Zugabe! Die Speed Triple wird mit dem R zur Rennmaschine. Praxistest in
Jerez.
Noch hat es frostige 4 Grad, noch wartet sie geduldig darauf von uns geritten zu
werden. Doch schon in 2 Stunden werden die Sonne und die Triple R hier in Jerez
ihre volle Kraft entfalten.
Triumph Speed Triple R 2012
Es gibt Dinge die lassen sich relativ leicht regeln. Nämlich dann, wenn man sie
schlicht und einfach mit Geld erledigen kann. So geschehen beim letzten
Entwicklungsprojekt von Triumph - der neuen Speed Triple R. Man wollte das
richtig gute Straßenmotorrad Speed Triple in ein sauschnelles und
unwiderstehliches Henkereisen verwandeln. Der Produktmanager Simon Warburton
nahm einfach die dicke Brieftasche des erfolgreichen Unternehmens und ging auf
Einkaufstour. Er besuchte jene Firma, welche für den Lamborghini Gallardo
Superleggera und den Audi R8 die Carbonteile macht. Dort bestand er auf die
gleiche Qualität wie bei den feinen Schlitten und gab eine Bestellung ab. Danach
fuhr er weiter zur Felgenschmiede "PVM". Dort gab er superleichte, edle und
leider sündhaft teure Schmiederäder für die Speed Triple R in Auftrag.
Komischerweise hatte er dann immer noch genug Geld übrig, jettete weiter zu
Öhlins und legte den Rest der Moneten auf den Tisch.
Zufrieden fuhr er zurück
ins Werk nach Hinckley und gab den Designern die Order den letzten Feinschliff
hinzulegen. Zwischendurch hatte er scheinbar auch noch Zeit, die seiner Meinung
nach besten Reifen für ein schnelles Nakedbike zu bestellen und rief bei Pirelli
an. Die Wahl viel auf den Diablo SuperCorsa SP - da kann nun fast nix mehr
schiefgehen.
Triumph Speed Triple
R 2012 VIDEO
Kollege Björn war überaus eifrig und hat mit 2
Kameras und 3 GoPros viel Material gesammelt. Die neue Speed Triple R mit allen
Details und Infos, vielen Onboardaufnahmen und Eindrücken von der Rennstrecke in
Jerez.
3.000 Euro - Simon hat gut verhandelt
Mag sein, dass es nicht ganz so einfach war. Möglicherweise war viel
Abstimmungsarbeit beim Fahrwerk nötig. Doch am Ende des Tages kriegen wir als
Endkunden nun für rund 3.000 Euro Aufpreis ein Motorrad, für welches wir
normalerweise ca. 5.000 Euro Aufpreis im Zubehörhandel hätten liegen lassen
müssen. Der liebe Simon hat eben für uns alle gut verhandelt.
Nicht mehr ganz so einfach läuft es dann auf der Rennstrecke. Mit Geld oder
gutem Verhandeln ist da nix zu machen. Im Sattel eines solchen Traummotorrades
sind knallharte Linien vor der Fotolinse ein verpflichtende Kür. Die
Eingewöhnungsphase war wie zu erwarten relativ kurz. Das Motorrad fährt
grundsätzlich mal wie die "normale" Speed Triple. Auch die "R" bietet die
traumhafte Sitzposition und der Lenker hat exakt jene Breite und jene Position
am Motorrad welche man als engagierter Motorradfahrer so liebt.
Wie aus nur 1,7 Kilo 20 werden
Am Ende der Zielgeraden wurde ich daran erinnert, dass Simon scheinbar auch
bei Brembo vorbeigeschaut hat. Denn der Anker beisst gewaltig in die Eisen. Das
ABS haben wir hier auf der Rennstrecke übrigens deaktiviert. Das lässt sich bei
der Speed Triple R sehr leicht im Cockpit per Knopfdruck erledigen. Simon
spricht offen aus, dass das ABS an der Speed Triple und auch der Speed Triple R
nicht für den Einsatz auf der Rennstrecke sondern für die Straße konzipiert
wurde.
