KLIM Enduro-Bekleidung 2017/18 Produkttest

KLIM Enduro-Bekleidung 2017/18 Produkttest

Arlo testete die neue Endurowear von Klim in Idaho

Pressetests in den USA sind bei 1000PS begehrter als weisser Trüffel. Deshalb hielt Trüffelschwein Arlo seine Einladung zu Klim nach Idaho geheim. In den Bergen testete er die neue Endurobekleidung.

Um ganz ehrlich zu sein, das Thema Endurobekleidung hat mich in etwa so tangiert wie die politische Entwicklung in Novosibirsk. Ausschlaggebend dafür sind zwei Gründe: * 1. ich bekomme zu jedem Saisonstart zwei Garnituren frischer Wäsche, die dann in Summe 30 bis 40h überleben muss – somit spielt die Langlebigkeit der Wäsche eine sehr untergeordnete Rolle. * 2. Ich bin eine kleine Enduroprinzessin, die nie unter 10 C° bzw. über 30 C° fährt. - Deshalb brauchte die Wäsche keine thermalen Wunder zu wirken. Es war es für mich immer normal, wenn durch das Fahren ein paar Risse in Shirt und Hose entstanden. Oder, dass man bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt friert. Eins gleich vorweg: Nein, das ist alles nicht normal!

Bekleidungstest mitten in den US of A – wie kommts dazu?

Klim hat seinen Firmensitz in Rigby in Idaho, dem Kartoffelstaat der USA. Idaho besteht zum einen aus flachem, landwirtschaftlich genutztem Terrain, zum anderen aus Bergen, auf denen die National Forests stehen. Diese National Forests gehören der Allgemeinheit und können somit auch von jedermann genutzt werden, also von Mountainbikern, Reitern, Wanderern und auch von Endurofahrern! Was für uns nach einem wunderschönen feuchten Traum klingt, ist dort selbstverständlich. Zig verschiedene Parks mit jeweils Hunderten verschiedenen Trials können und wollen dort befahren werden – ganz ehrlich, mir treibt's gleich wieder die Tränen in die Augen, wenn ich nur daran denke.

Also in Idaho kann man entweder Kartoffel anbauen, oder Outdoorsport betreiben. So verwundert es auch kaum, dass Klim vor gut 20 Jahren Bekleidung für genau diese Bereiche herzustellen begann (also Outdoorsportarten, nicht für die Kartoffelbauern). Mittlerweile umfasst das Unternehmen gut 100 Mitarbeiter und stellt hochwertige Bekleidung für Snowboarder, Snow Mobil- und Endurofahrer her.

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Doch was ist nun an der Wäsche so besonders und warum soll die nun besser sein, als meine MX Bekleidung?

Klim sieht sich als Hersteller für Endurobekleidung und nicht für Motocrosswear. Die Erklärung, wo denn nun genau der Unterschied liegt, lässt nicht lange auf sich warten: MX-Bekleidung ist für Supercrossracer und Konsorten gemacht, sie muss leicht und stylisch sein. Endurobekleidung hingegen sollte in einem breiten Temperaturspektrum funktionieren und Widerstand gegen Äste/Büsche und Stürze bieten. Erreicht werden diese Eigenschaften durch den Einsatz von extrem widerstandsfähigen Materialien. „Die Suppe, die wir kochen, ist nur so gut wie die Zutaten, die wir benutzen!“ meint Produktentwickler Paul Webber, „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen, noch besseren Materialien, gemeinsam mit den Tests können wir so sicher gehen, dass unsere Produkte das können, was wir wollen“. Mit Tests meint Paul übrigens keine faden Labortests, sondern Tests der Produkte im Einsatzgebiet – also auf den vorher angesprochenen Trails.

Der 1000PS Produkttest

Wir durften also bei einem dieser Produkttests dabei sein und uns von der Qualität der Wäsche überzeugen. Ausgefasst haben wir dazu die Dakar Kollektion, die neben der Mojave und XC-Lite das breiteste Einsatzspektrum der Klim Bekleidung bietet. Die Temperaturen sollten nicht halten, was der Name des befahrenen Sun Valley versprach. Wir starteten bei -3°C, einer Temperatur, bei der ich normalerweise nicht mal ans Endurieren denke. Unter dem Gefrierpunkt ist Unterwäsche natürlich unverzichtbar. In trug Hose und Shirt "Aggressor", um meinen Körper warm zu halten. Über dem Dakar Jersey zog ich dann noch zwei Schichten Jacken an. Zuerst eine Softshell-Jacke und darüber die Gore-Tex-Jacke, die vor Wind und Feuchtigkeit schützt. Beim Fahren kam ich schnell auf Temperatur und bereits nach ein paar Minuten verschwand die Aussenjacke im KLIM Rucksack.

Besonders gut gefielen mir die Taschen an der Hose, die immer von Nutzen sind, egal, ob man nur kurz unterwegs ist und nur den Autoschlüssel einsteckt, oder auf einer längeren Tour Handy und Müsliriegel, oder in meinem Fall Zigaretten darin verstaut. Auch wenn etwas mehr verstaut wird, drücken die Taschen nicht auf die Oberschenkel. Klim bewirbt die Dakar Serie als Ganzjahresprodukt, sie fällt somit etwas dicker aus. Für ausreichend Belüftung sorgen aber die atmungsaktiven Materialien und Lüftungsschlitze.

