Street Triple RS sowohl auf der Rennstrecke als auch auf der Landstraße behaupten – und konnte auf ihre herrlich agile Weise auf beiden Terrains überzeugen. Dass Triumph also von einem „Naked Racer“ spricht, ist grundsätzlich nicht falsch, wenn man bedenkt, dass die voll verstellbare Showa Big Piston-Gabel, das ebenfalls voll verstellbare Öhlins STX40-Federbein im Heck und die supersportliche Brembo M50-Monobloc-Bremsanlage tatsächlich gezielt und richtig gut auf Rennstreckenbetrieb ausgelegt sind. Hinzu kommen die Pirelli Diablo Supercorsa SP V3, die erwartungsgemäß grandiosen Grip auf der Piste bieten.

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Rauben die Pirelli-Pneus der quirligen Triumph die Allround-Qualitäten?

Gerade diese sportliche Bereifung könnte dann bei widrigen Bedingungen im Alltagsbetrieb zum einzigen Wermutstropfen werden, da gibt es klarerweise gemäßigtere Gummis, die mit schnelleren Aufwärmphasen und hohem Silica-Anteil mehr punkten können. Ist es aber trocken, so wie es bei den spanischen Testfahrten durchgehend war, macht die neue Triumph Street Triple RS auch auf der Landstraße einen Heidenspaß. Denn auch dort kann und will man die quirlige Britin ausdrehen, genießt das ausgezeichnete Ansprechverhalten und sitzt auch noch entspannt, leicht vorderradorientiert auf dem Bike – das also wirklich beide Welten sehr gut beherrscht. Aber kein Wunder, das Gewicht bleibt exakt auf dem Niveau der Vorgängerin und die Bremsanlage ist für die Rennstrecke ausgezeichnet direkt und bissig, für den Alltag aber trotzdem ausreichend transparent und nicht zu giftig.

Volles Elektronik-Paket auf der Triumph Street Triple RS

Das Elektronik-Package ist eines Topmodells durchaus würdig, fünf verschiedene Riding-Modes, Rain (auf 100 PS gedrosselt), Road, Sport und Track werden in dieser Reihenfolge immer sportlicher indem das Ansprechverhalten des Motors verschärft wird und das ABS sowie die Traktionskontrolle immer mehr entschärft werden. Während das ABS nicht abschaltbar ist, kann die Traktionskontrolle sogar ganz weggeschaltet werden. Der fünfte Rider-Mode kann frei nach den Wünschen des Fahrers konfiguriert werden. Interessant ist, dass das ABS keine Kurvenfunktion besitzt, also nicht schräglagenabhängig werkt, wo es doch innerhalb des Triumph-Sortiments bereits einige Modelle gibt, die dieses Feature besitzen. Wäre eines Topmodells doch eigentlich würdig, offenbar will man aber doch noch einen gewissen Abstand zur ultimativen Streetfighter-Ikone Speed Triple halten, die mit der Street Triple RS tatsächlich eine ernstzunehmende Konkurrenz im eigenen Hause hat.

Nette Spielereien an der Street Triple RS

Dass im Cockpit der neuen Streety RS nun vier verschiedene Style-Varianten weiters in vier unterschiedlichen Farbversionen einstellbar sind, erachte ich als nette Spielerei, die das wendige Naked Bike weder besser noch schlechter macht. Wirklich glücklich wurde ich ohnehin nur mit einer Darstellung – wenigstens findet bei dieser Fülle an Möglichkeiten bestimmt jeder sein ganz persönliches Design. Voll mit der Zeit geht auch die Connectivity, per „MyTriumph“ kann das Cockpit (gegen Aufpreis) mit Handy, GoPro-Kamera oder Navi kommunizieren.

Der Schaltassistent der neuen Street Triple RS ist das Zünglein an der Waage

Wer nun meint, zu wenige Unterschiede im Vergleich mit der Vorgängerin zu entdecken, die einen Wechsel rechtfertigen würden, sollte einen wichtigen Aspekt nicht vergessen: Abgesehen von der besseren Optik, dem verfeinerten Motor, der aufgerüsteten Elektronik und der noch besseren Qualitätsanmutung besitzt die neue Triumph Street Triple RS bei nahezu gleichem Preis (in Österreich wird sie sogar 100 Euro billiger als die Vorgängerin!) auch noch serienmäßig einen Schaltautomaten samt Blipperfunktion, also zum Rauf- und Runterschalten – ein Gadget, das ich nur noch sehr ungern auf einem sportlichen Bike misse, vor allem auf einem, das sich so gut für Trackdays eignet.

Fazit: Triumph Street Triple RS

Nach wie vor ist das RS-Topmodell unter den Street Triples tatsächlich das erstrebenswerteste. Neben dem gewohnt spielerischen Handling, den superdirekten Brembo-Bremsen und dem quirligen Charakter des Dreizylinder-Motors kommt nun noch eine bauchigere Drehzahlmitte, aufgerüstete Elektronik sowie eine Brembo M50-Bremse und die nochmals verschärfte Optik dazu. Dank der sehr sportlichen Pirelli Supercorsa SP V3-Bereifung sind Trackdays tatsächlich ein ernstes Thema, der nun serienmäßige Schaltassistent mit Blipper-Funktion erhöht den Anreiz, auf das neue Modell umzusteigen enorm. Ein herrliches Spaßgerät sowohl für Landstraße als auch Rennstrecke!

1
Vorteile
  • phantastisch quirliger Motor
  • hoher Qualitätsstandard
  • Quickshifter mit Blipper serienmäßig
  • röhriger Sound
  • exzellente Brembo M50-Bremsanlage
  • ABS und Traktionskontrolle Serie
  • sportliche Optik
  • wenig Gewicht
1
Nachteile
  • etwas komplizierte Menüführung

Bericht vom 12.10.2019 | 12.137 Aufrufe

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