Erster Test Triumph Tiger 800. Mittelklasse? Große Klasse!
In den Bergen südwestlich von Barcelona wurden die neuen
Tiger Modelle von den Journalisten in die Mangel genommen.
Triumph Tiger
800
Ab sofort darf man mich mittelklassig nennen. Denn wenn
die neue Triumph Tiger 800 als Mitteklasse-Reiseenduro bezeichnet wird, dann bin
ich gerne ein Mittelklasse-Journalist, ein Mittelklasse-Motorradfahrer und gerne
auch ein Mittelklasse-Liebhaber.
Mag sein, dass dieses Motorrad irgendwann mal als echtes Mittelklasse
Motorrad geplant war. Die ersten Ideen dazu hatte Triumph im Jahr 2007 und
möglicherweise begann man auch mit dem 675er Motor. Irgendwann jedoch verließen
die Ingenieure den Pfad der Mitteklasse und legten gewaltig oben drauf.
Der beliebte Motor aus der Street Triple bzw. auch aus der Daytona ist in
diesen Motorrädern richtig gut, doch für eine Reiseenduro hatte er den
Ingenieuren zu wenig Souveränität. Man begann den Hub zu vergrößern, verbaute
eine neue Nockenwelle, änderte den Ansaugtrakt und die Kolben. Irgendwann hatte
man plötzlich 80% des Motors geändert und fertig war ein nagelneuer 799
Kubikzentimeter Motor. Ähnliches muss beim Chassis geschehen sein. Die Tiger
1050 ist ein tolles Motorrad, doch die neue Tiger sollte keine kleine Schwester
werden. Ein Abenteuer-Motorrad muss es sein, welches bei der Wahl der Wege recht
vielseitig ist. Heraus kam ein komplett neuer Stahlrohrrahmen und ein komplett
neues Motorrad.
Irgendwann muss bei Triumph jedoch auch der Grad der Offroadtauglichkeit zur
Diskussion gestanden sein. Scheinbar konnte man sich nicht einigen und baute
gleich zwei eigenständige Motorrad. Eine Tiger 800 mit Alugußfelgen auf
Straßenreifen unterwegs und eine etwas hochwertiger ausgestattete Tiger 800XC
mit Speichenfelgen und auf Wunsch mit Stollenrädern.
Test Nummer 1: Die Tiger 800 für die Strasse
Auf den spanischen Straßen südwestlich von Barcelona fanden wir
ausreichend Kurvenmaterial um der neuen Tiger auf den Zahn zu fühlen. Das Tempo
des Guides ist flott, aber nicht unangenehm. Mein persönliches
Konzentrationspotential war daher noch groß genug um im Sattel der Tiger den
Testbericht vorzubereiten. Der Motor, für mich als Techniker und natürlich auch
für viele Leser, ist da natürlich immer das Kernstück des Berichtes. Das
Aggregat leistet 95 PS und hat einen angenehmen Drehmomentverlauf. Kenner wissen
genau, das ist genug um richtig viel Spaß zu haben. Beim Überholen schalte ich
zwar gerne ein paar Gänge zurück um den Dreizylinder etwas von der Leine zu
lassen, doch ansonsten gebe ich mich beinahe schon peinlich genügsam im Sattel.
Macht dieser Motor amtsmüde? Muss es mir unangenehm sein, dass ich beinahe die
ganze Tour mit dem 6. Gang gefahren bin? Selbst in den 40er Zonen im Ortsgebiet
hab ich nicht geschalten und erst recht nicht draußen auf der Landstrasse.
Doch meine Sorgen waren unbegründet. Schon beim ersten
Cafe-Stopp waren sich alle Journalisten einig. "Der Motor hängt verdammt gut
am Gas und bietet ein riesiges Drehzahlband, Schalten war beinahe unnötig...".
Dieser vermeintlich kleine Motor hat eine ausgezeichnete
Elastizität. Beim Ansprechverhalten und bei der Motorabstimmung kann von den
Zweizylindern in dieser Klasse bis auf die 800er GS von BMW ohnehin niemand
mithalten und die Bandbreite der nutzbaren Drehzahl ist für die anderen
unerreichbar. Nicht dass die Schaltvorgänge eine unangenehme Sache wären. Die
Kupplung ist leicht zu betätigen und die Gänge werden sauber und einfach
durchsortiert. Funktioniert noch besser als auf der zuletzt getesteten
Speed
Triple.
