Royal Enfield Continental GT 650 und Interceptor 650 Test 2019

Royal Enfield Continental GT 650 und Interceptor 650 Test 2019

Neuigkeiten vom ältesten Motoradhersteller der Welt!

Royal Enfield ist der älteste, permanent produzierende Motorrad-Hersteller der Welt – und das wird sich wohl nicht so schnell ändern! Denn Wachstum heißt die Prämisse der Inder, die mit den beiden neuen Top-Modellen Royal Enfield Continental GT 650 und Interceptor 650 einiges vorhaben. Und siehe da, der erste Test der neuen Twins bringt einige Überraschungen an den Tag!

Royal Enfield strebt ganz offensichtlich nach Höherem, die Präsentation der neuen Modelle Interceptor 650 und Continental GT 650 wurde im amerikanischen Santa Cruz professionell und selbstbewusst gestaltet – man weiß also bei Royal Enfield sehr wohl um die Magie der Tradition, immerhin ist das Unternehmen der älteste, permanent produzierende Hersteller der Welt! Höflich wird zwar darauf hingewiesen, dass man mit den beiden neuen Modellen erst einmal in die Mittelklasse hinein schnuppern möchte, aber man merkt schnell, dass der Aufwand und Ehrgeiz, der für dieses Projekt betrieben wurde, doch nicht ganz im Sande verlaufen sollte.

Mit den neuen Continental GT 650 und Interceptor 650 zeigt Royal Enfield Ambitionen nach oben

Rein optisch bekommen es die beiden neuen Modelle jedenfalls schon ausgezeichnet hin, immerhin ist die Retro-Welle immer noch nicht abgeebbt und außer Triumph und Moto Guzzi fällt mir kaum ein anderer Hersteller ein, der so konsequent die alten Linien beibehalten hat. Es gibt ja auch Gerüchte, dass sich Triumph bei der Thruxton an der Continental GT 535 (die Einzylinder-Schwester der Continental GT 650) orientiert habe. Am Ende aber eigentlich egal, wer von wem abgeschaut hat, die Conti GT 650 sieht einfach hinreißend aus. Ganz neu kommt nun aber die Interceptor 650 als klassische Naked Bike-Version dazu, die sich optisch gekonnt von der Continental GT 650 abgrenzt – obwohl mehr Teile identisch sind, als man denken würde. Und damit sind wir auch schon bei der Technik: Außer Tank, Sitzbank, Lenker und Fußrasten sind Continental GT 650 und Interceptor 650 eineiige Zwillinge – und zusätzlich auch noch Twins!

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Bei Royal Enfield Interceptor 650 und Continental GT 650 vermischen sich klassische und moderne Features

Doppelt gemoppelt also, denn als Antrieb der beiden neuen Modelle kommt erstmals seit fast fünf Jahrzehnten wieder ein Parallel-Zweizylinder-Triebwerk zum Einsatz. Es wurde viel Aufwand dafür betrieben, die Fertigung läuft auch in Indien mittlerweile fast vollautomatisch und die Toleranzen sind sehr gering – was man an der Qualitätsanmutung merkt. Die Technik an sich ist erfrischend kontrovers, der klassischen Luftkühlung und einzelnen obenliegenden Nockenwelle stehen 270°-Hubzapfenversatz und moderne Einspritzung gegenüber. Resultat sind brave 48 PS bei 7100 Umdrehungen und 53 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 4000 Touren. Dass es genau die 48 A2-Führerschein-konformen PS wurden, ging sich laut Techniker als sehr angenehmes Nebenprodukt aus, das Hauptaugenmerk lag auf ordentlichem und gut fahrbaren Drehmoment.

Mit den beiden neuen Royal Enfields hat man nie Angst, die Kontrolle zu verlieren

Und tatsächlich konnte ich bei den Testfahrten in den USA sowohl Leistung als auch Drehmoment voll auskosten – ich bin selten zuvor mit solch ambitionierten Guides gefahren, vor allem in den strengen USA. In der Annahme, dass diese Präsentation eine ziemlich gemütliche werden würde, reiste ich mit Jethelm und Motorradjeans an, besser geeignet wäre aber Lederkombi und Racing-Helm gewesen. Denn nicht selten flogen die 45 Meilen-Beschränkungen (75 km/h) vorbei, während ich am Tacho 90 Meilen (150 km/h) ablesen konnte. Noch ambitionierter ging es bei der „Andrückerei“ in den kurvigen Bergen zur Sache und ich durfte nach langem wieder mal die Vorzüge eines nicht ganz so starken Motorrades auskosten: Man dreht die beiden 650er-Twins von unten bis oben voll aus und hat nie Angst, die Kontrolle wegen eines zu brachialen Schubs zu verlieren. Allerdings haben die beiden neuen Royal Enfields wiederum genügend Power, um trotzdem richtig flott unterwegs zu sein – erstaunlich flott.

