BMW R 1300 GS Dauertest - Erfahrungen, Probleme, Reifen

Die 1000PS Crew testet DIE BMW Reiseenduro auf Herz und Nieren

Knallhart wird jede Fahrt mit unserer BMW R1300 GS dokumentiert. Probleme, Fehler, Glück und Leid. Kurz-Strecke und langen Reisen, on- und offroad muss die gefragteste BMW Reiseenduro zeigen, was in ihr steckt.

Dauertest BMW R 1300 GS durch 1000PS - Unterschied zu sonstigen Dauertests

Unter vielen Videos auf unserem Youtube-Kanal wird gefordert, dass wir mehr auf Langzeiterfahrungen mit Motorrädern und sonstige Umstände, die einen als Motorradfahrer begleiten, wie Servicekosten und -intervalle, Verschleißteile, außerplanmäßige Werkstattaufenthalte, Wartezeit auf Ersatzteile, etc. eingehen. Das ist auch mit unseren Saison-Dauertestern nicht leicht, da wir diese in der Regel nach dem 1.000km Service übernehmen und mit den heutigen Serviceintervallen bei Motorrädern jenseits der 10.000km oft gar nicht auf eine Laufleistung kommen, die ein weiteres Service innerhalb unseres Testzeitraums nötig machen würde.

Bei der BMW R 1300 GS entscheiden wir uns daher für einen anderen Weg. 1000PS hat dieses Motorrad, wie ein beliebiger sonstiger Kunde, beim Händler gekauft. In unserem Fall die Bike Factory in St.Pölten. Das bot uns auch den Vorteil, die Maschine genau so zu konfigurieren, wie wir sie haben wollen (siehe nächster Absatz) und nicht von der, durch die BMW Presseabteilung zur Verfügung gestellten Version, abhängig zu sein. In den kommenden zwei Jahren werden wir in diesem Bericht jede einzelne Fahrt mit dieser 1300er GS dokumentieren. Dabei wird sie von verschiedenen Fahrer(inne)n, auf verschiedenen Untergründen und mit unterschiedlichen Herangehensweisen zum Thema Motorradfahren bewegt. Der Test wird bildlich auf unserem Instagramkanal und schriftlich in diesem Bericht begleitet. Den aktuellsten Eintrag findet ihr immer ganz unten im Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Ausstattung der 1000PS BMW R 1300 GS

  • Racingblue metallic
  • Intelligenter Notruf
  • Teleservices
  • Sitzheizung (Fahrer/Sozius)
  • Zusatzscheinwerfer
  • Headlight Pro
  • Riding Assistant

Komfort-Paket

  • Soziuspaket
  • Windschild elektr.verstellbar
  • Hauptständer

Touring-Paket

  • Vorbereitung für Navigationsgerät
  • Krümmer verchromt
  • Zentralverriegelung
  • Handschutzerweiterung
  • Kofferhalter links/rechts

Dynamic-Paket

  • DSA (Dynamic Suspension Adjustment)
  • Schaltassistent Pro
  • Fahrmodi Pro
  • Sportbremse

Style GS Trophy

  • Kreuzspeichenräder schwarz
  • Komfortfahrersitz

Die ersten Kilometer mit der BMW 1300 GS: Jänner 2024

Kilometerstand 140: Jungfernfahrt und Wiegen 16. + 17.1.2024, Poky

16.1.2024: Abholung von Bike Factory St.Pölten und die erste Fahrt nach Wien.

Außentemperatur -1 Grad, trockene Fahrbahn 5% Landstraße 85% Autobahn 10% Stadtverkehr.

