Weiße Hochzeit oder schwarze Messe? Die Triple ist deine Partnerin!
Triumph Speed Triple 2008
Wenn es auf der
Vulkaninsel brennt, muß man das Land verlassen.
Die Augen Gottes hinter Aschenbechergläsern.
Nobody expects the Spanish Inquisition. Auch nicht die Franzosen.
Und so genossen die drei Journalisten das savoir vivre hinter
lanzarotischen Gitterstäben, bis sie von den Briten in triumphaler
Manier - und mit der Überredungskunst harter europäischer Währung in
rauen Mengen - spätabends ausgelöst wurden. Was auf einem Streetfighter
sitzt, ist ein Outlaw. 'Fool me once, shame on you,
fool me twice, shame on me' hat uns George mit seinen ganz eigenen
Worten wissen lassen. Deshalb tat man gut daran, die Speed Triple
Testfahrt für die Schweizer, die Deutschen und die Österreicher
kurzfristig auf die Nachbarinsel Fuerte Ventura zu verlegen. Die Fähre
schluckte die 20 Motorräder mit ihren 60 Zylindern problemlos. Von innen
an ihren Bauch gelehnt, überstanden sie die Überfahrt unversehrt.
Kurze Zeit später finde ich mich in einem Meteoritenschauer wieder,
verursacht durch sich äußerst schnell drehende Gummiwalzen, angetrieben von 132
Pferden, die mit einer Kraft von 105 Nm vulkanische Gesteinsbrocken aus
dem Boden sprengen und mit der Geschwindigkeit eines Paintballs auf
Motorrad, Leder und Helm des Hintermannes schießen. Dort wo sie
detonieren, brennt’s ein wenig. Und es brennt oft. Eine Vollverkleidung
mit Touringscheibe wäre jetzt wünschenswert, dann würde wenigstens das
Visier überleben. Doch man ist nackt unterwegs, da sind nur die zwei legendären, übergroßen
Scheinwerfer, die das unverkennbare, einzigartige Gesicht der Triple
ausmachen, die dem Kugelhagel die Stirn bieten müssen und keine Chance
haben, zu reagieren und auszuweichen. Zum Glück sind die Gläser der
Glubscher nicht so millimeterdünn wie das Plastik des Visiers. Gefahr
des Erblindes besteht also nur für den Fahrer, könnte man sich
beruhigen.
Plötzlich entsteht eine jener Situationen, in denen man im Nachhinein
nicht mehr weiß, ob sie eine Ewigkeit, oder nur einen Moment lang gedauert
haben. Etwas Beängstigendes hat sich vom Grund erhoben, groß und
schwarz wie zwei Unglück bringende Raben. Sie sind nicht unsichtbar, wie
all die anderen kleinen Steinchen, die man zwar nicht durch die Luft
fliegen sieht, die aber deutlich spürbare Schmerzen verursachen.
Die zwei Punkte sind eindeutig vom Rest der Umgebung zu
unterscheiden. Fliegen am Visier? Vögel im Tiefflug? Oder die dritte
Möglichkeit: Die zwei größten, versteinerten Überraschungseier, die je
aus fuerte venturischen Boden gerissen wurden. Freundlicherweise hat
sie mir die Triple vor mir entgegen geworfen, damit ich sie fangen kann.
Sie scheinen kurz in der Luft zu verharren, bevor sie in meiner
unmittelbaren Nähe ein unerträglich lautes Geräusch erzeugen. Ein
Klesch’n, ein Krach’n, ein Klirren. Irgendwas ist jetzt kaputt.
Meine Augen sind noch O.K., ich kann klar denken, mein Sichtfenster
weist nur ein paar kleinere Schrammen auf. Wo landete das zweite Ei?
Aha. Es zerschlug das aschen-becherdicke Glas des linken Scheinwerfers.
