Almen-Glühen

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Zwischen Weiderosten und Elektrozäunen gehts rund. Die freundlichen Wirte servieren auch Nockerl.
Turracher Höhe: 1.795 Meter hoch ist der Pass. Mittendrin, vielmehr drauf, befindet sich die Landesgrenze zwischen Kärnten und der Steiermark.


Mit der Honda CB1000R auf und rund um die Nockalmstraße

Nocken sind grundsätzlich etwas zum Genießen. Die einen werden gegessen, die anderen - wenn es sich um die gleichnamigen Berge handelt durchfahren. In den Nockbergen gibts beides: die zum Essen und die zum Befahren. Beides tun Motorradler sehr gern. Denn die Betreiber der Nockalm-Straße tun etwas für sie: Man bietet feinen Asphalt, viele Kurven, eigene Parkplätze, geräumige Schließfächer und: Natur & Kultur.


Lebst du auf der Alm? Das ist im Prinzip keine freundliche Frage. Steckt dahinter doch der Hinweis auf ein gewisses Hinterwäldlertum. Aber, eine andere Frage: Was ist schlecht daran, auf einer Alm zu sein wenn es nicht für die Ewigkeit ist, sondern zeitweilig und bereitwillig. Schließlich gibts dort angeblich ka Sünd. Um das herauszufinden fuhren wir ins Gebiet der Nockberge, weil es hier für Motorradfahrer eine kaum noch schönere Art & Weise gibt, zu Almen und um sie herum zu kurven.
 

Seewirt: Das war einst das erste Wirtshaus auf der Turrach, jetzt ist es ein Schlosshotel.

Mautstelle Ebene Reichenau: Für acht Euro darf man den ganzen Tag auf der Nockalmstraße herumkurven.
Es gibt auch Rabatte.


Auf der Nockalmstraße. Die liegt in Kärnten und ist noch recht jung. 1981 eröffnet, schlängelt sie sich über rund 35 Kilometer von Innerkrems nach Ebene Reichenau oder umgekehrt. Voriges Jahr feierte die almen-verbindende Panorama-Route ihren 30er. Rund 90.000 Fahrzeuge kamen, um zu gratulieren. Es waren viele Motorräder dabei.
Heuer werden es nicht weniger sein. Wer Massen meiden mag, wählt für einen Nock-Befahrung eher einen Wochentag. Wochenends ist man nie alleine, von Fahrrad bis Ferrari ist alles unterwegs, was Räder hat, nicht zu vergessen die Kolonnen von Autobussen.
 

Sie sind die wahren Herrscher im Nationalpark Nockberge: die Kühe. Hirsche gibts auch.


Einsteigen kann man entweder über die Mautstelle am Ortsrand von Innerkrems dorthin gelangt man übers Liesertal oder über die Kassenstelle bei Ebene Reichenau, wohin es entweder über Bad Kleinkirchheim oder über die auch nicht unbeliebte Turracher Höhe geht, auf deren Passhöhe die Grenze zwischen der Steiermark und Kärnten verläuft. Die Nockalmstraße führt mitten durch den, auch salopp Nocky Mountains genannten, Nationalpark Nockberge. Sie schraubt sich in sanften Steigungen und 52 in der Regel ebenso sanften Kehren Reidn genannt - auf eine Asphaltband-Höhe von 2.042 Metern hinauf und hinunter.
 

Kulinarisch reicht die Palette von deftig Fleischigem bis zu oft nicht - weniger deftig Fischigem.


Das ist höher, als es die rund geschliffenen, sanft anmutenden Berg-Formationen vermuten lassen. Der höchste Gipfel misst 2.400 Meter. Diese sanften Anstiege derpacken auch Fahrzeuge, die nicht mit vielen PS gesegnet sind (von Radfahrern ist hier nicht die Rede). Wie berichtet, schwang sich im Vorjahr im Umfeld des Orange Mountain-Events in Obertauern ein Pärchen auf eine KTM Duke 125. Die Kleine meisterte die Nockalmstraße bravourös. Und schaffte es, auch noch zwei Hirschwürste heimzutragen. Ohne Zwischen-Übernachtung. Was man, um möglichst früh am Morgen, wenns noch ruhig ist, in die Nockalmstraßen-Welt eintauchen zu können, gut zum Beispiel beim gastlichen Seewirt auf der Turrach tun kann.
 

Abwechslungsreich ist auf der Nockalmstraße nicht nur das Panorama, sondern auch der Himmel darüber.

Dass die 35 Kilometer lange Straße zu den Must Dos gehört, merkt man an der zeitweiligen Eisen-Dichte.


Diese Straße taugt nämlich durchaus als Tagesbeschäftigung. Die knapp 35 Kilometer sind zwar nicht lang und weit wenn man bloß in einem Zug durchzieht. Was mit einiger Vorsicht angegangen werden sollte. Die Almen der Nockberge sind Weidegebiet. Und Kühe sind beharrliche Wegversperrer, die sich durch Hupen oder Blinken oder Schreien kaum in Bewegung versetzen lassen. Und wenn, dann tun sie das gerne überfallsartig, mit gesenktem Kopf, in rasantem Galopp, direkt auf vermeintliche Störenfriede zu. Sie sind nämlich die wahren Herrinnen der Almen. Das sind im Herbst auch die Hirsche, die zur Brunftzeit unbeirrbar ihrem Drang folgen und dann schon einmal auch geschwind über die Leitplanken hirschen, gemäß dem Merksatz eines Nockalmers: Wann der Hirsch brünftig ist, kennt er nix. Auch keine Tageszeit.
 

