Triumph Street Scrambler 2019 Test, Fahreindrücke, Fazit

Triumph Street Scrambler 2019 Test, Fahreindrücke, Fazit

Der neue Einstieg in die Scrambler-Welt der Briten

Was gut ist, darf bei Triumph gut bleiben – die „kleine“ Street Scrambler wird für die Saison 2019 an allen Ecken und Enden überarbeitet und bleibt doch ihrem gutmütigen Charakter treu. Mit dem kräftigeren Motor, dem noch komfortabler abgestimmten Fahrwerk, den besseren Bremsen und der aufgestockten Elektronik sollte die Street Scrambler nach wie vor direkt in die Herzen all jener fahren, die auf ihrer Modern Classic-Triumph auch ohne brachiale Leistung glücklich werden.

Erst unlängst habe ich eine interessante Theorie gelesen: Abgesehen von Gesundheit und Liebe – also die Dinge, die man sich in der Regel nicht mit Geld kaufen kann (auch wenn manchmal anderes behauptet wird) – braucht man zum glücklich sein nur rund 10 Prozent mehr an materiellen Gütern, als man gerade hat. Lege ich das jetzt salopp auf die Triumph Street Scrambler um, müssen all jene, die sich für das Einstiegs-Modell in Triumphs Scrambler-Familie interessieren, mit dem neuen Modell vollkommen zufrieden sein. Denn die Street Scrambler für die kommende Saison wurde in nahezu allen wichtigen Bereichen behutsam aber doch spürbar verbessert.

Gewaltiges Leistungsplus beim Motor der Triumph Street Scrambler

Beim Motor können die Briten sogar mit echten und gewaltigen Zahlen auftrumpfen – die Leistung wurde nicht nur um glücklich machende 10 Prozent, sondern gleich um satte 18 Prozent erhöht! Stolze 10 Pferde kommen neu dazu, statt 55 PS werden nun 65 PS generiert. Solch eine Steigerung kommt natürlich nicht von kleinen Retuschen, der Motor wurde in vielen Details auffrisiert: Eine leichtere Kurbelwelle, gewichtsoptimierte Ausgleichswelle, ein geänderter Ventilhub, die Steigerung der Verdichtung von 10,55:1 auf 11:1 und nicht zuletzt das angehobene Drehzahllimit von 7000 auf 7500 Touren sorgen für diesen gewaltigen Zuwachs.

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Die Triumph Street Scrambler muss nicht ausgewunden werden

Interessant dabei ist, dass das Parallel-Zweizylinder-Triebwerk mit 900 Kubik trotzdem mehr durch seine Souveränität im mittleren Drehzahlbereich zwischen 2500 und 5500 Touren überzeugt, als durch die schiere Spitzenleistung. Denn obwohl sich die 10 PS Mehrleistung ganz oben bei 7500 Umdrehungen versammeln, muss man gar nicht so weit drehen. Der Motor wirkt dann schon recht angestrengt, Vibrationen werden stärker in den Lenker geleitet und der wichtigste Grund: Es ist mit bärigen 80 Newtonmeter Drehmoment bei niedrigen 3200 Touren einfach nicht notwendig, das letzte PS auszuwinden.

Viel Elektronik auf der Triumph Street Scrambler für brenzlige Situationen

Ebenso nicht notwendig, zumindest von meiner Warte aus, ist bei dieser insgesamt so smoothen Abstimmung des Motors die Möglichkeit, nun zwischen zwei Fahrmodi Road und Rain wählen zu können. Obwohl man natürlich bei starkem Regen durchaus das volle Sicherheitspaket brauchen kann, denn beim Umschalten auf Rain wird nicht nur die Motorcharakteristik noch feiner, auch die Traktionskontrolle am Hinterrad reagiert sensibler auf Gripverlust. Apropos Grip: Die Metzeler Tourance-Reifen bieten nicht nur ein sehr homogenes Handling, sie funktionieren auch sowohl bei nasser als auch trockener Fahrbahn sehr gut.

Mehr Bremspower für die Triumph Street Scrambler

Genau diesem unkomplizierten Auftritt wird auch die Bremse gerecht, wobei an der Front ordentlich aufgerüstet wurde. Statt der Nissin-Zweikolbenzange kommt nun ein Brembo-Vierkolbensattel zum Einsatz, der sehr verbindlich und präzise in die 310er-Einzelscheibe beißt. Die Anlage erfordert zwar etwas mehr Handkraft als ich es mittlerweile von den vielen Supidupi-Doppelscheiben-Radial-Vierkolben-Monobloc-Anlagen gewohnt bin, aber für einen spaßig zu fahrenden Scrambler richtig gut und passend. Dass das ABS nicht der allerletzte Schrei mit Schräglagen-Sensoren und ultrakurzen Regelintervallen ist, werte ich bei der Street Scrambler ebenfalls als verzeihbar.

Die Triumph Street Scrambler bietet sänftenartigen Komfort

Die Abstimmung der Federelemente verleitet ebenfalls eher zu genüsslicher als hastiger Fahrt. Das Fahrwerk ist nämlich wirklich eine Wucht, einerseits präzise und direkt, andererseits aber auch extrem komfortabel – wie man es von einem Scrambler ja eigentlich erwarten darf. Also nichts zu meckern an den Stereo-Federbeinen im Heck und der neuen 41 mm-Cartridge-Gabel in konventioneller Tele-Bauweise an der Front. Denn auch die gesamte Ergonomie ist nochmals einen Tick besser als auf der ohnehin schon sehr gelungenen Street Twin, die etwas straßenorientiertere Schwester der Street Scrambler, die ich ebenfalls in Portugal testen durfte.

