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kot |
Triumph Roadster Test |
14.10.2009 |
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Die Rocket geht, die Roadster kommt. Mehr PS für weniger EUR. Testgelände: Flughafen.
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Triumph Rocket III Roadster |
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Ofen für
alles |
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Here comes the Big Bopper! Neue Auspuffanlage sorgt
für mehr Dampf,
besseren Klang und ein homogenes Bild. |
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Zwischen 2004 und 2009 liegen nicht bloß nur 5 Jahre, sondern ein
ganzer wirtschaftlicher Umbruch, Abbruch, Zusammenbruch. Der Beginn des
21. Jahrhundert sieht Aufstieg und Fall der weltweiten
Motorradindustrie. Verkaufszahlen stürzen von 1,3 Mio. auf 900.000
Einheiten, Arbeitszeiten werden verkürzt oder beendet, Hubräume
schrumpfen wie Schwellkörper nach dem Geschlechtsverkehr und die B-111
Fraktion vermehrt sich wie Kaninchen bei einem Stromausfall. Doch
blicken wir zunächst 5 Jahre zurück, dorthin, wo alles noch gut und im
Überfluß vorhanden war, blicken wir zurück zur Triumph Rocket III. Denn
was noch keiner weiß und ich bis zum Ende dieses Textes für mich
behalten will, ist die bedauernswerte Tatsache, daß die Rocket III das
Volksschulalter nicht mehr erreichen wird (nur die Rocket Touring wird
weiterleben). Für sie ist das doppelt
bitter, wird sie letztlich gleich durch zwei neue Modelle ersetzt, die Thunderbird und die Rocket Roadster. Die eine ist klassischer, als sie
es ist, die andere sportlicher. Doppelt süß für uns. |
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Wenn ich an die bald gewesene Rocket III und die
erste Ausfahrt auf ihr denke, kommen nicht nur positive Gefühle in mir
auf. Stolz und Vorteil trafen auf Nervosität, Angst und Überforderung.
Beim Motorradfahren kommt man mit zwei Dingen zurecht: Kraft und Kilos.
Solange sie getrennt voneinander gehalten werden, hat man alles unter
Kontrolle, vorausgesetzt, man hat sich selbst unter Kontrolle. Das war
bei den 1000PS Roadshows, wo die Rocket von fast jedermann im Besitz
eines A-Scheins getestet werden konnte, nicht immer der Fall. Eigentlich
nie. Wer die physikalische Konsequenz von 200 Nm auf einen 350 Kilogramm
schweren Hartkörper unterschätzte, der war schneller Besitzer einer
totalgeschädigten Rocket, als wir die Havarie aus einem Graben in den
Scudo heben konnten. |
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Muskelkater nach
Beschleunigungsorgie. |
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Mein Testmotorrad blieb heil, weil ich nicht
versucht habe, es zum flotten Kurvenfahren zu zwingen, vielleicht hatte
ich aber einfach nur Glück. Schon das Geradeausfahren verlangte nach
Aufmerksamkeit und Kraft, entspanntes Gasgeben gab es nicht.
Fertigmachen zum Start, los! Beschleunigung passierte nicht ohne
Vorbereitung. Mit den Händen mußte man den Lenker fest im Griff haben,
da sie von den Füßen nicht viel Unterstützung zu erwarten hatten. Diese
konnten auf den vor der Motorradmitte platzierten Rasten keinen
Gegendruck aufbauen. Man hing an der Rocket wie ein Segel bei Windstärke
12, ständig in Gefahr, abzureissen.
Nach dem ersten Tag hatte ich im hinteren Schulterbereich einen
Muskelkater, weil ich andauernd nur beschleunigt hatte - dazwischen war
ich oft tanken.
Man fühlte sich also auf der Rocket III nicht
wirklich als Herr der Lage, wurde aber auf der anderen Seite sofort
süchtig nach dieser absurd-brutalen Kraftentfaltung und wollte
sportlicher fahren, als irgendetwas an diesem monströsen Motorrad
zugelassen hätte. Auf diese ambivalente Haltung hat Triumph reagiert.
