Africa Eco Race 2026 Etappe 4 - Harter Rallye-Alltag setzt ein

Navi repariert, 150 km/h und Teamdramen in der Wüste

Etappe 4 bringt den vorletzten Marokko-Tag beim Africa Eco Race. Luca Seppele kann ICO und STELLA reparieren, fährt wieder vorne mit und erlebt eine lange, abwechslungsreiche Prüfung zwischen Sand, Steinen und Highspeed-Pisten bis Khnifiss.

Die vierte Etappe des Africa Eco Race führt von Assa nach Khnifiss und ist zugleich die vorletzte Station auf marokkanischem Boden. Mit insgesamt 488 Kilometern zählt sie zu den langen Tagen dieser Rallye, fast die gesamte Distanz wird dabei als Sonderprüfung gefahren. 483 Kilometer stehen unter Zeitnahme, ehe nur noch eine kurze Verbindungsetappe an die Atlantikküste ins Biwak von Khnifiss führt. Nach den Navigationsdramen der Vortage zeigt sich die Rallye hier erneut von ihrer klassischen Seite: eine riesige Prüfung durch offene Landschaften, geprägt von wechselndem Untergrund, hoher Geschwindigkeit und dem ständigen Risiko, Material und Fahrer zu überfordern.


Sandpisten, steinige Tracks und Highspeed Richtung Atlantik

Stage 4 bietet eine typische Africa-Eco-Race-Mischung. Viel Sand in Form schneller Pistenabschnitte trifft auf flache Wüstenebenen, in denen die Fahrer die Maximalgeschwindigkeit von 150 km/h abrufen können. Gleichzeitig bleibt Marokko seinem Ruf treu: spitze Steine, lose Schotterpassagen und technisch anspruchsvolle Tracks verlangen permanente Aufmerksamkeit. Große Dünenfelder stehen diesmal nicht im Mittelpunkt, dafür ist es die Kombination aus Tempo und rauem Terrain, die den Tag selektiv macht. Während die Rallye sich Richtung Atlantik bewegt, wird einmal mehr deutlich, dass Rallye-Raid nicht nur aus Sand besteht, sondern vor allem aus stundenlangem Rhythmus zwischen Speed und Vorsicht.


Steinige Trails und verworrene Pisten fordern die Piloten auf zwei und vier Rädern.
Steinige Trails und verworrene Pisten fordern die Piloten auf zwei und vier Rädern.

Luca Seppele: Navigationsprobleme behoben und stark aufgeholt

Für den österreichischen Rallye-Fahrer Luca Seppele aus Kärnten ist Etappe 4 ein wichtiger Befreiungsschlag. Nach den massiven Problemen mit ICO und STELLA am Vortag kann das Team die Navigationssysteme reparieren. Luca startet mit dem klaren Ziel, wieder in die Gruppe der schnellen Fahrer zu kommen, die sein Tempo gehen können. Schon nach rund 50 Kilometern gelingt es ihm, etwa acht Konkurrenten zu überholen. Bis zum Tankstopp läuft alles nach Plan, die Sonderprüfung fühlt sich endlich wieder wie ein normaler Rallyetag an.


In Abwesenheit von technischen Problemen, kann Luca auf der 4. Etappe endlich seine Kove fliegen lassen.
In Abwesenheit von technischen Problemen, kann Luca auf der 4. Etappe endlich seine Kove fliegen lassen.

Die Strecke verlangt dennoch ständiges Umschalten. Luca beschreibt die Pisten als extrem abwechslungsreich: schnelle Sandpisten, weite Ebenen ohne Orientierungspunkte und dann wieder steinige, technisch schwierige Passagen mit losem Schotter. Gerade dort nimmt er bewusst Tempo heraus, um keinen Sturz zu riskieren. Ein Crash auf spitzen Steinen kann nicht nur schmerzhaft sein, sondern im Rallye-Kontext auch das Aus bedeuten.


