Nach 50 Jahren ist die Triumph Bonneville sportlich wie nie. kot sucht die Ruhe.
Triumph Bonneville 2009
Welcome to Bonneville
Bonnie to be wild.
Manche haben eben vergessen, wie man echte Motorräder baut. Und manche haben es
nie getan, weil sie immer nur nachgebaut haben und selbst das noch nicht lange
genug, um sich auf eine Geschichte, eine Heritage berufen zu können, die die
Auszeichnung „echt“ verdient hätte. Modernität braucht keine Herkunft. Du bist
erst seit gestern on, heute in und morgen schon out. Oder anders: Was heute
gebaut wird, ist morgen wie von gestern.
Es wird so sehr auf Leistungswerte geachtet und versucht, diese immer weiter zu
verbessern und hochzutreiben, das man eines aus den Augen verliert: Den Wert
einer Sache an sich und seinen Erhalt. Wer ist Schuld an dieser Verschiebung?
Die Industrie, oder wir selbst? Will sie alle zwei Jahre ein neues Sportmotorrad
unter irrsinnigem Aufwand entwickeln, oder verlangen wir das von ihr? Trifft sie
unsere Entscheidungen, oder treffen wir sie (noch) selbst?
Eins ist sicher: Wer eine Triumph Bonneville kauft, der trifft die Entscheidung
für sich selbst. Gegen jeden Modetrend, jede Konvention und jede
Wettbewerbskultur. Manche werden diese Entscheidung schon vor Jahrzehnten
getroffen haben, den Wunsch dahinter konnten sie sich aber erst jetzt erfüllen.
Andere werden sich gar nicht bewusst sein, was hinter ihrem Verlangen nach
diesem wunderschön klassischen Motorrad steckt, denn Stil ist ihnen einfach
angeboren, sie müssen darüber nicht erst nachdenken.
Wenn tatsächlich nach der Leistung dieses Motorrads gefragt würde,
dann wäre die Antwort nicht „67 PS“, das wäre zu plump und diesem Motorrad nicht würdig,
sondern „Entspannung, Müßiggang, Genuß“. Die Beschleunigung von 0 auf 100 hat
für die Bonneville und ihre Fans und Fahrer keine Bedeutung. Ein
Schwanzvergleich hat mit ihnen keinen Sinn, wer es trotzdem versucht, hat im selben
Moment verloren. Sie sind reif, zu sich gekommen. Das hat nichts mit dem Alter
zu tun, eher mit Gelassenheit aus Erfahrung, über die man schon in jungen Jahren
verfügen kann. Wer sich nicht mehr vergleichen muß, der hat mehr Zeit für sich
selbst, kann das Leben genießen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu versäumen.
Hier in Nizza beherrscht man das "Savoir Vivre" wie das Auszuzeln von
Schalentieren. Schließlich ist Frankreich der Taufpate des süßen Lebens. Und das
kommt an der Cote-d’Azur jedes Jahr ein paar Wochen , oder wie das heuer eher
das Fall ist, Monate früher an, als in unseren mitteleuropäischen Breiten. Da
ist außer den Kondensstreifen von ein paar Privatjets kein trübendes Fleckchen
am Himmel zusehen, die Sonne wärmt und bräunt die entwöhnte Haut, der Wind
spielt nur sanft mit den sattgrünen Palmenblättern, vorbeifahrende Bentleys
gleiten in sonorer Zurückhaltung am Hotel vorbei und erzeugen ein beruhigendes
Timbre. Man hört sich noch
mitfühlend die Klagen aus der Heimat an, über Kaltfront und dass schon wieder
Schnee vom Himmel fällt, bevor man sich mit einem Sprung in den Pool und dem
anschließenden Bier den Gedanken an gefrorenes Wasser vom und aus dem Körper
spült. Heute ein Kaiser.
Triumph Bonneville Video
Es wird noch eine Zeit dauern, bis kot das Alter
der Bonneville ereicht haben wird, die seit einem halben Jahrhundert die
Motorradwelt bereichert. Ihre Wesensarten und Charakterzüge sind aber
schon jetzt gar nicht so verschieden. Beide träumen davon, das Leben auf
Kosten eines anderen genießen zu können.
Videodreh: kot
Schnitt: Volli
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Endorphingeschwängert beginnt unter der Sonnenbrille die Träumerei. Jetzt ein
Motorradrennen nach allgemein ungültiger StvO. Supersport? In dieser Gegend
besser Supermoto. Engagierte Guides, ehrgeizige Journalisten, Straßenwetzerei am
Limit. Wer den Anschluß an die Gruppe verliert, hat nur eine Ausrede: Er hat
auch den Anschluß an das eigene Motorrad verloren. Jaaa, da verbremst sich der
Erste….He, aggressive Gedanken trüben die friedliche Idylle. Nein, diesmal
nicht, diesmal so, wie ich das will, oder besser, wie es das Leben will. Und
noch mal, das hat nichts mit dem Alter zu tun. Wenn man das Savoir Vivre einmal
inhaliert hat - und dazu reicht ein Blick aufs Meer, ein Sprung in den Pool und
ein Bier – will man es nicht mehr exhalieren, zu gut fühlt es sich an, nachdem
man im Elektronik-Bergwerk monatelang kein natürliches Licht mehr gesehen hat.
