Die neue Yamaha MT-09 im Tracktest

MEX gab dem japanischen Dreizylinder am Pannonia-Ring die Sporen

Früh morgens rückte ich, bei noch winterlichen Temperaturen, zu unserem ersten Rennstrecken-Event dieses Jahr, den 1000PS Trackdays am Pannonia-Ring aus. Mit im Gepäck natürlich ein feines Eisen. Dabei ist die Yamaha MT-09 eigentlich kein geeigneter Untersatz für die Rennstrecke … oder doch? MEX klärt auf.

Preis-Leistungs-Wunder Yamaha MT-09 2017

Ich befinde mich gerade in einer ganz sensiblen Phase des Motorradfahrer-Daseins. Ein neues Bike soll ins Haus. Nur welches? Schon die erste Generation der MT-09 hat mich bei der Präsentation im Jahr 2013 in ihren Bann gezogen. Drei Zylinder, tolles Drehmoment, aufrechte Supermoto Sitzposition, erstklassige Wheelie-Qualitäten, ansprechender Preis und das alles in toller Verarbeitungsqualität aus Japan. Doch zu bieder war die Optik und zu weich das Fahrwerk, der Platz in meiner Garage blieb ihr verwehrt.

Großes Aufhorchen dann im Herbst 2016: Ein Update wird vorgestellt. Jetzt, Anfang April, gelang es mir endlich, ein Exemplar zwischen die Finger zu bekommen. Ganz klar: Hier wird alles penibelst unter die Lupe genommen. Landstraße, Rennstrecke, Mehrtagesausflug – ich habe sie nicht geschont.

Änderungen am Modell 2017 aus Performance-Sicht

Zunächst mal kurz die Änderungen am neuen 2017er Modell aus Performance-Sicht. Die 41mm Upside-Down Gabel an der Front wurde um eine anpassbare Druckstufen-Dämpfung erweitert und ist nun voll einstellbar. Für mehr Stabilität bei zügigem Runterschalten wurde eine Anti-Hopping-Kupplung verbaut. Der Schaltautomat ermöglicht schnelleres Hochschalten unter Last. Die neue, flachere Sitzbank bietet zwar mehr Bewegungsfreiheit, aber auch weniger Stützwirkung beim harten Beschleunigen.

Yamaha MT-09 2017 Test am Pannonia-Ring

Die Optik ist, wie so oft, Geschmacksache

Mir gefällt sie jetzt richtig gut! Der neue LED Frontscheinwerfer ist eine etwas zahmere Abwandlung des Transformer-Teils von der großen MT-10-Schwester. Das Heck wurde minimal gekürzt und eine hübsch integrierte LED Rückleuchte verdrängte das etwas aufgesetzt wirkende Teil der Vorgängerin. Auch die neue Kühlerverkleidung fügt sich stimmig in die aggressive Erscheinung der MT-09 ein. Eine Kleinigkeit wäre dann aber doch zu beanstanden: Der an der Schwinge montierte, einarmige Kennzeichenträger ist etwas klobig geraten und passt meines Erachtens nicht so recht zum ansonsten sehr dynamischen Gesamtkonzept. Abhilfe schafft auf Wunsch der Zubehörmarkt. Auch eine konventionelle Montage unterhalb des Rücklichts ermöglicht Yamaha dankenswerter Weise.

Genug der optischen Meinungs-Kundtuung, jetzt wird gefahren!

Erster Turn. 15 Grad Luft- und 13 Grad Asphalt-Temperatur. Alle Einstellungen auf Serie. Bei diesen Verhältnissen veränderte ich vorerst nicht mal den Luftdruck der aufgezogenen Bridgestone S20 Pneus. Während der ersten Runden wurden mir gleich zwei Dinge klar:

Erstens: Trotz Euro 4 Abgasnorm sind gefühlsmäßig alle Pferde im Stall geblieben. Yamaha dürfte auch besonders kräftige Gäule ausgesucht haben, echt unglaublich welchen Druck der Motor schon aus tiefsten Drehzahlen liefert. Ein richtiges Spaßgerät – Grinsen unterm Helm vorprogrammiert! Manchmal würde man dem Aggregat durchaus auch mehr als die angegebenen 115 PS zutrauen.

Zweitens: Das Fahrwerk ist in der Serien-Einstellung wieder bzw. noch immer viel zu weich. Dieses Setting mag vielleicht für eine Tour durch die City oder eine entspannte Fahrt zur nächsten Eisdiele passen - heute ist aber definitiv nicht Bummeln angesagt. Also, rein in die Box und schnell den Werkzeugkasten gezückt.

Druckstufe, Zugstufe, Vorspannung - in welche Richtung soll´s gehen?

Nach zwei weiteren Turns und ausgiebigem Testen lieferten dann für mich folgende Maßnahmen die besten Ergebnisse: An der Gabel die Druckstufe bis auf einen Klick geschlossen, Zugstufe zwei Klicks offen. Vorspannung an der Front unverändert, also 5 Ringe sichtbar. Damit war die Gabel beim Anbremsen über Bodenwellen zwar etwas unsensibel aber von der Härte und vom Federverhalten für meine 75 Kilo auch bei flotter Kurvenfahrt in Ordnung.

