Triumph Trident 660 Test & Vergleich in der unteren Mittelklasse

Sieben Bikes, sieben Tester! Konnte die Trident 660 überzeugen?

Im großen 1000PS Nakedbikevergleich 2023 wird die Hackordnung in der (A2 tauglichen) Mittelklasse neu definiert. Hier in diesem Bericht dreht sich alles um die Triumph Trident 660. Kann sich die Britin im zeitlosen Retro-Look weiterhin gegen die Konkurrenz behaupten?

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Diese Saison präsentiert sich die untere Nakedbike Mitteklasse heiß umkämpft. Suzuki und Honda drängen mit attraktiven, neuen Fahrzeugen in den Markt, bei KTM hat man die 790 Duke neu aufgelegt und auch an bekannten Playern in diesem Segment, wie beispielsweise der Yamaha MT-07, wurde Modellpflege betrieben. Die Triumph Trident 660 hat 2021, bei ihrer Markteinführung, neue Maßstäbe für Verarbeitung und Ausstattung in dieser Klasse gesetzt und damit die Konkurrenz teilweise in einen langen Schatten gestellt. Seitdem haben die Mitbewerber allerdings kräftig aufgeholt, was den Wettbewerb umso spannender macht. Im Vergleich zu den Marktbegleitern sticht die Trident 660 weiterhin mit ihrer wertigen und sauberen Verarbeitungsqualität hervor. Die zeitlose Formsprache, mit sanftem Retro-Touch, hebt sie ebenfalls deutlich erkennbar vom Rest des Feldes ab. Als einzige Marke im Test-Septett arbeitet Triumph mit einem Dreizylinder Motor. Genügt ein Zylinder mehr für den Testsieg?

Eckdaten der Triumph Trident 660 in vielen Bereichen im Mittelfeld

Mit 81 PS liegt die Triumph leistungsmäßig im Mittelfeld und mit einem Drehmoment von 64 Nm gar am unteren Ende. Dennoch sorgt der wohlerzogene 660 Kubik Triple stets für ein souveränes und dynamisches Fahrerlebnis, sowohl auf der Landstraße als auch in der Stadt. Die Gasannahme ist absolut sauber und ruckfrei. Nicht selbstverständlich, das können nicht alle in dieser Klasse! Bereits ab mittleren Drehzahlen schiebt der Dreizylinder kräftig nach vorne. Freudig wird Richtung Begrenzer hochgedreht und schon klackt im präzisen Getriebe der nächsten Gang rein - die Abstufung wirkt für die Landstraße sehr gelungen. Der optionale Quickshifter war leider in unserem Test nicht verbaut. Letzteren kennen wir allerdings bereits aus vergangenen Tagen und sprechen hiermit eine Empfehlung aus. Der Aufpreis von rund 300 Euro lohnt sich für ein sorgenfreies durchsortieren der Gänge und einen damit einhergehenden Anstieg an Fahrspaß.

Triumph Trident 660 Fahrwerk, Bremse und Elektronik

Die ersten Kilometer auf der Landstraße geben Aufschluss über die Auslegung des - nur spärlich einstellbaren - Fahrwerks. Speziell die Showa Upside-Down-Gabel an der Front macht einen hervorragenden Eindruck. Sauber ansprechend uns satt dämpfend deckt sie, zumindest bei normalgewichtigen Fahrern, ein weites Einsatzspektrum ab. Tendenz zum Durchschlagen gibt es selbst bei groben Fahrmanövern keine. Das in der Vorspannung verstellbare Federbein spricht gefühlt etwas schlechter an als die Gabel. Insgesamt schafft es Triumph einen zufriedenstellenden Spagat hinzubekommen, keineswegs übermäßig sportlich aber auch nicht zu komfortabel. Wirkt in der Gesamtkombination stimmig und passt einfach zur zugänglichen, runden Formsprache des Fahrzeugs.

Das Sitzarrangement wirkt ebenfalls stimmig. Einsteiger wird die vergleichsweise geringe Sitzhöhe von 805 mm, das schlanke Schrittbogenmaß und die neutrale Positionierung am Fahrzeug erfreuen. Im fahrfertigen, vollgetankten Zustand liegt das Gewicht der Trident bei 189 kg. Für sich betrachtet ein guter Wert, welcher sich auch im intuitiven Handling des Motorrads widerspiegelt. Die Konkurrenz hat hier jedoch mittlerweile, teils mit mehr Hubraum und ebenfalls üppiger Elektronik-Ausstattung, noch leichtere Gesamtpakete im Angebot.

Ein Blick auf die Bremsanlage offenbart Nissin-Schwimmsättel. Nicht unbedingt die hochwertigste Hardware, bei anderen Modellen in unserem Vergleich glänzen teilweise feine Monoblock Sättel am Gabelfuß. Die Performance geht aber in Ordnung. Knackig und gut dosierbar sorgen die Zweikolben Bremszangen in Kombination mit den 310 Millimeter Scheiben für artgerechte Verzögerung. Sportlichen Naturen wird auffallen, dass die Schwelle, wo das ABS zu regeln beginnt, eher früh kommt und die Regeleingriffe selbst von der gröberen Sorte sind.

Eher defensiv sind ebenfalls die zwei möglichen Fahrmodi abgestimmt. "Rain" und "Road" stehen an der Trident 660 zur Auswahl. Der Regenmodus zügelt für nasse Verhältnisse spürbar das Temperament des Dreizylinders. Der Straßenmodus passt grundsätzlich sehr universell für alles Weitere. In unserem, großteils sehr zügig gefahrenen, Testgeschehen war jedoch wahrnehmbar, dass trotz reichlich Grip und bestem Asphalt in Schräglage oftmals wenig vom ambitionierten Gasgriff-Befehl des Fahrers am Hinterrad ankommt. Hier hat man in der Abstimmung bei Triumph stark auf Sicherheit gesetzt. Grundsätzlich für Einsteiger bestimmt kein Nachteil, motivierte Hausstreckenheizer fühlen sich aber möglicherweise etwas bevormundet.