Continental GT 650 und Interceptor 650 erlauben erstaunlich viel Sport

Das liegt im kurvigen Terrain an drei weiteren Faktoren: Erstens das Fahrwerk, das lediglich eine fünffach verstellbare Federvorspannung der beiden Federbeine im Heck erlaubt, bewegt sich sehr neutral zwischen Sportlichkeit und Komfort, war also auch auf Straßen mit Frostaufbrüchen in der amerikanischen „Wildnis“ nicht zu hart und dennoch in den Kurven ausreichend straff. Zweitens das Handling, durch das man überraschend stabil diverse Radien durchfahren kann. Der Stahlrohrrahmen macht also alles richtig und auch die sehr schmalen Reifen, von mir auch gerne „Asphaltschneider“ genannt (vorne 100/90-18, hinten 130/70-18) machen weder die Continental GT 650, noch die Interceptor 650 kippelig. Auch die Bereifung selbst durch einen renommierten Hersteller (Pirelli Phantom Sportscomp) machen deutlich, dass nicht mit Gewalt an allen Ecken und Enden gespart wurde.

Bei den neuen Royal Enfields wird nicht mit Gewalt an allen Ecken gespart

Bleibt drittens noch die Brembo-Bremse, die es den beiden Enfields erlaubt, trotz hartem Zupacken sehr homogen in Kurven hinein zu bremsen, vor allem, weil es kein unangenehmes Aufstellmoment gibt. Da gibt es Einzelscheiben-Zweikolbenanlagen die viel unpräziser arbeiten und somit eine sportliche Gangart verhindern. Selbst das Bosch-Zweikanal-ABS hält sich sehr lange zurück mit Regeleingriffen. Dann, wenn es einmal eingreift, werkt es zwar nicht so feinfühlig wie ganz moderne Systeme mit Gyro-Sensorik, aber immer noch gut genug, um Schlimmeres zu verhindern.

Elektronik-Spielereien sucht man auf Royal Enfield Interceptor 650 und Continental GT 650 vergeblich

Mit dem ABS wäre allerdings auch schon alles an Elektronik aufgezählt, viel mehr ist da nicht – muss aber auch nicht! Denn die Inder sind nicht völlig Größenwahnsinnig und glauben etwa, mit einem Hightech-Superbike den Markt aufmischen zu können. Nein, da werden sehr feinfühlig zwei glaubwürdige und ohnehin erstaunlich gut fahrbare Modelle angeboten, die sich erst einmal ganz freundlich und höflich in das Retro-Segment einfügen, ohne anderen Herstellern ans Bein pinkeln zu wollen. Denn auch da kommt das freundliche Wesen der Inder zum Vorschein: Man will niemandem etwas wegnehmen, sondern vielmehr den Markt erweitern und bereichern. Dementsprechend bodenständig fällt auch das Gewicht aus, die Continental GT 650 wiegt trocken 198 Kilo, die Interceptor 650 gar 202 Kilo – würde man anhand des einfachen Handlings gar nicht vermuten.

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Royal Enfield Interceptor 650 - nicht nur für gemütliches Cruisen gemacht

Die Royal Enfield Interceptor 650 ist klarerweise das gemütlichere Modell, das mit seinem breiten Lenker und der langen, bequemen Sitzbank auf 804 Millimeter Höhe sowohl dem Fahrer als auch dem Beifahrer eine Menge Komfort bietet. Dass neben einer relaxten Fahrweise auch sportliche Ausbrüche bestens verkraftet werden, ist ein sehr angenehmer Beigeschmack. Der Continental GT 650 würde man mit ihrer Cafe Racer-Optik schon weit mehr die Sportlichkeit zutrauen, die sie eben tatsächlich an den Tag legt. Dafür ist die Conti GT kaum weniger gemütlich, die tiefer positionierten Lenker sind keineswegs unangenehm niedrig positioniert und die weiter hinten angebrachten Fußrasten machen sie ebenfalls nicht zum unangenehmen Supersportler.

Royal Enfield Continental GT 650 – schon ab Werk eine Schönheit!

Mir persönlich gefällt die Continental GT 650 auch optisch besser, ihr stärker konturierter Tank passt meines Erachtens nach noch authentischer zum Old School-Auftritt. Dass sie mit ihrem 12,5 Liter Tank um 1,2 Liter weniger Sprit aufnehmen kann als die Interceptor 650 kann ich gerne verkraften, dafür spare ich Sprit, indem ich auf dem feschen Sattel mit herrlichem Bürzel und 793 Millimeter Sitzhöhe ohnehin nur alleine fahren kann (die Zweiersitzbank gibt es als Zubehör). Apropos Zubehör: Kurz nach Markteinführung der beiden Neuheiten Interceptor 650 und Continental GT 650 wird es auch ein umfangreiches Tuning-Programm mit vielen hübschen und/oder praktischen teilen geben. Unterschiedliche Motorabdeckungen, Spiegel, Windschilde, Gepäcktaschen, Hebel, Sturzbügel und eine hübsche S&S-Auspuffanlage, die den ohnehin äußerst gelungenen Sound der Serienanlage nochmals verbessert.

