KTM 1290 Super Adventure R Test 2017 in Peru

KTM 1290 Super Adventure R Test 2017 in Peru

Das neue Gelände-Topmodell von KTM in der südamerikanischen Wüste

KTM ist nicht ganz ohne Grund stolz auf seinen bereits 16. (!) Sieg der Rallye Dakar in Folge und zelebriert ihn mit einer atemberaubenden Präsentation in einem Austragungsland der härtesten Rallye der Welt, dem südamerikanischen Peru. Die neue 1290 Super Adventure R beweist in der peruanischen Wüste, dass sie völlig zu Recht das Topmodell der geländetauglichen Reise-Enduros aus Mattighofen ist!

Seit knapp 15 Jahren bin ich nun schon "im Geschäft" und war bereits auf unzähligen Motorrad-Präsentationen - eine Veranstaltung in Südamerika hat es aber noch nie gegeben, weder für mich, noch für einen meiner Kollegen. Daher bin ich auch sehr froh, dass ich der Auserwählte sein sollte, der zur KTM 1290 Super Adventure R-Präsentation nach Peru reisen darf. Ein Land, das es durchaus verdient hat, der Austragungsort für eine so wichtige Vorstellung zu sein - immerhin zeigt sich bei den 95 Prozent Offroad-Anteil auf Schotter und Sand durch die peruanische Wüste, dass diese große Reise-Enduro ein waschechtes und ehrliches Gelände-Eisen ist.

Mit der KTM 1290 Super Adventure R reisen bis in die Nacht

Doch eines nach dem anderen, beginnen wir mit der Theorie und den Features auf der KTM 1290 Super Adventure R, die sowohl das Reisen als auch das Offroaden sowohl komfortabler als auch einfacher machen. Denn nicht jeder ist nur untertags in der Wüste unterwegs, wo ihm der neue LED-Scheinwerfer samt LED-Kurvenlicht völlig egal sein kann. Als eineiige Zwillingsschwester der KTM 1290 Super Adventure S kann nämlich auch die R-Version tadellos reisen - und dies bis spät in die Nacht. Dafür braucht es dann eben ein kräftiges Licht aus dem Gebilde an der Front, das mir nun bei der 1290 Super Adventure R schon richtig gut gefällt.

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KTM ist nicht ganz ohne Grund stolz auf seinen bereits 16. (!) Sieg der Rallye Dakar in Folge und zelebriert ihn mit einer atemberaubenden Präsentation in einem Austragungsland der härtesten Rallye der Welt, dem südamerikanischen Peru. Die neue 1290 Super Adventure R beweist in der peruanischen Wüste, dass sie völlig zu Recht das Topmodell der geländetauglichen Reise-Enduros aus Mattighofen ist!

Die R-Version sieht noch sportlicher aus

Bei der S-Version habe ich noch angemerkt, dass ich beim Anblick der ersten Fotos entsetzt war, bei der ersten persönlichen Begegnung auf dem Messestand aber schon mehr Gefallen daran fand und nun in freier Wildbahn so gar nichts mehr daran auszusetzen habe. Die Funktion ist ohnehin auch bei der 1290 Super Adventure R über jeden Zweifel erhaben, zusätzlich zum hellen LED-Hauptscheinwerfer wird dieser von zwei LED-Leuchtbändern als Tagfahrlicht umspannt und darunter befindet sich das Kurvenlicht, das je nach Schräglage in drei Stufen zugeschaltet wird. Bei der R kommt optisch noch positiv hinzu, dass sie durch das auffälligere Orange in der Lackierung, den orange gefärbten Rahmen samt orangefarbenen Sturzbügeln an den Seiten und die schmäleren Reifen noch schlanker wirkt als die 1290 Super Adventure S und somit der moderne Scheinwerfer an der Front einen sportlicheren Eindruck macht.

