Ist eine Fahrt im EVO ein Kündigungsgrund bei 1000PS? Fremdgehen am Wochenende.
Evolution IX
Evolution oder Rückschritt? kot
in der Sinnkrise.
Die schwarze Eminenz im Schatten der Motorradwelt.
Hier geht es um kein Rennen, um keine Bestzeiten, keinen
Stoppuhrenvergleich. Das hier entscheiden keine Strecke, keine Pferde,
keine Reifen. Und auch nicht die Fähigkeiten und Unfähigkeiten
der Fahrers. Das hier fährt man nur gegen sich selbst – oder
gegen die Wand.
Freitag 4. Mai, BP Tankstelle Wien 22. Ich
bin kurz davor, fremd zu gehen und dementsprechend nervös. Das Schlimme
ist, das Objekt meiner Begierde ist ein Er. Waren mir die ständig
wechselnden Partnerinnen der letzten Jahre nicht Befriedigung genug?
Konnten all die Hondas, Suzukis, KTMs, BMWs, Yamahas und wie sie sonst
noch alle heissen, meine Leidenschaft nicht erfüllend bedienen?
Wahrscheinlich ist es der uralte, zermürbende Drang des Mannes, haben zu
wollen, was er nicht hat oder haben kann. Wahrscheinlich. Ist mir
jedenfalls in dem Moment wurscht, als Er um die Ecke kommt.
Der
schwarze Mitsubishi Lancer Evolution IX kommt neben der Waschstraße zum
Stehen. Zurückhaltend sonor in der Akustik, brutal bis proletuid in der Optik,
jedenfalls für Unwissende. Notwendigkeiten sind nie proletuid, auch wenn
sie mit der Dezenz eines Vorschlaghammers vorgetragen werden. Wieso sich
viele am Heckflügel stoßen liegt wohl daran, dass er auf echten
Sportautos kaum mehr zum Einsatz kommt. Der Evo zählt heutzutage nicht
mehr zum elitären Kreis anderer Beflügelter wie Lotus Esprit,
Lamborghini Countach und Ferrari F40. Er muß sich neben
frankensteinesken CRXen und allem grundlos optisch Überzüchteten mitgenieren. Er muß mit einem zweifelhaften Image leben, so wie ich, vielleicht fühle
ich mich ihm gerade deshalb so nahe. 500 Euro kostet diese Nähe für ein
Wochenende, Freitag früh bis Montag früh, 500 Kilometer inklusive. Ich
hatte bereits gerechnet. 50 Kilometer nach Eisenstadt, 50 wieder zurück,
bleiben nur mehr 400. Was wenig wirkte war im Endeffekt nicht zum
derfahren, weil ein Kilometer Evo nicht gleich ein Kilometer Auto ist.
Ist eher zu vergleichen mit einem Kilometer Achterbahn, inklusive
Übelkeit (man muß immer wieder pausieren), einfach unvorstellbar und im schlimmsten Falle persönlichkeitsverändernd.
Er zieht dich in seinen Bann und läßt dich zweifeln. Ist das deine wahre
Leidenschaft?
Bei der Performance bleiben keine Fragen offen. Man ist
schwammig gelagerte Blechkutschen gewohnt, die in jeder schnelleren
Kurve in die Knie gehen. Hier sitzt man auf einem Brett, das weder biegt
noch bricht, und in (fast) jeder Situation auf dem Asphalt liegt wie
ein...Brett eben. Das Fahrzeug bewegt sich nur als ein Ganzes, zu dem
man auch selbst gehört. Eingeschalt in Recaro Sportsitze bildet man die
Kommandozentrale und hoffentlich auch das Hirn des Boliden. Befehle
werden hier ausgeführt sobald erteilt, ohne Nachfragen. Wie beim
Motorrad. Dumme Aktionen haben dumme Folgen.
Evo IX & KTM LC4 690 Video
'Wenn die Reifen quietschen, ist es noch
lange nicht aus', hat es ein Denzel Mechaniker einmal trefflich
formuliert. Man könnte es aber auch umgekehrt sagen: 'Dann fängt es
erst richtig an.' Was beim Zweirad nur geübteren Fahren vorbehalten
bleibt, gelingt mit dem EVO jedem, der ein Lenkrad von links nach
rechts und ein Gaspedal von oben nach unten bewegen kann.
