Was unterscheidet eigentlich die CBR600F von der Hornet? Am Papier nichts, auf der Straße alles.
Honda CBR600F und CB600F Hornet
Auf der Suche nach Unterschieden zwischen der CBR600F und der CB600F
Hornet fand kot auf dem Papier fast nichts, auf der Straße aber jede
Menge.
Ich dachte, ich würde jetzt alles aufdecken, die Wahrheit ans Tageslicht
bringen, den Blinden die Augen öffnen, für Klarheit sorgen, Durchblick
verschaffen ... doch selbst nach einer einsamen Nacht in einem kalten
Büro, zugedeckt mit schwerem Zigarettenrauch und von irischem Whiskey
gewärmt, fand ich in den Akten keinen sachdienlichen Hinweis auf
eindeutige genetische Differenzen zwischen einer CBR600F und einer
CB600F Hornet. Im Gegenteil. Mir fielen immer mehr Gemeinsamkeiten auf.
Gleicher DOHC-Reihenvierzylinder mit gleicher Leistung von 102 PS bei
12.000 U/min. Gleiches Drehmoment von 64 Nm. Daraus ist zu folgern, dass
das Aggregat völlig unverändert von einem Nakedbike in einen
Supersport-Sporttourer verpflanzt worden ist. Ursprünglich stammt der
Motor aus der CBR600RR.
Die Front der CBR600F sucht den Mittelweg zwischen
freundlich und aggressiv.
Gleich lang, gleich breit, gleiche
Sitzhöhe.
Alle notwendigen Änderungen zugunsten eines im Alltag besser nutzbaren
Drehmomentverlaufs hatte er nach der Hornet also schon hinter sich,
weshalb man sich weitere Anpassungen für die CBR600F sparen konnte. Wie
beim Antrieb fand ich auch bei Fahrwerk und Bremsen keine Abweichungen.
41 mm Upside-Down Gabel, einstellbar in Federvorspannung, Zug- und
Druckstufendämpfung, vorne, ein Monofederbein mit einstellbarer
Feder-vorspannung und Zugstufe hinten. Verzögert wird an beiden
Motorrädern mit zwei Doppelkolbenbremszangen (oder optional mit
Dreikolbenbremszangen beim Combined-ABS) auf 296 mm Scheiben,
unterstützt von einer Einkolbenbremszange und einer 240 mm Scheibe. Die
Fahrzeuge sind trotz ihrer doch gänzlich unterschiedlichen Erscheinung
exakt gleich lang und gleich breit. Sogar die Sitzhöhe beträgt bei
beiden auf den Millimeter genau 80 Zentimeter.
Die einzigen geringfügigen Abweichungen fielen mir nach stundenlanger
Observation unter dem Elektronen-mikroskop auf. Die CBR600F ist etwas
höher (1150 zu 1075 mm) und ein bisschen
schwerer (206 kg / ABS-Version: 211, Hornet: 200
kg). Der Radstand beträgt 1437 statt 1435 mm und der Tank fasst
nur 18,4 statt 19 Liter. Es tut mir Leid, mehr konnte ich auch mit
modernsten CSI Methoden nicht finden. Es war höchste Zeit für den
empirischen Teil dieses Vergleichstests. Denn genauso wenig wie 100 PS
auf dem Papier 100 PS auf dem Asphalt sind, würden sich die CBR und die
Hornet im Alltagsgebrauch verhalten; so meine Annahme. Und diese sollte
sich bestätigen.
Elemente wie die markanten Spangen am Scheinwerfer
machen die Hornet zum bedrohlichen Insekt.
Für den Modelljahrgang 2011 hat Honda zwar nicht das Rad neu erfunden,
aber die Hornet neu gestylt. Heck, Lampenverkleidung, Scheinwerfer und
Instrumenteneinheit wurden neu gestaltet. Die Hornisse wirkt nun im
Profil geradliniger, sauberer und ohne auffällige Anomalien wie der
vormals aufgesetzte Tacho. Die CBR600F hat das schlichte wie moderne
Design übernommen und verkörpert eine gelungene Mischung aus aggressiv
und freundlich. Die Honda Modellpalette wirkt auch mit der Einführung
der CBR125R und CBR250R stringenter und verfolgt eine klare Linie. Nur
die CBR600RR mag mit ihrem scharfkantig-zerklüftetem Design nicht mehr
ganz in die Familie passen.
Verkleidung: Ganz normaler
Psychotrick.
Beim ersten Herantasten erkennt man weitere Ähnlichkeiten. Auf beiden
Motorrädern spürt man sofort das Honda typische "just-fit" Konzept.