Ausgangspunkt für unsere Tour: MoHo „Zu den drei Hacken“ im Yspertal

Unseren Vergleichstest haben wir diesmal im schönen Niederösterreichischen Waldviertel stattfinden lassen. Das MoHo "Zu den drei Hacken" samt Gastgeber Andi kannten wir bereits aus der Vergangenheit. Das Motorrad Hotel ist perfekt gelegen um die tolle Landschaft in dieser vergleichsweise verkehrsarmen und bei Bikern beliebten Region zu erkunden. Hier geht´s direkt zum MoHo Drei Hacken

Das Waldviertel bietet unzählige kleine aber feine Straßen, die für Motorradfahrer wie geschaffen erscheinen. Wer sich die von uns gefahrene Runde im Detail ansehen möchte, findet hier den Link zur Route auf Calimoto.

Nachfolgend die weiteren Stimmen zur Triumph Trident 660 von den Testern aus der 1000PS Redaktion:

Eindruck von Poky zur Trident 660

Die Trident 660 markierte bei ihrem Erscheinen 2021 die neue Benchmark in der unteren Mittelklasse. Optisch ein perfekter Mix aus Klassik und Moderne, geht es technisch und elektronisch immer noch üppig zu. Sie ist ein Motorrad mit dem sowohl Einsteiger, als auch passionierte Piloten langfristig Spaß haben können. Lediglich schwerere und ambitionierte Fahrer müssen bei der Gabel und der zu früh regelnden Traktionskontrolle Abstriche machen. Nichts desto trotz ist die Triumph immer noch als großer Wurf zu bezeichnen, auch wenn die Konkurrenz 2023 merklich erstarkt ist.

Gregors Fazit zur Triumph Trident 660

Vor zwei Jahren war ich noch schwer begeistert von der Triumph Trident 660, doch die Zeit steht für niemanden still. Die Konkurrenz ist mittlerweile so stark, dass ihr Display unaufgeregt, ihr Fahrwerk etwas schwammig und die drehzahlhungrige Leistungsentfaltung unspektakulär wirkt. Trotzdem bleibt sie ein zugängliches und spaßiges Motorrad, mit nur zwei echten Mankos: Die extrem konservative Traktionskontrolle und die unpräzise elektronische Gasannahme.

Die Meinung von Nils zur Trident 660

Die Trident ist auch 2023 ein wunderbares Motorrad. Sie fährt einfach, bietet aber trotzdem viel Charisma. Der einzigartige Motor macht aus ihr ein cooles und lässiges Motorrad. Sie wirkt frisch, eigenständig und zeitlos.

Vaulis Einschätzung nach dem Triumph Trident 660 Test

Als die Trident 660 auf den Markt kam, verglichen wir sie mit den üblichen Verdächtigen Kawasaki Z650, Suzuki SV 650 und Yamaha MT-07 - und befanden, dass sie unter anderem wegen ihrer höheren Leistung und besseren Ausstattung (einstellbare Traktionskontrolle und Fahrmodi) mindestens eine halbe Klasse höher einzuordnen ist. In diesem Vergleich bleiben davon nur Kawa und Yamse übrig, stattdessen muss sie sich mit vier kräftigeren und mittlerweile besser ausgestatteten Konkurrentinnen herumschlagen. Das gelingt ihr aber erstaunlich gut, ihr Dreiender hat zwar nur 660 Kubik, geht aber in allen Lebenslagen agil ans Werk und macht viel Spaß. Das Fahrwerk könnte präziser sein, reicht aber insgesamt für diese Klasse durchaus. Die Bremse ist kräftig und das Handling spaßig - es spricht also nichts gegen die kleine Britin. Dass die Trident 660 als einzige noch kein großes Farb-TFT-Display besitzt, kann fast schon als Alleinstellungsmerkmal gesehen werden, zumal es ja sehr trefflich zu ihrem retro-orientierten Design passt.

Fazit: Triumph Trident 660 2023

Die Triumph Trident 660 hat 2021 bei ihrer Markteinführung in der unteren Nakedbike Mittelklasse neue Maßstäbe für Verarbeitung und Ausstattung gesetzt und die Konkurrenz teilweise in einen langen Schatten gestellt. Seitdem haben jedoch auch die Mitbewerber kräftig aufgeholt. Ihre zeitlose Ästhetik und der geniale Triple Motor verleihen ihr weiterhin einen eigenen, unverkennbaren Charakter. Die Trident will kein Motorrad zum Heizen sein. Ihre zugängige, zeitlose Formsprache spiegelt sich auch in den Fahreindrücken wieder. Das Fahrwerk ist eher komfortabel abgestimmt und der fein erzogene Dreizylinder, mit reichlich Druck und Drehfreude, wirkt stets souverän aber niemals explosiv sportlich. Für diese Klasse wirkt sie generell erwachsen und mit ihrer umfangreichen Elektronik-Ausstattung ab Werk glänzt sie zudem mit einem ansprechenden Preis-Leisungs-Verhältnis.


  • toller Dreizylinder
  • stabiles Handling
  • bequeme Sitzposition
  • viel Elektronik-Ausstattung
  • wertige und zeitlose Optik
  • defensive Auslegung der Traktionskontrolle
  • vergleichsweise etwas höheres Gewicht

Bericht vom 22.05.2023 | 28.419 Aufrufe

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