Ein enorm ausgewogenes Gesamtkonzept bei der Triumph Street Scrambler

Und damit kann ich auch ein kleines Manko der Street Scrambler aufdecken – die Fußrasten schleifen früher, als bei der Street Twin. Niedrigere Montagepunkte bei der Street Scrambler sind wohl die Ursache, die allerdings nur bei sehr ambitionierter Fahrweise auftritt. Bewegt man die Britin hingegen so, wie es das ausgewogene Gesamtkonzept empfiehlt, hat man enorm viel Freude an dem präzisen Handling, das die Street Scrambler bereit hält. Der breite und optimal vom Fahrer erreichbare Lenker ist nämlich der Hauptgrund dafür, dass das Scrambler-Modell trotz 19 Zoll-Vorderrads (18 Zoll bei der Street Twin) genauso agil bewegt werden kann wie die nahe Schwester. Und auch das Mehrgewicht von fünf Kilo (Street Twin fahrfertig vollgetankt 215 Kilo, Street Scrambler 220 Kilo) können diesem einfachen, lockeren Handling nichts anhaben.

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Die Triumph Street Scrambler mit stämmigem Auftritt dank breiterer Gabel

In Sachen Optik wurde wie bei der Street Twin auch an der Street Scrambler alles ein bisschen edler und mit einem hochwertigeren Finish versehen. Interessantes Detail, das auf das Fahrverhalten zwar keinen wirklichen Einfluss hat, auf die Optik dafür umso mehr ist, dass die Holme der Gabel an der Front nun ein paar Zentimeter weiter auseinander stehen und somit eine bulligere Front erzeugen. Das merkt man vor allem dann, wenn neben der Street Scrambler eine Street Twin mit gleichem Scheinwerfer steht und fast schon schmächtig wirkt. Da die Armaturen der Street Scrambler die gleichen sind, wie auf der Street Twin, kann ich auch auf der Scrambler die eher bescheidene Ablesbarkeit des kleinen Displays am unteren Rand des ohnehin gut ablesbaren Analogtachos erwähnen. Auch die Tatsache, dass man die Informationen wie Kilometer, Restreichweite, Uhr oder Drehzahlmesser nicht alle zusammen, sondern nur einzeln angezeigt bekommt, passt meiner Meinung nach nicht so ganz zu 2019. Allerdings kann man gerne mit der Authentizität der Armaturen gegenargumentieren, die tatsächlich sehr gelungen ist und edler wirkt als bei der Vorgängerin.

Triumph hilft gerne: Inspiration-Kit an der Street Scrambler

Der Vergleich zur Vorgängerin bietet sich auch beim Preis an, der steigt nämlich für die neue Street Scrambler nur um wenige hundert Euro – für die verbesserte Performance und Optik gewiss in Ordnung. Der Aufpreis gegenüber der Schwester Street Twin fällt da schon heftiger aus, ob das weiter verfeinerte Fahrwerk und die typische, mit viel Liebe zum Detail geschaffte Scrambler-Optik mehr als 1500 Euro Aufpreis rechtfertigen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Entscheidung könnte jedenfalls auch beim Original-Zubehör schwer fallen, denn für die Street Scrambler wird es mehr als 120 Teile geben, mit denen die Optik noch weiter verbessert und individualisiert werden kann. Als Hilfe bringt Triumph einen „Urban Tracker“-Inspiration-Kit, der eine schöne Sammlung an Teilen wie Retro-Packtasche, Vance & Hines-Schalldämpfer, schwarze Lenkerstrebe, hochgelegtes vorderes Schutzblech, schwarze Motorschutzbügel, Scheinwerferschutzgitter, gefräster Öleinfülldeckel, abgesteppte Doppelsitzbank und Ölwannenschutzkit enthält.

Fazit: Triumph Street Scrambler

So wie die Schwester Street Twin erhält auch die Street Scrambler die entscheidenden Updates bei Motor, Fahrwerk, Bremse und Ergonomie. Und auch bei ihr wirkt sich die stark gesteigerte Leistung zwar positiv aus, das bauchige Drehmoment gefällt aber fast noch mehr. Enorm hochwertig fällt das Fahrwerk aus, das viel Komfort und Stabilität bringt. Kleiner Wermutstropfen an der Street Scrambler sind die früh aufsetzenden Fußrasten. Dafür passt die Optik wieder perfekt, wer Scrambler liebt, wird die seitlich verlegte Auspuffanlage, die breite Gabel und das insgesamt hochwertigere Finish mögen.

1
Vorteile
  • Motor mit viel Drehmoment in der Mitte
  • komfortables Fahrwerk
  • gute Bremsen
  • ausgezeichnete Ergonomie
  • aktuelle Elektronik-Features
  • leichtgängige Kupplung
  • coole Scrambler-Optik
1
Nachteile
  • Bremse braucht Handkraft
  • Fußrasten schleifen früh
  • Armaturen mit kleinem Digital-Display

Bericht vom 23.11.2018 | 4.271 Aufrufe

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