Offroad-Test der neuen Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024

Wir haben die neue Tiger 900 Rally Pro im Gelände getestet

Am vergangenen Wochenende präsentierte Triumph in Malaga die neueste Generation der Tiger 900 Modelle. Diese Generation umfasst ein Einstiegsmodell namens GT, eine voll ausgestattete, straßenorientierte GT Pro und eine Offroad-orientierte Rally Pro. Offroad-orientierte Modellvarianten stehen mittlerweile bei den großen Herstellern von Touring-Motorrädern auf der Agenda. Dabei stellt sich stets die Frage, ob diese Modelle tatsächlich für den Offroad-Einsatz konzipiert wurden oder lediglich den Anschein davon erwecken. Wie schlägt sich die Rally Pro im Gelände?

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Wir hatten die Möglichkeit, die neue Rally Pro in Málaga einen ganzen Tag im Gelände zu testen. Dabei wurden die Strecken nicht nur auf langweilige gerade Schotterstrassen reduziert. Das Ergebnis kam positiv überraschend. Fazit vorweg: Dieses Motorrad ist nicht nur geländetauglich, sondern dominiert die unbefestigte Straße regelrecht.

Die grundlegenden Unterschiede zur GT Pro 2024

Im Vergleich zum Straßenmodell weist die Rally Pro einige markante Unterschiede auf. Am deutlichsten fallen wohl die 21-Zoll-Speichenräder mit schlauchlosen Reifen ins Auge. Das 21-Zoll-Vorderrad ermöglicht dem Motorrad im Gelände eine präzise Fortbewegung mit minimalem Widerstand durch den Untergrund. Leider ist die Rally Pro standardmäßig mit dem Bridgestone A41 bereift. Obwohl dieser Reifen qualitativ hochwertig ist, wäre bei einem solchen Modell eine angemessene 50/50-Bereifung wünschenswert gewesen.

Die Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024 im Gelände unterwegs
Die Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024 im Gelände unterwegs

Fahrwerk

Nicht sofort erkennbar, aber dennoch signifikant unterschiedlich ist auch das Fahrwerk der GT/GT Pro im Vergleich zur Rally Pro. Während die GT-Modelle vorne und hinten auf Marzocchi setzen, mit einem Federweg von 180 Millimetern vorne und 170 Millimetern hinten, präsentiert sich beim Offroad-orientierten Modell ein gänzlich anderes Bild. Hier setzt die Rally Pro auf eine 45 Millimeter Showa Upside-Down-Gabel mit beeindruckenden 240 Millimetern Federweg. Die Einstellmöglichkeiten umfassen Vorspannung sowie Zug- und Druckstufe. Auch hinten ist die Rally Pro mit einem Showa-Federbein ausgestattet, das 230 Millimeter Federweg bietet und manuell in Vorspannung und Zugstufendämpfung eingestellt werden kann. Das Fahrwerk der Rally Pro resultiert in einem äußerst angenehmen Fahrerlebnis abseits der Straße. Dennoch zeigt sich auch auf der Straße ein bemerkenswerter Komfort, und das Feedback von Vorder- und Hinterachse lässt keine Wünsche offen.

Sitzposition

Das Showa-Fahrwerk beeinflusst unmittelbar die Sitzhöhe des Motorrads. Mit dem Standard-Sitz befindet man sich auf einer Höhe von 860 Millimetern, die man auf bevorzugte 880 Millimeter erhöhen kann. Auch bei der Rally Pro besteht die Möglichkeit, den beheizten, tieferen Sitz zu verwenden, was die Sitzhöhe auf 840 Millimeter reduzieren würde. Es ist klar, dass dies für Fahrerinnen und Fahrer von kleinerer Statur eine Herausforderung darstellen kann. Dennoch bietet die zusätzliche Bodenfreiheit im Gelände definitiv einen großen Vorteil. Für einige Touring-Enthusiasten kann auch die hohe Sitzposition auf der Straße attraktiv sein. Das Gefühl, eher auf als in dem Motorrad zu sitzen, vermittelt einen besseren Überblick und einen leicht weniger geneigten Kniewinkel, was sich auf längeren Strecken positiv bemerkbar machen kann.

Lenkerposition

Der Lenker der Rally Pro wurde um 15 Millimeter näher zum Fahrer positioniert. Das Ergebnis ist eine äußerst angenehme Stehposition auf dem Motorrad. Nicht nur ermöglicht dies eine aufrechtere Haltung, sondern auch die Kontrolle bei Manövern auf losem Untergrund verbessert sich dadurch. Dieses Merkmal kann sich ebenfalls positiv auf der Straße auswirken, da die nähere Lenkerposition die allgemeine Ergonomie im Sitzen auf dem Fahrzeug verbessert.