Teamdrama bei Kilometer 410: Hilfe für Matteo Bottino

Kurz vor dem Ende der Etappe erlebt Luca dann einen Moment, der den Geist des Africa Eco Race perfekt einfängt. Bei Kilometer 410 trifft er seinen Teamkollegen Matteo Bottino auf der Kove 800. Dessen Moussesystem hat sich aufgelöst und der Reifen seiner KOVE 800X RALLY ist in Fetzen. Luca stoppt und gemeinsam versuchen sie, den Reifen provisorisch zu fixieren – mit Kabelbindern und Spanngurten, alles was im Rallye-Alltag eben verfügbar ist. Ob Bottino das Biwak ohne fremde Hilfe erreicht, bleibt offen. Doch diese Szene zeigt, wie schnell sich ein Tag im Rallye-Raid von sportlichem Angriff zu improvisierter Nothilfe wandeln kann.


Kove-Teamkollege Matteo Bottino schenkt seiner 800er Maschine auch kräftig ein. Vielleicht zu sehr, denn Luca muss seinem Kollegen mit zerfetztem Mousse kurz vor der Zielgeraden aushelfen.
Kove-Teamkollege Matteo Bottino schenkt seiner 800er Maschine auch kräftig ein. Vielleicht zu sehr, denn Luca muss seinem Kollegen mit zerfetztem Mousse kurz vor der Zielgeraden aushelfen.

Im Biwak angekommen, beginnt für Luca sofort wieder der gewohnte Ablauf: Duschen, Zelt herrichten, essen und das Motorrad für den nächsten Tag vorbereiten. Trotz all der Kapriolen des Fahrtages, sichert sich Luca ein sehr gutes Tagesergebnis. Er fährt innerhalb seiner 450er Klasse mit 59 Startern die neunt-schnellste Zeit ein, im klassenübergreifenden Gesamtranking liegt er in den Top 30.


Yamaha stark, Botturi mit Drama: gemischter Tag für die Favoriten

Auch an der Spitze gibt es große Geschichten. Das Ténéré Yamaha Rally Team erlebt einen Tag zwischen Jubel und Herzschmerz. Gautier Paulin holt sein erstes Podium in der Motorradwertung des Africa Eco Race und bestätigt seine beeindruckende Anpassung vom Motocross zum Rallye-Raid. António Maio und Mike Weidemann sorgen dafür, dass gleich drei Yamaha Ténéré unter den Top 4 landen.


Die Yamaha Tenere Fraktion ist bisher sehr stark bei diesem Africa Eco Race. Nur zuvor Führender Alessandro Botturi verliert über eine Stunde durch ein technisches Problem.
Die Yamaha Tenere Fraktion ist bisher sehr stark bei diesem Africa Eco Race. Nur zuvor Führender Alessandro Botturi verliert über eine Stunde durch ein technisches Problem.

Für Alessandro Botturi hingegen wird es bitter: Nur zwölf Kilometer vor dem Ziel zwingt ihn ein elektrisches Problem zum Stopp. Erst durch die Hilfe von Nicolas Charlier, der ihn mit einem Seil bis ins Ziel schleppt, bleibt Botturi überhaupt im Rennen. Trotz des großen Zeitverlusts sitzt der Italiener weiterhin in den Top 10 der Gesamtwertung. Auch dieser Vorfall unterstreicht, wie sehr Solidarität und Sportsgeist zum Africa Eco Race gehören.


Ausblick: Etappe 5 wird die längste Prüfung vor dem Ruhetag

Nach Stage 4 richtet sich der Blick bereits auf den nächsten Monster-Tag. Etappe 5 gilt als längste Etappe der gesamten Rallye und führt entlang der marokkanischen Ostküste in Richtung Dakhla. Zunächst wartet eine 204 Kilometer lange Verbindung, danach folgt eine 396 Kilometer Sonderprüfung mit weichem Sand und schnellen, steinigen Trails. Abschließend geht es über weitere 168 Kilometer Liaison ins Biwak nach Dakhla, wo ein Ruhetag bevorsteht. Für Luca Seppele wird entscheidend sein, den positiven Trend nach der reparierten Navigation mitzunehmen und gleichzeitig das Material zu schonen. Denn auf dem Weg nach Dakar wird klar: Die Rallye hat gerade erst ihre härtesten Kapitel aufgeschlagen.