Welchen Preis würdest Du für Royal Enfield Continental GT 650 und Interceptor 650 zahlen?

Ob die beiden neuen Enfield-Modelle nun auch wirklich gut beim Publikum ankommen, hängt allerdings nicht alleine von den guten Fahrleistungen ab, auch der Preis muss stimmen. Würden die beiden Inderinnen nämlich zu teuer angeboten werden, wäre die ganze Mühe umsonst gewesen. Doch auch da scheint Royal Enfield ein gutes Händchen zu haben, in den USA wird die Conti GT 650 knapp 6000 Dollar kosten, die Interceptor 650 sogar 200 Dollar weniger. Das zwar nur in den Grundfarben (Interceptor 650 in Orange, Continental GT 650 in Blau), doch auch die Versionen in Custom-Farben sind nur je knapp 250 Dollar teurer und die ganz edlen Varianten mit verchromten Tanks bleiben mit 750 Dollar mehr immer noch weit unter 7000 Dollar. Über die Europa-Preise konnte man uns hingegen noch nichts verraten, es schien eher so, als wollte man auf unser Feedback nach der Fahrerei warten. Denn auf meine Frage zu den Preisen wurde sofort gekontert: „Was würdest Du denn dafür zahlen?“ Nachvollziehbaren Gerüchten zufolge sollen die Preise in Österreich sowohl für die etwas günstigere Interceptor 650 als auch für die Continental GT 650 unter 7000 Euro beginnen, in Deutschland wohl unter 6500 Euro und in der Schweiz vermutlich bei 6500 Franken. Wären gute Preise, um die neuen Royal Enfield-Flaggschiffe in gewohnten Mengen auch bei uns an den Mann und die Frau zu bringen!

Fazit: Royal Enfield Continental GT 650

Optisch ist die neue Royal Enfield Continental GT 650 stark mit ihrer einzylindrigen Schwester Continental GT 535 verwandt, technisch macht sie hingegen einen gewaltigen Schritt nach vorne. Das Parallel-Zweizylinder-Triebwerk mit 48 PS und 53 Newtonmeter Drehmoment arbeitet spritzig und kultiviert, das Handling ist erstaunlich stabil und die Bremse kann ebenfalls überzeugen. Elektronische Features sucht man zwar vergebens, aber die herrliche Cafe Racer-Optik bleibt so absolut authentisch. Der Preis dürfte auch in Europa so niedrig angesetzt werden, dass Royal Enfield nicht mehr länger ein schrulliger Exot sein sollte.

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Vorteile
  • agiles und kultiviertes Triebwerk
  • cooler Zweizylinder-Sound
  • angenehme Sitzposition
  • stabiles Handling
  • gute Bremsen
  • herrliche Old School Optik
  • günstiger Preis
  • klassische Rundinstrumente
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Nachteile
  • ABS nicht ganz feinfühlig, keine Elektronik-Features – falls sie jemand braucht…

Fazit: Royal Enfield Interceptor 650

Während die Continental GT 650 optisch kein völlig neues Modell ist (es gibt ja schon die Conti GT 535), kommt nun erstmals seit fast 50 Jahren wieder eine Interceptor 650 mit Zweizylinder-Motor auf den Markt. Das Styling spiegelt daher auch gekonnt das Flair der 1960er wider, während die Technik auf der Höhe der Zeit ist. Elektronik-Features sucht man zwar vergeblich, dafür geht das Parallel-Zweizylinder-Triebwerk mit 48 PS und 53 Newtonmeter Drehmoment erstaunlich agil ans Werk und das Handling ist sehr neutral. Auch die Brembo-Bremse gefällt mit guter Dosierbarkeit und die Pirelli-Reifen leisten sich keine Schwächen. Die Sitzposition fällt sehr gemütlich aus, wer also nicht so sportlich mit seiner Interceptor 650 fahren möchte, kann beruhigt gemütlich cruisen – das kann sie nämlich auch sehr gut.

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Vorteile
  • agiles und kultiviertes Triebwerk
  • cooler Zweizylinder-Sound
  • angenehme Sitzposition
  • stabiles Handling
  • gute Bremsen
  • gelungene Old School Optik
  • klassische Rundinstrumente
  • günstiger Preis
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Nachteile
  • ABS nicht ganz feinfühlig, keine Elektronik-Features – falls sie jemand braucht…

Bericht vom 28.09.2018 | 19.896 Aufrufe

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