Große Reifen und ein echtes Offroad-Chassis auf der 1290 Super Adventure R

Mit dem Thema Reifen wären wir nun auch schon bei einem der größten Unterschiede zur S-Version - die KTM 1290 Super Adventure R besitzt sowohl vorne als auch hinten größere und schmälere Reifen, die natürlich vor allem im Gelände einen Sinn machen und Vorteile bringen. Während bei Auslieferung in umseren Breiten der Continental Trail Attack II aufgezogen wird, sind wir in Peru auf grobstolligen Conti TKC 80 unterwegs - durchaus logisch bei rund 95 Prozent Offroad-Anteil auf der 200 Kilometer-Runde. Und tatsächlich ist damit der Vorwärtsdrang und die Spurtreue selbst auf grobem Schotter und im Sand enorm. Die Dimensionen 90/90-21 vorne und 150/70-18 hinten machen es möglich und sorgen zusammen mit dem handlichen Chassis für ein echtes und vor allem transparentes Offroad-Feeling. Lediglich im tiefen Sand sollte man es tunlichst vermeiden, stehen zu bleiben. Denn dann merkt man, dass 217 Kilo Leergewicht (mit vollem Sprittank gar 240 Kilo) doch ein fester Brocken sind.

Volles Elektronik-Paket auf der 1290 Super Adventure R auch im Gelände

Am kräftigen Triebwerk würde der Vorwärtsdrang jedenfalls nicht scheitern, denn selbst im Offroad-Modus, den wir klarerweise in der Wüste vorrangig nutzen, stehen stolze 100 PS zur Verfügung. Schlauerweise werden in diesem Modus auch gleich die anderen Parameter der MSC (Motorcycle Stability Control) auf die Anforderungen im Gelände angepasst: Das ABS am Vorderrad regelt möglichst grobmotorisch, am Hinterrad wird es völlig deaktiviert und die Traktionskontrolle erlaubt maximalen Schlupf, um den Vortrieb nicht permanent zu unterbinden. Und es funktioniert tatsächlich ziemlich gut, zumindest auf losem Schotter ist man mit dem Offroad-Modus bestens bedient, für noch schwierigeres Gelände oder eben tiefen Sand können die Systeme vollkommen deaktiviert werden.

PDS am Hinterrad als effektiver Durchschlagschutz

Schließlich ist auch das Fahrwerk voll und ganz auf grobes Gelände ausgelegt, 220 Millimeter Federweg vorne als auch hinten bieten je 20 Millimeter mehr als bei der KTM 1290 Super Adventure S - so viel, dass ernsthaftem Offroaden nichts im Wege steht. Verzichtet wird dabei zwar auf die elektronische Verstellbarkeit so wie bei der KTM 1290 Super Adventure S, doch auch die 48 mm WP-Upside-Down-Gabel der R-Version werkt äußerst präzise, sensibel und lässt sich voll verstellen. die hintere Aufhängung greift sogar auf ein PDS (Progressive Damping System)-Federbein zurück, ebenfalls voll verstellbar und so wie bei der S-Version direkt an der Schwinge ohne Umlenkung montiert. Was das PDS-Federbein so besonders macht, bezieht sich wiederum auf den besonders harten Geländeeinsatz: Die direkte Anlenkung ist es jedenfalls nicht (wie vermutlich viele wie auch ich geglaubt haben), sondern ein zusätzlicher Durchschlagschutz in Form eines zusätzlichen Kolbens, der selbst im Falle eines besonders harten Schlags immer noch für präzise Dämpfung sorgt.

Viele Power Parts auf der KTM 1290 Super Adventure R

Zu solch ausgeprägter Ernsthaftigkeit in Sachen Geländeeinsatz passt auch die ordentliche Sitzhöhe von 890 Millimetern und der höhere einteilige Sattel, der zusätzlich für einen äußerst angenehmen Kniewinkel sorgt. Natürlich lässt sich die KTM 1290 Super Adventure R (so wie alle KTM-Modelle) mit einer Vielzahl an Power Parts aufmöbeln, wie etwa Alukoffer, beheizbare Sättel, Zusatzscheinwerfer, Heizgriffe (die ich in der Wüste wirklich nicht vermisst habe), Tankrucksack oder wie an meiner Testmaschine Rally-Fußrasten, Kühler-Schutzgitter, Zusatzfilter für die Airbox, Akrapovic-Auspuff und Motorschutzplatte.