Gefährliches Verwechseln des Könnens von Mensch und Maschine ist
wahrscheinlich, die sofortige Sucht hundertprozentig.
Video: KarolettaLambretta & kot Schnitt: KarolettaLambretta Ton: KarolettaLambretta
Video auf den
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Der Grundstein für meine geheime Leidenschaft mitten in der Welt der
Zweiräder wurde gerade von dem Mann gelegt, der die absolute und
alleinige Hingabe an das Motorrad von seinen Mitarbeitern fordert.
(Ganz so oag ist's nicht..) 2003 weckte mich Nils morgens mit der
Nachricht, er sei gerade mit einem Evo VII zu mir unterwegs. Die Zeit
drängte, wir hatten nur 1 Stunde. Doch es brauchte nur wesentlich
weniger Zeit - genau genommen nur das Durchfahren eines Kreisverkehrs
mit einer Geschwindigkeit, mit der es normalsterblichen Autos nur mehr
möglich ist, den Kreis im Durchmesser zu nehmen - um den Evo für immer
in meinem emotionalen Zentrum zu verankern. Es bereitet mir nun jeden
Tag unerträgliche Schmerzen, keinen Evo zu besitzen, obwohl mir bei
1000PS praktisch alle Möglichkeiten offen stehen, Motorräder der
verschiedensten Marken und Typen zu fahren. (In letzter Zeit leider
vermehrt Roller, und das wird nicht weniger werden.)
Doch da gibt es noch eine andere Welt, die
sich mir im 80 PS Toyota Corolla G6 (noch nie waren 6 Gänge so sinnlos)
nicht ganz erschließen wollte. Bei über 300 PS übertragen auf 4
angetriebene 235er Gummis - und zwar immer nur so, wie es am meisten
Sinn macht - und einem Fahrwerk, dessen Gegner in Autos der Preisklasse
jenseits der 70000 Euro Grenze zu suchen sind, ist diese Welt plötzlich real und
für jeden auf erschreckende Art und Weise zu erleben. Man versucht das
hunderte Male im Kopf durchzudenken, zu erfühlen, aber da ist kein
Erfahrungswert, auf dem man aufbauen könnte. Niemand nimmt dich härter,
nicht einmal der Alfons. Soviel und so extrem man es
sich auch vorstellt, das kann man nicht erwarten. Wie sind 3 Tage lang
erhöhter Blutdruck, gesteigerter Puls und hypernervöses Verhalten sonst
zu erklären? Ich konnte keine Sekunde ruhig in der Wohnung verbringen,
im Wissen, daß draußen das Biest wartete.
Schuld an diesen Symptomen ist Petar Jovanovic, der seit April 2006 über
seine Homepage
www.dreamcartours.at sportliche Autos zum günstigen Preis vermietet.
Also keine 1500 Euro und mehr für einen Ferrari am Wochenende, sondern
500 für einen Evo, einen Lotus Elise, oder einen 300 PS Mustang. Dieses
Jahr kommt eine Corvette C6 dazu. Performance ist ihm wichtiger als
jedes Image. Er selbst hat das Motorradfahren an den Nagel gehängt. Zu
viele Stürze, zu gefährlich meint er. Mein Wunsch, den Evo schon im Herbst 2006 zu fahren, wurde
übrigens vom ersten Mieter zunichte gemacht, der in alter Tradition die
Jungfernfahrt zur Katastrophe werden ließ. Totalschaden. Bis der nächste Evo kam, sollte es 2007 werden.
Und heuer? Hat sich einer mit dem Lotus eingebaut. Allerdings konnte der
wieder repariert werden. Nur 16000 Euro Schaden, dürfte bald aus der
Werkstatt kommen. Vielleicht ist Sportautofahren auch nicht ganz
ungefährlich.