In den harten Bremszonen, wurde das Heck der Triple recht leicht und begann
zu schlingern. Mein schlampiger Fahrstil ohne Zwischengas und hartem
Zurückschalten hatte ich mir auf den Racebikes angewöhnt. Doch mit ein wenig
Gefühl an der fein dosierbaren Kupplung der Triple, konnte ich das Heck gut
zähmen. Dass sich die Einkaufstour von Simon gelohnt hatte, merkte man dann zum
Beispiel sofort in der ersten Kurve nach der Zielgeraden. Diese ist keine
Wissenschaft, sondern erfordert schlicht und ergreifend einen präzisen und
flinken Haken am Kurveneingang. Die PVM Räder machen die "R" zwar nur um 1,7
Kilo leichter, doch diese Kilo wurden am wichtigsten Punkt des Motorrades
eingespart. Die drehenden Massen der Räder sorgen zum einen dafür, dass ein
Motorrad nicht umkippt aber eben auch dafür, dass man am Kurveneingang etwas
Kraft investieren muss um das Motorrad in den Scheitel zu drücken. Man braucht
umso mehr Kraft, je größer die sogenannten Massenträgheitskräfte sind. Und diese
wurden um 16% vorne und um 25% hinten gesenkt. Die Triple R kippt vehement und
präzise in den Radius - eine große Freude. Sie fährt sich dabei so
kräfteschonend wie kaum ein anderes Motorrad. Die 1,7 Kilo fühlen sich bei
voller Fahrt ganz locker wie 20 Kilo an und rechtfertigen den Batzen Geld, den
PVM verdient hat.
Nakedbike? Rennmaschine!
Noch mehr Freude bereitet diese Wendigkeit der Maschine schon 2 Kurven
später. Man wechselt rasch von einer Rechts- in eine Linkskurve und muss dann
gefühlvoll ans Gas gehen. Bei solchen Manövern stößt man mit normalen Nakedbikes
auch als durchschnittlicher Motorradfahrer oft an die Grenzen des Fahrzeuges.
Erst mal lassen sich nur die wenigsten Motorräder so leicht von einer Seite auf die
andere wuchten. Dauert dieser Vorgang zu lange, verpasst man die Ideallinie für
die folgende Kurve. Durch diese harte Kippbewegung kommt auch oft Bewegung in
lausige Fahrwerke und ans Gas zu gehen, denkt man dann erst ein paar Meter
später. Im Sattel der Speed Triple R versuchte ich bewusst nur genug Druck auf
die Rasten zu kriegen und schenkte möglichst früh ein. Schließlich steckt im
Heck ein feines TTX Federbein von Öhlins, welches diese Situation fest im Griff
hat.
Die lange Linkskurve kann flott genommen wurden und stellt weder für Mensch
und schon gar nicht für diese Maschine eine großartige Herausforderung dar. Für
die kommende Rechtskurve benötigt man aber leider recht dicke Eier. Sie muss
schnell gefahren werden und das Ende der Kurve versteckt sich hinter einen
klitzekleinen Kuppe. Wie feine Präzisionsinstrumente halte ich die sensiblen
Lenkerenden und wähle feinfühlig den Strich. Im zweiten Drittel der Kurve drück
ich das Motorrad mit einem zarten Impuls etwas zur Innenlinie um dann möglichst
früh auf die lange Gerade hinausfeuern zu können. Alles läuft einfach so präzise
und so bilderbuchmäßig ab. So macht Motorradfahren richtig viel Spaß. Das ist
definitiv kein normales Nakedbike sondern ganz normal eine Rennmaschine mit
Straßenzulassung und zivilem Outfit.
Bremst so wie sie aussieht!
Mit dem kleinen "R" am Lenker wird man beim Fahren ständig daran erinnert, dass
man in der Nahrungskette ganz oben steht.
Leichter geht es nicht mehr! Die PVM Räder sind leider teuer aber eine höchst
effektive Tuningmaßnahme.
Beim Thema effektive Tuningmaßnahme darf natürlich auch ein TTX Federbein von
Öhlins nicht fehlen.
Sind 135 PS genug für die "R"?
Das quirlige Handling hat in den Bremszonen und beim Beschleunigen jedoch
kleine Nachteile. Das Fahrzeug ist etwas instabiler als die normale Speed Triple
und reagiert nervöser auf harsche Fahrmanöver. Die "R" ist eben eine feine
Klinge und keine Holzfäller-Axt. Mit ihr sollte man die Linien bedächtig ziehen.
Doch auch wer grob zur Sache geht, wird nur kurz durchgeschüttelt und
keinesfalls abgeworfen.
Nach unzähligen Duellen unterhielten wir uns in einer geselligen Runde in der
Boxengasse und zeigten uns zufrieden mit dem neuen Motorrad. Die einzigen leicht
kritischen Stimmen kamen nur wegen der Motorleistung auf. Bitte schimpft uns
Journalistenpack nicht gleich "verwöhnte Bastarde" oder so, doch wir waren in
letzter Zeit eben viel mit S 1000 RRs und ZX-10Rs auf Rennstrecken unterwegs und
da geht es am Kurvenausgang doch richtig ab. 135 PS sind für abgebrühte 1000er
Fahrer eben keine brutale Ansage mehr. Schon gar nicht wenn ein "R" im
Modellnamen vorkommt. Doch offen gesagt kann man selbst hier auf der kurzweiligen
Strecke von Jerez nur selten mit mehr Leistung billig Zeit gut machen und bei
der typischen Ausfahrt auf der Straße ist der Motor goldrichtig positioniert.
