Sommerenduro Lunz

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War ein ganz ein feines Enduro-Rennen beim Hacki in Lunz am See. Geiles Wetter, geile Strecke und 2,5 Stunden Fitnesstraining ohne Hanteln. Enduroherz was willst Du mehr.
Bei der Anreise hatte ich noch große Bedenken ob dieses Enduro-Weekend ein herrliches wird sein können. Die Regenfälle der vergangenen Tage haben Spuren in der Landschaft hinterlassen. Der Boden wirkte so schwammig wie ein grindiger Abwaschfetzen den man 3 Tage lang in der Abwaschgrütze hat liegen lassen. Mein bayrischer Keilerkombi macht auf Asphalt zwar viel Spaß, aber bei der Einfahrt ins Fahrerlager wünschte ich mir lieber einen alten Lada Taiga. Mit dem Hänger im Schlepptau ruderte ich über die glitschige Wiese wie ein Anfänger am Eislaufplatz. Doch die anwesenden Parkplatzeinweiser beruhigten mich ungemein. "Fohr ruhig eini in Gatsch! Wir ziagn di nochdum mitn Traktor aussi"
   
Bei der Fahrerbesprechung wurden letzte Unklarheiten beseitigt. Das Rennen war in vier Altersgruppen eingeteilt.  Jeweils waren 2 1/2 Stunden auf einer Runde zu absolvieren. Zwei Gruppen starteten um 12:00 Uhr und zwei Gruppen um 15:00 Uhr. In die Runde waren 2 "Schmankerl" eingebaut. Diese waren durch rote Pfeile gekennzeichnet und man konnte wählen. "Fahr ich die normale, leichte Spur weiter und erspare mit Schinderei und Schweiß, oder mach ich einen kleinen Umweg und kassiere Extrapunkte".
   
Meiner Meinung nach ein tolles System. Pro normaler Runde bekam man 3 Punkte, für den grindigen felsigen Steilhang nochmals 3 Extrapunkte und für den nicht ganz so grindigen Steilhang durch den Wald gab es 2 Extrapunkte. Besonders für nicht ganz so gut trainierte Hobbyfahrer wie ich es bin war das eine feine Sache. Solange Motivation und Kondition ein entsprechend hohes Niveau hatten, wurden Extrapunkte gemacht. War man mal ein wenig "am Ende" ließ man die Peinigerabschnitte einfach aus und legte eine Standardrunde hin.
   
Bei der ersten Trainingsrunde am Vormittag war der Boden noch etwas aufgeweicht und an einigen Stellen bildeten sich Staus. Die Sonne über Lunz half aber sehr brav mit und bei den Rennen war die gesamte Strecke wunderbar zu befahren. Beim Start hatte ich durch rechtzeitige Nennung (10 Minuten vor Nennschluß) einen grandiosen Platz in den hintersten Reihen erobert. Beste Voraussetzungen für ein mörderisches Ergebnis.
NastyNils kurz vor dem Start
   
Nach dem Start um 12:00 Uhr lief es wunderbar. Am Anfang bildete sich schon bei der ersten Auffahrt ein kleiner Stau, aber der war schnell überwunden. Ein hartes Nadelöhr wird jedoch die 3 Extrapunkte Passage in der ersten Runde sein, dachte ich mir und fuhr die Sonntagsfahrer Spur weiter. Doch auch hier gab es eine ordentliche "Beißer Passage". Das ist eine jener Passagen wo du dir in den Arsch beißt wenn vor dir jemand liegt und auch du vom Gas gehen musst. Dann ist zerren und stöhnen angesagt. Die Passage war ein steinernes Meer überzogen mit einer feinen Erdschicht. Die Erdschicht wurde schon in der Trainingsrunde abgearbeitet und so blieb nur der steinerne Hang übrig.
   
Bei dieser Passage hatte ich komischerweise mit meiner WR 450 überhaupt keine Probleme. Auch wenn vor mir ein paar arme Teufeln zerrten und den Hinterreifen an einem Felsen qualmen ließen kam ich nach 2-3 Anfahrtsversuchen sofort wieder weiter. Ich hatte den Eindruck, daß Fahrer welche auf 2-Takt Motocrossern unterwegs fahren meistens den Stau verursachten. Langer 1. Gang, scharfe Motorcharakteristik und fehlender E-Start waren in dieser Sektion einfach nicht das gelbe vom Ei. Die 4-Takt Enduro Piloten hatten bei dieser Sektion meistens nicht so große Probleme und kamen einigermaßen gut voran.
   
