Triumph Street Triple 800 RS 2017 Test

Triumph Street Triple 800 RS 2017 Test

Erster Rollout von K.OTs Dauertester in Brünn

Endlich ein Tag mit der Street Triple RS. Auf Achse nach Brünn, 2,5 Dauerfeuer und wieder heim. Brembo, Öhlins und Co. waren unterfordert, K.OT nicht. Irres Potenzial!

Seit 4 Wochen steht die Street Triple RS vernachlässigt wie eine zweifache Mutter nach 15 Ehejahren in meiner Garage. Die zunehmenden Termine in Ausland bis tief ins Frühjahr hinein machen es mir unmöglich, das breite Angebot an Testfahrzeugen im 1000PS-Fuhrpark in Anspruch zu nehmen, geschweige denn meinen eigenen Dauertester. So gesehen kann ich eigentlich froh sein, dass der Umbau meiner YZF-R6 Yamse noch ein wenig dauert, denn sonst würden zwei verlorene Seelen in meiner Garage wohnen.

In Sicherheit vor schmierigen Fingern

Um sie in Sicherheit vor den schmierigen Fingern ungenierter Mitarbeiter zu bringen, die jedes motorisierte Zweirad, das unser Büro erreicht, für Allgemeingut halten, überführte ich die Streety persönlich nach Eisenstadt auf meinen Privatgrund, wodurch jedwede Entwendung den Tatbestand des Diebstahls erfüllen würde. Anschließend nahm ich mir viel vor und konnte nichts davon umsetzen. Bis endlich die Trackdays in Brünn am Kalender standen und ich mein englisches Huhn endlich satteln konnte. Denn was ein echter Biker sein will, reist natürlich auf Achse zur Rennstrecke.

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Mit dem Motorrad zur Rennstrecke

Ich stelle mir so einen Tag immer wesentlich romantischer vor, als er tatsächlich ist. Zunächst braucht es mangels Gepäcksystem einen Rucksack, um das notwendigste Hab und Gut für einen Tagesausflug zu transportieren. In meinem Falle waren nebst Thunfischdosen und Müsliriegel auch noch ein Toilettetascherl, Freizeitbekleidung und ein Regengwand’l mit dabei, falls ich noch einen zweiten Tag dranhängen würde. Naked Bike plus Hartschalen-Rucksack plus Lederkombi plus Rückenhöcker plus Großstadtstau = K.OT kommt völlig geschlaucht und entnervt am Masarykring in Brünn an. Und dann fängt der Tag erst an.

2,5 Stunden auf der Rennstrecke

Am Abend sollte ich 7,2 Stunden am Motorrad verbracht habe, ca. 3,5 davon auf der Autobahn und 2,5 auf der Rennstrecke, den Rest quetschte ich mich durch den Stau. Ein klassischer Ironman also. Empfehlen würde ich so eine Aktion nicht unbedingt, außer man hat eine wesentlich kürzere Anreise. Was man auf keinen Fall vergessen sollte: Reifendruck für die Rennstrecke absenken (In meinem Fall auf 2,3 und 1,6 warm) und vor der Heimreise wieder heben.

Topmodell mit 123 PS

Mit der RS hat 1000PS das Topmodell der aktuellen Street Triple-Palette ausgefasst. Neben der S und der R bietet die RS nicht nur die meiste und beste Technik, sondern auch 123 statt 113 bzw. 118 PS. Für den 765 Kubik Dreizylinder wurden nicht weniger als 80 neue Teile verbaut. Neu sind auch das wunderbare TFT-Farbdisplay mit – im Falle der RS - 6 verschiedenen Anzeigemöglichkeiten, 5 Fahrmodi, ein Laptimer, ein serienmäßiger Schaltautomat und eine abschaltbare Traktionskontrolle mit 4 Stufen. Ebenfalls nur der RS vorbehalten sind die Brembo M50-Radialbremse und das voll verstellbare Fahrwerk in Form einer Show-Big Piston-Gabel vorne und einem Öhlins STX40 Federbein. Abgerundet wird die hochwertige Ausstattung von der supersportlichen Pirelli Supercorsa SP-Bereifung und einigen Schmankerl wie der Sitzbankabdeckung, der exklusiven matt-silbernen Lackierung und dem unteren Kettenschutz.

Die RS ist kein reines Rennstreckenmotorrad, aber eines, das genau für solche Aktionen wie die meine gemacht ist. Bei ca. 100 km/h fährt man im sechsten Gang mit ca. 5000 Touren geschmeidig und mit seidenweichem Motorlauf dahin. Wenn dann nach einem harten Antritt verlangt wird, zieht man die unfassbar, kaum spürbare Kupplung und schaltet man durch das exakte, eng abgestufte Getriebe zwei, drei Gänge runter und zieht am E-Gas „Kabel“. Dann wird dein Bike zum Bullterrier und die Streety zum Streetfighter der eigenen englischen Art.