Alles ist an seinem Platz, perfekt dimensioniert (bis auf die Breite des
Lenkers), nichts scheppert, wackelt oder fällt sonst irgendwie negativ
auf. Im Grunde wird der Fahrer durch keinerlei Störungen irritiert, was
die zwei Sechshunderter zu idealen (Wieder-)Einsteigermotorrädern macht,
die auch nach Jahren noch Spaß machen. Auf 34 PS drosseln lässt sich
aber leider nur die Hornet. Sobald man jedoch die völlig baugleichen
Motoren angelassen hat, schlagen CBR und Hornet zwei gänzlich
unterschiedliche Wege ein. Obwohl die Differenz im Radstand von 2 mm
eigentlich nicht der Rede wert ist, fühlt sich die CBR stabiler und
weniger nervös an. Sie strebt mehr nach der geraden Linie, während die
Hornet immer bereit ist, den nächsten Haken zu schlagen.
Die Optik einer Vollverkleidung wirkt unglaublich stark auf die
Psyche des Fahrers, das haben schon die Erfahrungen mit Yamahas FZ1
gezeigt. Nakedversion und Halbverkleidete hatten die selbe Geometrie -
trotzdem waren sich viele Journalisten sicher, dass die Halbverkleidete
ein trägeres Handling hat. Ganz normaler Psychotrick. Dasselbe gilt für
das Gewicht. Die Hornet wiegt mit serienmäßigem ABS 200 Kilo vollgetankt,
die CBR mit optionalem ABS um 11 Kilo mehr. Kein Drama und für einen
normal sensibilisierten Verkehrsteilnehmer kaum zu spüren, und doch
fühlt sich die 'F' nach mehr an. Sie scheint satter auf der Straße und
in der Kurve zu liegen, dafür wirkt sie weniger agil und
reaktionsschwächer in Wechselkurven.
Wie Badehose in der Sauna.
Kein Trick ist der wesentlich bessere Windschutz des Sporttourers. Zwar
nimmt auch die Scheinwerfer-Instrumenteneinheit der Hornet etwas Druck
von der Brust, bei 140 reist man aber nur mehr auf der CBR600F entspannt
übers Land. Allerdings hat man nur auf einem Nakedbike das total
befreite Fahrerlebnis, alles andere ist wie Badehose in der Sauna.
Freier fühlt man sich auf der Hornet, besser aufgehoben auf der CBR.
Sicher sind sie beide, denn die identischen Bremsanlagen in Verbindung mit dem Combined-ABS verzögern ausgesprochen gut und bieten ein hohes Maß an
Stabilität. Zu zweit nimmt man lieber auf der CBR600F Platz, ebenso
stehen ihr Koffer wesentlich besser als der Hornet, schließlich ist bei
einem Nakedbike immer weniger mehr. Was man bei beiden gerne tauschen
kann, ist der Auspuff-Endtopf. Zwar sieht die Underfloor-Stummellösung
ganz O.K. aus, klingen tut ein Akrapovic, wie er auf unserer Test-CBR
montiert war, aber natürlich wesentlich besser. Bei der CBR gehen die -
zumindest im Moment - nicht mehr so populären 600 Kubik in Ordnung,
einen Sportler muss man sowieso drehen wollen, bei der Hornet wünscht
man sich hingegen doch manchmal 150 oder 200 Kubik mehr, wie sie die
Konkurrenz vermehrt anbietet.
Wer sich nach den Zahlen am Papier zwischen der Hornet und der Hornet
mit Verkleidung entscheidet, wird seinen Fehler vielleicht erst zu spät
erkennen. Es gibt nämlich definitiv keine Hornet mit Verkleidung. Es
gibt nur eine Hornet und eine CBR600F. Dass die Entscheidung keine
leichte ist, zeigen die Zulassungszahlen. 92 Käufer haben sich seit
Jänner 2011 in Österreich für eine Hornet entschieden, 87 für eine
CBR600F. Wir werden sehen, wer am Ende der Saison vorne ist. Du
entscheidest.
41 mm Upside-Down
Gabel, einstellbare Federvorspannung, einstellbare Zug- und
Druckstufendämpfung
41 mm Upside-Down
Gabel, einstellbare Federvorspannung, einstellbare Zug- und
Druckstufendämpfung
Radaufhängung hinten
Monofederbein,
Federvorspannung und Dämpfungs-Zugstufe einstellbar
Monofederbein,
Federvorspannung und Dämpfungs-Zugstufe einstellbar
Bremsen vorne
296 x 4,5 mm
Doppelscheibenbremse, Doppelkolbenbremszangen (optional
Combined-ABS mit Dreikolbenbremszangen), schwimmend gelagerte
Scheiben, Sintermetall-Bremsbeläge
296 x 4,5 mm
Doppelscheibenbremse, Doppelkolbenbremszangen (optional
Combined-ABS mit Dreikolbenbremszangen), schwimmend gelagerte
Scheiben, Sintermetall-Bremsbeläge
Bremsen hinten
240 x 5 mm
Scheibenbremse, Einkolbenbremszange, Sintermetall-Beläge
240 x 5 mm
Scheibenbremse, Einkolbenbremszange, Sintermetall-Beläge