Wiedersehen mit der Speed Triple beim High Bike Testcenter in Ischgl. Harmonie in der Höhe.
Triumph Speed Triple
Das Motorrad, das ein Motor ist.
"Die Speed Triple ist im Grunde ein altes Motorrad, und das wissen wir."
Wie war das? Was hat uns der Triumph Mann da gerade live und direkt ins
Gesicht gestellt? Einen Satz, so trocken wie das erkaltete Vulkangestein
auf dieser kanarischen Insel. Einen Satz, vollkommen frei von
superlativem Marketingsprech. Einen Satz, den wir nicht ganz verstanden
haben, den wir gar nicht verstehen konnten. Denn wir saßen gerade auf
dem neuesten Update von Triumphs Streetfighter-Ikone, die das Thema
Nakedbike vor 14 Jahren variiert und radikalisiert hatte. Wir hatten
auch kaum Andeutungen zu eventuellen Schwächen des Motorrades gemacht,
sondern ereiferten uns vielmehr, wie phantastisch dieser Dreizylinder
seine perfekt dosierbare Kraft entfaltet. Nichts wheelt besser, nichts wheelt kontrollierter.
Wir waren euphorisiert, begeistert. Möglicherweise, aber daran kann
ich mich jetzt nicht mehr so genau erinnern, erwähnten wir in einem
Nebensatz, dass sich die Speedy mit schnellen Richtungswechseln nicht
mehr ganz so leicht tut, wie manche Konkurrentin. Unsere Ansprüche waren inzwischen gestiegen,
die Maßstäbe gewachsen. Die neue Messlatte kam aus Österreich, ein
adeliges Hackbeil. Die Super Duke markierte in Sachen Handling das neue Non-Plus-Ultra
und wartete nur darauf, dass die Engländer mit einem Uppercut auf den
linken Haken reagieren würden. Aber der kam nicht. Stattdessen versuchte
sich der angezählte Straßenkämpfer in voller Deckung noch irgendwie über
die letzten Runden zu retten.
Ein letztes Update schließlich für die Saison 2008 und für 2011 kommt dann
wirklich eine neue Speedy auf den Markt, versprochen. Wie gesagt, wir
waren nicht unzufrieden, sondern wheelten glücklich und beschwerdefrei durch die Gegend. Doch
die Engländer selbst waren nicht mehr zufrieden, wussten, dass etwas
weitergehen musste. Während das zur Ikone erhobene Design der Speed
Triple bereits in der Ewigkeit verhaftet war, wurde die Zukunft der
Technik, im Speziellen der Geometrie, immer kürzer, bis aus Zukunft
Vergangenheit wurde. Und so geschah es, dass man in Hinckley Pinsel und
Farbtopf endlich gegen Hammer und Meißel tauschte und kräftig drauf los
hämmerte.
Hammer und Meißel statt Pinsel und
Farbtopf.
3 Kilo wurden weggemeißelt, die Gesamtlänge um 29 mm gekürzt, die Breite
um 52 mm verschmälert. Sogar der Tank kam nicht ohne einen halben Liter
Aderlass davon. Dafür legten der Radstand mit einem Plus von 6 mm und
die Sitzhöhe mit 10 mm etwas zu. Man sitzt jetzt moderner, das heißt
näher an Lenker und Vorderrad dran. Das steigert das Gefühl für die
Front und schärft die Präzision. Die Speedy fährt sich handlicher und
unangestrengter, den neuen 190er im Heck hätte man gar nicht bemerkt, an
Steh- und Schauplätzen wird er aber zum wichtigen Detail. Ein gutes
Gefühl, im Sattel einer Speed Triple, man ist definitiv "the man in
charge" und genießt Autorität, auch wenn die befehlsgebenden Griffe
deutlich näher zusammengerückt sind.
Ist der Startknopf erstmal gedrückt und der einzigartige Dreizylinder
beginnt so unverwechselbar disharmonisch zu surren, ist man mit all
seinen Gedanken, Gefühlen und Geschlechtsteilen sowieso nur mehr beim
Triple. Dieser Druck von unten, den man bis knapp in den fünfstelligen
Bereich voll auskosten kann. Diese wunderbare Dosierbarkeit, mit der
Wheelies auch für Gescheiterte kein Ding der Unmöglichkeit mehr sind.
Und dieser Sound, dem zu Ehren wir gerne eine Arrow-Anlage montieren
würden, um ihn möglichst rein genießen zu können. Der Motor hätte gar
nicht mehr Power nötig gehabt, um selbst den sportlichsten Fahrer rundum
glücklich zu machen, trotzdem bekam er ein paar Wild Horses mehr
spendiert. Die Maximalleistung liegt nun bei 135 PS und 111 Nm bei etwas
erhöhter Drehzahl.
Die Duke muss man prügeln, die
Triple kann man auch streicheln.
Da wird es auch für eine Super Duke eng, wenn die Kurven nicht allzu
spitz werden und die KTM ihr radikales Handling und die bei Nakedbikes
konkurrenzlose Korrekturfähigkeit im Radius voll ausspielen kann. Denn
die Speed Triple ist harmonischer, geduldiger und berechenbarer. Die
Duke muss man prügeln, die Triple kann man auch streicheln. Manchmal
stört das grobe Getriebe die Idylle zwischen Mensch und Maschine, aber
kurze Momente des Ärgerns können den Glauben an eine funktionierende
Beziehung nicht in Zweifel bringen. So sehr Triumph mit den neuen
fünfeckigen Scheinwerfern irritiert und polarisiert hat, so ausgewogen
wurde die neue Speed Triple als Gesamtkonzept. 17 Jahre alt. So jung wie
noch nie.
Die heilige Dreifaltigkeit, in drei Zylinder
aufgeteilt.
Mit 135 Pferden, scheint der Himmel wie auf Erden.
Der Fahrer sich im Sitz verkeilt, die Speedy fest nach vorne eilt.
Wer sich möchte duellieren, wird mächtig Watsch'n einkassieren.