Leichter, stärker, aber kein Reaktor

Das Drehmoment ist auf 77 Nm angewachsen, das Gewicht mit 166 kg trocken bei aller Technik sogar gesunken. Trotzdem ist die Neue im Vergleich zur Alten nicht Thors Hammer, aber die Vorteile, die der größere Hubraum mit sich bringt, sind nicht beim Geradeausfahren und Beschleunigen auszumachen. Welchen Druck die RS machen kann, zeigte sich vor allem in den engeren Passagen am bekannt schnellen Masarykring. Im Omega haben die 1000er keinerlei Chance, die Streety abzuschütteln, im Gegenteil. Überholmanöver außen waren keine Seltenheit, ich konnte die Radien auf- und zumachen, wie ich wollte und war neben den großen Supersportlern so agil und spielerisch unterwegs, als würde ich bei einem Truckrace mitfahren. Der zweite und dritte Gang decken dabei im Wesentlichen das Winkelwerk ab.

Souveräne Erfahrung eines gereiften Charakters

Dabei ist die neue Street Triple wesentlich ruhiger als die alte, lässt sich nicht so leicht nervös machen und strahlt die souveräne Erfahrung eines gereiften Charakters aus. Dazu tragen auch die fast schon überdimensionierten M50-Radialbremssättel von Brembo bei, die unter meiner Führung gerade mal lauwarm geworden sein dürften. Irres Potenzial! Bekanntlich gibt es mit einem leichten Motorrad nichts Schöneres, als hart anzubremsen. Die paar Sekunden bis zum Kurveneingang machen mich glücklicher als jene danach.

Moderate Sitzhöhe

Obwohl der Sitz mit einer Höhe von 825 mm eher moderat dimensioniert ist und ich gerne höher sitzen würde, fährt man auf einem Naked Bike naturgemäß etwas aufrechter als auf einem Supersportler. Auch der Lenker ist breiter und höher montiert. Dadurch hat man einerseits die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell in die Kurven zu drücken oder zu ziehen, andererseits haben Fehlgriffe und Fahrtechnikfehler einen stärkeren Einfluss auf die Dynamik. Ich mag das aber, denn die Streety ist mit ihrer schlanken Taille zum Drauf-Herumturnen gemacht.

Spiegel stören

Den Elbow-Down habe ich trotzdem (noch) nicht geschafft, weil mich die an den Lenkerenden montierten Spiegel daran gehindert haben, meine Handgelenke stark abzuwinkeln. Leider haben wir beim Versuch, die Schminkspiegel abzumontieren, gleich die Schrauben abgenudelt; muss mir also eine andere Technik überlegen. Die Bodenfreiheit ist übrigens ausreichend, nur selten setzten die Fußrasten auf.

Modus "Rennstrecke"

Mit einem Joystick, wie man ihn vom Computerspielen kennt, nur kleiner, stellt man in Sekundenschnelle den gewünschten Fahrmodus ein. Ich wählte einfach den Modus „Rennstrecke“ (weiters verfügbar: Regen, Straße, Sport und Fahrer) und spielte mich nicht weiter mit individuellen Einstellmöglichkeiten im Modus „Fahrer“. Die Modi beeinflussen ABS, Traktionskontrolle und das Ansprechverhalten des Motors. Bevor ich mich intensiver mit der Abstimmung der Streety beschäftige, konzentriere ich mich lieber auf meine Fahrtechnik und –linie und erst, wenn ich mit der Engländerin warm geworden bin, werde ich mich in die Materie vertiefen. Und nach 7 Turns in Brünn kann ich sagen: It’s on! Mehr in Kürze!

Fazit: Triumph Street Triple 800 RS

Die Triumph Street Triple RS bietet als Topversion so viel an Technik und individuellen Einstellmöglichkeiten, dass ein Einsatz am Ring nicht ausreicht, um sich mit allem im Detail zu beschäftigen. Das Fahrwerk, bestehend aus einer Show Big-Piston-Gabel und einem Öhlins-Federbein, ist voll einstellbar und sollte keine Hobby-Racer-Wünsche offen lassen. Ebenfalls auf Topniveau sind die radialen M50-Brembo Monoblock-Sättel. ABS, Traktionskontrolle und Ansprechverhalten werden über 5 verschiedene Fahrmodi abgestimmt, oder auf Wunsch über den Fahrmodus "Fahrer". Der 765 Kubik Dreizylinder kann sich sowohl auf der Straße wie ein Gentleman benehmen, als auch auf der Rennstrecke den Streetfighter rauslassen. Insgesamt ist die Streety deutlich stabiler und souveräner als die 675er und kann drehzahl- und schaltarmer gefahren werden. Wer trotzdem mal schalten muss, dem hilft neben der extrem leichtgängigen Kupplung auch der serienmäßige Schaltautomat.

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Vorteile
  • drehmomentstarker Motor
  • beste Brembo Bremsen
  • geringes Gewicht
  • unfangreiche Technik
  • hohe Bodenfreiheit
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Nachteile
  • Spiegel bieten beschränkte Sicht
  • Sitz könnte höher sein
  • kleiner Joystick womöglich schadensanfällig

Bericht vom 23.05.2017 | 18.583 Aufrufe

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