Die BMW 1300 GS bietet eine grandiose Lichtausbeute mit Nebelscheinwerfern und Abblendlicht, auch von anderen Verkehrsteilnehmern, die im Jänner eher nicht mit Einspurigen rechnen, wird man nicht übersehen. Der Abstandstempomat und der Totwinkelassistent funktionieren tadellos, der Sitzkomfort der Komfort-Sitzbank hoch ist standesgemäß. Der Windschutz des elektrisch verstellbaren Windschilds in höchster Position ist bei einer Fahrergröße von 1,87 Meter gut, aber nicht perfekt. Die Sitzheizung ist in Stufe 3 trotz der niedrigen Außentemperaturen zu stark, Stufe 2 war angenehm. Die Griffheizung hingegen ist auch auf Stufe 3 nicht ausreichend, um ein Auskühlen der Handrücken und Finger zu verhindern, getragen wurden wasserdichte Handschuhe für die Übergangszeit.

Die Bedienung über Drehrad und Schalter ist grundsätzlich intuitiv, aber zwei "Rauf-Runter" Schalter direkt nebeneinander sind gewöhnungsbedürftig, hinterleuchtete Schalter wären schön. Der Autobahn-Verbrauch liegt laut der Angabe im Display bei 5,9 Liter/100km bei einer mittels Tempomat eingestellten Geschwindigkeit 130 km/h. Die Federung ist im Modus Road nicht mehr so komfortabel wie bei 1250 GS. Der Enduro Modus schafft Abhilfe, aber das Fahrwerkssetup Enduro ist zwingend an Enduro (PRO) Fahrmodus gekoppelt.

17.1.2024: Überstellung des Fahrzeugs von Wien in die 1000PS Redaktion, Volltanken und Wiegen Außentemperatur -4 Grad, teilweise feuchte Fahrbahn 85% Autobahn 15% Stadtverkehr.

Bei noch frostigeren Temperaturen geht es um 8:30 ca. 7km durch den Frühverkehr der Hauptstadt Richtung Autobahnauffahrt. Trotz der eindrucksvollen Erscheinung und der Sitzhöhe von 870mm fährt sich auch die neue GS beinahe spielerisch. Das Durchschlängeln an den zahlreichen Ampeln Wiens fällt für ein Fahrzeug dieser Gattung überraschend leicht. Faustregel: Wenn der Lenker durchpasst, passt auch der Boxer durch. Bei der Autobahnfahrt sorgte die Kombination aus Griffheizung und dem IXS Season Heat ST Handschuhe für warme Finger. Für viele ein Luxus, für Ganzjahresfahrer eine Stelle an der nicht gespart werden sollte, da man so reaktionsfähig bleibt.

In Wr. Neustadt unweit des 1000PS Büros wurde die GS gewaschen und fürs Wiegen auf der 1000PS Viehwaage vollgetankt. Dabei gab es zwei Beobachtungen: 1. Der Keyless-Tankverschluss lässt sich nur bei deaktivierter Zündung öffnen. 2. Das nicht verschließbare, kleine Fach am Tank lässt sich nur bei (annähernd) geradem Lenker öffnen. Dieser Umstand bringt aber auch einen Vorteil mit sich: Der Inhalt ist bei aktivierter Lenkersperre vor unbefugtem Zugriff geschützt. Das Gewicht unserer randvoll getankten BMW R 1300 GS beträgt 258 Kilogramm. Die Speichenfelgen machen also ein Mehrgewicht von rund 1,5 kg im Vergleich zur Gussfelgen-Variante aus.

Beim Fototermin zum Dauerteststart machen Personen von 1,68 bis 1,87 Meter Sitzproben. Überraschender Weise gelingt es selbst der kleinsten Person die GS selbstständig vom Seitenständer aufzustellen. Redakteur Christoph Horvath (Größe 1,75 Meter) kam mit beiden Fußballen zum Boden.

Kilometerstand 264: Autobahn im Nassen und Erfahrungen am Waschplatz, neues E-Windschild an der 1300GS 23. + 24.1.2024, Poky

23.1.2024: Autobahn-Fahrt nach Wien mit zwischenzeitlichem Regen.

Außentemperatur 7 Grad, großteils feuchte Fahrbahn, kurrzeitig Regen, 85% Autobahn 15% Stadtverkehr.

