KTM 300 EXC Test - wir vergleichen die Modelljahre '16 '17  '18

KTM 300 EXC Test - wir vergleichen die Modelljahre '16 '17 '18

Zahlt sich der Umstieg auf die Neuen aus? Wir zeigens euch.

In den letzten beiden Jahren haben sich bei diesem Modell die Ereignisse quasi überschlagen. Im Modelljahr 2017 bringt der Marktführer einen komplett neuen Motor und mit dem Modelljahr 2018 verpasst man ihm nochmal eine Einspritzung, quasi als Draufgabe.

Die EXC 300 kommt mit Einspritzung. Ganz ehrlich, hätte man mir diesen Satz vor wenigen Jahren genau so ins Gesicht gesagt, hätte ich ziemlich wahrscheinlich einen Lachanfall bekommen und denjenigen offiziell für verrückt erklärt. Aber warum eigentlich? Schon zu Beginn der 2000er haben viele Hersteller die Entwicklungsarbeit an den 2-Takt Modellen eingestellt, wenig später erfolgte dann auch die komplette Einstampfung betroffener Modelle – man erinnere sich nur mal an japanische MX Modelle. Erst mit zunehmender Beliebtheit des Endurosports und da insbesondere der Sparte Hard Enduro, fanden die kleinen Stinker wieder ihre Berechtigung. Der ausschlaggebende Punkt waren dann auch wohl die Verkaufszahlen, so war die EXC 300 in den letzten Jahren stets eine der, wenn nicht das meist verkaufte Modell der EXC Palette. Dass man dann eben diesen Motor nach insgesamt über 20 Jahren wieder komplett neu entwickelt, ist dann eigentlich eh auch irgendwie logisch.

Warum nun dieser Test?

Wir haben uns die Modelljahre '16. '17 und '18 gekrallt und wollten wissen, ob sich da nur am Papier was getan hat und ob uns die Marketingabteilung einen mächtigen Bären aufgebunden hat, oder ob der Unterschied wirklich so markant ist und ein Wechsel von alt auf neu Sinn macht.

Ich selbst stand ja erst letztes Jahr vor genau dieser Entscheidung. Im Feber 2016 musste ich mich entscheiden, setze ich auf ein komplett neues Modell mit neuem Motor, bei dem aber noch niemand wusste, wie und ob der Motor dann auch auf Dauer funktioniert. Oder setze ich auf bewährte Technik, die zwar mittlerweile in die Jahre gekommen ist, aber über einen großen Zeitraum auch immer tadellos funktioniert hat. Da die '17er Modelle erst im Juli 2016 gelauncht wurden und es noch keine Erfahrungen dazu gab, wählte ich die „no risk“ Variante und legte mir eine '16er KTM EXC 300 zu.

Wenig später dann die herbe Ernüchterung, die erste Fahrt mit dem Nachfolgemodell fühlte sich an wie ein Quantensprung. Der „neue“ '17er Motor kann eigentlich alles besser. Er hat spürbar mehr Leistung, die aber sehr fein zu dosieren ist und fast schon linear abgegeben wird. Durch die neue Ausgleichswelle verschwand auch das 2-Takt typisch nervöse Prellen und Rattern. Ich war geknickt, meine '16 er funktionierte zwar einwandfrei und war auch kein schlechtes Motorrad, aber die „Neue“ war eben spürbar besser. Den Umstieg auf '17 verwehrte ich aus finanziellen Gründen dann aber trotzdem. Etwas Genugtuung verschafften mir die Gerüchte von Vergaserproblemen bei den '17er 2-Taktern. KTM verbaute ab den Modelljahr 2017 Vergaser von Mikuni, die teilweise bei der Einstellung Probleme bereiteten. Hier schafften allerdings Bedüsungskits, oder der Smart Carb Vergaser relativ schnell Abhilfe.

Anzeige
Wir vergleichen die KTM 300 EXC Modelle der letzten Jahre miteinander. Welchen Unterschied bringen, der neue Motor, Vergaserwechsel und die Einspritzung?

Der nächste Streich folgt zugleich

Ein Jahr nachdem KTM das neue Modell mit neuem Motor vorgestellt hat, folgte die nächste Entwicklungsstufe. Bei den 250- und 300-er 2-Takt Modellen erfolgt die Gemischaufbereitung nun über Einspritzung. Die Erwartungen an die Neue sind groß, doch wird sie diesen auch gerecht? Wir stellen ein Expertenteam zusammen, um den vom Kampf mit einem Zwergpincher verletzten Arlo zu ersetzen:

Dieter Rudolf: Trial Junioren Staatsmeister, zweifacher Erzberg Finisher

Anna Larissa Redinger: Enduro Europameisterin aus 2016 und stets flott in den österreichischen Enduro Meisterschaften unterwegs

Tobi Pichler: Wiedereinsteiger, brachte noch vor wenigen Jahren mit seinen Trial Videos die Youtube Community zum Staunen.