Heute hattest du nochmal Glück, Fremder. Man kann sich vorstellen, was
so ein Nockerl mit einem Kehlkopf macht. Diese Insel ist nichts für
weiche Eier.
Daß man jetzt eine Kurve fährt, muß
man ihr laut sagen.
Ein Aug' für meine Straßenseite, eines für die andere.
Triumph Speed
Triple Video
Wenn der Dreizylinder spricht, lauscht
die Menschheit. Man hört die Urkraft, wie im Rauschen des Meeres, im Wind und im
Donner. Die Dreifaltigkeit des Sounds.
Wer sich das Video auf seinen Computer
downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste
hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: KarolettaLambretta
Videodreh: kot
Herz mit drei Kammern
Auch dieses Bike ist eher was für... Männer. (Und natürlich die Rossilina.) In dem göttlichen Dreizylinder, das absolute Highlight der
Triple, steckt eine Kraft, die sich nicht selbst kontrolliert. Da ist
noch eine Urform des Motorrads zu spüren, eine räudige, Furcht
einflössende, die seit der Entstehung der Triple 1994 - nunmehr in der
3. Generation und 5. Modellüberarbeitung - nichts von ihrem Reiz
verloren hat. Etwas, das den Menschen in früheren Zeiten sagte, dass es
vielleicht besser wäre, nicht Motorrad zu fahren. Herrlich!
Nun bedeutet das heutzutage nicht, daß sich so ein rauer Geselle auch
schlecht benehmen darf. Deshalb hat man den Motor mit einer neuen
Abstimmung kultivierter gemacht, ohne ihm seinen Charakter zu nehmen.
Daß er anstandslos anspringt, weniger verbraucht und runder läuft,
dagegen wird wohl niemand etwas haben, ebenso wenig gegen die 132 PS
Spitzenleistung und 105
Nm Drehmoment.
Kraft hat man, außer von unten raus, noch oben raus und in der
Mitte. Kein Loch ist zu spüren, der Motor gibt sich in jeder Lage
unnachgiebig und zerrt an der Kette. Die Gasannahme ist sehr direkt,
Spiel am Gasgriff ist kaum vorhanden. Wer zieht, muß damit rechnen, dass
die Triple im selben Moment auch zieht. Wer als Gewinner aus diesem
Duell gehen will, sollte gut darauf vorbereitet sein, denn die Triple
gehört zu den wheelie-willigsten Schöpfungen in der Nakedbike Liga.
Das "Wie" in Wheelie heißt Speed Triple.
Viel Wheel Obwohl der Fighter sehr vorderradorientiert ist, gehen Wheelies
irrsinnig leicht von der Hand. Abruptes Gasaufdrehen wird mit einem sehr
kontrollierten, linearen Aufstieg belohnt. Nichts Unerwartetes oder
Hinterfotziges behält sich die Triple für seinen Reiter vor.
Ein fairer Deal: Gib Gas, ich wheel.
Speedfight
Anders sieht es im harten Manöver aus. Kurven bedeuten Arbeit,
Wechselkurven bedeuten viel Arbeit. Bei der Triple empfiehlt es sich, am
Kurveneingang genau zu wissen, wo es hingehen soll. Besonders
Korrekturen fallen schwer, da sich das Motorrad mit den montierten
Dunlop D208R beim Bremsen in Schräglage sehr stark aufstellte und der
Radius plötzlich zur Geraden wurde. (In weiterer Folge werden die
Triples mit einem Satz Metzeler M3 ausgeliefert, was angeblich das
Aufstellmoment reduzieren wird.) Man darf sich eben keinen britischen
Superduke erwarten. Die Triple ist allerdings ein echter Streetfighter,
mit dem es sich zu kämpfen lohnt. Die Fetzerei auf Fuerte im Schlepptau
eines englischen Supersportpiloten, der normalerweise auf einer Daytona
675 seine Rennen gewinnt, ging jedenfalls schwer auf die Ärmel, machte
aber auch schwer glücklich. Man dirigiert direkt am Vorderrad und darf
sich mit seinem Kommandos nicht zurückhalten.