Der Wetterschutz auf der GS ist sehr gut, ein kurzer Regenguss am Heimweg, wurde so wirksam über den Piloten hinweggeleitet, dass die Goretex-Kombi außen an fast allen Stellen trocken blieb. Im Bereich der Schultern trifft das Wasser den Fahrer dann aber doch. Die BMW-Navivorbereitung, die im Touringpaket automatisch mit dabei ist, ist ungenutzt keine Zierde. Wir überlegen sie abzumontieren, der zusätzliche Stromzugang und der stabile Bügel sind jedoch praktisch. Die Fläche der Rückspiegel ist für ein Motorrad diesen Ausmaßes relativ klein, teilweise wünscht man sich ein größeres Sichtfeld nach hinten. Bei den letzten Kilometern in der Stadt zeigt sich die grandiose Übersicht auf der 1300GS, insbesondere mit dem Windschild in niedriger Position behält man mit Leichtigkeit den Überblick über das Verkehrsgeschehen.

24.1.2024: Autobahn-Fahrt Wien - Wiener Neustadt Tempomat fällt aus.

Außentemperatur 4 Grad, großteils nasse Fahrbahn, 85% Autobahn 15% Stadtverkehr.

Die GS steckt bis oben hin voll mit Elektronik- und Komfortfeatures, manche sind jedoch nicht zu Ende gedacht. Der Komfortblinker verunmöglicht durch das selbständige Rückstellen, dass man darauf vergisst, das selbst zu tun. Gute Sache, denn ein falsch abgegebenes Richtungssignal kann im Straßenverkehr schnell zu einer gefährlichen Situation führen. Auf der BMW 1300 GS blinkt er 11 Mal bevor er sich ausstellt, es gibt keine Möglichkeit, das zu verstellen, schade! Der Abstandstempomat hat sich im Überholvorgang ohne erkennbaren Grund deaktiviert (und darüber im Display auch informiert). Sekunden später ließ er sich wieder einstellen, die weitere Fahr verlief unauffällig.

Da die Straßen im Österreich derzeit gesalzen sind, ist aktuell eine Wäsche nach jeder Fahrt Pflicht, bei unserer brandneuen GS sowieso. Also geht es nach dem Abfahren von der Autobahn direkt zum Waschplatz. Hier wird das "Eiscafe-Feature" des elektrisch verstellbaren Windschilds - es fährt beim Abstellen der Zündung automatisch in die tiefste Position und erst nach erreichen einer gewissen Geschwindigkeit automatisch wieder hoch - zum Nachteil. Um den Windschild in der hohen Position zu halten muss die Zündung eingeschalten sein und der Schlüssel muss sich in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs befinden. Entfernt man sich mit dem Schlüssel in der Tasche (etwa um die Waschmünze in den Automaten zu stecken) fährt, schaltet sich die Zündung automatisch ab und der Windschild fährt in die niedrigste Position. In dieser kommt man mit der Waschlanze naturgemäß nicht an die Stellen, die, während der Autobahnfahrt mit höchster Windschildposition, verschmutzt wurden - ärgerlich.

Kilometerstand 368: Die erste Hausrunde mit der BMW R 1300 GS im Jänner, 24.01.2024, Vauli

Außentemperatur 11 Grad, durchwegs feuchte Fahrbahn, Nieselregen, 95% Landstraße, 5% Stadtverkehr.

"Natürlich bin ich der erste, der mit unserer 1000PS 1300er-GS fährt!", habe ich in der Redaktion im Dezember vollmundig verkündet, ohne zu überlegen, dass das neue Reiseenduro-Aushängeschild der Bayern bereits im Jänner in unseren Fuhrpark kommt - wer will schon im Jänner in Österreich Motorrad fahren!? Nun ja, der Allererste war ich nun ja ohnehin nicht, weshalb der Druck auch nicht mehr so groß war. Allerdings waren die Wetterprognosen für den 24. Jänner zu verlockend, 12 Grad sollte es im Laufe des Tages bekommen, besser geht es ja eigentlich nicht! Aber schlechter geht es immer, zumindest beim Thema Motorradfahren im Winter in unseren Breiten. Denn die Straßen waren trotz enormem Wind noch nass und wurden durch einen lästigen, leichten Regen erneut benieselt, was mit all dem Salz und Streusplit auf den Landstraßen meiner Wahl zu einer eher defensiven Fahrweise aufforderte. Damit aber zur entscheidenden Frage: Wie benimmt sich die GS bei solchen Verhältnissen?

