Honda CBR600RR PC37 (2003-2006): Test und Gebrauchtberatung

Die erste CBR600RR im Gebrauchtcheck

Macht Euch lieber nichts vor, die Honda CBR600RR ist eine extreme Maschine mit Fokus auf der Rennstrecke und während dies für die einen unglaublich attraktiv ist, wird es für andere ein absolutes No-Go sein. Wenn Ihr euch also die Bilder anschaut und denkt, "diese Lenkerstummel sehen ein bisschen niedrig aus" oder "wie wird die Frau auf den Soziussitz passen?", dann ist es wahrscheinlich nicht der Mühe wert, weiter zu lesen.

Wenn Ihr euch jedoch die Bilder anschaut und denkt "Ich wette, das ist der Hammer im Cadwell Park" (britische Rennstrecke), dann lest weiter und bereitet Euch auf einen Abend vor, an dem Ihr den Gebrauchtmarkt nach einem billigen Modell durchsucht, denn die CBR600RR ist einfach brillant in dem, was sie tun soll. Und das ist eine sehr, sehr schnelle Runde auf einer Rennstrecke hinzulegen.

Von der Rennstrecke inspiriert, für die Rennstrecke gebaut: die CBR600RR

Die RR, das erste 'vollwertige' CBR-Modelle, verdankt einen Großteil ihres Designs der Honda RC211V MotoGP-Maschine. Die RR hat nicht nur einen hohlen Druckgussrahmen, sondern verfügt auch über den gleichen Stil der Unit Pro-Link-Schwinge wie die RCV und wird sogar mit einem Underseat-Auspuff und fast identischem Styling geliefert. Ok, es fehlen Radialbremsen und Upside-Down.Gabeln (diese kamen in der Modellpflege ab 2005), aber in Bezug auf rennstreckenbezogene Fahrwerkskomponenten hat die RR alles, was man sich wünschen kann. Und dazu gehört auch eine quälend beengte Sitzposition, kaum Soziusvorkehrungen und ein Sitz mit wenig Polsterung... Aber was erwarten man von einem auf die Rennstrecke ausgerichteten Supersportler? Ein Ethos, das bis zum Motor reicht.

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Honda CBR600RR Leistung kommt erst mit hoher Drehzahl

Die Reihenvierzylinder der RR mag beeindruckende 117 PS bringen, aber als sehr fröhlicher Schreihals hat das Aggregat nur sehr wenig Punch im mittleren Drehzahlbereich. Auch hier werden einige Fahrer die Tatsache lieben, dass man der R den 'Hals umdrehen muss', um sie in Gang zu bringen, da dies ein aufregendes Fahrerlebnis darstellt. Andere aber werden über ihre völlig zurückhaltende Natur frustriert sein. Wenn Ihr aber ein Trackday Bike in der Garage haben wollt, müsst ihr Kompromisse eingehen. Und das ist der Schlüssel zum Besitz der CBR600RR.

Kauft Euch keine CBR600RR in der Erwartung, dass sie eine entspannende Maschine zum Fahren ist - das ist sie nicht. Kauft eine RR, weil ihre eine vollwertige Trackday-Waffe wollt, die Kurven liebt und es genießt, bis zum letzten Atemzug ausgedreht zu werden. Wenn Ihr dies akzeptiert, werdt ihr die CBR600R absolut lieben, aber wenn Ihr glaubt, dass Ihr eine schnellere Version der CBR600F kauft, werdet Ihr eine unangenehme Überraschung erleben...

Was man beim Kauf einer gebrauchten Honda CBR600RR PC37 beachten muss

Der Kauf einer Honda CBR600RR kann ein wenig wie eine Lotterie sein, denn obwohl es sich im Allgemeinen um eine sehr gut gebaute Maschine handelt, ist sie eine, die von Natur aus hart behandelt wird. Einige Trackdays hat sie wahrscheinlich auch schon hinter sich. Worauf müsst Ihr also achten?

Zuerst muss man einen Einblick auf ihr bisheriges Leben bekommen. Untersucht das Motorrad auf Anzeichen von Trackdays, wie z.B. stark abgenutzte Reifen, abgeschliffene Fußrasten, Hinweise auf mehrfache Reifenwechsel (viele Reifengewichtsreste) und die offensichtlichen Unfallschäden. Seid besonders vorsichtig bei Zubehör-Verkleidungen und seht bei gutem Licht nach, ob die Verkleidungsteile leicht unterschiedliche Farben aufweisen, da dies ein Hinweis auf einen Austausch sein könnte. Und sprecht mit dem Besitzer (falls es sich um einen Privatverkauf handelt), um sich ein Bild davon zu machen, was für Mensch er ist. Ist er ein Hobby Racer oder ein gemütlicher Sonntagsfahrer? Ihr wisst, von wem Ihr kaufen möchtet!

