GasGas beim 4 h Rennen

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Auftakt zu Joe Lechners Enduro Masters - arlo gibt sich sein erstes 4 Stunden-Rennen.
 

Mein erstes Endurance Enduro Rennen - Ein Drama in 4 Stunden

Josef L. etabliert in Österreich gerade 4- bis 6-stündige Enduro Rennen. Bauerntölpel und 1000PS Werksendurist arlo berichtet von seinem ersten 4 Stunden Rennen.
   

Ich kann mich noch genau an mein erstes 2h Enduro Rennen erinnern - 2005 ACC in Türnitz, damals noch naiver als heute, kassierte ich während der 120 minütigen Renndistanz einige gehörige Fotzen. Statt einer gemütlichen Motorrad Ausfahrt erlebte ich in Türnitz die Hölle auf Erden - steife Hände, müde Füße und komplette Erschöpfung - und dass bereits nach der ersten Viertel Stunde. Wie ich die restliche Zeit bewältigt habe, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Neben Blasen auf den Händen und einem mörder Muskelkater habe ich aber noch etwas von diesem Rennen mitgenommen, und zwar die Erfahrung, dass ohne die richtige Vorbereitung die Teilnahme bei einen Rennen so wertlos ist wie das Leben eines 1000PS Mitarbeiters.

Über die Jahre haben sich meine Erfahrungen gemehrt, mittlerweile kann ich behaupten, die 2 Stunden zwar ohne würdiges Ergebnis, aber mit Spaß an der Sache zu überstehen. Die 120 Minuten zehren mittlerweile nicht mehr so an der Substanz wie es früher der Fall war. Da kam es schon vor, dass ich nach einem Rennwochenende zerissener daherkam als nach einem Polterer von einem Hawara. Um die fehlende Ausdauer für die 2 Stunden zu erlangen, plagte ich mich monatelang auf Ergometern und in der Kraftkammer ab, meist nur mit mittelmäßigem Erfolg. Den größten Fortschritt erlangte ich aber erst durch regelmäßiges Training auf dem Motorrad. Von da an stellten die ACC und ET Läufe mit ihren 2 Stunden Renndistanz keine große Gefahr (die Ergebnisse lassen wir bitte außer Acht) dar. Wäre ja auch diese Saison sicher ganz toll gelaufen, wenn da nicht dieser Lechner Joe mit seiner neuen Rennserie dahergekommen wäre.

Enduro Masters nennt sich die Serie, die aus insgesamt 7 Läufen besteht - 3 x 4 Stunden sowie 4 x 4 Stunden Rennen. Anfangs noch etwas skeptisch, meldete ich mich dann schließlich doch zum ersten 4 h Lauf in Wimpassing an. Das Debakel im Burgenland war somit besiegelt.

 
Die folgenden Zeilen schildern das Drama: Um für das Rennen am Sonntag topfit zu sein, verzichtete ich auf das Kräfte zehrende Training, sowie auch auf den Prolog. Um noch etwas zu entspannen, setze ich mich gemeinsam mit meinen Hawaran zum Wirtn zur Taktikbesprechung - die Taktikbesprechung dürfte sehr wichtig gewesen sein, das würde zumindest das Besprechungsende um 2 Uhr früh erklären.
 
 

Sonntag 6:30. Meine beiden Söhne ersetzen den Wecker und springen auf der wohlig warmen Decke herum - während ich darunter liege. Das wichtigste vor dem Rennen ist ein ordentliches Frühstück, also noch schnell Kaffee und Kipferl eingelegt und dann auch gleich ab nach Wimpassing. Planmässige Ankunft um 0800 am Steinbruch der Firma Schraufstätter, Austragungsort der Stone Masters, dem ersten Lauf der Enduro Masters Serie.

Duch die erfahrene Granitbeisser Crew, die für die Zeitnehmung und die Transponderausgabe verantwortlich ist, geht die Anmeldung sehr schnell von statten und ich kann mich und meine GasGas für den Start vorbereiten. Pünktlich um 10:00 fällt der Startschuss für den Prologschnellsten, dann im drei Sekunden Takt auch für die anderen Fahrer, nach knapp 10 Minuten geht's dann auch für mich los.
 

Stunde #1

Die erste Runde diente für mich gleichzeitig auch als Erkundungsrunde, die zweite Runde geht dann schon deutlich flotter dahin. In Runde Nummer drei irritieren mich auch die großen Felsbrocken, der teilweise sehr rutschige Schotter und der steinharte Boden nur mehr wenig. Gemeinsam mit meiner smoothen und trotzdem bärenstarken EC 300 fühle ich mich unbesiegbar, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich eine mächtige Brezn hinzaubere. Souverän springe ich auf, als wäre nix gewesen und bemerke erst ein paar Augenblicke später, dass ich mir am Unterarm einen fetten Schotterausschlag eingefangen habe. (Hierbei möchte ich mich bei den Streckenposten bedanken, die die Gas von der Strecke

 
schoben und nachfolgende Fahrer warnten.)  Ganz nebenbei fängt nun auch der rechte Knöchel zu schmerzen an. Weiterfahren oder Aufgeben? Nach dem Motto "Aufgegeben wird ein Brief", entschied ich mich fürs Weiterfahren. Die EC hat von dem Crash nicht viel mitbekommen, kurz den Lenker auf gerade gestellt und weiter geht's. Es dauerte einige Minuten, bis ich wieder in meinen Rhytmus fand, mein Tempo schraube ich nun allerdings etwas runter - bei 1000PS haben wir das Arbeitsrecht von afrikanischen Minenarbeitern übernommen, im Falle eines Krankenstands droht uns neben 25 Peitschenhieben und der Kündigung auch noch der Entzug der Holland Blumenmark Vorteilskarte.
 