Nicht nur, um die Gesundheit seiner Kunden zu schonen, sondern um der
Welt zu zeigen "Wir stecken nicht zurück!". Die zweckfremden Fußrasten
rutschen 123 mm näher zur Fahrzeugmitte und 22 mm näher zum Boden und
können endlich einer sinnvollen Aufgabe nachkommen. Man kann mit ihnen
jetzt sogar die Dynamik des Fahrzeugs beeinflussen. Der Sitz dagegen
trägt den Fahrer 14 mm näher bei Lenker und Vorderrad, was die Kontrolle
verbessert und Korrekturen einfacher macht. Überraschenderweise wirkt
sich auch die um 20% weichere Hinterraddämpfung positiv aus, da das
Fahrwerk gleichmäßiger anspricht. |
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Für die Leistungssteigerung gibt es
keine logische Erklärung. |
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Wenn man schon mal dabei ist, die Fahrbarkeit zu optimieren, wieso
nicht auch gleich mehr Leistung einfüllen? Triumph dachte wahrscheinlich, daß
die Roadster mit dem 2,3 Liter Atomkraftwerk untermotorisiert sei und
erhöhte mit der Montage eines neuen Auspuffsystems und ein paar
Tastenkombinationen die Leistung um 8 auf 148 PS und das Drehmoment um
21 auf 221 Newtonmeter. So. Ich bin leider nicht fähig, das im Ansatz
verständlich oder schlüssig zu erklären, ich schätze, manche Dinge
müssen einfach sein und das ist gut so. Damit die Dinge so bleiben, wie
sie sind, nahm uns Triumph auf einem alten Flughafen Gelände beiseite,
sozusagen "in professionally controlled, closed course circumstances".
Ein 'professional rider' war leider nur einer: Kevin Carmichael. jener
unscheinbare, nicht sehr sportliche Scotsman (on a motorcycle, not on a
horse), den ich am Tag davor an der
Hotelbar noch für einen unscheinbaren, nicht sehr sportlichen Scotsman
gehalten hatte. Wenn der den Rock auszieht, wird es ernst. |
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Am Flughafen von Bruntingthorpe werden Supersportwagen getestet,
gepfändete Luxuskarossen verwahrt und Flugzeuge endgelagert. Keine
einmotorigen Vogelverscheucher, sondern einige der größten Luftgefährte der
Welt, vom Jumbo bis zum Superguppy, jener Flugwal, der einst Airbusse
zur Welt brachte. Starre Riesen, ausgedient und abgelebt, die eine
traurige Stimmung von Nutzlosigkeit auf uns herunter weinen. Wer braucht
eigentlich die Rocket? Alle 3 Minuten rauscht ein Testfahrer auf einer
Street Triple R unter dem Geschrei des 675 Kubik Dreizylinders an uns
vorbei. Voll. Zwischen Rasen und Pylone muß er unter Vollast einen Haken
nach links schlagen. Durch diese schmale Gasse muß er kommen. Ich frage
mich, wann er wohl das erste Mal abheben wird.