Was ist anders?
Im Wesentlichen wurden der Triple des Jahrgangs 2008 einige äußerliche
Retuschen zuteil, am deutlichsten zu sehen am nunmehr 40 mm verlängerten
Heck mit neuem Hilfsrahmen. Das lässt die Triple stimmiger wirken als
das 2005er Modell und freut noch dazu MitfahrerInnen. Diese profitieren
zudem von den neuen, polierten Hitzeblechen, die selbst nach längerer,
motivierter Fahrt nicht mal warm wurden, und von den Soziusfußrasten aus
Aluminium, die mehr Beinfreiheit gewähren. Die Fußrasten des Fahrers
sind nachwievor etwas hoch platziert, weshalb ich am Ende des Tages das
Gefühl hatte, die Kniescheiben springen aus ihrer Verankerung. Die
Heckleuchte klebt auch am Hintern der Street Triple und die Tachoeinheit
versteckt sich noch in der Verkleidung der Daytona 675, die Triple hat
sich am eigenen Teilemarkt bedient.
Exklusiv für die Triple gibt es den neuen eloxierten Alulenker von
Magura, der besser zum Nakedfighter passt. Die ebenfalls eloxierte
43 mm Upside-Down Gabel glänzt jetzt ganz in schwarz und lässt die
Triple wieder etwas böser wirken. Vorbei die goldigen Zeiten. Am deutlichsten fällt einem das neue Felgendesign ins Gesicht. Durch
die Einarmschwinge kommt das Hinterrad bestens zur Geltung und macht
einen etwas beängstigenden Eindruck, als wäre sie biologischen
Ursprungs.
Einen deutlichen Upgrade technischer Natur erlebte die Vorderradbremse.
Die Radialpumpe bedient zwei radial verschraubte 4-Kolben Festsättel,
die in zwei 320er Scheiben beißen. Sieht besser aus und funktioniert
hervorragend. Die Bremsleistung und -dosierbarkeit läßt keine Wünsche
offen. Die Finger sollten natürlich auch hier etwas fester zupacken
können.
Feinarbeit
Bei den Änderungen handelt es sich sicher um keine Meilensteine, viele
werden aber durchatmen und sich genau darüber freuen. Man muss
vorsichtig sein, wenn man an einem Denkmal meißelt. Die Speed Triple ist
so stimmig, daß mir beim 2005er Modell eigentlich nur das Heck nicht
gefiel, welches durch den Längenzuwachs nun auch nicht mehr zu bemängeln
ist. Außerdem hat es Triumph schon 2005 geschafft, die Farbe Weiß an
Motorrädern gänzlich unpeinlich wirken zu lassen, sie sogar zur neuen
Trendfarbe zu machen. Optische Tuningteile, wie Minimaske, Bugspoiler
und Sitzbankabdeckung, um die Triple richtig böse aussehen zu lassen,
gibt es genug. Mein einziger Wunsch wäre, eine legale Version des Arrow
Racing Auspuffs, (siehe Video) der nicht nur das Heck ganz frei macht,
sondern auch die Ohren und Herzen seiner Zuhörer.
Weg mit dem Speck, her mit dem Heck.
Brembo 4-Kolben, radial. 320 mm Scheiben. Na schon.
Die Speed Triple beweist wieder einmal, daß es nichts
Attraktiveres und Spannenderes gibt, als völlig eigenständige,
unvergleichbare, charakterstarke Motorräder. Und es ist wie bei den
Frauen. Die sind auch nur für Männer.
Triumph Speed Triple 2008
mit Tuningteilen
So kann das Aussehen. Heilicha Gott!
Sind die legalen Arrow Slip-Ons, die illegale Tröte schaut noch ärger
aus.
Bugspitz ist außerdem verfügbar. Siehe Video oben.