Es wird endlich wieder ganz normal und stressfrei Motorrad gefahren.
Schließlich haben sich die Entwickler auch keinen Stress gemacht, die Bonneville
nach ihrer Wiedereinführung im Jahr 2001 erstmals zu überarbeiten. Ein Klassiker
muß quasi nie zum Schönheitschirurgen. Selbst nach 8 Jahren reichten einige
kleine, aber feine Verbesserungen, um das Motorrad erheblich agiler und moderner
zu machen, ohne an der klassischen Fassade kratzen zu müssen. Sogar das Bild
eines Vergaser-Motors wurde aufrecht erhalten, obwohl der 865 Kubik
Parallel-Twin über eine elektronische Einspritzung verfügt, die Luftdruck- und
temperatur, Motordrehzahl und Drosselklappenstellung überwacht, um in jedem
Moment die perfekte Gemischzusammensetzung und den idealen Zündzeitpunkt zu
errechnen. Damit auch Frauen und Kinder mit der Bonneville fahren können, wurde
die bequeme, durchgehende Sitzbank auf 740 mm herabgesetzt. Das selbe Ziel
verfolgte man scheinbar mit der Montage eines neu geformten Lenkers, dessen
Griffe näher zum Fahrer hin positioniert wurden.
Die größte und mutigste Veränderungen, die nicht nur die Optik,
sondern durch hohe Gewichtseinsparung vielmehr die Beweglichkeit der Bonneville stark beeinflußt, stellen die
neuen Leichtmetall-Gussfelgen im 7-Speichen-Design dar. Der Look erinnert nun
eindeutig an Motorräder der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre - und
die waren nicht alle schön. Der normalen Bonneville paßt das ganz gut, der SE
mit ihrer Zweifarblackierung würden klassische Speichenfelgen besser zu Fuße
stehen.
Bonneville mit ein paar Extras, u.a.
Windschild und
2-in-1 Arrow Anlage. Thruxton, bist es du?
Bonneville SE mit serienmäßiger Zweifarblackierung.
Bonneville T100 mit Änderungen im Detail.
Ebenfalls neu ist, dass die neue Bonneville die Option bietet, flott unterwegs zu
sein. Somit hat sie sich nicht nur optisch, sondern auch was die
Sportlichkeit betrifft der Thruxton angenähert, der sie mit der Minimaske (trägt
die seltsame Bezeichnung „Instrumenten-Abdeckung") und der Einzelsitzbank aus dem Zubehörprogramm nun
doch recht ähnlich schaut. Die neue Fitness wird weniger gefestigte Charaktere
wahrscheinlich öfter dazu verleiten, am Kabel zu ziehen und eine härtere Gangart
zu wählen. Ich tat mich jedenfalls mit der alten Bonneville, die zum direkten
Vergleich mit von der Partie war, wesentlich leichter im entspannten
Genießer-Modus über das Land zu gleiten, als mit der neuen.
Es ist nicht alles schwarz und weiss. Die Bonneville mischt
Klassiker mit Cruiser und Naked-Bike.
Die Versuchung war einfach zu groß. Finde ich persönlich fast schade,
weil ich mich gerne von einem „gemütlichen“ Motorrad leiten lasse - und nicht
verleiten. Ich finde es also ganz gut, wenn bei manchen Modellen „die Fußrasten
früh aufsetzen“, „das Fahrwerk an seine Grenzen stößt“ oder „der Motor einfach
nicht mehr hergibt“. Ich nenne nicht umsonst eine BMW R1200C mein Eigen. Die neue Bonnie ist aber deutlich sportlicher geworden und
indem sich ihre Grenzen nach oben verschoben haben, verschieben sich auch meine
im Umgang mit ihr. Das Vorgängermodell fuhr sich wie ein Cruiser, das neue wie
ein Naked-Bike. Die vielen Spitzkehren rauf in die französische Hügellandschaft
waren spielend leicht zu nehmen, Korrekturen mit dem neuen Lenker jederzeit
problemlos durchzuführen. Der Fahrer kann das Vorderrad präziser und mit weniger
Aufwand dirigieren und bekommt gleichzeitig mehr Feedback zurück. Das Gas
spricht sauber an, die Bremse packt fest und Vertrauen spendend zu. So kam es,
daß doch noch zügig gefahren wurde, weil die junge Bonnie jetzt eine viel höhere
Durchschnittsgeschwindigkeit zuläßt. Sie ist im 21. Jahrhundert angekommen.
Die neue Triumph Bonneville wird einer Menge Leute gut
gefallen, der potenzielle Kundenkreis wurde auf jeden Fall in alle
Richtungen ausgedehnt. Denn nicht nur die Sportlichkeit hat eine deutliche Steigerung
erfahren. Fahrbarkeit und Handling wird vor allem weniger geübte Fahrer (da
wären wir wieder bei den Neu- und Wiedereinsteigern) erfreuen. Die Bonnie wäre
sofort als Fahrschulmotorrad zu empfehlen. Wär' doch schön, sie wäre das erste
mit Charakter und Stil.
Triumph Bonneville Details
Bremsscheibe vorne auf 310 mm gewachsen. Gussfelgen statt Speichenrädern.
Tüten auf beiden Seiten können durch eine 2-in-1 Anlage aus dem Zubehörprogramm
ersetzt werden.