Die neuen Kawasaki KX250X und KX450X im Test 2023

Das neue Grün im Wald

Kawasaki überrascht 2023 mit zwei echten Sportenduros, der KX250X und der KX450X und stellt eine grüne Alternative in die heimischen Wälder!

Nachdem in unseren Wäldern derzeit durch Schnee und Eis mehr Winterschlaf als Aufbruchstimmung herrschte, begab ich mich mit den Kawas auf die Flucht in die Wüste nach Tunesien um sie einem ordentlichen Ausdauertest zu unterziehen. Also spontan mit trxraid.com als Organisator die Bikes in den Hänger gepackt und ein paar Tage später nach Tunesien in die Wüste nachgeflogen, anstatt die beiden Grünen bei den Temperaturen zu Hause in die Garage oder sonst wo hinzukleben. Mit dabei erstmals meine Tochter die seit Jahren MX-lastig unterwegs ist und mit Sand, Dünen und Speed keine Probleme hatte.

Basics zu Kawasaki KX250X und KX450X

Vorab ist es aber wichtig zu erklären, dass die Kawasakis eigentlich reinrassige MX Bikes sind, die für eine Zulassung angepasst wurden. Die Anpassungen sind aber absolut minimal, beschränken sich auf Lichtanlage, Tacho, Seitenständer und 18 Zoll Hinterrad. Ein paar kleine Eingriffe beim Mapping und aus! Dass es mit all den Abgasnormen und sonstigen Hürden so ein Bike noch gibt, ist eigentlich ein Wunder. Alleine deshalb sollte man sich so eine Kawa ins Wohnzimmer stellen, das wird es so nie mehr wieder geben! Umgebaut und typisiert werden die Kawasakis in Holland und über das Kawasaki Händlernetz vertrieben. Dadurch, dass die Kawasakis also von der Basis her reine Motocross Bikes sind, ist auch klar, dass diese Bikes nicht fürs Schwammerlsuchen geeignet sind. Das sind reinrassige Race Bikes! Für Leute, die wissen, was sie mit dem rechten Handgelenk anstellen können, wenn der Gasgriff Richtung Anschlag wandert.

Umfangreiche Ausstattung der beiden Grünen

Wie schon beschrieben, ist die Basis das KX MX Modell, demnach mit sehr hochwertigen Komponenten, die bei klassischen Sportenduros eher selten zu finden sind. Das fängt schon mit hochwertiger Showa Closed Cartridge Gabel und Federbein an, hinzu kommen State of the Art Bremsen von Nissin. Mittlerweile ist auch der E-Starter im Pflichtenheft der Hersteller. Ebenso wie die hydraulische Kupplung, welche beim Enduroeinsatz noch wichtiger ist als beim Motocross. Hochwertiger Lenker und einzigartig die höhenverstellbaren Fußrasten. Dazu noch eine Launch Control am Lenker. Der Motorschutz bietet schon einen guten Grundschutz, dennoch würde ich hier für härtere Einsätze einen größeren Unterfahrschutz anbringen. Lüfter gibt es keinen, doch die Kühler wirken recht groß und selbst bei langen langsamen Dünenfahrten wurde die Kawa nicht überhitzt. Der Tacho tut das, was er soll, die Aufnahme sitzt an der Hinterachse, die Kilometeranzeige daher beim beherzten Gasgeben sicher zu hinterfragen. Nicht sonderlich praktisch ist der Zugang zum Luftfilter. 10er-Nuss für Sitzbankschraube und 8er-Nuss für Deckel, dann noch Luftfilterschraube mit der Hand lösen. Etwas umständlich, das ginge auch einfacher. Ansonsten gibts auch nur den Standardtank mit 6,2 Liter, aber die Kawas sind erstaunlich sparsam. Selbst im tiefen Sand mit viel Vollgaspassagen waren 90km Reichweite drin!

Jetzt ans Eingemachte, wie schlägt sich die Kawasaki KX450X?

Beginnen wir mit der großen Kawa. Wie zu erwarten hat diese ein richtiges Kraftwerk im Rahmen. Der 450er MX Motor ist definitiv eine Rakete! Leistung gibt es wirklich ohne Ende: Wo andere 450er Enduros Probleme hatten, überhaupt den Dünenkamm zu erklimmen, musste ich meistens schon weit vor der Kante abdrehen um zum Stehen zu kommen. Die Kawa schießt einen förmlich den Hang hinauf. Super Traktion vom Federbein und dennoch trotz der Leistung gut zu dosieren. Aber eines ist klar, im unteren Drehzahldrittel herum nudeln ist nicht ihr Revier. Hier wirkt sie ruppig. Sobald der Gasgriff gespannt wird fühlt sie sich wohl und quittiert dies bedankt mit massivem Vortrieb. Für mich das perfekte Gerät, wenn man mit einer Enduro viel auf der MX Strecke trainiert, CrossCountry bevorzugt und nur gelegentlich in Richtung schweres Endurogelände tendiert. Bei Touren und Schotterpisten fühlt sie sich grundsätzlich wohl, aber dann braucht sie eine längere Übersetzung. Ebenso ist zu bedenken, dass die Federelemente auf MX Strecken ausgelegt sind. In Tunesien auf schnellen Etappen und in den Dünen im Sand war die Abstimmung perfekt! Im Wald und über Wurzeln sicher zu straff, hier werden wohl weichere Federn unumgänglich sein.