Auf der 1290 Super Adventure R muss man auf (fast) kein Komfort-Feature verzichten

Das ganz Besondere an der KTM 1290 Super Adventure R ist aber wohl, dass man trotz ihrer ausgeprägten Offroad-Tauglichkeit (abgesehen vom elektronisch verstellbaren Fahrwerk) auf kein einziges Komfort-Feature der S-Version verzichten muss. Cruise Control (auch Tempomat genannt) in denkbar leicht bedienbarer Ausführung (mit dem linken Daumen einschalten, aktivieren und je nach Wunsch per Hebel schneller oder langsamer einstellen), Race-on-System, bei dem der Zündschlüssel in der Tasche bleiben kann, ein eigenes Handy-Fach unter dem Cockpiit an der rechten Seite, bei dem auch gleich eine Ladebuchse integriert ist, 12 Volt-Steckdose direkt unter dem Cockpit und dieses brilliante TFT-Display, das ich schon auf der KTM 1290 Super Adventure S so bewundert habe.

Das riesige TFT-Farbdisplay ist ein gewaltiger Schritt nach vorne

Dank der, in der peruanischen Wüste prognostizierten Regenwahrscheinlichkeit von zwei Prozent (wobei ich mich doch ein wenig wundere, warum ich als anerkannter Regenmagnet nicht auch dort "eingewaschelt" wurde) kann ich selbst bei stärkster Sonneneinstrahlung eine ausgezeichnete Ablesbarkeit bestätigen. Wie auf der S-Version wirkt das riesige 6,5 Zoll TFT-Farbdisplay weder verspielt, noch überfrachtet sondern einfach nur sehr ausgeklügelt. Die Geschwindigkeit wird durch große Ziffern angezeigt, rundherum macht sich der Drehzahlmesser breit, der glücklicherweise wie ein analoger Drehzahlmesser, also im Uhrzeigersinn aufgebaut ist. Knapp vor dem Begrenzer blinkt der Drehzahlmesser rot und ist somit tadellos zu erkennen. Vor allem die große Ganganzeige in der rechten oberen Ecke des Displays ist sogar in stehender Fahrt bestens ablesbar - was will man mehr!

Mit einer KTM 1290 Super Adventure kann man blind durch das Menü surfen

Ja selbst die volle Leistung des 1301 Kubik großen V2-Motors steht auf der KTM 1290 Super Adventure R so wie bei der straßenorientierteren S-Version zur Verfügung, denn selbst bei unseren 95 Prozent Offroad in Peru wählten wir bereits für so manche härtere Schotterpiste den stärkeren Road-Modus, bei dem gewaltige 160 PS und 140 Newtonmeter Drehmoment an der Kette zerren. Zum einen, weil das Fahrwerk, das Handling und der WP-Lenkungsdämpfer durchaus mit dieser Power zurecht kommen, zum anderen, weil sich der gewünschte Modus dank intuitiver Bedienbarkeit und wie schon erwähnt optimal ablesbarem Display watscheneinfach und blitzschnell umstellen lässt. Schon bei der 1290 Super Adventure S habe ich mich extrem flott mit der Menüführung angefreundet, bei der komplett gleich zu bedienenden 1290 Super Adventure R war es nun noch einfacher und schneller. Denn die indivduelle Anpassbarkeit ist enorm, wer möchte, kann sich bis zu acht, aber auch nur zwei Daten anzeigen lassen - die dafür viel größer. Und der absolute Clou sind die beiden Schnellauswahltasten, die ebenfalls ganz individuell belegt werden können. Wer eine der beiden neuen Super Adventures kauft, wird wohl binnen kürzester Zeit blind durch das Menü surfen.