Nicht nur der Motor bietet gutes Ansprechverhalten und
Bandbreite
Laut Triumph Product Manager Simon Warburton fährt man mit der Tiger und
ihrem 19 Liter Tank 300 Kilometer. Ein Wert der eines Abenteuermotorrades würdig
ist. Mehr als würdig ist auch das Fahrwerk der Tiger 800 - und ich spreche immer
noch von der Straßenversion, die
XC
Variante wird in einem eigenen Test unter die Lupe genommen. Das Chassis
samt Federelemente ist ein kongenialer Partner vom Motor. Das Motorrad fährt
einfach, trotzdem aber sehr handlich. Egal ob man die Lenkimpulse über den
Lenker oder über den Sattel einlenkt - die Tiger fährt die Linie willig und
präzise. Angeblich sind Motorräder mit breiteren Kurbelwellen (ein Dreizylinder
hat eine breitere Kurbelwelle als ein Zweizylinder oder ein Einzylinder) nicht
so handlich, doch bei der Tiger 800 zieht man mit diesem Argument am Stammtisch
definitiv den Kürzeren. In Sachen Handling gibt es hier definitiv keine
Nachteile zu den anderen Bikes der Klasse. Das große Highlight ist auch hier die
"Dosierbarkeit", die "Bandbreite" und das "Ansprechverhalten".
Wie bei der Speed Triple auch, ist es den Entwicklungstechnikern und
Testpiloten gelungen, ein tadelloses Fahrwerks-Setup hinzulegen. Beim Anbremsen
taucht die Gabel nicht ein wie die Front von einem Schaukelpferd. Sie erinnert
beinahe schon an ein Nakedbike und lässt genug Reserven für das was nach dem
Anbremsvorgang kommt. Die
Pirelli
Scorpion Trail passen da sehr gut ins Bild. Der tolle Reifen leistet
sich in den Bergen ebenso wenig Schwächen wie das Fahrwerk selbst. Es war aber
auch nötig dass die Triumph Leute so einen guten Job gemacht haben. Denn der
Kunde hat keine wesentlichen Möglichkeiten das Fahrwerk auf seine Bedürfnisse
anzupassen. In der Tiger 800 ist nur das hintere Federbein mittels hydraulischer
Federvorspannung einstellbar. In der XC Variante könnte man zusätzlich noch die
Dämpfung anpassen.
Die Bremse wirkte zuerst ein wenig lasch, doch dann musste ich mich selbst
kurz wachrütteln. "Nils du verwöhnter Bastard! Auch wenn die Tiger hier wie
ein Nakedbike durch die Kurven wedelt ist und bleibt sie eine Reiseenduro!"
Wenn nötig verzögert sie kräftig, aber eben mit der nötigen Dosierbarkeit. Das
passt so auch ins stimmige Gesamtkonzept. Bei dieser Bandbreite des Motors und
dieser Bandbreite des Fahrwerks ist es auch möglich das Motorrad einer sehr
breiten Zielgruppe wärmstens zu empfehlen. Anfänger werden die Tiger als 34 PS
Version bekommen und damit definitiv nicht überfordert. Doch auch routinierten
Kilometerfresser wird es garantiert niemals langweilig im Sattel.
Teamwork bei den Abteilungen Zubehör und
Fahrzeugentwicklung
Kommen wir zu den Kleinigkeiten. Die Sitzhöhe an der Straßenvariante beträgt
je nach Einstellung 810 oder 830 mm. Die Sitzposition ist für mich mit meinen
knapp über 180cm ausgesprochen komfortabel. Das Windschild macht mit der knappen
Frontverkleidung einen ausgezeichneten Job. Den Komfort im Sattel hat man aber
nicht nur der tollen Sitzbank zu verdanken, sondern der stimmigen Geometrie und
dem perfekt geformten Alulenker.
Doch keine Sorge liebe Reiseenduristen. Es gibt auch noch einige Dinge welche
die großen Reiseenduros besser können. Dürfen sie aber auch, sie kosten ja auch
deutlich mehr. Einen Kardanantrieb gibt es nicht und einige Kleinigkeiten bei
den Bedienelementen oder beim Cockpit reichen auch nicht für die Oberliga. Für
die Bedienung des Bordcomputers zum Beispiel muss man vor zum Cockpit greifen
und den Hauptständer gibt es nur als Zubehör. Apropos Zubehör: Wäre das Zeug
nicht so stimmig, hochwertig und sinnvoll könnte man den Triumph Leuten beinahe
Geschäftemacherei vorwerfen. Dieses Zubehörprogramm lässt beinahe keine Lücke
für fremde Zubehöranbieter übrig und ist von der Entwicklungsphase an mit
geplant worden. Da passt eben alles wirklich perfekt und ist auch mit dem
Gesamtkonzept abgestimmt. Da wären so Kleinigkeiten wie die zufälligerweise
ideal passenden Ausnehmungen am Tank unter der Sitzbank für die Verzurrgurte vom
Tankrucksack.