Gebrauchtberatung Motor und Fahrwerk der Honda CBR600RR

Was den Motor der RR betrifft, so müsst Ihr auf Anzeichen von verbranntem Öl achten, da die erste Generation etwas durstig nach dem schwarzen Gold war. Achtet beim Starten auf Rauch und kontrolliert den Ölstand auch durch das Schauloch. Das Ventilspiel des Motors muss bei 24.000 Kilometer überprüft werden, was eine große Rechnung bedeutet. Bei der kompakten Bauweise ist es ein Alptraum ist, zu ihnen zu gelangen und diese Kosten steigen dramatisch an, wenn die Ventile tatsächlich neu eingestellt werden müssen. Das Getriebe ist zwar stark, aber Quickshifter können zu übermäßigem Verschleiß führen, also Vorsicht bei einem Motorrad mit solchem Zubehör und achtet auch auf Warnlampen am Armaturenbrett, da der Austausch von elektrischen Bauteilen wie Nockensensoren, Gangsensoren usw. sehr kostspielig ist. Apropos Armaturenbrett...

Merkwürdigerweise haben die Gummiknöpfe am Armaturenbrett der RR die Angewohnheit zu zerfallen und herauszufallen, was dazu führen kann, dass Wasser eindringt und ein kostspieliger Schaden entsteht. Während Ihr das Chassis betrachtet, überprüft immer die Lager/Verbindungen zum Fahrwerk auf Spiel, die Aufhängung auf Undichtigkeiten, aber auch das Hinterrad/die Nabe. Korrosion zwischen Hinterrad und Bremsscheibe kann zu Verformungen führen und wenn das Motorrad länger steht, kann sich Rost in der inneren Distanzscheibe des Rades bilden, wodurch sich die Achse an Ort und Stelle festfressen kann. Ein paar Schläge mit dem Hammer befreien sie im Allgemeinen, aber dann müssen alle vier Lager (zwei im Ritzelträger und zwei im Rad) ausgetauscht werden.

Vorsicht bei Zubehör!

Teile aus dem Zubehör sind auf der RR sehr verbreitet und laute Endtöpfe, Fußrasten, Heckverkleidungen, Windschilde usw. sind so gut wie selbstverständlich. Wenn ein Zubehör-Auspuff eingebaut ist, stellt sicher, dass das Motorrad auch ein Nachrüst-Modul hat, das mit etwas Feineinstellung verhindert, dass der Motor mager läuft. Und überlegt auch, ob Ihr vorhaben, die CBR auf der Rennstrecke zu bewegen, da Ihr aufgrund der Lärmgrenzwerte auf Straße und Rennstrecke einen DB-Killer brauchen könntet.

Die nächsten Modellgenerationen der Honda CBR600RR

Die erste Generation der CBR600RR wurde 2005 aktualisiert, als Honda sie mit den neuesten "Must-Have"-Teilen wie Radialbremssätteln neben der Upside-Down-Gabel und einer leichten Modifikation des Motors ausstattete, um die Mid-Range zu verbessern. Obwohl sich die Updates nicht dramatisch unterscheiden, machen sie die zweite Generation etwas weniger drehzahlfreudig und jeder liebt eine Radialbremse... Die CBR wurde 2007 mit einem neuen Look und einem neuen Motor erneut aktualisiert. Das Modell 2007-2012 ist leicht an der großen zentralen Lufthutze zu erkennen und verfügt über einen physisch kleineren Motor mit leichteren Einbauten, um die Drehzahl schneller zu erhöhen und auch die dringend benötigte Mid-Range zu erzeugen. Das C-ABS kam 2009 in diese Generation.

Honda CBR600RR PC37 kaufen

Aktuelle Preise der Honda CBR600RR PC37, sowie der ihrer Nachfolgerinnen findest du am 1000PS Gebrauchtmarkt: Gebrauchte Honda CBR600RR kaufen.

Über Jon Urry:

Als begeisterter Motorradfahrer und Weltenbummler, der seit 2001 schon für Motorradmagazine in acht Ländern gearbeitet hat und jährlich über 30.000 Kilometer im Sattel verbringt, behauptet Jon von sich selbst zumindest seit 2003 jedes Modell von jedem (namhaften) Hersteller gefahren zu sein, das er kennt. 1000PS ist es gelungen ihm eine Reihe an Gebraucht-Berichten abzuluchsen, sodass ihr, von unserer Crew auf Deutsch übersetzt und da oder dort erweitert, in den Genuss seiner einzigartigen Erfahrungen kommt.

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Bericht vom 15.04.2020 | 17.892 Aufrufe

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