KTM RC 8C 2024 Test auf der Portimao GP-Strecke

Ein echtes Rennbike ab Werk?

Ist sie wirklich "Ready to Race"? Martin Bauer feuert die KTM RC 8C in Portimao ab und fühlt dem Supersport-Bike auf den Zahn!

Die RC 8C - KTMs einziger wahrer Supersportler zurzeit

Die RC8 kennen viele vielleicht noch von früher, war sie doch das letzte Superbike aus dem Hause KTM. Mit ihr nahm man vor vielen Jahren den letzten wirklichen Supersportler, trotz erfolgreichen Engagements im Straßenrennsport bis hin zur Moto GP aus dem Programm. Mit der RC 8C hat KTM nun wieder ein Supersport Motorrad am Start auch wenn es sich hier um eine streng limitierte Auflage von nur 100 Stk. handelt und keine Straßenzulassung besitzt. Auch die Gemeinsamkeiten mit der ursprünglichen RC8 beschränken sich nur auf den Namen, denn das Konzept unterscheidet sich deutlich. Zunächst ist das Bike nur für die Rennstrecke gebaut und nicht für die Straße zugelassen. Dafür ist es aber ein reines Rennbike, das dem KTM-Slogan "Ready to Race" zu 100% entspricht und bereits fertig aus dem Schauraum mit allen notwendigen Rennsportteilen versehen ist. Was sich aber genau in der RC 8C steckt findet ihr hier: KTM RC8C 2024.

Rennstrecken Event mit namhaften Instruktoren

Diesmal wollen wir uns mehr mit dem "Ready to Race" Gedanken auseinandersetzen und wie gut dieser umgesetzt wurde. Dazu haben wir die KTM eigene "Ultimate Track Experience" Veranstaltung besucht, wo wir das Bike in seinem natürlichen Habitat austesten konnten. Diese Veranstaltung ist übrigens in erster Linie für alle stolzen RC 8C Besitzer gedacht, die hier unter Anleitung einer KTM-Technikmannschaft und namhaften Instruktoren wie Alex Hofmann und Mika Kallio ihre RC 8C in allen Aspekten kennenlernen konnten. Mit der GP-Strecke von Portimao hatte man nebenbei noch ehrwürdigen Boden zur Verfügung sowie eine Rennstrecke mit einem sehr ansprechenden Lay-Out. Der Ablauf war super durchorganisiert und ermöglichte für jeden Teilnehmer 6 Turns á 20 min über den Tag verteilt, Abendprogramm inklusive.

Jetzt aber zum wichtigsten Punkt, nämlich wie sich das Bike fahren lässt.

Fahrverhalten

Es fährt, wie man sich das von einem nur 143kg schweren Rennmotorrad vorstellt - wie eine 125er allerdings mit 135PS. Dank des sehr schmal bauenden 890er 2-Zylinder Reihenmotors, welches wir mit einfacheren Bauteilen bereits aus anderen KTM Bikes kennen, ergibt sich auch eine extrem schlanke Bauweise wodurch sich der 125er Eindruck bereits bei der Sitzposition und dem ersten Raufsetzen einstellt. Erstmals in Bewegung fällt sofort das agile und sehr präzise Fahrverhalten auf, dass es dem Fahrer ermöglicht, verschiedene Linien durch die Kurvenkombinationen zu ermöglichen. Dank des sehr stabilen Chassis und der straffen Fahrwerksabstimmung gibt es auch die Möglichkeit die Radien bei Bedarf nochmals durch Gaszudrehen etwas enger zu gestalten. Das hilft besonders dem nicht so erfahrenen Fahrer einen etwas versauten Einlenkpunkt wieder korrigiert zu bekommen.

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile bei einer so stabilen Auslegung. Der Grenzbereich wird zwar sehr weit hinausgeschoben - was für den Profi von großem Nutzen ist, dem Normalo aber wird die Einschätzung des Limits dadurch aber erschwert. Zusätzlich neigen so steife Auslegungen besonders bei Bodenwellen gerne zum Chattering, was aber durch die Verwendung von weichen Reifenkarkassen wie dem bei uns verwendeten Pirelli Slick wieder reduziert werden kann. Trotzdem profitiert auch der Durchschnittsfahrer eher von dem glasklaren Feedback, auch wenn er sich zunächst an die wenige Bewegung im Chassis erst gewöhnen muss. Auch der Motor hilft mit seiner gutmütigen Charakteristik dem unerfahrenen Piloten, da er bereits aus tieferen Drehzahlen gut Vortrieb liefert und durch weiche Gasannahme die 135 PS gut umsetzen lässt. Das hier keine der teilweise heute üblichen 200PS am Werkeln sind, hilft vielen sogar, da die Überwindung den Gasgriff voll auf zu drehen deutlich leichter wird und somit bereits mehr Leistung am Kurvenausgang abgerufen wird, als bei den extrem starken Superbikes.

