4 Tipps für finanziell klamme Jung-Biker

Biking on a Budget

Motorradfahren ist ein Spaß, den man sich leisten können muss? Stimmt nicht, es geht auch, wenn auf dem Konto nicht gerade Überfluss herrscht.

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Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Das gilt auch für zweirädrig motorisierte Szene: Schon seit vielen Jahrzehnten ist Biken für viele, wahrscheinlich sogar die meisten von uns etwas, das irgendwo in der Grauzone zwischen klassischer Mobilität und Freizeitspaß angesiedelt ist mit gewisser Tendenz zu letzterem. Nichts, was man zwingend bräuchte, um beispielsweise zur Arbeit zu kommen, sondern eher ein Bonus, mit dem sich der geneigte Biker für einen harten Arbeitsalltag belohnt ungleich zu früheren Zeiten, als das Motorrad zuvorderst ein ganz normales Fortbewegungsmittel war, bei dem der Transportgedanke ganz stark gegenüber Fahr- und Freizeitspaß überwog.

Allerdings hat das auch für eine gewisse Schieflage in der Wahrnehmung gesorgt: Viele denken, dass Biken ein Luxushobby wäre. Ein teures noch dazu. Vor allem Jung-Biker in spe, die keinen eigenen Bock haben, denken das häufig. So kommt es, dass sich viele mit Benzin im Blut das Motorrad verkneifen in dem Glauben, es sich nicht leisten zu können. Dabei benötigt es definitiv kein großes Budget, bloß ein stringentes Vorgehen und das Beherzigen einiger Tipps.

1. Das Bike als Alltagsfahrzeug betrachten

Ein beträchtlicher Teil der erwähnten Wahrnehmung basiert darauf, dass viele Biker sowohl als auch besitzen, also ein normales Auto sowie ihr Motorrad. Letzteres dann als Freizeitvehikel und normales Alltagsfahrzeug für schöne Tage.

Hier solltet ihr angesichts der österreichischen Fahrzeugbesteuerung als erstes ansetzen: Braucht ihr zwingend ein Auto? Je nachdem, wie euer Alltag ausschaut, vielleicht nicht. Soll heißen, überlegt sehr genau, an wie vielen Tagen im Jahr ihr überhaupt vier Räder benötigt und vergesst nie, dass auch ein Bike absolut dafür geeignet ist, Einkäufe zu transportieren; ihr müsst vielleicht nur etwas häufiger fahren, das ist aber bloß eine Sache von Planung und Gewohnheit. Zudem sind auch Zweiräder, mit der richtigen Bekleidung, absolut schlechtwettertauglich, das gilt sogar für den Winter.

Am Ende benötigt ihr einen PKW an vielleicht nur einem Dutzend Tagen im Jahr. Dafür tuts dann auch Geliehenes zwischen Mietwagen und Carsharing-Auto.

2. Den Kredit richtig wählen

Es gibt Leute, die können sich selbst eine Harley Breakout mit ihrem Startpreis von über 28.000 Euro locker von ihrem Bankkonto gönnen das sind aber nicht diejenigen, für die dieser Artikel relevant ist. Wenn ihr ein Bike erwerben wollt, muss das wahrscheinlich auf Raten geschehen.

Klar, jahrelang ansparen wäre natürlich eine Option, dauert aber unnötig lange. Die praxistauglichere Option ist der Kredit. Doch genau hier lauert der nächste Fallstrick: Nehmt keinen Kredit ohne Zweckbindung. Das ist immer die zinstechnisch teuerste Option wird aber von manchen Bankberatern bei Motorrädern gern angeboten, weil auch sie der Ansicht sind, dass Bikes Luxusgegenstände wären, keine automobile Notwendigkeit wie ein normaler PKW.

Nein, ihr wollt die für euch günstigste Variante, das ist der zweckgebundene Autokredit trotz des Namens gibt es den auch für Motorräder. Bei dem wird das Motorrad als Sicherheit eingetragen, das drückt die Zinsen ganz erheblich gegenüber dem normalen Kredit. Weiteres Plus: Ihr könnt, wenn ihr das Bike (neu) beim Händler kauft, einen Barzahlungsrabatt herausschlagen, der den Gesamtpreis nochmals drückt.

3. Keine Hubraumorgien feiern

Wie werden Motorräder in Österreich besteuert? Es kommt darauf an, denn wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs:

  • Bikes, die vor dem 1. Oktober 2020 erstmalig zugelassen wurden, werden allein über den Hubraum besteuert. Und zwar mit 0,025 Euro pro Kubikzentimeter.
  • Bikes, die ab dem 1. Oktober 2020 erstmalig zugelassen werden, werden über den Hubraum und den CO2-Ausstoß besteuert.