BMW R 1300 GS 2024 Dauertest - erste Hausrunde
Die neue BMW R 1300 GS sieht in der Trophy-Lackierung richtig schick aus - und fährt natürlich auch ausgezeichnet!

Die Traktionskontrolle auf der neuen 1300er-GS muss man provozieren!

Äußerst gut, kann ich nur sagen, auch die neue 1300er-GS ist eine typische GS, auf die ich mich setze, alles dort vorfinde, wo ich es brauche und ab dem ersten Meter vertraut mit dem Gerät bin. Bei einer Boxer-GS brauche ich keine lange Eingewöhnungsphase, da kann ich sofort für meine persönlichen Verhältnisse flott und sicher fahren. Im Trockenen durfte ich ja bereits mit der neuen R 1300 GS zwei Tests durchführen (die BMW R 1300 GS im Vergleich mit der KTM 1290 Super Adventure S und die R 1300 GS im Vergleich mit der Ducati Mutistrada V4 S), nun waren die Straßen aber nass und rutschig. Und ich hatte mit der großen GS dennoch kein einziges "Erlebnis". Vielmehr musste ich die Traktionskontrolle auf einem rutschigen Kanaldeckel provozieren, um überhaupt einen Eingriff der Elektronik zu spüren. Da mich der eingestellte Rain-Fahrmodus nicht weiter einschränkte, beließ ich es bei dem restriktivsten Modus - immerhin ist unsere GS ja noch im Einfahr-Betrieb und ich wollte nicht gleich bei der ersten Ausfahrt negativ auffallen…

Was fällt an der Dauertest-GS positiv und negativ auf?

Abgesehen davon, dass unsere Dauertest-GS also äußerst harmonisch auch auf nasser Fahrbahn bewegt werden kann und die Michelin Anakee Adventure-Reifen sich sehr harmonisch in den dynamischen Charakter dieses Adventure-Bikes einfügen, musste ich feststellen, dass der Schaltassistent Pro beim Herunterschalten schon sehr früh seinen Gasstoß abgibt. Das ist bei sportlicher Fahrweise voll ok und wurde von mir bei den Tests im Trockenen auch sehr geschätzt, bei gemütlichem Cruisen und defensiver Fahrweise im Nassen ist es aber doch etwas irritierend, wenn man beim behutsamen Herunterschalten etwa vor Kehren plötzlich nochmals ein wenig beschleunigt. Das ist vorerst aber auch das Einzige, das mir negativ aufgefallen wäre. Beim Wind- und Wetterschutz merke ich sofort, dass sich BMW trotz der weitaus sportlicheren und eleganteren Optik nicht hat lumpen lassen - auch die 13er-GS bietet eine ausgezeichnete Aerodynamik, für mich passt die höchste Stufe des elektrisch verstellbaren Windschilds ausgezeichnet. Selbst die, durch den starken Sturm horizontal auf mich einprasselnden Regentropfen schafften es nicht bis zu mir, sondern wurden nahezu vollständig von der effizienten Verkleidung abgefangen. Apropos elektrisches Windschild - sooft ich gefragt wurde, welche Features unsere Dauertest-GS haben sollte, wollte ich unbedingt das elektrische Windschild haben. Und tatsächlich nutze ich den praktischen Schalter am linken Lenker weitaus öfter als das, bei der GS sonst übliche Handrad. Für mich also ein echter Komfort-Faktor, der die große GS von allen anderen Reiseenduros wohltuend abhebt.

BMW R 1300 GS 2024 Dauertest - Vauli auf seiner ersten Hausrunde
Im Jänner kann man keine perfekten Zustände erwarten - die Temperatur passt, aber der Wind pfeift und die Straßen sind nass.