Die in weiten Bereich einstellbaren Fahrhilfen wie TC, WC, EB usw. unterstützen das auch noch und geben ein zusätzliches Sicherheitsgefühl beim Erkunden des Limits. Auch die Gasannahme kann an die unterschiedlichen Fahrerwünsche angepasst werden, wobei hier ohne Probleme die direkteste Einstellung verwendet werden kann. Bei der sanfteren Einstellung muss man schon sehr weit den Gasgriff drehen bis der Motor die gewünschte Leistung liefert. Dank des übersichtlichen AIM-Displays werden alle Informationen klar dargestellt und können über die gut erreichbaren Taster leicht erkennbar während der Fahrt angepasst werden. Auch beim Schaltautomat genießt man den vollen Support und es kann nach Belieben ohne Kupplungsbetätigung rauf- und runtergeschaltet werden. Das funktioniert auch reibungslos, nur im Teillastbereich, könnten manche Schaltvorgänge etwas weicher sein. Beim schnellen Runterschalten bekommt das Antriebsystem dann noch weitere Unterstützung durch die eingebaute Anti Hopping Kupplung, die zuverlässig ein Stempeln des Hinterrades in dieser Phase verhindert. Das unterstützt zusätzlich das bereits sehr präzise Einlenkverhalten und die Erreichung sehr später Bremspunkte.

Und wie sieht es nun mit 100% "Ready to Race" aus?

Auf dem Bike findet man alles, was sich das Rennfahrerherz wünscht, und das nicht nur beim Fahren selbst. Es sind an der RC 8C viele nützliche Teile zu finden, die auch in der Box das Leben erleichtern. Allen voran die Schnellwechselvorrichtungen bei den Reifen. Durch die Verwendung von kleinen Bremsscheiben von nur 290mm kann der Wechsel des Vorderreifens sogar ohne der Demontage der Bremssättel von statten gehen. Die Bremsleistung ist aber trotz der kleineren Scheiben ausreichend und dank der einstellbaren Corsa Corta Bremspumpe von Brembo für viele Fahrerwünsche anpassbar. Durch die geschickte Anbringung von leicht auswechselbaren Crashpads an den richtigen Stellen, wird auch im Falle eines Falles die Beschädigung auf ein Mindestmaß reduziert, sofern das Motorrad nicht per Highsider und dreifachen Überschlag am Asphalt aufschlägt. Dank der vorhandenen GPS-Maus werden auch die Rundenzeiten ohne zusätzliches Equipment im Display angezeigt und mit den im Hintergrund aufgezeichneten Daten, können auch nachträglich in der Box alle relevanten Kanäle und Fahrzustände betrachtet werden. Durch den unter der Sitzbank angebrachten Tank konnte auch leicht eine Ablassmöglichkeit für den Sprit implementiert werden, dass das sogenannte "Auslitern" zum Kinderspiel macht und das Motorrad mit der minimalsten Spritmenge an den Start gebracht werden kann.

Und die komplett einstellbare Sitzposition hilft unterschiedlich großen Fahrern beim Einrichten des Arbeitsplatzes. Somit kann man voll und ganz bestätigen, das bei der RC 8C die "Ready to Race"-Philosophie nicht nur im Prospekt steht.

Ein Wermutstropfen bleibt aber, nämlich dass der Renner mit den nur 100 Stk. produzierten Einheiten bereits ausverkauft ist. Da spielt es jetzt auch keine Rolle mehr, dass die RC 8C mit ca. € 46.000,- kein wirkliches Schnäppchen darstellt. Trotzdem gibt es für alle Interessierten einen Lichtblick. KTM wird kommendes Jahr die RC8R als Serienmotorrad mit dem 990er Triebwerk mit voller Homologation wieder auf die Straße bringen. Und allen, die wieder nach einem fertig aufgebauten Racebike suchen kann hier schon gesagt werden, dass es den straßentauglichen Supersportler dann auch wieder in der "Ready to Race"-Ausführung mit dem Zusatznamen "Track" geben wird. Das kennen wir doch noch vom Namensgeber der 1190er RC8, oder?

The good old times are back again… 

Martin_Bauer

MARTIN_BAUER

Weitere Berichte

Fazit: KTM RC 8C 2024

Die RC 8C ist eine Fahrmaschine die nicht nur den Profi zu schnellen Rundenzeiten führt, sondern auch den Durchschnittsfahrer ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Leichtfüßig und präzise wie eine Elfe auf Schienen spielt sie ihre Stärke besonders auf stark drehenden und technisch anspruchsvollen Kursen aus. Auch wenn der Motor dank des geringen Gesamtgewichtes leichtes Spiel hat und von unten gut performt, würde ich mir als PS verwöhnter Superbike Pilot ein etwas aggressiveres Ausdrehen wünschen. Trotzdem wird sie für die meisten wohl ohne Umbauaufwand der Schlüssel zu viel Fahrspaß und schnellen Rundenzeiten sein.


  • Präzises Fahrverhalten
  • Leichtes Handling
  • Ready to Race
  • Preis
  • Verfügbarkeit
  • Schmaler Grenzbereich

Bericht vom 11.05.2024 | 8.275 Aufrufe

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts