Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Yamaha XSR125 Test 2021

Ein Spagat zwischen Zugänglichkeit, Performance und Style

Zwischen Windmühlen und Kanälen, Radfahrermassen und Coffeeshops wurde das jüngste Mitglied der Sport Heritage-Familie vorgestellt: Die XSR125. Mit klassischem Design, gutem Fahrverhalten und einem Hammer-Preis fordert sie die Spitzenreiter der A1-Klasse heraus.

Als vor einigen Jahren das Retro-Segment wieder auflebte, fragten sich die Hersteller, ob es sich um einen kurzweiligen Trend handle, oder ob ein neues Marktsegment daraus entstehen könne. Heute, wo fast jeder Hersteller in irgendeiner Form moderne Motorräder mit klassischen Elementen anbietet, wissen wir längst, dass die Retro-Enthusiasten gekommen sind um zu bleiben. Weiters wachsen auch die kleinen Hubraumklassen stetig. Vergleicht man die Verkaufszahlen, reihen sich einige 125er-Bikes sehr weit oben in der Verkaufsstatistik der großen Motorräder ein. Dementsprechend schlüssig ist es, dass Yamaha eine 125er XSR bringt, schließlich bedient die beide Märkte. Aber reicht das als Erfolgsgarant?

Yamahas Aufbau-Strategie

Kundenbindung ist bei Motorrädern sehr wichtig. Die Frage nach der Lieblings-Motorradmarke ist für viele gleich einer Glaubensfrage. Ist ein Kunde einmal von einem Hersteller überzeugt, bleibt er oft Jahre, wenn nicht Jahrzehnte lang der Marke treu. Deshalb verfolgt Yamaha rigoros eine Aufbau-Strategie. Modelle gibt es oft mehrfach auf unterschiedliche Klassen aufgeteilt, der Kunde kann sich beim Hubraum und der Leistung steigern, ohne je den Hersteller oder das grundlegende Modell zu wechseln. Bestes Beispiel: Die MT-Modellreihe. MT-125, MT-03, MT-07, MT-09 & MT-10 Von 15 bis 160 PS, ohne je was anders als eine Yamaha MT gefahren zu sein. Mit der XSR125 soll man nun auch ganz früh an die XSR-Reihe gebunden werden. Aber ist die XSR125 eine echte XSR?

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Bekannte Innereien, neue Hülle – Das Design der Yamaha XSR125

Was macht eine echte XSR überhaupt aus? Meiner Meinung nach: Die klassische Optik mit horizontalen Linien einerseits und ein modernes Fahrverhalten andererseits. Beim Design hat die kleine XSR den Nagel schon mal auf den Kopf getroffen.

Yamaha XSR125 Impact Yellow mit Racer-Paket
Die Yamaha XSR125 Impact Yellow mit Racer-Paket wäre genau meins!

Der LED-Rundscheinwerfer, der klassisch geformte Tank, die lange und flache Sitzbank, das kreisrunde Rücklicht Auf den ersten Blick erkennt man hier eine XSR. Vor allem Detaillösungen, wie gefräste Aluminiumteile an den Seitenpanelen, Fußrasten und am invertierten LCD-Instrument, lassen sie edler und erhabener als eine normale 125er wirken. Der optische Eindruck ist sehr wertig. Sie ist sehr clean, sperrige Rohre oder Schläuche sind kaum sichtbar. Das merke ich schon daran, dass ich meine GoPro kaum wo anbringen kann. Von den drei Farbvarianten haben es mir die gelbe und die schwarze am meisten angetan. Vor allem weil dann die aufgeklebten Schriftzüge in unterschiedlichen Farben an der Seite prangen und das Bike so noch hochwertiger aussieht. Wem das noch immer nicht ausreicht, kann sich auch im üppigen Zubehör-Katalog austoben. Die gelbe XSR125 mit Racer-Paket wäre genau meins. Verdammt sieht sie dann scharf aus! Aber selbst die schönste Optik hilft nichts, wenn sich die Maschine nicht gut fährt. Kann die Fahrperformance mit der gelungenen Optik mithalten?

Fliegengewicht und erprobter Motor – Simples Rezept für top Handling

Kurz gesagt: Ja, kann sie! Yamaha nutzt die hauseigenen Synergien und bedient sich kräftig bei den Bauteilen der MT-125 und R125. So hat die XSR den gleichen Rahmen und den gleichen Motor, wie ihre 125er-Schwestern. Allerdings ist der 124 cm³ Einzylinder in ihr das erste Mal in der Euro 5-Version anzutreffen. Das Aggregat ist nicht nur erprobt, sondern bietet mit variabler Ventilsteuerung auch moderne Technik und Performance. Im unteren Drehzahlbereich liegt der Fokus auf Drehmoment und Beschleunigung, ab 7.400 U/min werden die Ventilsteuerzeiten aber zugunsten höherer Endleistung verändert und dem Motor mehr Luft zum "Atmen" gegeben. Dass man damit schnell vom Fleck kommt, ist aber auch einem weiteren Fakt zu verdanken: Dem niedrigen Gewicht. Trotz ihrem gar nicht so zierlichen Aussehen ist sie mit 140 kg (nass) eine der leichtesten A1-Maschinen mit 15 PS. Zum Vergleich: Die MT-125 ist zwei Kilo schwerer. Die Svartpilen 125, eine weitere Retro-A1-Maschine, ist selbst im trockenen Zustand ganze 7 Kilo schwerer. Mit dermaßen wenig auf den Rippen und dennoch einem kräftigen Antrieb am Hinterrad, ist die Kurvenhatz ein echtes Vergnügen.

Ergonomie und Fahrdynamik der Yamaha XSR125 2021

Wobei es dazu noch mehr braucht. Sehr gelungen ist auch die Sitzposition auf der XSR. Im Vergleich zur MT-125 ist der Lenker um 15 mm breiter, die Sitzbank um 30 mm weiter hinten. Es entsteht eine sehr aufrechte und entspannte Sitzposition. Im Stadtverkehr behält man den Überblick, im Kurvengeläuf kann man sich auf der flachen Sitzbank und dank der schmalen Taille aber auch sehr frei auf dem Motorrad bewegen und wenn gewollt auch in Angriffsposition gehen. Der breite Lenker drängt zwar zu einem drückenden Fahrstil, der auch ausgezeichnet funktioniert und ungemein Spaß macht, aber dank der Bewegungsfreiheit lassen sich auch Hangoff-Manöver ohne Probleme auf der XSR125 vollstrecken.

Sitzposition Yamhaa XSR125
Auf der YAMAHA XSR125 hat man eine angenehm entspannte Sitzposition, aber auch genug Bewegungsfreiheit für sportliche Manöver.

In der Kurve hält die XSR die Linie recht brav und das obwohl sie nicht die Creme-de-la-Creme an Fahrwerkskomponenten verbaut hat. Hinten bietet das Federbein aus der Yamaha YZF-R125 110 mm Federweg, vorne wurde aber auf die 41 mm Upside-Down-Gabel aus der MT und R125 verzichtet. Stattdessen ist eine USD Gabel mit 37 mm Durchmesser und 130 mm Federweg verbaut. Warum nicht auf die bewährten Komponenten zurückgreifen? Alles eine Frage der Kosten!

Kampfansage an die Konkurrenz – Einsteigerfreundlichkeit und Preis der Yamaha XSR125

Neben den üblichen XSR-Qualitäten wie Style und Performance war Yamaha bei der 125er XSR aber noch eines besonders wichtig: Zugänglichkeit. Das gilt sowohl für das Fahrverhalten als auch für das Finanzielle.

In Bewegung dürfte sich wohl fast jeder mit der XSR125 schnell anfreunden. Auf der großzügigen Sitzbank findet Jung bis Alt, Dick bis Dünn und Groß bis Klein Platz. 815 mm Sitzhöhe stellen auch keine Herausforderung dar. Mit einem Verbrauch von nur 2,1 l/100km ist sie auch gut für Natur und Geldbörserl. Das 6-Gang-Getriebe schaltet mit typisch japanischer Präzision, die Assist- und Slip-Kupplung lässt sich federleicht bedienen und auch der Motor hat untenrum die nötige Ruhe, um beim Cruisen oder auf den ersten Metern nicht zu (über)fordern. Gutmütig verzeiht die XSR125 Verschalter und holprige Startmanöver. Aber Einsteigerfreundlich sind auch andere A1-Motorräder, also was ist daran so besonders?