Die Universalwaffe Kawasaki KX250X

Die kleine Kawa überraschte am meisten. Nicht nur mich und meine Tochter, sondern auch andere eingefleischte Enduristen, die mit der KX250X fuhren. Sie ist von der Charakteristik her ganz anders als die 450er, wirkt nie ruppig, fährt sich fast so geschmeidig wie man es von einer klassischen 4 Takt Enduro gewohnt ist. Sie überspielt ihre MX Gene gekonnt. Und die Leistung ist auch bei ihr richtig stark, erinnert im direkten Vergleich mehr an eine 350er als an eine 250er, nur spritziger und agiler. Sie wäre für mich die erste Wahl für klassisches Enduro mit Sonderprüfungen. Wieselflink, leicht und trotzdem super, stabiles Fahrverhalten. Aber auch im Steinfeld und im härteren Gelände schlägt sie sich gut und damit sind auch Ausflüge ins Hardenduro leicht machbar. Ihr riesiger Vorteil liegt in der Handlichkeit, sie fühlt sich sehr klein, schlank fast schon zierlich an und vermittelt einem immer Herr der Lage zu sein. Bietet ganz großen Sparfaktor. Meine Tochter nähte sich die 250er fast die ganze Zeit ein, sie liebte die Leichtigkeit und die Leistung der KX250X.

Sonstige Vorkommnisse bei 6 Tagen und 600 km? Luftfilterwechsel, Kettenschmieren, Tanken, fertig.

Sowohl die Kawasaki KX450X als auch die KX250X sind einzigartig!

Dass ich so ein Motorrad noch erfahren durfte in der heutigen Zeit! MX mit Straßenzulassung! Mit all seinen Vor-und Nachteilen sind beide Modelle Rasierklingenschafe Enduros die Ihresgleichen suchen. Gibts nur einmal am Markt! Richtige Spaßgeräte die sich vor der Stoppuhr nicht verstecken brauchen. Die 450er ist schon noch etwas spezieller, aber bitte, schon alleine die Vorstellung ist herrlich: Mit ihr am Samstag zu einem Rennen, egal ob MX oder Enduro und am Sonntag mit Pokal im Rucksack auf ein Eis ins Freibad mit Vorderrad in der Luft und schwarzen Stricken am Asphalt. Die 250er entpuppt sich mehr als Allroundenduro als gedacht, Leistungsmäßig in der Mitte des Fahrerfeldes angesiedelt und fahrdynamisch schon fast in der 125er Klasse. Viel Potential! Schön, dass Kawa die good times rollen lässt!

Österreichische Preise:

  • KX250X: € 9.499.-
  • KX450X: € 10.199.-

Weitere Informationen unter www.kawasaki.at

So lief die Tunesien-Tour von trxraid

Die Grand Erg Tour von trxraid.com war perfekt organisiert. Von Douz aus starteten wir Richtung Süden bis zur Algerischen Grenze. Über 600km zu 95% Sand und Wüste in 6 Tagen sorgten für Muskelkater, Blasen an den Händen und unvergessliche Momente in der Wüste. Geschlafen wurde hauptsächlich im Zelt, perfekt verpflegt und unterstützt mit 7 Begleitfahrzeugen. Die Tour ist sehr empfehlenswert. Eine gewisse Grundkondition und eine Hardenduro ist Voraussetzung, ist selbst mit 2 Taktenr machbar.

Fazit: Kawasaki KX450X 2023

Wie zu erwarten hat die 450er ein richtiges Kraftwerk im Rahmen, der MX-Motor ist definitiv eine Rakete! Wo andere 450er Enduros bergauf Probleme haben, muss man schon früher abdrehen, um zum Stehen zu kommen. Im unteren Drehzahldrittel herumnudeln ist aber nicht ihr Revier, hier wirkt sie ruppig. Super Traktion vom Federbein und dennoch trotz der Leistung gut zu dosieren. Auf schnellen Etappen und im Sand ist das Fahrwerk perfekt, im Wald und über Wurzeln aber sicher zu straff, hier wären weichere Federn unumgänglich. Das perfekte Gerät, wenn man mit einer Enduro viel auf der MX Strecke trainiert, CrossCountry bevorzugt und nur gelegentlich in Richtung schweres Endurogelände tendiert. Bei Touren und Schotterpisten braucht sie eine längere Übersetzung.


  • der starke Motor
  • das straffe Fahrwerk
  • Gewicht und Wendigkeit
  • komfortable und dennoch aktive Sitzbank
  • Bremsen und Kupplung
  • starker E-Starter
  • Preis
  • ruppig im unteren Drehzahlbereich
  • schlechter Zugang zum Luftfilter
  • kurze Übersetzung
  • lauter Auspuff

Fazit: Kawasaki KX250X 2023

Die 250er wirkt nie ruppig und fährt sich von der Charakteristik her fast so geschmeidig wie man es von einer klassischen 4 Takt Enduro gewohnt ist. Sie überspielt ihre MX Gene gekonnt. Die Leistung ist richtig stark, erinnert im direkten Vergleich mehr an eine 350er als an eine 250er. Die erste Wahl für klassisches Enduro mit Sonderprüfungen. Wieselflink, leicht und trotzdem super, stabiles Fahrverhalten. Aber auch im Steinfeld und im härteren Gelände schlägt sie sich gut und damit sind auch Ausflüge ins Hardenduro leicht machbar. Ihr riesiger Vorteil liegt in der Handlichkeit, sie fühlt sich sehr klein, schlank fast schon zierlich an. Bietet ganz großen Sparfaktor!


  • spritziger, sehr leistungsstarker 250er Motor
  • straffes Fahrwerk
  • super Handling und spielerisches Fahrverhalten
  • Gewicht und Wendigkeit
  • komfortable und dennoch aktive Sitzbank
  • Bremsen, Kupplung
  • starker E-Starter
  • Preis
  • schlechter Zugang zum Luftfilter
  • kurze Übersetzung
  • lauter Auspuff

Bericht vom 05.04.2023 | 21.673 Aufrufe

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