Fahrverhalten im Gelände

Von Anfang an hat mich die leichte Zugänglichkeit des Fahrzeugs auf unbefestigten Straßen beeindruckt. Man fühlt sich direkt stabil und kann mutig am Gasgriff ziehen, um die direkte Reaktion zu testen. Die Gasannahme ist insgesamt enorm sanft, einerseits aufgrund des charakterstarken 888-Kubik-Dreizylinder-Motors und andererseits aufgrund der starken Betonung einer ruhigen Gasannahme bei der neuen Tiger-Generation. Die Leistung entfaltet sich äußerst angenehm und keineswegs schwach. Obwohl die neuen 105 PS wahrscheinlich im Gelände nie 100% ausgenutzt werden, helfen die zusätzlichen 3 Newtonmeter bei niedrigeren Drehzahlen spürbar dabei, sicher durch rutschige oder unebene Abschnitte zu "pflügen".

Alle Tiger 900 Modelle verfügen über verschiedene Fahrmodi, darunter auch einen Offroad-Modus. Die Rally Pro bietet zusätzlich einen "Offroad Pro"-Modus. Leider ist dies ein Punkt, der von Triumph nicht besonders durchdacht wurde. Im Offroad-Modus wird das ABS hinten deaktiviert, ohne die Möglichkeit eines speziellen Offroad-ABS. Im "Offroad Pro"-Modus besteht die Option, zusätzlich das ABS vorne zu deaktivieren. Bei der Traktionskontrolle gibt es Anpassungsmöglichkeiten, allerdings in einem ziemlich kreativen Prozess. Im Gelände ist es vorteilhaft, die Traktionskontrolle je nach Fahrkönnen, Sicherheit und Untergrund anzupassen. Dies ist jedoch nur im "Rider"-Modus der Triumph Tiger möglich. Hier können alle Eigenschaften selbst kombiniert werden, einschließlich der Traktionskontrolle aus verschiedenen Fahrmodi.

Wenn die Traktionskontrolle erst einmal ausgeschaltet ist, beginnt der Spaß definitiv. Das Motorrad entfaltet die volle Kraft auf Abruf und gleitet sehr angenehm und kontrolliert über den Untergrund. Die Stabilität und das Feedback auf unbefestigten Straßen sind bemerkenswert. Viele vergleichbare Motorräder in dieser Gewichtsklasse neigen dazu, bei Beschleunigung aus Kurven oder beim Einlenken zu schwimmen. Die Rally Pro zieht wie ein Pfeil eines gespannten Bogens genau dorthin, wo man es sich wünscht.

Das Fahrwerk der Tiger 900 Rally Pro ist im Gelände sehr komfortabel
Das Fahrwerk der Tiger 900 Rally Pro ist im Gelände sehr komfortabel

Gesamtfazit der Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024

Die Triumph Tiger 900 Rally Pro ist eine äußerst interessante Option für Abenteuerliebhaber, die gerne ausgedehnte Touren unternehmen und viel Zeit auf dem Motorrad verbringen. Durch den höheren Sitz und den nahen Lenker profitiert man auf langen Reisen von einer verbesserten Ergonomie, was sowohl im Gelände als auch auf der Straße Vorteile bietet. Das 21-Zoll-Vorderrad beeinflusst das Fahrfeedback auf Asphalt nur geringfügig.

Für Fahrer, die hauptsächlich auf der Straße unterwegs sind und häufig mit einem Beifahrer fahren, könnte die GT Pro mit dem 19-Zoll-Vorderrad und dem elektronischen Fahrwerk eine komfortable Wahl sein. Hingegen ist die Rally Pro für alle Alleinreisenden, die gelegentlich ins Gelände abbiegen, definitiv den zusätzlichen Aufpreis wert. Mit ihren speziellen Merkmalen, wie den großen Federwegen, den 21-Zoll-Speichenrädern und dem robusten Fahrwerk, bietet sie eine optimale Mischung aus Leistung und Vielseitigkeit für abenteuerliche Motorradtouren.

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Fazit: Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024

Die neue Generation 900 Tiger - beim Modell Rally Pro mit beeindruckenden Fähigkeiten auf- und abseits der Strasse. Während sie auf der Strasse durch die hohe Sitzposition und der bequemen Ergonomie punktet, schiebt sie sich im Gelände sehr stabil und vertrauenschenkend voran. Durch die ruhige Gasannahme und die feine mechanische Abstimmung kann mah sehr präzise in die Kurven einlenken.


  • Sehr gute Grundstabilität im Gelände
  • Angenehmer Lenker für komfortables Stehen auf dem Motorrad
  • Hohe Sitzposition für lange Fahrten mit angenehmer Knieposition
  • Motorschutz und untere Crash-Bars serienmässig dabei
  • Sehr sanfte Gasannahme
  • Gute Laufruhe dank Lenkerdämpfung
  • Leicht zugängliches Motorrad
  • Guter Kompromiss zwischen Laufruhe und Sportlichkeit
  • ABS der Hinterbremse ist im Offroad Modus komplett ausgeschaltet, kein Offroad ABS verfügbar
  • Stark strassenorientierte Standardbereifung auf der Rally Pro
  • Adventure-Fussrasten nicht Standardmässig dabei

Bericht vom 14.12.2023 | 10.168 Aufrufe

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