Die erste Bretzen lässt nicht lange auf sich warten.

Wir waren auf neuen GasGas Bikes unterwegs, die uns die Jungs von GG USA für ein paar Tage zur Verfügung stellten. Jubal, einer unserer Guides, ist der Sales Manager von GG und hat ein irres Tempo drauf. Er verbringt mindestens ein bis drei Tage pro Woche hier - dementsprechend auch sein Speed. So dauerte es nicht allzu lange, bis ich auf einem schnellen Stück mit ca 40 km/h einen Fels übersah und mich in den Stauden ausbreite. Nach dem kurzen Selbstcheck wurden noch Hose und Jacke auf Schäden überprüft, aber bis auf etwas Dreck war sonst nichts zu sehen.

Helm mit 17 Ein- und Auslassöffnungen

Bei der ersten Pause dann der nächste Aha-Effekt. Ich bin es gewohnt - wie sicher die meisten von euch - bei längeren Touren am Rücken nasse Flecken zu haben und zwar genau dort, wo ich den Rucksack trage, doch Fehlanzeige. KLIM legt sehr viel wert darauf, dem Fahrer ein angenehmes Klima unter der Kleidung zu bieten und dazu gehört neben dem Schutz vor Kälte, Hitze, Nässe und Schmutz eben auch der Abtransport von Schweiß an die Umwelt. Möglich gemacht wird das durch den Einsatz von den richtigen Materialien und durchdachten Lüftungssystemen. Ganz besonders fällt das am Helm auf, der über 17 verschiedene Ein- und Auslassöffnungen verfügt. Auch hier hatte ich nach anstrengenderen Sektionen nie nasse Haare.

Der Helm, ein Meisterstück

Ich fahre Offroad seit ich denken kann. Ein Topic, das mich immer begleitet hat, war jenes der Helmwahl. Da mir wegen meiner Kopfform nicht jeder Helm passt, waren meine bisherigen Helme, nun-ja, sagen wir mal Kompromisse. Der eine drückte etwas an der Stirn, der andere riss beim Absetzen fast die Ohren ab usw., somit war die Skepsis dem KLIM F5 gegenüber auch relativ groß - Bis ich ihn zum ersten Mal aufsetzte. Ich bin noch immer schwer begeistert von der Passform und der Passgenauigkeit, sitzt einfach wie angegossen. In all den Jahren saß kein Helm so perfekt wie dieser. Beeindruckt hat mich auch der neuartige Fid Lock Verschluss. Ein Helmverschluss mit Magnetunterstützung, der es möglich macht, den Verschluss mit nur einer Hand zu öffnen und zu schließen. Das ist gerade bei Endurotouren mit mehreren Pausen sehr angenehm wenn der Helm öfters auf- und abesetzt wir. Übrigens lässt sich der F5 mit umgeschnallter Brille auf- und absetzten – auch keine Selbstverständlichkeit.

Die Arsenal Vest – der Missing Link

Es gibt eine große Herausforderung bei jeder Endourotour, an der viele kläglich scheitern – alles Klumpert (also Werkzeug, Ersatzteile, Essen, Pornohefte,...) in den sehr begrenzten Stauraum von Fahrer und Motorrad zu pferchen. Mit der Arsenal Vest stellt diese Herausforderung allerdings kein Problem mehr da. Die geschätzten 1000 Taschen dieses „Enduro Gilet“ fassen in etwa die komplette Werkstatt eines durchschnittlichen Endurofahrers plus Speisekammer. Mächtige Idee, die KLIM da mit dieser Weste hatte – die ist ab sofort fixer Begleiter auf jeder längeren Endurotour.

Wer nun unleistbare Preise befürchtet, liegt falsch, die KLIM Teile sind zwar teurer als gewöhnliche MX Bekleidung, allerdings nicht viel teurer. So kostet etwa die Hose in der „in the boot“ Version (ist auch als „over the boot“ erhältlich) 215 €, also in etwa so viel wie das Top Modell von Fox, kann allerdings bedeutend mehr. Bezieht man die erheblich längere Lebensdauer in die Rechnung mit ein, ist die KLIM Wäsche dann sogar wieder günstiger als manche MX Fetzen.

Der einscheidenste Test meines Lebens

Der KLIM Test hat Spuren hinterlassen. Ein niederösterreichischer Schweinehirte wie ich kommt ja nicht all zu oft ins Ausland. Von so einer Enduro Tour in den Rockies mal ganz zu schweigen. Doch einschneidender als die Fahrerei und die Landschaft, war die Erfahrung welchen massiven Unterschied die richtige Bekleidung macht. Ich bin schwer begeistert von der KLIM Wäsch und kann sie euch nur wärmstens empfehlen!

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Bericht vom 30.10.2017 | 5.990 Aufrufe

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