FAZIT: Die Tiger 800 erfüllt die hohen Erwartungen voll und ganz. Mehr
noch! Der Motor legt die Latte in dieser Klasse sehr hoch. So einen Fahrkomfort
gepaart mit makellosem Ansprechverhalten und idealer Leistungsentfaltung gab es
bisher noch nicht. Nachteile sind durch das 3-Zylinderkonzept keine zu spüren.
Die Tiger wedelt mindestens genauso flink durch die Kurven wie die Zweizylinder
und besticht durch narrensicheres Fahrverhalten. Der Preis wirkt jedoch nur auf
den ersten Blick relativ niedrig. Das Zubehör ist "leider" richtig gut und so
wird das ursprünglich geplante Budget für die Neuanschaffung bei der Bestellung
beim Händler garantiert gesprengt.
Triumph Tiger Bilder Galerie. Alle Details, alle Farben, viele
Extras, viele Infos!
Das Zubehörprogramm für die Triumph Tiger
Die Tiger 800 mit Zubehörausstattung.
Unverzichtbar für den Abenteurer Stammtisch: Der Alumotorschutz.
Unverzichtbar für kernigen 3-Zylinder Sound und zusätzliche Pferde: Arrow
Endtopf.
Die Zubehörliste für die neue Tiger ist richtig lang. Einige Dinge sind quasi
Pflicht, andere netter Luxus. Zum Start der Tiger sind folgende Teile verfügbar:
2- Koffer System
Topcase System
Koffer Innentaschen
Tankrucksack Grundplatte
City Tankrucksack
Adventure Tankrucksack
City Hecktasche
Adventure Hecktasche
Wasserdichte Gepäckrolle
Arrow Slip on mit Zulassung
Eloxierter Bremsflüssigkeitsbehälter
Konischer Alu Lenker schwarz
Heizgriffe
Einstellbare Hebeln gefräst. Kurz oder Lang
Aufnahmen für Aufbockständer
Handprotektoren XC
Hoher Kotflügel in Fahrzeugfarbe
Kotflügelverlängerung vorne und hinten
Scheinwerferschutz
Ölwannenschutz Alu
Kühlerschutz
Einstellbare Touringscheibe
Einstellbarer Scheibenmechanismus
Fahrer-Gelsitz niedrig oder standard
Beifahrer Gelsitz
Hauptständer
Motorschutzbügel
Abdeckung Schwingenaufnahme
Gummi Tankpad
LED-Blinker Alu
Alarmanlage
U-Schloss
GPS Befestigungskit
zusätzliche Bordsteckdose
Adventure Nebelscheinwerferkit
Abdeckplane
Lackschutzfolienkit
Reifendruckkontrollkit
Aufbockständer hinten und vorne
34 PS Drosselsatz
Triumph Tiger 800- Technische Daten
Motor:
Bauart
Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Reihendreizylinder, vier
Ventile
Hubraum
799 ccm
Bohrung / Hub
74,0 x 61,9 mm
Verdichtung
11,1:1
Gemischaufbereitung
Sequenzielle Multipoint-Einspritzung
Auspuffanlage
3-in1-Edelstahlanlage mit hochgelegtem Schalldämpfer,
G-Kat
Nennleistung
95 PS @ 9.300 U/min
maximales Drehmoment
79 Nm @ 7.850 U/min
Kraftübertragung:
Getriebe
6 Gänge
1. Gang
2,313
2. Gang
1,857
3. Gang
1,500
4. Gang
1,286
5. Gang
1,136
6. Gang
1,043
Primärübersetzung
1,667
Sekundärübersetzung
16/50
Fahrwerk:
Rahmen
Stahl-Gitterrohrrahmen
Schwinge
Leichtmetall-Zweiarmschwinge
Räder vorne / hinten
Leichtmetallguss, 10 Speichen, 19 x 2.50
Reifen vorne / hinten
Leichtmetallguss, 10 Speichen, 17 x 4,25
Reifen vorne
100 / 90 - 19
Reifen hinten
150 / 70 - 17
Radaufhängung vorne
43 mm Showa Upside Down Gabel, 180 mm Federweg
Radaufhängung hinten
Showa Zentralfederbein mit hydraulischer
Federvorspannung, 170 mm Federweg.
Bremse vorne
2 x 308 mm schwimmende Bremsscheiben, Nissin
Doppelkolben-Schwimmsattel (ABS optional)
Bremse hinten
1 x 255 mm Bremsscheibe, Nissin Einkolben-Schwimmsattel
(ABS optional)