Africa Eco Race 2026 Etappe 4 - Motorräder klassenübergreifend

RangStartnummerFahrerMotorradKlasseZeitRückstand
11Jacopo CeruttiAprilia Tuareg 660+6505:14:32
221Gautier PaulinYamaha Tenere 700+6505:18:43+4:11
3109Antonio MaioYamaha Tenere 700+6505:20:26+5:54
4191Mike WiedemannYamaha Tenere 700 JYTR+6505:21:17+6:45
5176Jean-Loup LepanKTM 450 Rally Replica4505:22:02+7:30
66Marco MenichiniAprilia Tuareg 660+6505:24:11+9:39
7171Kevin GallasYamaha Tenere 700+6505:24:50+10:18
830Thomas MariniHusqvarna 450 Rally4505:27:59+13:27
994Valentin SertilhangesKTM 450 Rally4505:34:10+19:38
1095Amaury BaratinKTM 450 Rally4505:39:13+24:41
1199Van PeltHusqvarna 450 RR4505:53:35+39:03
1280Roman KrejciKTM 450 Rally Replica4505:56:44+42:12
13184Noa SainctKTM 450 EXCF4505:58:23+43:51
14124Nicolas CharlierYamaha Tenere 700+6505:59:23+44:51
1550Hans DovlandKTM 450 RFR4506:00:50+46:18
1619Luca SeppeleKove 450 EX4506:01:27+46:55
17122Andrea VignoneGasGas ES 700+4506:02:49+48:17
1891Dalle PalleKTM 450 EXC4506:06:08+51:36
1989Thierry TraccanHonda CRF 450 Rally4506:06:21+51:49
2061Jim MoisaKTM 450 RFR4506:06:26+51:54

Africa Eco Race 2026 Motorrad Gesamtwertung nach Etappe 4

RangStartnummerFahrerMotorradKlasseGesamtzeitRückstand
11Jacopo CeruttiAprilia Tuareg 660+65012:45:46
230Thomas MariniHusqvarna 450 Rally45012:50:35+4:49
3176Jean-Loup LepanKTM 450 Rally Replica45012:50:36+4:50
4171Kevin GallasYamaha Tenere 700+65012:52:30+6:44
521Gautier PaulinYamaha Tenere 700+65012:53:09+7:23
6191Mike WiedemannYamaha Tenere 700 JYTR+65013:16:23+30:37
7109Antonio MaioYamaha Tenere 700+65013:21:06+35:20
86Marco MenichiniAprilia Tuareg 660+65013:37:54+52:08
92Alessandro BotturiYamaha Tenere 700+65013:53:04+1:07:18
1094Valentin SertilhangesKTM 450 Rally45014:02:51+1:17:05
1195Amaury BaratinKTM 450 Rally45014:07:33+1:21:47
1299Van PeltHusqvarna 450 RR45014:28:35+1:42:49
13124Nicolas CharlierYamaha Tenere 700+65014:47:44+2:01:58
1450Hans DovlandKTM 450 RFR45014:49:01+2:03:15
15150Matthew GirdHusqvarna 450 FR45014:59:02+2:13:16
16106Bertrand GavardYamaha Tenere 700+65015:01:06+2:15:20
17121Sebastiano AntonelloKove 450 Rally45015:18:57+2:33:11
1880Roman KrejciKTM 450 Rally Replica45015:19:01+2:33:15
1992Stephan SavelkoulsHusqvarna 450 RR45015:20:46+2:35:00
2096Lejon FokkemaHusqvarna 450 RR45015:21:09+2:35:23
2113Alexandre AzinhaisKTM 500 EXC-F Fivard+45015:28:33+2:42:47
2240Stefano DogliottiKove 450 Rally EX45015:30:54+2:45:08
2312David FretignéHonda CRF 450 Rally45015:36:29+2:50:43
2428Boris WoltersHusqvarna 450 Rally45015:37:20+2:51:34
25123Fabio LotteroKTM 500 EXC-F+45015:48:23+3:02:37
2691Dalle PalleKTM 450 EXC45015:48:33+3:02:47
2719Luca SeppeleKove 450 EX+45015:49:46+3:04:00
2861Jim MoisaKTM 450 RFR45015:55:39+3:09:53
29184Noa SainctKTM 450 EXCF45015:59:06+3:13:20
3044Gad NachmaniKTM 450 Rally Replica45016:05:36+3:19:50
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Bericht vom 30.01.2026 | 2.157 Aufrufe