Berg oder Tal? Der höchste Punkt der Panoramastraße heißt bezeichnenderweise Eisentalhöhe.

Die Motorradfreundlichkeit manifestiert sich unter anderem in separierten Parkplätzen.

Einladung an alle Biker, ihre Sachen im Safe zu lassen. Ob Motorradfahrer damit auch gemeint sind?


Es wäre außerdem schade, nur durchzuglühen. Mindestens einer oder besser mehrere Stopps zahlen sich aus: bei der Pfandlhütte (1.860 m), beim Almwirtschaftsmuseum Zechneralm (1.900) bei der Aussichtsplattform auf dem Parkplatz Eisentalhöhe (2.042 m), beim Karlbad (1.693 m), wo man ein Trog-Bad nehmen kann, bei der Grundalm (1.688 m), bei der Glockenhütte (2.024 m), oder beim Naturlehrweg Windebensee (1.950 m). Höhenluft gibts also genug. Zu essen auch. In und vor den Hütten wird Kärntner Kost serviert deftig Fleischiges, bekannt sind zum Beispiel die örtlichen Hirschwürste oder ebenso deftiges Fischiges, Räucher-Forellen etwa. Und natürlich Nocken der kräftigen kärntnerischen Art. Wenn man möglicherweise dann zu viel gegessen hat, das könnte man sich bei einem Spaziergang muss ja nicht gleich eine Wanderung sein wieder abgehen.
 

Bisweilen ist das Panorama blumig, dann wieder tierisch, manchmal mit, manchmal ohne Reit-Eisen.

Man kommt am einen oder am anderen See vorbei. Dort sind viele Wanderer unterwegs.


Warum das Gebiet Nockberge heißt? Weil die Berg-Formationen ausschauen wie Nockn (oder auch große Nockerl)? Möglicherweise auch. Aber hier heißen die Erderhebungen Koflernock, Mallnock und Plattnock. Dazu weiß der Presse-Text: Die Nockberge sind Europas einziger Nationalpark im sanften Hochgebirge mit dem größten Fichten-, Lärchen- und Zirbenwald der Ostalpen. Das Erscheinungsbild der runden ,Nock'n zählt zu den erdgeschichtlichen Raritäten und ist einzigartig im gesamten Alpenraum. Die erdgeschichtliche Entwicklung schuf eine Gebirgswelt der besonderen Art. Diese entstand in hunderten von Millionen Jahren durch einen vielfachen Wechsel von Land und Meer, Wüste und Urwald.

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Wenns auf der Nockalm zu dicht ist, dann empfiehlt sich die Route über Bundschuh. Hier gibt es viel Interessantes zu sehen: das Montanmuseum und/oder den Super Seven.


Dokumentiert wird die Geschichte des Nockgebiets ab heuer im neu ausgebauten Informations- und Besucherzentrum, dem bisherigen Gasthof Nockalmhof. Die offizielle Eröffnung findet im Sommer statt. Im Zentrum wird dabei die Ausstellung Versteinerte Welten sein mit Pflanzenfunden aus der Karbon-Zeit (ja, die gabs vor 300 Millionen Jahren auch schon) und Fossilien von Muschelbänken, Urfischen, Seeigeln - denn hier war vor Urzeiten einmal Meer.

Kostenlos ist das Nockalmen-Glühen nicht. Die Panorama-Straße wird seit Mitte der 1990er-Jahre von der Großglockner Hochalpenstraßen AG betrieben und betreut. Für die Maut wird jedoch penible Straßenerhaltung geliefert. Für Motorräder gibts eigene Parkplätze, womit die Eisen vor ungeschickten Ein- und Aus-Parkern sowie ausscherenden Bussen einigermaßen sicher sind. Dazu kommen Schließfächer für Helm, Handschuhe und Kleinzeug, das man im Falle eines Spaziergangs (oder einer Wanderung) dort deponieren kann.
 

Die Nockalm-Einstiegsstelle bei Kremsbrücke, das im schönen Liesertal liegt/steht.


Die Einfahrt kostet für Motorradfahrer acht Euro pro Fahrzeug. Um diesen Preis kann man den ganzen Tag um die Nockberge kurven. Ein Monats-Ticket kommt auf 15 Euro, ist 30 Tage lang gültig. Die Saison-Karte macht 43 Euro aus. Wer auch die anderen Strecken der Betreibergesellschaft mitnehmen möchte - Großglockner Hochalpenstraße, Gerlos-Passstraße, Villacher Alpenstraße - der zahlt für ein Vorzugs-Touren-Ticket an der Kassa 28, im Vorverkauf (bei ÖAMTC, ARBÖ, ADAC) 24 Euro. Für die Letztgenannte allerdings muss man dann noch extra bezahlen: ohne Touren-Pass acht, mit diesem fünf Euro.

Ach ja, die Sünde auf der Alm: Außer kulinarischen Obszönitäten in Form von Riesen-Portionen haben wir nichts gefunden. Untertags. Aber wer weiß, was sich tut, wenn man in der Nacht über die Almen glühte. Was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Nachts haben die Maut-Kassen geschlossen.
 

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Interessante Links:

Text: Trixi Keckeis,
Fotos: Trixi Keckeis, Nockalmstraße,
Oliver Pichler & Partner
 

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Bericht vom 30.05.2012 | 15.192 Aufrufe

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