Am Federbein stellte ich, um das Heck etwas nach oben zu bekommen und somit das Fahrverhalten agiler zu machen, die Vorspannung mittels Hakenschlüssel von Stufe 2 auf 6. Danach schloss ich die Zugstufe bis auf eine halbe Umdrehung. So war für mein Empfinden auch hier das Maximum aus dem Originalteil herausgeholt. Dennoch stellte ich bei forcierter Gangart ein unangenehm pumpendes Heck fest. Hier muss ich eine Empfehlung für ein Teil aus dem Zubehör aussprechen. Damit wird sich letzten Endes nicht nur bei Trackdays, sondern auch bei der sportlichen Hatz auf der Landstraße das Handling nachhaltig verbessern.

Weiter mit den „Speedfeatures“

Der Schaltautomat funktioniert für diese Fahrzeugklasse sensationell gut, butterweich flutschen die Gänge beim Dauerfeuer auf Start/Ziel durchs Getriebe. Auch die Anti-Hopping-Kupplung macht ihre Sache ausgezeichnet. Die Gänge können knackig runter gesteppt werden, keine zusätzliche Unruhe im Fahrwerk - herrlich.

Nicht ganz so herrlich sieht die Sache mit dem ABS aus. Klar, keine Frage – dieses System wurde nicht für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelt. Dennoch sei erwähnt, dass bei harten Bremsmanövern schnell die Grenzen erreicht sind. Die Regelintervalle sind zwar angenehm fein, dauern für meinen Geschmack jedoch ein bisschen zu lange. Ein paar Mal ertappte ich mich dabei, schon etwas früher in die Eisen zu greifen, um dann nicht mit großen Augen vor dem Kiesbett zu stehen.

In der Praxis wird man dazu übergehen, die ABS Sicherung für den Einsatz auf der Rennstrecke abzuziehen. Nur so kann die ansonsten ausgezeichnet funktionierende Bremse ihre volle Leistung entfalten. Auf konventionellem Wege lässt sich das System leider nicht deaktivieren.

Kurz möchte ich auch noch auf die Traktionskontrolle eingehen. Diese arbeitet für die Fahrzeugklasse angemessen und bietet drei Modi (2, 1 und Off). Stufe 2 ist empfehlenswert bei Regenfahrten oder für Anfänger zum Gewöhnen ans Bike. Sie regelt früh und abrupt, Wheelies unterbindet sie zuverlässig. Stufe 1 finde ich sehr gelungen, sie ist im Alltag vermutlich die sinnvollste Einstellung. Die Eingriffe erfolgen angenehm feinfühlig sobald ein gewisses Maß an Schlupf erkannt wird, auch sahnige Fahrten am Hinterrad werden zugelassen. Für die Rennstrecke würde ich mir aber noch eine weitere Stufe zwischen 1 und Off wünschen. Auf der Jagd nach schnellen Rundenzeiten wird man in Einstellung 1 doch noch etwas ausgebremst. Hier gibt´s Potential nach oben.

Weitere Tuning Maßnahmen:

Die Schräglagenfreiheit fällt für den Alltagsgebrauch sehr gut aus. Erst spät setzen die Rasten am Asphalt auf. Vorsicht ist allerdings beim Motorschutz aus dem Original-Zubehör geboten, welcher auf unserer Testmaschine montiert war. Sind die Rasten mal am Boden, scharrt auch dieser kurz darauf über den Straßenbelag. Übertreibt man’s hier mit der Schräglage, kann es im Ernstfall zum Sturz führen. Im Zubehör, beispielsweise von SW-Motech, gibt es deutlich kompaktere Motorschutz-Lösungen. Damit ist man für den Fall der Fälle besser beraten.

Für jemanden, der des Öfteren Ausflüge auf die Rennstrecke plant, empfiehlt sich auch eine Fußrastenanlage aus dem Zubehör. Damit kann man die Treter noch etwas nach oben und für eine aktivere Sitzposition auch ein Stück weiter nach hinten rücken. Eine Empfehlung möchte ich auch für verstellbare Lenker-Klemmböcke aussprechen. Diese bieten viele Möglichkeiten, um die Ergonomie weiter an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. In meinem Fall würde ich mir die Lenkstange etwas tiefer und vielleicht auch um 1 bis 1,5 cm weiter nach vorne wünschen. Damit sollte sich mehr Druck und somit auch ein besseres Gefühl fürs Vorderrad realisieren lassen.

Bekommt Sie den Platz in meiner Garage?

Die Chancen stehen gut. Ein tolles Naked-Bike mit ausgezeichneten Allrounder-Qualitäten. Montiert man beispielsweise die optional verfügbaren Heizgriffe samt Gepäcksystem, steht auch einer ausgedehnten Tour durch die Alpen nichts mehr im Wege. Natürlich kann man in einigen Bereichen, wie dem hinteren Federbein, investieren um aus der Yamaha MT-09 etwas noch Besseres zu machen. Alles in allem handelt es sich aber um ein grandioses Spaßgerät zum vernünftigen Preis. Gerne nimmt man dabei auch das knackige Ansprechverhalten oder die leicht spürbaren Lastwechselreaktionen in Kauf - weil es einfach zum Charakter passt und ein stimmiges Gesamtkonzept ergibt. Der Motor bewegt tatsächlich die Seele, eine großartige Schöpfung.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Es steht nämlich noch eine Probefahrt mit der neuen Street Triple R(S) an. Stay tuned!

Bericht von Mex am 23.04.2017 Aufrufe: 26.153
Über den Autor
Mex

Gebrauchte Yamaha MT-09 Motorräder

Yamaha MT-09
BJ: 2017 , 1 km
10.699,- EUR Anfragen
11.999,- EUR Anfragen
10.699,- EUR Anfragen
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