Ein Wochenende mit dem Evo genießt man natürlich nicht
allein, man will auch andere daran teilhaben lassen. Der ehemalige 1000PS
Mitarbeiter Mexxla war mein erstes Opfer. Schon beim Anblick der erste
Herzinfarkt, konnte ich beobachten, wie ihm beim Tritt auf’s Gaspedal
die Tränen in die Augen schossen. Ein Phänomen, das ich nicht zum
letzten Mal beobachtet haben sollte. So war es nämlich bei allen. Wer
nicht gerade selbst so ein Gerät oder Ähnliches zu Hause stehen hat, dem
ist dieser Antritt völlig fremd – und das macht Angst. Besonders dann,
wenn der Schub nicht abreißt. Wo normalerweise ein Ende ist, ist
plötzlich keines mehr, wo die Kraft versagt, fängt sie hier erst an zu
wirken. Turbopunch ab 4000 Touren direkt in die Magengrube, rot sieht
man erst ab 7000, aber das ist nicht so genau zu nehmen, es herrscht
große Toleranz beim Motor. Bei der Kupplung eher nicht. Das Auto hatte
bei 16.000 Kilometer bereits die dritte Kupplung. Dafür halten die
Bremsen ewig "weil die Leute zwar Gas geben, aber nicht g'scheit
bremsen". Kein Wunder, wenn dir bei der Verzögerung das Gesicht vom Kopf
fällt.
Wenn man nie wieder vergißt, daß man drin war, war es
wirklich gut.
Spoiler zu hoch für ein Querformat.
Drehzahl vor Geschwindigkeit. Im Auto noch schön rund.
Das Tier kann auf zwei Beinen gehen. Man nennt das
Evolution.
Permanenter Allrad, permanenter Eindruck. Du legst einfach jedes
positive Gefühl in dieses eine Wochenende, in dieses Fahrzeug. Und
denkst im selben Moment darüber nach, ob du je wieder zurückfindest in
deine Welt, in deinen Sattel. Es sind diese völlig neuen Eindrücke der
Fahrdynamik, die dich überwältigen und dich hoffen lassen, daß du dich
nie daran gewöhnen wirst. Deshalb darf das keinesfalls als Alltagsauto
enden, zum Einkaufen fahren, sondern wird einmal im Jahr zelebriert. So
werde ich das zumindest handhaben.
Bei der letzten Ausfahrt wurde mir dann klar, dass
es immer auf das selbe hinausläuft. Wie zwei Spaß miteinander haben,
hat ein Dritter was dagegen. Es ging mir ein Licht auf, ein blaues, und
ein Mannderl sprang unter dem Licht hervor, aus einer weißen Dose. Bald
hätt’ ich es derfahren, das Mannderl, als es mir vor den Kühler sprang.
Ich konnte aber ausweichen, weil die Bremsen so stark und die Lenkung so
direkt ist. Es schrie ein bisschen durch’s Seitenfenster und ich war
recht erleichtert, als mein Beifahrer "Mother in Law" sich einmischte „Seavas, wie
geht’s dem Voda?“ Da war’s dann nimma so laut. Glück gehabt.
Und so entschied ich: Das brauch’ ich nicht, ich fahr’ lieber Motorrad und lass
mich anschreien, da hab' ich wenigstens einen Helm auf. Den Evo laß’ ich sein. Und hol’ mir den Lotus.
P.S. Inzwischen hat der Evo eine TurboXS Leistungssteigerung
hinter sich, 326 PS und 480 Nm (statt 355 Nm) und ein 120 mm Endrohr für
den endlich angemessenen Sound. Zitat Petar: "Gefühlt doppelt so stark
wie davor." Wo soll das noch hinführen?
Einhändig fahren. Nur im Evo ein Problem.
Technische Daten
Mitsubishi Evo IX
KTM
LC4 690
Motor
16V DOHC Turbomotor
1-Zylinder 4-Takt
Hubraum
1997 ccm
653,7 ccm
Bohrung/Hub
85 x 88 mm
102/80 mm
Leistung
206 kW/6.500 U/min.
47 kW/7.500 U/min.
Drehmoment
355 Nm/3.500 U/min.
65 Nm/6550 U/min.
Verdichtung
8,8:1
11,7:1
Gänge
6 Gang
6 Gang
Bremsen vorne
17" innenbelüftete
Scheibenbremsen
Brembo
Vierkolben-Radialfestsattel , Bremsscheibe Ø 320 mm
Bremsen hinten
16" Scheibenbremsen
belüftet mit integrierten Trommeln