Kilometerstand 717: 300km Runde mit der BMW R 1300 GS am 2. Februar 2024, Nils

Der Wetterbericht versprach 10 Grad und trockenes Wetter! NastyNils plante eine Route von der Heimatgemeinde Forchtenstein ins südliche Burgenland zurück ins 1000PS Büro. Die Tour führt über tiefere Pässe und Hügel am östlichen Alpenrand. Bei den tiefen Temperaturen bot der Michelin Anakee Adventure ein sehr harmonisches Fahrgefühl. Allerdings hat er bei höheren Geschwindigkeiten ein stärkeres Abrollgeräusch als Pneus mit einem langweiligen Straßenpfrofil. Sitzheizung und Griffheizung an der GS sind richtig kräftig und bringen einen auch im Winter super durch den Tag. Der Windschutz ist insgesamt betrachtet sehr in Ordnung. Im Winter ist er allerdings im Bereich der Schultern bei größeren Piloten nicht so gut wie zum Beispiel auf einer aktuellen Africa Twin Adventure Sports oder Kawasaki Versys. Was ebenfalls auffällt: Tiefe Drehzahlen fühlen sich nicht mehr ganz so fluffig an wie bei der Vorgängerin. Man benötigt also auch immer wieder mal den 4. Gang für längere Passagen. Die GS vermittelte entlang der 300km im Winter insgesamt sehr viel Vertrauen. Das souveräne Motorrad lässt sich durch knifflige Straßenverhältnisse nicht aus der Ruhe bringen. Ein sehr beeindruckender Auftritt im Winter 2024 auf heimischen Straßen. (NastyNils, 2.2.2024, Kilometerstand: 717 km!

NastyNils mit dem Schuberth E2 Helm im Februar 2024 unterwegs in der Buckeligen Welt.
NastyNils mit dem Schuberth E2 Helm im Februar 2024 unterwegs in der Buckeligen Welt.

Kilometerstand 766: 50-Kilometer-Ausfahrt mit der R 1300 GS am 7. Februar 2024, Alessio

Im Zuge eines Vergleichstests von verschiedenen Handyhalterungen für Motorräder war eine kleine Runde mit der R1300GS vorgesehen, um Aufnahmen der Halterungen zu anzufertigen. Es war schon relativ spät für die Jahreszeit, circa 16:00 Uhr als ich mich auf den Weg nach Dreistetten und wieder zurück begab. Die GS hat mich als nicht erfahrener Reiseendurofahrer auf dem teils nassen teils von Erde, Laub und allgemeinen Dreck bedeckten Asphalt positiv überrascht. Zuerst dachte ich mir, dass ich eine so schwere Maschine niemals agil und leichtfüßig bewegen könnte mit meiner Statur von 1,70m und 55kg, doch da lag ich falsch.

Tatsächlich ist die GS dank ihres niedrigen Schwerpunktes auch von der Sitzposition her sehr zugänglich für mich. Des Weiteren ist sie sehr agil im Winkelwerk und reagiert gut auf den Lastwechsel. Im Vergleich zu den Fahrwerken, die ich auf meinen vergangenen Motorrädern gewohnt bin (vom sehr straffen Fahrwerk meiner alten Caballero Flat Track zum genauen Gegenteil meiner Yamaha MT-07) ist das Fahrwerk der GS erste Sahne (bei dem Preis aber auch vorauszusetzen). Ich fühlte mich in jeder Kurve sehr sicher; ich bewegte das Motorrad zuerst im Rain-Mode gab aber doch etwas Gas. Die Traktionskontrolle hat sich nie aktiviert, der Reifen kam nie ins Rutschen und als ich am Ziel ankam entschied ich mich, den Dynamic-Mode in Angriff zu nehmen und etwas rascher auf dem Nachhauseweg zu sein, da es bereits spät wurde. Im Dynamic-Mode war die Beschleunigung auffallend schneller und wie im Rain-Mode sehr linear, habe aber bemerkt dass sie trotz ihres Gewichts bei harten Gasstößen tendiert, das Rad gen Himmel zu richten. Drehmoment ist im niedrigen Drehzahlbereich ausreichend da, im oberen erst recht. Das Windschild hat mich, ohne es groß einzustellen, gut vor dem Wind geschützt.