Zunächst bedeutet das, dass ihr euch, falls ihr ein brandneues Bike wollt, sputen solltet, denn durch die CO2-Besteuerung wird das Prozedere in jedem Fall komplexer und viele Bikes werden auch teurer.

Ganz generell solltet ihr jedoch für ein möglichst günstig zu unterhaltendes Motorrad darauf verzichten, große Hubräume anzupeilen. Um euch das mal rechnerisch zu demonstrieren:

  • Für eine Kawasaki ZX-6R in der Variante mit 636ccm würdet ihr eine motorbezogene Versicherungssteuer von 190 Euro jährlich zahlen.
  • Für eine BMW K 1200S mit 1157ccm läge die Steuer hingegen bei 347 Euro jährlich.

Ein deutlicher Unterschied, nicht wahr? Das heißt natürlich nicht, dass ihr nur Bikes mit kleinsten Hubräumen suchen solltet. Eher, dass ihr ehrlich eruieren solltet, wie viel Hubraum ihr wirklich benötigt. Auch unter der Prämisse, dass ihr das Bike im Alltag bewegen wollt.

Und: Sofern das Motorrad vor dem 1. Oktober ´20 erstzugelassen wurde, solltet ihr auf jeden Fall die Steuer jährlich zahlen. Mit der Änderung erhöhen sich auch die Zuschläge für unterjährige Zahlungsweisen um sechs Prozent führ halbjährliche Zahlung, um acht für vierteljährlich und sogar satte zehn Prozent für monatliche Zahlung.

4. Wartungsarbeiten selbst erledigen

Eine oft sträflich vernachlässigte Methode für ein möglichst günstiges Motorrad ist es, dem Bock regelmäßige Wartung angedeihen zu lassen. Viele denken, dass sie Geld sparen würden, wenn sie die Inspektionsintervalle nicht so stringent einhalten wie vom Hersteller vorgeschrieben eine Milchmädchenrechnung. In Wahrheit sieht es so aus:

Selbst die penibelste Wartung ist auf Dauer immer günstiger als jede Reparatur

Allerdings sagt keiner, dass die Wartung zwingend in der Werkstatt erfolgen müsste. Denn das, was am Bike regelmäßig zu tun ist, könnt ihr, natürlich bedingungslose Sorgfalt vorausgesetzt, auch größtenteils in Eigenregie erledigen. Klar, dafür braucht es Platz, eine Hebebühne und eine gute Werkzeugausstattung. Das kostet zwar alles Geld, aber es ist eine einmalige Ausgabe und buchstäbliche Investition ihr nehmt einmal Geld in die Hand und erkauft euch so die Ersparnis, höchstens noch dann in die Werkstatt zu müssen, wenn schweres Gerät nötig ist; etwa zum Wechseln der Reifen.

Tut euch allerdings selbst einen Gefallen: Checkt das Netz. Dort findet ihr für exakt euer Motorradmodell die korrekten Inspektionspläne mit Intervallen und Arbeitsangaben und überdies auch Anleitungen, die euch genau verraten, wie was getan werden soll. Arbeitet nicht ins Blaue hinein, ganz besonders, wenn ihr noch keine Erfahrung habt. Im Zweifelsfall nehmt für die ersten Inspektionen einen befreundeten Biker hinzu, der euch über die Schulter schaut. Ihr kennt keine technisch versierten Biker? Dann fragt in unserem Forum nach.

Zusammengefasst

Motorradfahren muss nicht zwingend ein teures Hobby sein, das ihr euch nur leisten könnt, wenn euer Job genug abwirft. Wie bei allem anderen kommt es letztlich nur auf cleveres, sparsames Vorgehen an. Und das beginnt bereits damit, dass ihr euch von dem Gedanken freimacht, dass Biken überhaupt ein Hobby sein müsste. Es gibt genügend Alltagsbiker, die bei jedem Wetter im Sattel sitzen und ihr solltet immer bedenken, dass ihr bei einer derartigen Nutzung nicht nur Geld spart, sondern auch sehr rasch sehr viele Kilometer und somit Fahrroutine sammelt. Besser kann man nicht vom Neuling zum Routinier werden, auch auf zwei Rädern.

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Bericht vom 22.06.2020 | 7.840 Aufrufe

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