Man kann nicht alles haben - kein Kurven-ABS im Offroad-Modus

Die Brembo-Bremsanlage mit den beiden 320er-Scheiben und radial montierten Vierkolbensätteln ist für den Geländeeinsatz natürlich etwas überdimensioniert und bedarf schon einer sehr sanften Bedienung, um nicht zu brachial anzupacken. Da sie aber auch auf der Straße und da sehr sportlich funktioniert, ist sie immerhin ein guter Kompromiss zwischen Sport und Komfort, der auch offroad nutzbar ist. Dass das geniale Kurven-ABS nur in den Modi Sport, Street und Rain funktioniert, nicht aber im Offroad-Modus wird wahre Offroader wohl nicht stören - da macht ein Kurven-ABS wirklich (noch) keinen Sinn. Auch der Quickshifter, der das Hinaufschalten ohne Kupplung ermöglicht, funktioniert offroad nur bedingt, bei zu viel Schlupf am Hinterrad verweigert er den Dienst. Auf der Straße arbeitet das System aber so tadellos wie auf der 1290 Super Adventure S und Weitreisende sollten sich das "Travel Pack" mit genialem Quickshifter+ (auch kupplungsfreies Herunterschalten), MSR (Motor Schleppmoment Regelung) und Berganfahrhilfe HHC überlegen.

Das WIndschild ist auch auf der KTM 1290 Super Adventure R nur streng verstellbar

Bleibt also nur ein einziger Kritikpunkt, so wie bei der KTM 1290 Super Adventure S lässt sich das Windschild nur sehr streng in den acht Stufen um insgesamt 50 Millimeter höhenverstellen. Die beiden Drehräder mit grober Rändelung sind grundsätzlich eine gute Idee und verzichten auf lästige Arretierungen per Hebel oder sonstige Spielereien. So schwergängig und daher schmerzhaft müsste die Bedienung aber dann doch nicht sein. Dass auf der KTM 1290 Super Adventure R ein niedrigeres Windschild als auf der S-Version zum Einsatz kommt, wird den Offroader und vor allem den Wüstenbesucher nicht stören - bei 35 Grad aufwärts kommt jeder Windzug gerade recht. Wer mit seiner Super Adventure R auch in kühlere und weiter entlegene Gegenden fährt, kann natürlich auch das höhere Windschild montieren.

Ein Motorrad für vier!

Genau genommen, muss man natürlich auch den Preis als Kritikpunkt gelten lassen, 19.898 Euro in Österreich, 16.995 Euro in Deutschland und 18.990 Franken in der Schweiz sind schon stolze Beträge für ein Motorrad. Allerdings erfüllt kaum ein anderes Motorrad so viele Anforderungen wie die KTM 1290 Super Adventure R: Komfortables Reisen? Ihre Paradedisziplin. Sportliches Anrauchen? Mit 160 PS und 140 Newtonmeter Drehmomen t gar kein Problem. Moderne Features? Alles mit an Bord, was derzeit machbar ist -Leistungsmodi, Traktionskontrolle, Kurven-ABS, TFT-Farbdisplay, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht,... Geländetauglich? Ja, sogar das geht mit der Super Adventure R ganz ausgezeichnet! Womit die 1290 Super Adventure R ganze vier Motorräder in sich vereinigt - und somit eigentlich doch ein sehr gutes Angebot ist...

Fazit: KTM 1290 Super Adventure R

Die 1290 Super Adventure R soll das neue Offroad-Flaggschiff der KTM Adventure-Reihe sein - und ist es auch! Schon erstaunlich, wie handlich sich vollgetankt 240 Kilo im Gelände bewegen lassen. Auch der Offroad-Modus kann dabei weitestgehend überzeugen. Auf der anderen Seite stehen auf der R-Version wie auf der 1290 Super Adventure S die vollen 160 PS und 140 Newtonmeter Drehmoment sowie alle Komfort-Features (abgesehen vom elektronisch verstellbaren Fahrwerk) zur Verfügung: Vier Leistungsmodi (Sport, Street, Rain und Offroad), Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Cruise Control, schlüsselloses Race-on-System und die Handy-Verwaltung "My Ride". Damit fasst die KTM 1290 Super Adventure R eigentlich vier Motorräder in sich zusammen - und rechtfertigt so den stolzen Preis.

1
Vorteile
  • vollkommen geländetauglich
  • guter Offroad-Modus
  • einfaches Handling
  • sehr starker und kultivierter Motor
  • modernste Elektronikfeatures wieTraktionskontrolle, Quickshifter und Kurven-ABS
  • großes, gut ablesbares TFT-Display
  • LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht
1
Nachteile
  • hoher Preis
  • kraftaufwändige Höhenverstellung des Windschilds

Bericht vom 07.03.2017 | 29.359 Aufrufe

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