Kilometerstand 766: Tauschmotor statt 1000er Service für die R 1300 GS am 13. Februar 2024, Poky

Paukenschlag in der Redaktion nach dem Telefonat mit BMW - unsere GS ist von einer sogenannten Service-Aktion betroffen und nach nur 766 km Laufleistung kommt ein Tauschmotor in der 1300 GS zum Einsatz. So wird der Weg zur Bike Factory nicht wie geplant auf Achse, sondern vorsichtshalber im Bus in Angriff genommen und statt dem 1000er Service wird bei unserer GS der Motor getauscht: Dauer 1 Werktag. Schaaf bringt die GS am Tag drauf wieder sicher ins 1000PS Büro. Poky gibt in der 1000PS Mittagspause am 15.2. einen Überblick zu allen GS-Abenteuern, die uns bisher widerfahren sind.

BMW 1300 GS Tauschmotor
Da liegt der Tauschmotor für die 1300er GS

Kilometerstand 766: (Kilometerstand Motor 0) In den Bus verladen geht es nach Barcelona 15.2., Poky

Auf dem Bild unten erkennt ihr nur die halbe Wahrheit. Für unsere jährliche Winterflucht nach Spanien, war unser Transporter bis oben hin prall gefüllt. Kamera-Equipment, Bildschirme, Bekleidung, Helme, aber auch eine Honda Africa Twin und eben unsere GS machen sich auf den Weg nach Barcelona.

BMW GS im Bus verladen
So geht es für die GS nach Spanien

Kilometerstand 1596: (Kilometerstand Motor 830) Endlich das 1000er Service in Barcelona 21.2., Poky

Unter Mithilfe befreundeter Motorradfahrer, die das vollste Vertrauen der 1000PS Redaktion genießen, wurden im sonnigen Spanien mir nichts, dir nichts binnen zwei Tagen 830 km auf die GS gespult, sodass sie nun endlich ihr 1000er Service bekommen und das Testprogramm in Barcelona starten kann. Danke an dieser Stelle an BMW Premium in Barcelona, die uns kurzfristig einen Termin für das Service sowie einen Reifenwechsel verschafft haben. In den über 800 Kilometern gab es keine weiteren Auffälligkeiten. Hoffen wir, dass das so bleibt. Schließlich stehen neben dem intensiven Einzeltest, ein Reifentest auf einer Reifen Neuheit 2024 und ein Vergleichstest mit der neuen Honda Africa Twin Adventure Sports an.

Kilometerstand 2186: (Kilometerstand Motor 1420) Feine Ausfahrten und Vergleichstest in und um Barcelona 7.3., Poky

21.-23.2.2024, Einfahren Episode 23, Barcelona und Umgebung

Außentemperatur 7-16 Grad, großteils trockene Fahrbahn, 5% Autobahn, 10% Stadtverkehr, 85% Landstraße.

Um nicht unvorbereitet mit den frisch aufgezogenen Michelin Anakee Road in den Vergleichstest mit der neuen Africa Twin Adventure Sports gehen zu müssen, ging es zuerst endlich einmal wieder ans Einfahren. Der Neigungssensor der IMU inklusive Anzeige der maximal gefahrenen Schräglage, den man sich in der Sportansicht des Displays anzeigen lassen kann, weckt zumindest bei mir die jugendliche Unvernunft. Dadurch war dieser Prozess mit den potenten straßenorientierten Reiseenduro-Pneus entsprechend rasch abgeschlossen. Hier lobe ich mir die griffigen Straßen in Barcelonas Hinterland. Den Intensivtest mit dem Anakee Road überlasse ich dem Kollegen Wolf, das Ergebnis lest ihr bald auf 1000PS.

Mit dem frisch servicierten Motor, drehe ich die GS zum erstem Mal über 5.000 U/Min. Oben legt das Aggregat nochmals zu, der Schub des Boxers lässt einfach nicht nach, die 1300er hat auch im oberen Drehzahldrittel Kraft ohne Ende. Durch das Wegfallen des Lochs, das die 1250er GS bei rund 5.000 U/Min hatte, kommt einem der Schub im Sattel der neuen GS zunächst weniger vehement vor. Die Drehmomententwicklung des gigantischen Boxers verläuft bis zur Spitze von 149 Nm bei 6.500 U/Min annähernd linear.

28.2.-6.3., Intensiver Vergleichstest mit der Honda Africa Twin Adventure Sports, Montserrat und Parc del Garraf

Außentemperatur 10-18 Grad, großteils trockene Fahrbahn, 5% Autobahn, 5% Stadtverkehr, 90% Landstraße.

Der erste Showdown gegen die Konkurrenz, den wir mit unserer GS absolvieren steht an. Der Gegner: Hondas neu entwickelte Honda Africa Adventure Sports mit dem EERA-Fahrwerk von Showa und DCT. Auf den ersten Blick hat die GS natürlich leichtes Spiel mit der japanischen Reiseenduro-Ikone: 43 PS Leistungsvorteil und 37 Nm mehr Maximaldrehmoment bei annähernd gleichem Gewicht, wirft die Bayerin in den Ring. Doch beim (Straßen-)Touren kommt es auf mehr an, als die reine Motorperformance. Die Africa Twin setzt 2024 erstmals auf 19 Zoll in der Front und rückt damit der GS so nahe wie nie! Zudem ist sie dank gesunkener Sitzhöhe zugänglicher als je zuvor, auch Personen mit einer Körpergröße von 1,70 Meter können die Honda erstmals ernsthaft als Alltagsbegleiter in Betracht ziehen. Der Vergleichstest Honda Africa Twin vs. BMW R 1300 GS den ich mit Gregor gemeinsam absolviert habe, war jedenfalls sehr spannend und aufschlussreich.

BMW R 1300 GS vor Berg, Fahrer mit Touringausrüstung
BMW R 1300 GS vor dem mächtigen Montserrat-Massiv, Poky trägt Schuberth E2 und Rukka Shield-RD

Spanischer Einschub von Schaaf: flotte Fahrerei und Ersteindruck, März 2024

Dankenswerterweise durfte ich den geschätzten Kollegen die GS während des oben angesprochenen Vergleichs für ein paar Minuten entwenden, um damit ein Onboardvideo zu produzieren. Es war tatsächlich mein erster echter Kontakt mit unserer Dauertesterin, welcher mitten im spanischen Winkelwerk stattfand. Die nun folgenden Worte beschäftigen sich also hauptsächlich mit Aspekten der bayerischen Fahrdynamik.

Es fällt sofort auf, dass die Sitzposition etwas aktiver im Vergleich zur Vorgängerin gestaltet wurde. Ebenso ist alles, was sich vor dem Fahrer befindet, nun gefühlt etwas schlanker geworden. Während der Kurvenhatz fühlt man sich als Pilot also etwas mehr als Herr der Lage. Auch das Fahrwerk trägt zu diesem Eindruck bei, es fällt leichter, die anvisierte Linie auch wirklich exakt zu treffen. Es mag nicht besonders wissenschaftlich klingen, aber ich würde die 1300er insgesamt als knackiger bezeichnen, wenn es um den Vergleich mit der alten GS geht. In Sachen Stabilität und Bremskraft gibt es nach wie vor nichts zu bemängeln. Der Quickshifter arbeitet nun etwas schneller und ruckfreier, vor allem in den unteren Drehzahlen wird ab sofort sanfter der Gang gewechselt.

