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Superbike Vergleichstests waren langweilig in den letzten Jahren. Die
BMW hat einfach immer gewonnen. Sie war motorisch um so viel stärker,
dass einzelne Vorteile der anderen Bikes auf der Strecke einfach
eingestampft wurden. Für 2012 wurde sie noch einmal überarbeitet und
verbessert. Eine unlösbare Aufgabe für den Rest der Meute? Nicht
unbedingt! Denn auch andere Motorräder wurden modellgepflegt und Ducati
hat für 2012 die überragende Panigale in den Startlöchern.
Kein Ausrasten möglich - Voller Hammer auch bei
250!

Beim Test in Alcarraz kann die BMW ihren Leistungsvorteil nicht so
leicht umsetzen. Der Kurs ist eng und die Spitzengeschwindigkeit
knabbert an der 260er Marke. Doch genau in dem Bereich von 250 bis 300
fährt die BMW normalerweise am Rest des Feldes ganz leger vorbei. Auch
wenn beim MOTORRAD Prüfstandslauf die Linien scheinbar eng beisammen
liegen, fährt der mörderische Hammer der BMW in der Praxis am härtesten
ins Kreuz. Den Unterschied spürt jeder. Wer keine gute Kondition hat,
neigt auch dazu "leider" zu sagen. Es gibt auf der gesamten Strecke
keinen Meter wo man im Sattel der BMW mal kurz verschnaufen kann.
Die Fuhre schiebt gnadenlos nach vorne und macht dich mürbe.
Auf der anderen Seite ist die BMW aber auch mit tollen elektronischen
Fahrhilfen ausgerüstet, welche Dir das Leben erleichtern. Der
Schaltautomat ist toll eingestellt, das ABS funktioniert klasse und die
Traktionskontrolle darf als "gut" bezeichnet werden. Auf der Landstraße
gefiel auch noch das etwas sanftere "RAIN" Mapping, welches im Alltag
eine sinnvolle Sache ist. In Kombination mit DTC und ABS kann man die
S1000RR so in ein richtig schön zu fahrendes Gerät verwandeln, welches
viel Sicherheit vermittelt. Auch das Chassis samt Fahrwerk bietet auf
der Rennstrecke wie auch auf der Straße immer eine Portion Sicherheit.
Handlich genug, wenn auch mit etwas Kraftaufwand in den engen Kehren,
fährt sie trotzdem immer stabil und vertrauenerweckend.
DTC - Top aus den Ecken, hart auf der Geraden

Das "sehr gut" bleibt der Traktionskontrolle aber beim Test diesmal
verwehrt. Denn die Elektronik hat die brachiale Leistung immer noch
nicht ganz im Griff. Auf den Zwischengeraden steigt die Bestie immer auf
und wird unsanft zurück auf den Asphalt geholt. Butterweich jedoch das
Regelverhalten am Kurvenausgang. "Sehr gut" kann jedoch nicht
ansatzweise beschreiben, was die Bremsen zu bieten haben. Dieser Anker
verzögert brachial. In Kombination mit der tollen Stabilität in der
Bremszone ist die S1000RR hier nahezu unbezwingbar. Trotz ABS (und damit
längeren Leitungen) blieb an der BMW die Bremsleistung während des Tests
stabil. Bei der Kawasaki zum Beispiel war dies nicht der Fall, dort muss
man für ernste Rennstreckeneinsätze das ABS samt langer Bremsleitungen
demontieren um einen konstanten Druckpunkt zu erhalten.
Vieles richtig gemacht haben die Münchner auch bei kleinen Details.
Bei Federbein und auch bei der Gabel läßt sich ganz einfach mit dem
Zündschlüssel die Dämpfung einstellen. Der Schaltautomat kostet ein paar
Hunderter extra und kann einfach und perfekt passend montiert werden. Es
gibt Motorräder bei denen man nicht bloß einen Schaltassistenten sondern
auch noch einen teuren Racingkit kaufen muss um in den Genuß des flinken
Gangwechsels zu kommen.
Je schneller der Kurs desto "erster" die BMW

Die Vorzüge der BMW liegen auch in ihrem breiten Einsatzbereich. Auf
der Landstraße gut, auf engen Kursen ebenso verdient sie auf Strecken
mit langen Radien die Note "unbesiegbar". Insgesamt also immer noch das
Maß der Dinge, wenn auch klar ist, dass auf engen Kursen die endgeile
Renngurke von Aprilia flotter fahren kann. Gegenüber der Panigale lag
der Vorteil der BMW vor allem darin, dass für den Test rasch ein
funktionierendes Setup gefunden wurde. Die BMW ist mit wenigen
Handgriffen bereit für die Stoppuhr, die Panigale konnte beim Test ihre
Möglichkeiten einfach nicht ausschöpfen. Doch man darf davon ausgehen,
dass dieser Vorteil bestenfalls bis zum Modelljahr 2013 reichen wird. |