Triumph Speed 400 und Scrambler 400 X Alltags-Test 2024

Wie schlagen sich die beiden A2-Britinnen im Alltag?

Wenn ein Hersteller Retro-Elemente mit Moderne verbinden kann, dann ja wohl Triumph! Mit der neuen 400er-Klasse wagen sich die Engländer nun in das hart umkämpfte A2-Segment, das sich bekanntlich nicht nur über Optik und Performance behaupten muss, sondern auch über praktische Talente. Wie schlagen sich die beiden A2-Britinnen Triumph Speed 400 und Scrambler 400 X im Alltag?

Her mit den kleinen Engländerinnen! Endlich kann ich diesen fast 50 Jahre alten Filmtitel völlig berechtigt einbauen - die beiden 400er-Triumphs sind ja tatsächlich die hubraumschwächsten Straßen-Modelle im großen Triumph-Universum (einzig die Crosserin TF-250X hat einen kleineren Motor). Da wagen sich die Briten also in ein noch preissensibleres Segment als mit der Trident 660, die bereits in der Einsteiger-Mittelklasse bewiesen hat, dass eine hochwertige Retro-Optik auch in diesem Segment zieht.

Sowohl Triumph Speed 400 als auch Scrambler 400 X sehen hinreißend aus!

Warum also nicht auch in der A2-Liga mit zwei Maschinen angreifen, die optisch so viel hermachen, dass man sie durchaus zwei Klassen höher einordnen würde. Wobei ich mich gar nicht so recht entscheiden kann, welche der beiden die Hübschere ist - die Speed 400 mit ihrer edlen roten Lackierung, dem runden LED-Scheinwerfer, den lenkerendmontierten Spielgeln und der wunderschönen, güldenen USD-Gabel? Oder doch lieber die Scrambler 400 X mit der matten Khaki-Lackierung, dem zweigeteilten braunen Sattel, dem Scheinwerfergitter und der ebenfalls gold glänzenden USD-Gabel. Zu welcher man auch immer tendiert, es sehen beide einfach hinreißend aus!

In der Stadt geht der Punkt an die Triumph Speed 400

Die Optik kann also schon mal voll und ganz überzeugen, bleibt die Frage, wie sich die beiden Triumphs fahren - und vor allem wie sie im ganz alltäglichen Betrieb funktionieren. Also starten wir unseren Test in der Stadt, genau genommen in Barcelona, wo es klarerweise darum geht, möglichst flott durch den Verkehr und die Autokolonnen zu kommen. Und da geht der erste Punkt an die Speed 400, die eben um das gewisse Quäntchen agiler durch die Lücken gescheucht werden kann. Am geringeren Gewicht möchte ich dieses Talent gar nicht festmachen, denn 170 Kilo bei der Triumph Speed 400 gegenüber 179 Kilo bei der Scrambler 400 X sind kein eklatanter Unterschied.

Von unhandlich ist auch die Triumph Scrambler 400 X weit entfernt

Viel stärker als das tatsächliche Gewicht fallen also andere Dinge ins Gewicht - die moderate Sitzhöhe von 790 Millimeter der Speed 400 wird bei der Scrambler 400 X auf ordentliche 835 mm hochgeschraubt. Zusammen mit dem breiteren Lenker, den voluminösen Handguards, dem, durch die längeren Federwege (je 150 mm bei der Scrambler 400 X, 140 mm vorne, 130 mm hinten bei der Speed 400) höheren Schwerpunkt und dem viel längeren Radstand (1418 mm Scrambler 400 X, 1377 mm Speed 400) ist das alles genug, um rein vom Handling her von der kleineren Speed 400 ausgebotet zu werden. Kleineren Piloten, die mit einer 400er-Triumph die Liebe zum Motorrad entdecken wollen, sei jedenfalls die Speed 400 ans Herz gelegt. Für all jene, die es mögen, das Geschehen überblicken zu können und sich nicht vor einer hohen Sitzbank scheuen, sei aber auch die Scrambler 400 X empfohlen - von unhandlich ist nämlich auch diese fesche Britin weit entfernt!

Die Bremse macht auf beiden Triumphs eine gute Figur - in der Stadt…

Die Bremserei, jeweils mit einer Einzelscheibe, funktioniert auf beiden tadellos. Auf der Speed 400 mit 300 Millimeter Durchmesser, auf der Scrambler 400 X mit 320 Millimeter von der Brembo-Tochter Bybre - vorerst aber mal für die Stadt bewertet. Denn da ist das Ansprechverhalten sehr neutral und es braucht genau so viel Handkraft, wie man von einer Bremse im Ortsgebiet erwartet.

Der 400er-Motor nutzt am liebsten sein Drehmomentplateau

Erst mal raus aus Barcelona auf die super-kurvigen Landstraßen offenbart sich dann die agile Seite der nackten Speed 400. Sie bleibt angenehm handlich, das Fahrwerk könnte zwar straffer sein, bietet aber einen guten Kompromiss, der den Komfort nicht vergisst. Den Motor werte ich als braven Burschen, mit 40 PS bei 8000 Umdrehungen und 37 Newtonmeter Drehmoment bei 6500 Touren darf man natürlich keine Ausgeburt an Kraft erwarten. Immerhin dreht der 398 Kubik große Eintopf willig von unten hoch und erfreut mit einem gut nutzbaren Drehmomentplateau. Das Ausdrehen bis zum bitteren Ende macht hingegen keinen Sinn, da kommt nicht mehr allzu viel. Allerdings kann man mit der Speed 400 dennoch recht sportlich herumdüsen, weil die Bremse auf der Landstraße ordentlich und mit akzeptabler Handkraft zupackt.