Gleichzeitig braucht es dank Telelever immer noch eine gehörige Portion Urvertrauen, wenn es in hohe Schräglagen geht. Dieses BMW-spezifische Komfortfeature macht es immer noch relativ schwer, jegliches Feedback von der Front auszulesen. Dies fällt mir zwar auf keinem langbeinigen Adventure-Bikes leicht, auf der BMW jedoch ist die Kommunikation zwischen Vorderrad und meinen wenig vorhandenen Gehirnzellen immer noch die diffizilste. Daher finde ich den Umstand etwas bedauernswert, dass die Deutschen mit der neuen GS eine Ausrichtung hin zu gesteigerter Sportlichkeit unternommen haben. Die Boxer-Enduro war nie mein Favorit für die schnelle Fortbewegung. Nicht, dass es nicht möglich wäre, aber auf Multistrada und Super Adventure fühlt der flotte Stil sich einfach besser an. Dafür war die GS für mich gleichzeitig immer der unangefochtene König auf der Reiseenduro-Langstrecke. Der Windschutz grandios, der charakterstarke Boxer mit enorm hohem Level an Befriedigung, wenn aus dem Drehzahlkeller heraus beschleunigt wurde. Der erste Punkt ist auch im Sattel der aktuellen Version wirklich gut. Aber das Boxer-Aggregat hat definitiv an Charme verloren, wofür wohl hauptsächlich die strengen Abgasnormen verantwortlich sind.

So würde ich derzeit noch die alte GS der neuen vorziehen, wenn es auf eine wirklich lange Reise gehen soll. Ich kann hier allerdings noch kein finales Urteil fällen, so lange ich nicht auch mit der neuen ausreichend lange unterwegs gewesen bin. Stay tuned!

Kilometerstand 4912: (Kilometerstand Motor 4146) Zurück aus Barcelona und erster Sozius-Test 26. 3., Wolf

Nachdem die GS in Barcelona ihren Dienst in spannenden Vergleichstests getan hatte, war es an der Zeit, sie wieder zurück in heimatliche Gefilde zu bringen. Ein Job, für den ich mich sofort angeboten habe, um gleich einmal den ersten Reise- bzw. "Härtetest" zu absolvieren und auch den aufgezogenen Michelin Anakee Road in unterschiedlichsten Bedingungen unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich war auf der dreitägigen Tour so ziemlich alles dabei, was den Motorradfahrer auf Reisen so im Normalfall begegnet: Von notgedrungen recht viel Autobahn über spanische Küstenstraßen mit wunderbarer Aussicht und empfehlenswertem Abstecher zum Cap de Creus, bis hin zu der einen oder imposanten Schlucht in Frankreich, von Sonne bis zu starkem Regen. Aber davon wird in einem eigenen Bericht zu lesen sein.

Nach knapp 2100 Kilometern daheim angekommen, blieb die GS noch für eine Woche in meiner Garage, um sie auch auf meinen Hausstrecken, ob asphaltiert oder geschottert, ausgiebig zu bewegen und meine Eindrücke zu vertiefen. Da durfte selbstverständlich auch eine ganztägige Ausfahrt mit meiner Sozia Mel nicht fehlen, die schon weit über 100.000 Kilometer auf unzähligen Motorrädern hinten drauf absolvierte und damit doch einiges zu erzählen hat. Nach 2726 Kilometern, also etwas mehr als die Hälfte der bisherigen Fahrleistung, stellte ich sie schließlich wieder vor der 1000PS-Redaktion ab.

Im Alltag angekommen - Kilometerstand 5125, NastyNils, 8. April 2024

Mittlerweile ist die BMW R 1300 GS im Alltag angekommen. Das Motorrad wird nun gerne für den täglichen Weg zur Arbeit genutzt. Der Kilometerzähler hat mittlerweile 5125km auf der Uhr. Der Michelin Anakee Road hat die 2500 km Fahrt von Barcelona nach Wiener Neustadt gut überstanden. Bei den täglichen Fahrten ins Büro überzeugt er mit einer kurzen Aufwärmzeit.

NastyNils auf dem Weg ins Büro mit der R 1300 GS
NastyNils auf dem Weg ins Büro mit der R 1300 GS
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Bericht vom 07.03.2024 | 60.029 Aufrufe

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