Dann kommt Carmichael. Er cruist dahin, als würde er sich auf einen Wheelie vorbereiten. Er federt
nicht ein, reißt nicht am Lenker oder läßt die Kupplung hörbar
einfahren. Kein Aufheulen, kein Schnalzer, nichts. Praktisch nicht zu
hören, daß sich die Drehzahl des Motors erhöhen würde. Die Rocket bäumt
sich plötzlich zu voller Größe auf, stramm wie eine sozialistische
Statue, und fährt mit Carmichael im Gepäck die Nebenfahrbahn entlang. So
etwas habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gesehen. Ebenso
vermeintlich unspektakulär läßt er sie am Ende wieder zu Boden gleiten. Es war,
als würde Kevin Ballett mit Tine Wittler tanzen und es auch noch gut
aussehen lassen. |
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Grazil wie Tine Wittler beim Ballett. |
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Wir haben nicht einmal davon geträumt, das nach
zu tanzen. Viel lieber starteten wir zu Beschleunigungsorgien auf der
Landebahn. Immer voll einschenken und die Kraft durch den 240er
Hinterreifen auf sich wirken lassen. Irgendwie schon gut, doch irgendwie
war es damals besser. Die ehemalige Sitzposition, die einen bei Volllast
hilflos am Lenker hängen ließ, verstärkte damals den Eindruck vom Andruck. Mit
nunmehr 221 Nm drückt die Roadster zwar noch stärker an, als ihre
Vorgängerin, man verkraftet das in der aktuellen Haltung allerdings
müheloser als im alten Lehnstuhl. Das kann man so oder so auslegen, im
alltäglichen Leben ist ein Weg jedenfalls selten eine Gerade und hier
ist die neue Position nur von Vorteil. |
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Es war nie leicht, eine Rocket zu bewegen. Haben die 367 Kilo erstmal einen Kurs
eingeschlagen, ist es nicht so einfach, sie davon zu überzeugen, diesen
gegebenenfalls abzuändern, weil es sonst der Gesundheitszustand tut. Ein
Ausweichmanöver mit einer Rocket unterscheidet sich von dem eines
sportlichen Motorrades wie ein Öltanker von einem Speedboat. Wer schnell
mal den Radius verkürzen will, der wird zunächst eins merken: Nicht
viel. Nachdem der Lenkende durch die aktivere Sitzposition der rohen
Gewalt nicht mehr völlig ausgeliefert ist, hat sich die Lage in Schräglage
immens verbessert. Man spürt, daß sich sogar so ein Ungetüm beherrschen
und selbst in prekären Situationen noch unter Kontrolle bringen läßt.
Das war ein großer Schritt anhand kleiner Veränderungen.
Wer spät bremst, hat ebenfalls nicht mehr. Mit dem fortan serienmäßigen ABS fühlt man sich
nicht ganz so allein gelassen mit dem durchgedrehten Hippopotamus. Nein,
das ist nicht peinlich, ganz sicher nicht, vor allem, weil das ABS keine
Mehrkosten verursacht. Die "Neue" kostet immerhin ganze 2000 Euro
weniger als die "Alte". Triumph hat also doch auf die Krise reagiert,
spart anstatt bei der Leistung beim Preis. Die Roadster bringt beste
Voraussetzungen mit, um die Rocket Fangemeinde weiter zu vergrößern. Bis
dato wurden 17.000 Rockets an echte Männer im Durchschnittsalter von 45
Jahren gebracht (nur 2% Frauen trauten sich die Rakete zu). Wenn wir
Glück haben, sorgt die spritzigere, agilere und potentere Roadster für
eine Verjüngungskur in der reifen Anhängerschaft und wird in 5 Jahren
vielleicht von einer Rocket Roadrage abgelöst. Dann mit 160 PS und 250
Nm. Der Abschied von der Rocket III muß niemandem schwerfallen. |
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Technische Daten Triumph Rocket
III Roadster |
| Motor |
DOHC Reihen-Dreier,
eine Ausgleichswelle |
| Hubraum |
2295 ccm |
| Bohrung / Hub |
101,6 x 94,3 mm |
| verdichtung |
8,7:1 |
| Leistung |
148 PS / 5750 U/min. |
| Drehmoment |
221 Nm / 2750 U/min. |
| Fahrwerk vorne |
43 mm Kayaba
Upside-Down |
| Fahrwerk hinten |
2 Kayaba Federbeine |
| Reifen vorne |
150/80 R 17 |
| Reifen hinten |
240/50 R16 |
| Bremsen vorne |
2 x 320 mm Scheiben,
Vierkolbenfestsattel (Nissin) |
| Bremsen hinten |
316 mm Scheibe,
Zweikolbenschwimmsattel (Brembo) |
| Länge |
2500 mm |
| Breite |
970 mm |
| Höhe |
1165 mm |
| Radstand |
1695 mm |
| Sitzhöhe |
750 mm |
| Gewicht voll |
367 kg |
| Preis Österreich |
Mit 19.990 Euro inkl.
Nova und NK |
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| Gebrauchte Motorräder |
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Interessante Links:
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Text: kot
Bilder: Triumph |
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| 1000ps Data Recording |
Triumph Roadster Test |
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