Das Ansprechverhalten ist sauber, das Drehmoment ist anständig über einen
breiten Bereich verfügbar und es kommt in der Praxis eher selten vor, dass man
mit 160 km/h am Kurvenausgang speedgierig den Gasgriff umlegt.
Die Neue trägt das "R" zurecht
Nicht nur die neue Speed Triple R sondern alle neuen 2012er Speedys bekommen
eine neues und verbessertes Getriebe spendiert. Beim
Test der
Speed Triple im Jahr 2010 waren noch nicht alle Journalisten zufrieden,
diesmal konnte ich im Fahrerlager keine kritischen Stimmen mehr vernehmen.
Der wichtigste Qualitätsbeweis für das neue Fahrzeug ist aber immer die
Bilanz am Ende des Testtages. 27 Journalisten aus England, Amerika, Italien,
Holland, Deutschland und Österreich gaben grimmig Gas und hatten viel Spaß. Besondere
Vorsicht ließ niemand walten und trotzdem gab es für die Mechaniker am Ende des
Tages nix zu tun außer die Reifen zu wechseln und die Motorräder zu säubern. Kein Sturz, kein Ausritt und natürlich auch kein Defekt.
Insgesamt trägt das neue Motorrad das "R" zurecht. Sie ist auf der Straße und
auch auf der Strecke schneller, sieht hübscher aus und bietet mehr Reserven wenn
man sich fahrerisch weiterentwickelt. Der Einsatzbereich ist breiter und ein
zusätzliches Rennstreckenmotorrad neben der Speed Triple ist nicht nötig.
Der Spaß kostet eben rund 3.000 Euro Aufpreis und ist ab Ende Februar beim
Triumph Händler zu erwerben.
Klingt so wie es aussieht! Arrow Tröten aus dem Zubehörprogramm von Triumph.
Eigentlich verpflichtend! Die kleine Flyscreen sollte wirklich bei keinem
Neukauf fehlen. Ebenfalls aus dem Zubehörprogramm.
Preisliste
Triumph Originalzubehör für die Speed Triple R
Deutschland / Österreich (Unterschiede durch MWSt. Dif.)
Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Reihendreizylinder
mit vier Verntilen pro Zylinder
Hubraum
1050 ccm
Bohrung / Hub
79,0 x 71,4 mm
Verdichtung
12,0:1
Gemischaufbereitung
Sequenzielle Multipoint-Einspritzung mit
Sekundärluftsystem
Auspuffanlage
3-in-1 in 2 Edelstahlanlage, zwei hochgelegte
Edelstahlschalldämpfer
Nennleistung
135 PS (99kW) bei 9.400 U/min
maximales Drehmoment
111 Nm bei 7.750 U/min
Kraftübertragung:
Getriebe
6 Gänge
1. Gang
2,733:1
2. Gang
1,947:1
3. Gang
1,545:1
4. Gang
1,292:1
5. Gang
1,154:1
6. Gang
1,074:1
Primärübersetzung
1,750
Sekundärübersetzung
18/43
Fahrwerk:
Rahmen
Leichtmetall Doppelrohr Brückenrahmen
Schwinge
Leichtmetall Einarmschwinge mit Exzenter
Kettenspanner
Räder vorne / hinten
Geschmiedete Fünfspeichen-Leichtmetallfelgen, 17 x 3.50
bzw 17 x 6.00
Reifen vorne / hinten
120/70 ZR 17 / 190/55 ZR 17
Radaufhängung vorne
43 mm Öhlins NIX30 Upside-Down-Gabel, einstellbare
Federbasis, einstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, 120 mm Federweg
Radaufhängung hinten
Öhlins TTX36-Zentralfederbein, einstellbare Federbasis,
einstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, 130 mm Federweg
Bremse vorne
2 x 320 mm schwimmende Bremsscheiben, radiale Brembo
Monobloc-Festsattelzangen mit vier Einzelbelägen (abschaltbares ABS serienmäßig)
Bremse hinten
1 x 255 mm Bremsscheibe. Nission Doppelkolben
Schwimmsattel (ABS optional)
Abmessungen:
Länge
2.086 mm
Breite
728 mm
Höhe ohne Spiegel
1.033 mm
Sitzhöhe
825 mm
Radstand
1.435 mm
Lenkkopfwinkel / Nachlauf
22,8 Grad / 90,9 mm
Tankinhalt
17,5 Liter
Leergewicht fahrfertig
212 kg
Wartungsintervalle
alle 10.000 km oder 1 mal jährlich
Preis:
Related Links:
Felgenproduktion. Der Feinschliff bei Schmiederädern
ist ein beeindruckender Produktionsprozess. Videolink
(ist zwar eine Autofelge, sieht bei den PVM Felgen für die Triumph aber
ähnlich aus).