Yamaha XSR125
Den Spagat zwischen schickem Design, guter Performance und günstigem Anschaffungspreis schaffen nicht viele Motorräder.

Außergewöhnlich zugänglich für Einsteiger wird das Gesamtpaket der XSR125 vor allem in Verbindung mit dem Preis. Das tolle XSR-Design, der performante Motor, die schöne Verarbeitung und die top Einsteigerfreundlichkeit All das gibt es zum echten Kampfpreis von 4399€ in Österreich und 4649€ in Deutschland. Vor allem im Vergleich mit der Konkurrenz ist diese niedrige Summe herausragend. Die Husqvarna Svartpilen 125, designtechnisch die wohl ähnlichste Konkurrentin, kostet 5199€. Die KTM 125 Duke, die derzeitige Königin der A1-Klasse, kostet sogar schon über 1000€ mehr. Einen vergleichbaren Preis hat zum Beispiel die Kawasaki Z125, diese kann aber der XSR125 in puncto Design und Verarbeitung nicht das Wasser reichen.

Die verschmerzbaren Schwächen der Yamaha XSR125 2021

Hmmm, und die Schwächen der XSR125? Gar nicht so einfach. Eines ist klar, sie ist nicht das mörder Anraucher-Eisen. Dafür ist das Fahrwerk, vor allem die Gabel, zu weich und die Bremsen nicht bissig genug. Aber echte Heizer, welche das Maximum an Performance aus der A1-Klasse holen wollen, werden sowieso eher zur Duke oder anderen sportlichen Maschinen greifen. Und so viel weniger performant ist die XSR125 eigentlich auch nicht. Ihr leiwander Motor und ihr niedriges Gewicht lassen sie schon sehr sportlich marschieren. Bei der Präsentation in Amsterdam haben wir Journalisten in den wenigen Kurven der Niederlande sehr viel Spaß gehabt und den Fußrasten (und teilweise auch dem Schalthebel) eine schöne Patina verpasst. Es geht also auch auf ihr flott voran wenn man möchte und für einen Preisunterschied von 1000 oder mehr Euro nehme zumindest ich einen leichten Performance-Nachteil gegenüber den Topmodellen der Klasse gerne in Kauf. Vor allem wenn ich dann noch in Zandvoort im Cafe am Strand sitze und die XSR mich mit ihrem herrlichen Äußeren anlacht. Richtig Leiwand!

Fazit: Yamaha XSR125

Die Yamaha XSR125 überrascht gleich in mehrfacher Hinsicht. Ihre Fahrperformance ist erstaunlich sportlich, wozu vor allem der leiwande Motor und das sehr niedrige Gewicht von 140 kg (nass) beiträgt. Sitzposition und Getriebe sind sehr intuitiv und mühelos zu bedienen, hier werden auch Fahranfänger und Einsteiger nicht überfordert. Größte Überraschung ist aber der niedrige Preis in Verbindung mit der schönen Optik und liebevollen Verarbeitung. Natürlich sieht man bei genauer Begutachtung an welchen Ecken und Enden gespart wurde, aber das Gesamtbild ist stimmig und Akzente mit Aluminium-Bauteilen lassen sie hochwertig wirken. In Summe ein recht performantes A1-Motorrad mit toller Optik und einem echten Kampfpreis!


  • Top Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Erprobter und performanter Motor aus MT-125
  • Angenehm aufrechte Sitzposition
  • Schönes Design und Verarbeitung
  • Niedriger Verbrauch
  • Sehr niedriges Gewicht
  • Bremsen könnten etwas schärfer zupacken, vor allem vorne
  • Die Upside-Down-Gabel an der Front wird ernsten Anrauchern nicht ausreichen

Bericht vom 27.05.2021 | 11.969 Aufrufe

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