Triumph Street Triple 765 RS vs. Speed Triple 1200 RS

Duell "David gegen Goliath" am Slovakiaring

Vergleichstest Rennstrecke: Klaus Grammer und NoPain testen die beiden Triumph Nakeds auf den 1000PS Bridgestone Trackdays.

Bei perfekten Temperaturen und strahlendem Sonnenschein erfreuten sich unsere Track Day-Gäste an dem sicheren Umfeld einer gesperrten Rennstrecke, während im Rahmen verschiedener 1000PS-Vergleichstests unter anderem auch die brandneue Triumph Street Triple 765 RS gegen ihre deutlich größere Schwester, die Speed Triple 1200 RS im Serientrimm, antreten musste.

Wo am Slovakiaring, sowohl aus der Sicht eines Hobbypiloten als auch aus Sicht eines waschechten Profis, die Stärken und Schwächen beider Bikes lagen und ob sich mit der deutlich teureren Speedy-Hardware auch entsprechend schnellere Rundenzeiten in den Asphalt brennen ließen, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Listenpreise - ein unfairer Vergleichskampf?

Während der zweite interne Vergleich zwischen der Street Triple 765 RS und der 765 R fast schon aufgelegt war, gestaltete sich das Duell zwischen der Street Triple 765 RS und der Speed Triple 1200 RS etwas schwieriger. Denn abgesehen vom Hersteller (Triumph), der Bauart (Naked) und dem Motorkonzept (Dreizylinder), hatten wir es mit zwei vollkommen unterschiedlichen Bikes zu tun, die auch mit ihrem Listenpreis in ungleichen Ligen spielen.

Die Street Triple 765 RS kostet in Deutschland gerade mal 12.295 Euro, während für die Speed Triple 1200 RS, bei einem Listenpreis von 18.245 Euro, um knapp 50% mehr fällig werden. Dies gilt es natürlich bei unserer Bewertung zu bedenken.

Triumph Street Triple 765 RSTriumph Speed Triple 1200 RS
Listenpreis Dab € 12.295,00ab € 18.245,00
Listenpreis Aab € 14.695,00ab € 21.695,00
Listenpreis CHab CHF 13'795.00ab CHF 19'695.00

Motor, Leistung & Gewicht: Die beiden Naked Bikes in der Gegenüberstellung

Was die Motoren betrifft, so besitzt die Street den vom Rennsport inspirierten, weiterentwickelten Moto2-Dreizylinder mit 765 cm³; die Speedy hingegen basiert auf Triumphs absolutem Dampfhammer, einem Dreizylinder mit 1160 cm³.

Logischerweise klafft die Performance-Schere schon bei der Motorpower deutlich auseinander: Die Speed Triple 1200 RS entwickelt bei durchwegs niedrigeren Drehzahlen gleich um 50 PS mehr Spitzenleistung bzw. um 45 Nm mehr Drehmoment. Der Blick aufs fahrbereite Gewicht bescheinigt zwar der Street Triple einen Gewichtsvorteil von 10 Kilogramm, jedoch bringt es die Speed Triple trotz ihrer höheren Masse auch auf ein 30% höheres Leistungsgewicht. Obendrein verfügt die Speedy über eine maßgeblich längere Getriebe- und Sekundärübersetzung, was insbesondere auf der Rennstrecke kein Fehler ist.

Triumph Street Triple 765 RSTriumph Speed Triple 1200 RS
Motor3-Zylinder 765 cm³3-Zylinder 1160 cm³
Leistung130 PS bei 12,000 U/min180 PS bei 10,750 U/min
Drehmoment80 Nm bei 9.500 U/min125 Nm bei 9,000 U/min
Gewicht (fahrbereit)188 kg198 kg

Chassis, Geometrie & Ergonomie

Abgesehen von der Rahmen- und Schwingenkonstruktion besitzen beide Bikes deutlich voneinander abweichende Geometrien. Demnach ist die Street Triple RS aufgrund ihres angehobenen Hecks, mit ihrem steileren Lenkkopfwinkel, einem kürzeren Radstand und dem erheblich kürzeren Nachlauf die agilere und direktere Maschine.

Triumph Street Triple 765 RSTriumph Speed Triple 1200 RS
RahmenDoppel-Brückenrahmen aus Aluminium mit zweiteiligem Aluminiumguss-Heckrahmen + Leichtmetall-ZweiarmschwingeAluminium-Doppelrohrrahmen mit verschraubtem Heckrahmen + Alu-Einarmschwinge
Lenker792 mm (angenehm hoch und breit)792 mm (angenehm hoch und breit)
Sitzhöhe836 mm830 mm
Radstand1.399 mm1.445 mm
Lenkwinkel66,8°66,1°
Nachlauf96,9 mm104,7 mm

Fahrwerk, Bremsen & Reifen

Wenngleich die Fahrwerke an beiden Triples voll einstellbar sind und die Streety mit einer Showa Big Piston-41 mm Upside-Down-Gabel und dem Öhlins STX40 Zentralfederbein keineswegs bescheiden daher kommt, legt die Speedy mit ihrer mächtigen Öhlins 43 mm NIX30 Upside-Down-Gabel und dem Öhlins TTX36 Doppelrohr-Federbein die Latte höher.