Ein Bild aus den frühen Minuten des Rennens - noch bin ich schwerst motiviert!
 

Stunde #2

Ich drehe meine Runden bis auf kleinere Patzer, wie Vorderradrutscher oder Bremsfehler, relativ gleichmäßig. Die Schmerzen vom Knöchel und Unterarm halten sich in Grenzen und treten nur bei sehr heftigen Schlägen zu Tage. Mittlerweile kann ich die Fahrt genießen, auffahrende Fahrer werden anstandslos vorbeigelassen. Keinen Stress machen lassen und halbwegs heil durchkommen, lautet das Motto für Stunde 2.

Nach gut eineinhalb Stunden der erste Einbruch, das Vorderrad wird leicht und rutscht mehrmals weg - das kostet jedes Mal wertvolle Kraft. Obwohl ich es nicht müsste lege ich einen Tankstopp ein. Ich fülle den halbvollen Tank auf und schiebe mir eine Banane ein (in den Mund), noch kurze Konversation mit den Leidensgenossen und ab geht's in die nächsten 2 Stunden.
 

Die Form am Motorrad lässt schon etwas zu wünschen übrig - im Gegensatz zur Per-Form-ance der GasGas.
 

Stunde #3

Eine etwa ungewohnte Situation, ansonsten stehe ich nach 2 Stunden mit einem Bier in der Hand am Streckenrand und sehe mir die erschöpften, aber glücklichen Gesichter an. Langsam bemerke ich, dass meine Kräfte zu schwinden beginnen. Ich erinnere mich an Aussagen einiger Marathon Läufer, die geben an, dass die vorletzte Stunde die härteste ist, da der Körper dann teilweise auch nicht mehr ganz mitspielt. Ich hoffe also auf Stunde Nummer 4, denn ich glaube mich an Aussagen zu erinnern, dass es dann wieder besser gehen soll. Bis auf die immer wieder- kehrenden Vorderradrutscher komme ich halbwegs gleichmäßig voran.
 

Die Kräfte schwinden - einer von vielen Vorderradrutschern.

Stunde #4

Endlich, die letzte Stunde ist angebrochen. In der Hoffnung, mein Körper geht mit den Aussagen der Marathonis konform, freue ich mich auf die letzten 60 Minuten. Die Freude währt aber nur kurz, ich geh immer mehr Meier und kann mich kaum noch am Motorrad halten. Wie ein hiniches Katzerl hänge ich an der EC und hoffe, dass sie mich noch ein paar Runden durch die Schottergrube führt. 13:15 es geht in die vorletzte Runde, vermehrt drängt sich die Frage auf, was ich eigentlich hier mache. Der Spaß an der Sache hat sich mittlerweile zur Gänze vertschüsst. Meine Rundenzeiten werden nun nicht mehr mit der Stoppuhr, sondern mittels Kalender errechnet. Es kommt mir so vor als würde mich das komplette Feld mindestens einmal pro Runde überholen. Irgendwie bringe ich die Runde fertig und setzte zur letzten Runde an. Ich nehme noch mal alle meine Kräfte zusammen und versuche zumindest ein paar der verlorenen Plätze wieder gut zu machen. Knöchel und Unterarm schreien mittlerweile bei jedem Steinchen auf, es dauert nicht lange bis mein Körper nicht mehr das tut, was ich von ihm verlange - ein Crash mit einem Felsbrocken ist die Folge. Mühselig und mit letzten Kräften richte ich die eigentlich recht leichte Gas wieder auf, drücke auf den E-Starter und setze die Fahrt fort. Das Ziel schon quasi in Sichtweite, nehme ich Kurs auf einen senkrechten, felsigen Steilhang, den ich nun 12 mal ohne Probleme bewältigt habe. Beim 13. mal verlassen mich meine Kräfte erneut - ich mache einen traumhaften Abgang rücklings.

 
Die EC 300 kommt auf fiesen Felsbrocken und mir zum liegen. Wieder retten mich Streckenposten aus meiner misslichen Lage. Meine ganze rechte Seite schmerzt nun massiv, ich rapple mich ein letztes Mal auf und lasse die GasGas den Weg bestimmen. Wie in Trance überwinde ich die letzten Meter. Eigentlich nur am Rande registriere ich, dass mich Joe mit der Zielflagge abwinkt.
 
Erschöpft und glücklich - das ist das Resümee des 4 Stunden Marathons von Wimpassing .
 
Zwischen den anderen Fahrern zum Stehen gekommen, kehren meine Kräfte plötzlich wieder zurück. Ein Blick durch die abgewunkenen Fahrer zeigt ausschließlich strahlende und glückliche Gesichter. Und in diesem Augenblick sind all die Schmerzen und Strapazen der letzten 4 Stunden vergessen - ein herrlicher Augenblick.
 
Neben den Streckenposten, die mich stets aus der Gefahrenzone gezerrt haben, möchte ich mich auch bei Dirk Hartung von autosport.at für die Bilder bedanken!

 

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Text: arlo
Foto: autosport / bikercom / irene

Bericht vom 18.04.2011 | 11.526 Aufrufe

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