Der weitere Streckenverlauf beinhaltete ganz herrliche Passagen. Steile Hohlwege mit Grip den Wald hinauf, 3-Gang Steilhänge über Wurzel, Stock und Stein, schmale Passagen die man langsam und vorsichtig absolvieren musste, ein paar Bachdurchfahrten und zum Ausrasten ein paar kurze Relax-Streifen auf dem Schotterstrasserl. Insgesamt eine ganz tolle Strecke die alles beinhaltet was man sich als Endurofahrer wünscht. An dieser Stelle ein ganz großes Lob an die engagierte Truppe rund um den Endurobauern Hacki. Vielen Dank für das tolle Rennen.
   
In Runde 2 jedoch ein herber Tiefschlag für meine Punktejagd. Bei der steinernen Auffahrt fällt neben mir ein Fahrer mit seinem Eisen um und sein Lenker verhängt sich in meinem Motorblock. Ich versuche mein zuverlässiges blaues Baby wieder in Schwung zu bringen, aber da war nix mehr zu machen. Ich hab die Batterie fast ganz ausgesaugt als ich bemerkte das der Vergasser vom Ansaugflansch heruntergerutscht ist. Das Punkteduell mit dem großen Nesut scheint nun verloren - zumindest habe ich jetzt eine perfekte Ausrede. Werkzeug hatte ich natürlich keines bei mir und meine Motivation war am Tiefpunkt. Ich wollte das Handtuch schon schmeißen, hab aber dann in einem kurzen Anflug von Ehrgeiz den Vergaser ohne Schelle auf den Flansch genudelt. Der Motor lief dann nicht mehr so sauber, aber zurück bis zum Fahrerlager war es kein Problem. Dort wartete der Nesut gerade auf seinen Einsatz um 15:00 Uhr und zeigte sich als hilfsbereiter Sportsmann. Er hat mir den Vergaser mit fachkundiger Hand und wüster Flucherei wieder montiert.
Danke an den Nesut und dem unbekannten Helfer in Grau für die flotte Hilfe bei der Vergasermontage
   
Ich war nun wieder TOP motiviert und wollte die verlorene Zeit auf alle Fälle wieder aufholen. Ich hab Gas ohne Ende und lag 3 Kurven später ordentlich auf der Go. Das Tempo wurde dann zurückgedreht und die weiteren Runden hab ich erstaunlicherweise recht flott absolvieren können. Einige Stellen in der Strecke wurden im Laufe des Rennens immer einfacher, andere wiederum wurden von Runde zu Runde tiefer und selektiver. Nach 5 Runden waren die Qualen dann zu Ende. Insgesamt konnte ich 21 Punkte sammeln was für Platz 57 von 78 Startern in meiner Klasse reichte. Die schnellste Runde war mit 20 Minuten gar nicht so schlecht, aber die Vergasertroubles haben sich mit einer 56 Minuten Runde schwer zu Buche geschlagen. Zumindest lautet so meine Ausrede für das magere Ergebnis.
Der Fotograph muss ein Genie sein. Wie er es nur schafft das man auf dem Photo das rasante Tempo des Fahrers nicht erkennt.
   
Umso erfolgreicher war der große Nesut auf seiner Suzuki DR-Z 400. Der schwer trainierte Nesut fährt ein gesamtes Endurorennen im Sitzen und die Fußrasten benötigt er nur um darauf die Füße gemütlich zu platzieren. Seine DR-Z ist ein echtes Traktionswunder (Er meint zwar es wäre sein überlegener Fahrstil was ich nicht glaube) und er kommt auf jeden verdammten Hügel rauf. Er schafft am Samstag den 9 Platz und am Sonntag fährt er auf Platz 4. Ich selbst hab mir den Sonntag natürlich erspart. Nach einem Endurorennen bin ich so streichfähig dass ich nur noch nach hause zu meiner Holden möchte um zu kuscheln und zu schlafen. Die Enduromopetten kann ich dann 3 Wochen lang nicht anschaun.
Der große Nesut kann zufrieden sein. Ein 4. und ein 9. Platz in seiner Klasse mit dem "Nesuta-Leder-Sofa-sitzen" Fahrstil ist ein Wahnsinn.
   
Mit dabei am Start war auch der Edi Ederer. In seiner Klasse wurde er mit 72 Punkte zweiter hinter Krimbacher Gerhard (75 Punkte). In der Gesamtwertung vom Samstag reichte es für Platz 4. Noch schneller als auf der Strecke hatte er es beim Essen. Er ist grad beim Häuslbauen und musste ganz schnell zurück zur Baustelle. Die Gattin erwartete ihn schon mit strengen Blick und großer Schaufel vor der laufenden Mischmaschine.
   
Hier noch ein paar Fotos aus Lunz. Photographen: NastyNils und der große Nesut.

Hier findest Du die komplette Ergebnisliste zum Download.

 

Bericht vom 28.06.2004 | 1.667 Aufrufe

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