Bei der Bremse sind sich Triumph Speed 400 und Scrambler 400 X nicht einig

Und da liegt der entscheidende Unterschied zur Scrambler 400 X begraben. Die 320er-Einzelscheibe an der Front lässt sich auf dem Scrambler wirklich zu sehr bitten, die aufzubringende Handkraft ist bei ambitionierten Bremsungen auf der Landstraße schlicht und ergreifend zu hoch. Ja klar, für Anfänger und all jene, die das Thema Scrambler ernst nehmen und wirklich ein wenig Offroaden wollen (was angesichts der Metzeler Karoo Street-Bereifung mit 100/90-19er-Vorderrad keineswegs abwegig ist), mag es passen, wer aber das stabilere Fahrwerk als bei der Speed 400 und den breiten Lenker für ambitioniertes Kurvenwetzen nutzen will, wird letztlich beim Anbremsen auf den Boden der Realität zurück geholt.

Die Preise von Triumph Speed 400 und Scrambler 400 X

Abgesehen davon ist aber auch die Scrambler 400 X eine agile Möglichkeit, eine A2-Schönheit sportlich und vor allem einfach zu fahren. Denn die Kupplung lässt sich bei beiden dermaßen einfach ziehen, dass man sich wundert und ärgert, warum das bei anderen Maschinen in diesem Segment nicht auch so einfach geht. Bleibt schließlich noch der Preis, wie anfangs erwähnt, tummeln sich die beiden in einem sehr preissensiblen Segment. Mit aktuell 5345 Euro in Deutschland, 5995 Euro in Österreich und 5895 Franken in der Schweiz ist erwartungsgemäß die Speed 400 der günstigere und angemessen bepreiste Einstieg.

Der Aufpreis der Triumph Scrambler 400 X zur Speed 400 geht in Ordnung

Die, im gesamten DACH-Raum um 700 Euro/Franken teurere Scrambler 400 X ist allerdings auch nicht unverschämt teuer. Denn das Fahrwerk mit der Big Piston-Gabel an der Front ist etwas hochwertiger, sie hat mit Ölwannen-, Kühler-, Hand- und Scheinwerferschutz mehr Anbauteile und die Elektronik ist mit einem, am Hinterrad deaktivierbaren ABS und einer abschaltbaren Traktionskontrolle auch noch minimal umfangreicher, die Speed 400 hat nur das herkömmliche ABS und die abschaltbare Traktionskontrolle. Dass beide 400er auf ein gut ablesbares Farb-TFT-Display verzichten und wohl aus Kostengründen einen analogen Tacho mit integriertem LCD besitzen, soll nicht negativ bewertet werden, lediglich der allzu kleine Drehzahlmesser könnte stören. Da der Motor aber ohnehin nicht so gerne ausdreht, sondern lieber im mittleren Plateau bleibt, ist auch dieser Umstand nicht weiter ärgerlich.

Fazit: Triumph Speed 400 2024

Die Speedy 400 ist ein richtig fesches Naked Bike der A2-Klasse zum kleinen Preis. Der Motor könnte etwas agiler zu Werke gehen, die kleine Speed 400 bietet aber ein schönes Drehmomentplateau im mittleren Bereich. Dank niedrigem Gewicht geht das Handling voll in Ordnung, das Fahrwerk bietet einen angemessenen Kompromiss zwischen Komfort und Sport - mit Hang zum Komfort. Die Bremse hat zwar nur eine Scheibe an der Front, packt aber richtig gut zu. Schließlich kann auch die Elektronik punkten, sogar eine abschaltbare Traktionskontrolle ist mit an Bord.


  • Herrliche Optik
  • gute Verarbeitung
  • tolles Drehmomentplateau des Motors
  • abschaltbare Traktionkontrolle
  • tolle Bremse
  • angenehme Sitzposition
  • guter Komfort
  • Fahrwerk könnte straffer sein, Motor lässt sich etwas bitten
  • Drehzahlmesser im LCD ist sehr klein geraten

Fazit: Triumph Scrambler 400 X 2024

Wer auf eine coole Scramber-Optik steht, bei der Motorisierung aber im A2-tauglichen Bereich bleiben muss, hat mit der Triumph Scrambler 400 X eine richtig fesche Vertreterin zur Auswahl. Der 400er-Motor hat ein schönes Drehmoment im mittleren Bereich, Ausdrehen ist nicht so sein Ding. Die Sitzposition ist aufrecht, das Fahrwerk komfortabel, aber doch stabil. Man kann also auch sportlich mit der Scrambler 400 X fahren, lediglich die vordere Bremse braucht zu viel Handkraft bei beherzter Fahrweise. Dafür ist die Ausstattung mit den vielen geländeorientierten Anbauteilen großzügig und relativiert den höheren Preis gegenüber der nackten Schwester Speed 400.


  • hochwertige modern-klassische Optik
  • guter Preis
  • Motor mit starker Mitte
  • gut ansprechendes Fahrwerk
  • gute, mit Modell abgestimmte Bereifung
  • schwache Bremse an der Front

Bericht vom 11.04.2024 | 11.598 Aufrufe

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