Den direkten Vergleich der Modelljahre setzten wir auf arlos Ranch an. Über 10 Hektar Wald in den verschiedensten Schwierigkeitsstufen, eine kleine 2min Endurorunde sowie ein paar Trial Hindernisse sollten ausreichen, um die Unterschiede der drei Modelljahre zum Vorschein zu bringen. Doch bevors losgeht, werden alle Modelle vollgetankt und auf die Waage gehängt. Das geringe Gewicht ist eines der großen Pluspunkte der Zweitakter, verwundert hat uns lediglich, dass alle drei Modelljahre annähernd das gleiche Gewicht auf die Waage brachten. Zwischen 111,4 und 111,8kg bewegten sich die drei Probanden. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass ein paar unterschiedliche Komponenten (Handguards, Auspuffschutz, Mousse,...) an den einzelnen Bikes verbaut waren. Eine Schwankungsbreite von etwa 1kg sollte man hier festhalten.

Die oben genannten Unterschiede zwischen '16 und '17 wurden auch von unseren Testern nochmals bestätigt. Die KTM 300 EXC aus 2016 ist ein grundsolides Motorrad mit den klassischen 2-Takt Eigenschaften: etwas ruppig, abrupte Leistungsentfaltung und ausreichend Kraft wenn's drauf ankommt. Das richtige Bike für gestandene Haudraufs, rau und ungehobelt. Die KTM 300 EXC 2016 das Bike für (scheinbar) richtige Männer! Der Schritt auf die 2017er ist ein großer. Sie ist dank der neuen Ausgleichswelle deutlich ruhiger geworden. Das nervige Vibrieren und raue rattern sind somit Geschichte. Obwohl es sich dank der smoothen Leistungsentfaltung nicht so anfühlt, ist die '17er auch nochmal um einen Tick stärker geworden. Im direkten Vergleich zwischen '16 und '17 hat sie alle Trümpfe auf ihrer Seite, keiner unserer Tester hat das alte Modell der 2017er vorgezogen. Das neue Aggregat hebt die 2Takter auf eine ganz neue Stufe, sie kann alles besser und musste in keinem Bereich einbussen erfahren. Auch bei der KTM 300 EXC TPI waren sich unsere Probanden einig. Die TPI legt in Sachen Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung nochmal zu. Da sind auch Vergleiche mit 4-Taktern gar nicht mehr von der Hand zu weisen. Außerdem verfügt die TPI neben den verschiedenen Auslasssteuerfedern mit denen sich das Ansprechverhalten individualisieren lässt, noch über einen zusätzlichen Mappingschalter mit dem man das Motorrad auf die jeweiligen Streckenverhältnisse anpassen kann. Einen ganz großen Pluspunkt heimst die TPI in Sachen Verbrauch ein - kein überlaufender Schwimmerbehälter bedeutet auch weniger Spritverbrauch, deutlich weniger Spritverbrauch! Außerdem lässt sich die TPI nun auch ohne Vorbereitungen (leerlaufen lassen des Vergasers, Sprithahn abdrehen) problemlos mit dem Transporter herumkutschieren, ohne dass alles im Bus dann nach Benzin riecht. Mit all diesen Verbesserungen spricht die KTM 300 EXC TPI eine noch breitere Masse an potentiellen Kunden an. Sie ist nahezu wie eine 4Takter zu Fahren, hat aber nichts von ihrer Spritzigkeit und dem massigen Drehmoment im Drehzahlkeller verloren.

Keine Mankos bei TPI?

Ums kurz zu fassen: Nein. Es Bedarf zwar für eingefleischte 2-Takt Fahrer eine kurze Eingewöhnungsphase, um sich an die direkte Gasannahme zu gewöhnen, die dauerte aber bei keinem unserer Testern länger als ein paar Minuten. Ansonsten gibt es aber nichts was unsere Fahrer an den Vergasermodellen vermissen. Allerdings war unser Test quasi eine Momentaufnahme, ob die elektronische Einspritzung auf Dauer funktioniert, lässt sich erst in einem Jahr mit Sicherheit sagen.

Ist somit die '16er die schlechtere EXC?

Auch hier kann ich eine klare Antwort geben: Nein. Jedes Modelljahr hat seine Berechtigung. Ich fahre ca. 20 bis 40 Stunden jedes Jahr und habe nicht unbedingt das Bedürfnis, jedes Jahr auf das neueste Modell zu wechseln. Ich weiß zwar, dass die neuen einfach besser sind, allerdings reicht die '16er für meine Bedürfnisse vollkommen aus. Fahrer, die pro Jahr 60 Stunden und mehr am Bike sitzen oder einfach immer das Beste wollen werden an der TPI nicht vorbeikommen und so lange nicht mit dem Modelljahr 2019 das 2-Takt Rad neu erfunden wird (was ich mir aber ehrlich nicht vorstellen kann), werden sie auch länger damit glücklich sein.

Anzeige

Fazit: KTM 300 EXC

grundsolides Bike mit typischen 2 Takt Eigenschaften: stark, robust, ruppig, günstig

1
Vorteile
  • bewährte Technik
  • günstig und beständig
1
Nachteile
  • verbaute Technik ist in die Jahre gekommen
  • im direkten Vergleich zur TPI stinkt sie leider ab

Fazit: KTM 300 EXC TPI

die neue 2 Takt Ära - kann einfach alles besser als die alte

1
Vorteile
  • ruhig
  • deutlich einfacher zu fahren
  • stärker
1
Nachteile
  • bis dato hat man relativ wenig Erfahrungen mit der Einspritzung im 2 Takt Bereich, deshalb steht vor dem Thema Haltbarkeit noch das größte Fragezeichen

Bericht vom 19.07.2017 | 8.490 Aufrufe

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus

Empfohlene Motorräder

Weitere Gebrauchte
Weitere Neuheiten