Hingegen schenken sich die Triumphs in puncto Bremsen und Reifen wenig bis nichts. Beide besitzen radiale Handbremszylinder, die sich in Griffweite und Übersetzungsverhältnis einstellen lassen, samt Brembo Stylema 4-Kolben-Radial-Monobloc-Bremssättel vorne. Allerdings wartet die Speedy mit 320 mm Doppelscheiben gegenüber 310 mm und einem Brembo Doppelkolben-Bremssattel hinten mit 220 mm Scheibe auf, während die Streety mit nur einem Kolben auskommen muss.

Aber auch bei der Bereifung stehen beide Triples großartig im Saft: Conti Sport Attack 4 Reifen in 120/70 ZR17 und 180/55 ZR17 an der Streety bzw. Pirelli Diablo Supercorsa V3 mit 190er Walze an der Speedy.

Triumph Street Triple 765 RSTriumph Speed Triple 1200 RS
GabelShowa Big Piston-41 mm Upside-Down-Gabel (115 mm Federweg)Öhlins 43 mm NIX30 Upside-Down-Gabel (120 mm Federweg)
FederbeinÖhlins STX40 Zentralfederbein mit Piggyback-Ausgleichsbehälter (131,2 mm Federweg)Öhlins TTX36 Doppelrohr-Federbein (129 mm Federweg)
Reifendimensionen vorne120/70/17120/70 ZR17
Reifendimensionen hinten180/55/17190/55 ZR17
Reifenfabrikat (Serie)Conti Sport Attack 4*Pirelli Diablo Supercorsa V3 Reifen
Bremsen vorneBrembo Stylema 4-Kolben-Radial-Monobloc-Bremssättel mit 310-mm-DoppelbremsscheibenBrembo Stylema 4-Kolben-Radial-Monobloc-Bremssättel mit 320-mm-Doppelbremsscheiben
Bremsen hintenBrembo Einkolben-Bremssattel mit 220-mm-BremsscheibeBrembo Doppelkolben-Bremssattel mit 220-mm-Bremsscheibe

* Alternativ wird die 765 RS auch mit Pirelli Diablo Supercorsa V3 Reifen ausgeliefert.

Elektronik & Ausstattung

Beide Modelle verfügen über Ride by Wire sowie eine moderne 6-Achsen-IMU und besitzen deshalb ein umfangreiches Elektronikpaket, das neben den Fahrmodi und einer Wheelie Control auch über ein schräglagenabhängiges ABS und eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle verfügt. Auch der sensationell funktionierende Schaltassistent mit Blipperfunktion ist serienmäßig verbaut. Darüberhinaus verfügt die Speed Triple über einen Tempomat und ist Keyless-Go.

Triumph Street Triple 765 RSTriumph Speed Triple 1200 RS
ElektronikRide by Wire, 6-Achsen-IMU, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle (4-stufig), Wheelie Control, Fahrmodi (Regen, Straße, Sport, Track und individuell einstellbarer Rider-Modus)Ride by Wire, 6-Achsen-IMU, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle (4-stufig), Wheelie Control, Fahrmodi (Regen, Straße, Sport, Track und individuell einstellbarer Rider-Modus)
Anti-Hopping-KupplungJaJa
SchaltassistentSerienmäßiger QS/Blipper (Up and Down)Serienmäßiger QS/Blipper (Up and Down)
BeleuchtungFull LEDFull LED
Display5" TFT-Farbdisplay5" TFT-Farbdisplay
Zusätzliche AusstattungKombiniertes Bremssystem (vorne/hinten)Tempomat, Keyless

Um euch die weitere Einordnung oder eine eventuelle Kaufentscheidung zu erleichtern, schildern euch unsere beiden Redakteure Klaus Grammer (Supersport-Experte und 1000PS Instruktor) und NoPain (Hobbyfahrer) ihre Eindrücke und nennen ihren persönlichen Favoriten. Schaut euch außerdem dazu das Video "Triumph Naked Duell: David gegen Goliath am Slovakiaring" auf dem YouTube Kanal von 1000PS TV an.

Klaus Grammers Fazit (aus der Sicht eines Profis)

Echt unfair! Beide Motorräder sind mit sehr gutem Fahrwerk und tollen Bremsen ausgestattet nur eine hat eben um fast 400 ccm und um 50 PS mehr. Auf der Rennstrecke werden keine Bonuspunkte für Nettigkeit, sondern nur für Schnelligkeit vergeben. Daher steht der Sieger eigentlich schon vor der ersten Runde fest. Speed Triple!

