Ein Weihnachtsgeschenk in Rot-Weiß von Klaus persönlich. Die Engerl singen.
Husqvarna Nuda 900 und Nuda R
Wenn
Wunsch und Wirklichkeit auf einer Linie liegen, führt der Weg direkt ins
Glück.
Bei mir war er schon, der Weihnachtsmann, und hat mir einen Baukasten
gebracht. Der war schon fix-fertig, Ready-To-Run sozusagen, denn ich
kann nicht einmal eine Überraschungsei-Kapsel wieder richtig
zusammensetzen. Da der Dicke mit der roten Nase ohne Schnee nicht
Schlitten fahren kann, musste ich mir das Paket selbst in Sardinien
abholen - da macht der Klaus heuer nämlich Urlaub. Klaus hat nun beste
Kontakte zu Italien, schon 2007 kaufte er sich Husqvarna, eine der
ältesten, noch produzierenden Motorradmarken der Welt. Seither lief es
gut für Klaus und er begann mit den ersten Versuchen, die wunderschönen
Husqvarnas mit bayrischer Technik auszustatten. Dies erzeugte eine
klassische Win-Win-Situation: Erotisches Design aus Italia, kühle
Technik aus Germany. Das eine euphorisiert, das andere funktioniert.
108 Jahre und kein bisschen langsam.
Erotisches Design aus Italia, kühle
Technik aus Germany.
Klaus zäumte das Rentier von hinten auf. Er verpflanzte nicht ein Herz in
einen Körper, sondern baute einen Körper um ein Herz. Die Wahl fiel auf
den ebenso zuverlässigen wie
technisch hoch entwickelten
Motor aus der BMW F 800 R, den er allerdings noch auf die besonderen
Anforderungen seines Projektes abstimmte. Es sollte etwas ganz
Besonderes, etwas Aufregendes werden. Der Reihenzweizylinder brauchte
also mehr Leistung. Damit diese Leistungssteigerung nicht zu Lasten der
Standfestigkeit und Haltbarkeit ging oder durch ein reines Hochzüchten
unangenehme Nebeneffekte wie starke Vibrationen oder eine steile
Leistungskurve entstanden, wurde der Hubraum vergrößert. Die Bohrung
wurde um 2 mm auf 84 mm ausgeweitet und der Hub um 5,4 mm auf
81 mm angehoben. Das Resultat ist ein Plus von 100 ccm, der Brennraum
fasst nun 898 ccm.
898 statt 798 Kubik und nicht
wiederzuerkennen.
Eine neue, dreilagige Zylinderkopfdichtung ermöglicht ein
Kompressionsverhältnis von 13.0:1. Nockenwellenlager, Kolben und Pleuel
wurden entsprechend dem neuen Design der Kurbelwelle verändert. Um dem
Modell einen eigenständigen Charakter zu verleihen, wurde der 0-Grad-
Kurbelwellenwinkel der F 800 R durch einen 315-Grad-Winkel ersetzt.
Schließlich sorgen ein um 1 mm breiteres Einlassventil von 33 mm und ein
Auslassventil von 28,5 für eine sportliche Leistung von 105 PS und ein
Drehmoment von 100 Nm. Trotzdem blieb das Aggregat bei niedrigen und
mittleren Drehzahlen sehr geschmeidig, störende Vibrationen gibt es
keine.
13 Liter: Angeblich 260 km.
Zur Verringerung der
Motorschwingungen passte Husqvarna das einzigartige Schwenkpleuel von
BMW der neu gestalteten Kurbelwelle an, behielt jedoch die
Trockensumpfschmierung und die Anordnung der um 30 Grad nach vorn
geneigten Zylinder bei. Trotz der höheren Leistung und Drehzahl zeichnet
sich die Nuda aufgrund
modernster
Saugrohreinspritzung mit BMW-KP Motormanagement und zwei
46-mm-Drosselventilen durch
einen sehr niedrigen Kraftstoffverbrauch aus. Mit ihrem sportlichen
13-Liter-Kraftstofftank legt die
Nuda angeblich über 260 km zurück, ohne nachzutanken.
>
Rahmen aus der BMW F 800 GS.
Ein Motor kann sich nicht selbst inszenieren, er braucht den richtigen
Rahmen. Diesen fand Klaus in der F 800 GS. Er kürzte ihn um 50 mm,
verpasste ihm ein steiferes 80-mm-Steuerkopfrohr und entschied sich für
einen reduzierten Lenkkopfwinkel, der der Nuda größere Agilität bei
geringer Geschwindigkeit verleiht. Die 48 mm Upside-Down-Gabel und das
Federbein stammen von Sachs, in der 'R'-Version sind diese Komponenten
voll einstellbar und das Federbein ist von Öhlins und zudem
höhenverstellbar. Mit einer zweistufigen Sitzbank und einer Sitzhöhe von
875 mm für den Fahrer setzt die Nuda auf Komfort und
Alltagstauglichkeit, während die Nuda R mit 890 mm Schulterhöhe zwar
nicht nur für die Rennbahn, aber auf jeden Fall für den Galopp
geschaffen wurde.
Zur Rennstrecke fuhren wir deshalb mit der Nuda, auf der Rennstrecke mit
der Nuda R. Bei noch nassen Straßen nahm ich mein Geschenk, das Koffer
trug, in Empfang. Mit dem breiten Zubehörprogramm, das Klaus aus
Deutschland mitgebracht hat, lässt sich die Nackte zum Tourenmotorrad
aufmagazinieren. Für ein Supermoto-Isotop sitzt man auf der Nuda sehr
entspannt und bequem, der Sitz bietet auf längeren Strecken dennoch
nicht genügend Komfort. Das war aber nicht der Grund, warum ich meinen
Popo bald links und rechts vom Motorrad hängen ließ. Denn was nach einer
recht unspektakulären Anreise auf der Rennstrecke abging, war mehr als
Weihnachten und Ostern an einem Tag. Es war der Frieden auf Erden, die
Heilung aller Krankheiten, der Segen aller Heiligen - und ein
irrsinniges Gemetzel. Und irgendwie auch nicht.
Denn dieses Geschenk ist kein Jack-in-the-Box, der dir beim
vorsichtigen Öffnen hinterhältig ins Gesicht springt. Ich hatte das
Gefühl, ich könnte kilometerlang am Hinterrad fahren, weil der Motor
immer einschätzbar und kontrollierbar ist. Wer die BMW F 800 R kennt,
hat keine Ahnung von der Nuda R. Wir bewegen und auf einem Achttausender
des Motorradbaus. Bremsen auf Hypermotard Niveau, so gut, dass man jetzt
noch überlegt, sie mit anderen Belägen zu entschärfen. Wird kaum
jemanden geben, der die Bremsleistung voll ausnutzen wird können, was
nicht für die Leistung des Motors gilt.
Die Nuda R ist ein hochpräzises Werkzeug, mit dem man tausend wunderbare
Dinge machen kann. Ab und an wünscht man sich mehr Bodenfreiheit und in
Wechselkurven lenkt sich die Nackte ganz ihrem Namen entsprechend mehr
wie ein Nakedbike als eine Supermoto, aber all das ist nur Teil des
durch und durch homogenen Charakters dieses Motorrads. Die beste
Nachricht ist aber: Klaus hat noch ganz viele davon und auch wenn ich
schon die Engerl habe singen hören, für euch steht Weihnachten noch vor
der Tür.