Mir persönlich gefällt es schon sehr die brachiale Leistung zu spüren und damit insbesondere am Kurvenausgang mit dem Bike um die schnellste Linie zu "kämpfen". Wer aber nicht oft auf der Rennstrecke sein Geld verschleudert oder vielleicht nicht bis in die letzte Muskelfaser austrainiert ist, wird eventuell mit den 130 PS der Street Triple sein Auslangen finden. Der Spaß und das Leiden auf der Rennstrecke entsteht im Wesentlich nämlich auch in der Anbremszone, in der Schräglage oder auch durch die Dynamik der Linienwahl und somit nicht nur in der Beschleunigungsphase. In diesen Bereichen ist die Street Triple mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen.

Wenn es wichtig ist seinen Spezi um eine brutale Sekunde zu distanzier der nehme die 1200er, wenn der pure kostengünstige Spaß im Vordergrund steht der ist mit der 765er gut bedient.

NoPains Fazit (aus der Sicht eines Rennstrecken-Hobbyfahrers)

Ich genoss die Zeit auf der Rennstrecke mit beiden Triumph Naked Bikes sehr, wenngleich sich meine persönliche Erwartung bezüglich dieses Vergleichs nicht erfüllt hatte. Auf beiden Bikes war die Sitzposition sportlich, aber dank des komfortablen Kniewinkels auch absolut langstreckentauglich. Beim Handling gab es selbstverständlich große Unterschiede. Während mir an der Streety besonders ihre hohe Agilität, die direkte Lenkung und die hohe Transparenz des Vorderrads gefiel, vermochte die Speedy mit ihrem präzisen Geradeauslauf und der hohen Stabilität in schnellen Kurven regelrecht zu verwöhnen. Dennoch fühlte ich mich insgesamt auf der Streety wohler, hätte aber sogar Geld darauf gewettet, mit der Speedy signifikant schneller unterwegs gewesen zu sein.

Nachdem aber die gefühlte Geschwindigkeit immer etwas trügerisch ist, wollte ich in Bezug auf meine Einschätzung nichts dem Zufall überlassen und montierte an beiden Bikes die innovative Racebox Mini S. Bei dem rund 100 Gramm leichten Gerät handelt es sich um einen superpräzisen Lap-Timer mit GPS, Beschleunigungssensor und Gyrosensorik, welcher die Daten in höchster Auflösung bis zu 130 Minuten stand-alone am Gerät speichert, ohne dafür eine permanente Bluetoothverbindung zu benötigen, 2.000 Rennstreckenvarianten vorprogrammiert hat und im Anschluss die Auswertung von Daten wie Rundenzeiten, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeiten, Schräglagenwinkel, der Linienwahl u.v.m. intuitiv über die mitgelieferte Smartphone-App erlaubt. Sogar virtuelle Vergleichsfahrten zwischen verschiedenen Rides oder Bikes sind in Echtzeit möglich. Voilà.

Die Analyse meiner schnellsten Rundenzeiten ergab überraschenderweise, dass ich zwar mit der Speedy auf der Start-Ziel-Geraden und auf anderen schnellen Abschnitten massiv Meter machte, diesen erwirtschafteten Vorsprung jedoch in Schräglage nicht halten, geschweige denn ausbauen konnte. So lag der Highspeed vor der ersten Rechtskurve mit der Street Triple 765 RS bei 231 km/h und jener mit der Speed Triple 1200 RS bei 243 km/h, hingegen war ich bei der Zieldurchfahrt mit der Streety im Schnitt immer um eine halbe bis eine Sekunde schneller. Anscheinend kam ich mit dem agileren Rennstrecken-Handling der Street Triple 765 RS vor allem beim Anbremsen und in den engeren Kurven besser zurecht als mit der etwas behäbigeren Speedy, wenngleich mich auch deren Power, Laufruhe und Stabilität wirklich begeisterte. Unterm Strich war es mir als Hobbyfahrer offensichtlich nicht möglich, das Leistungs- und Drehmoment-Plus der 1200er auch nur ansatzweise auf den Asphalt zu bringen.

Daher fällt mein Fazit vielleicht etwas überraschend, allerdings relativ eindeutig aus: Beide Bikes sind großartig ausgestattet, lassen sich sowohl auf der Rennstrecke als auch auf der Landstraße artgerecht bewegen und bieten dabei viel Fahrspaß. Ich persönlich würde für regelmäßige Trackday-Besuche und sportliche Landstraßentouren ohne Reiseambitionen definitiv zur Street Triple 765 RS greifen, da sie für einen Hobbyfahrer wie mich auf der Rennstrecke zugänglicher ist und sogar hier am schnellen Slovakiaring noch viel Potential bietet.

Sobald es mehr in Richtung Touren/Reise, vielleicht sogar mit Beifahrer oder Gepäck geht, ist eindeutig die Speedy zu präferieren. Dank der enormen Power, ihrer Stabilität und Laufruhe ist sie insgesamt das erwachsenere Gerät. In Bezug auf die Rennstrecke behaupte ich allerdings, dass sich nur wenige eine Speedy als reines Track Bike zulegen werden - für gelegentliche Track Day-Einsätze spricht aber rein gar nichts gegen die Speed Triple 1200 RS.

Bericht vom 09.07.2023 | 26.354 Aufrufe

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts