8 Enduristen auf Guzzi Stelvio und BMW GS unterwegs im Hochland des Piemont.
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Piemont
Großenduro-Tour |
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Auf Stoppeln
durchs Land der Kirschen |
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Single Trials sind für die schweren Enduros eine große
Herausforderung. |
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Es muß so gegen Ende August gewesen sein, als mich ein Anruf aus meinem
wohlverdienten Beamtenschlaf riß. Dran war Manfred Cyran, ein ebenso
furchloser wie umtriebiger Organisator von Motorrad- Events. "Fährst du
mit ins Piemont, ein bißchen Endurofahren?" Klar doch, wozu habe ich
eine LC 4 in der Grage stehen, die sich ohnehin schon die Stoppeln in
den Tank steht? Umgehend wurde ich belehrt, daß es sich um eine
Großenduro Tour handle und ich mich gefälligst nach einem passenden
Untersatz umsehen solle. Auch gut, dachte ich mir, halt weniger
anspruchsvoll. Der Nachsatz von Manfred, Stoppelreifen wären nicht
schlecht, hätte mich allerdings stutzig machen sollen.
Ein Anruf bei Josef Faber löst zunächst einmal die Probleme mit dem
Untersatz. Eine Moto Guzzi Stelvio NTX würde perfekt zur Horde der BMW
GS passen und müßte sich im italienisch – französischen Grenzland
eigentlich wohl fühlen. Dazu passende "Stoppler" von Metzeler und schon
sollte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Das Piemont ist bekannt für seine zahllosen Straßen und Sträßchen, die
auch die extrem hoch gelegenen Höfe und Hütten verbinden und zum Teil
noch aus dem ersten Weltkrieg stammen. In der Nähe des bekannten
Schiorts Sestriere liegt das Städtchen Bardoneccia, das der erste
Ausgangspunkt für unserer Touren sein sollte. Die Anreise erfolgte im
Auto, da gut 1.100 Kilometer Autobahn, noch dazu auf Stoppelreifen,
nicht gerade ein Vergnügen sind. Die Guzzi reist bequem im LKW von
Manfred, gut verzurrt und wohl genauso neugierig wie ich. |
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Mobile Einheit Moto Guzzi Stelvio mit der
Sonderkennung NTX im alpinen Einsatz. |
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1. Tag: 8 Enduristen mit mehr oder weniger Erfahrung &
Kondition. |
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Nach einem herzhaften Frühstück im zwar einfachen aber blitzsauberen
Hotel beginnen wir neugierig den ersten Tag unserer Entdeckungsreise.
Wir, das sind acht mehr oder weniger erfahrene Enduristen mit mehr oder
weniger Kondition, aber umso mehr Motivation. Und wir sollten nicht
enttäuscht werden.
Schon nach wenigen Kilometern Asphalt in Richtung Susa- Tal biegen wir
in einen Waldweg ein, der stetig bergauf zum Col de Busson an der
französischen Grenze führt. Wie fast überall hier im Grenzgebiet stehen
an den unmöglichsten Stellen Ruinen von alten Befestigungsanlagen, diese
Gegend ist schon seit Hunderten von Jahren heiß umkämpft.
Die Wanderer
und Moutainbiker grüßen freundlich, auch Autos sind vereinzelt
unterwegs. Unvorstellbar in unseren Breiten, wo nur die erlauchte
Jägerschaft und der Förster sich im Wald motorisiert fortbewegen darf.
Gegen Ende wird der Weg immer steiler und vor allem das Geröll immer
größer. Als Manfred dann ungerührt in einen schmalen Pfad in Richtung
französische Grenze einbiegt, folge ich nur ein kleines Stück, bis zu
einer Stelle, wo es mir gelingt umzudrehen. Alexander ist nicht so gut
dran und wir müssen mit vereinten Kräften seine GS aus einem Hang
bergen. Dafür entschädigt die Speckjause auf der Hütte, auf den
allgegenwärtigen Rotwein müssen wir leider verzichten. Dafür entschädigt
die Rückfahrt über das Kurvengewirr des Susa Tales und langsam
verschwinden auch die Bedenken gegen die groben Stoppeln auf dem
Asphalt. |
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Am Col de Busson enden die befahrbaren Pfade vor der
französischen Grenze. |
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2. Tag: Kein Wein am Colle del
Sommeiler. |
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Das Wetter sieht trotz der eher schlechten Vorhersage recht gut aus, und
die frische kühle Herbstluft vertreibt auch den letzten Nachgeschmack
des schweren Rotweines vom Vortag. Heute geht es den Colle del Sommeiler
hoch, eine Stichstraße, die über 3.000 Meter führt.
Die Hütte hoch über
der Baumgrenze hat bereits zur Winterruhe geschlossen, die Straße selbst
ist noch befahrbar. Die grandiose Landschaft im Piemont zeigt sich in
ihren besten Farben, ein klarer Bergsee und das Fehlen jeglichen Mülls
straft alle jene Lügen, die behaupten, Motorrad-Tourismus würde
unweigerlich zum Kollaps der Natur führen. |
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Grandiose Berglandschaft in fast 3.000 Metern Höhe:
Colle del Sommeiller. |
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3. Tag: Die Guzzi trotz 3 Grad mustergültig. |
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Die berühmte Assieta Kammstraße ist ein Muß für jeden, der einmal in
dieser Gegend war. Von Susa über den Col de Finisterre und dann nach
Sestriere, weit über 50 Kilometer im Schotter. Die schlammigen Passagen,
die teilweise vom Neuausbau der Straße stammen, sorgen für einige
(harmlose) Umfaller. Immer wieder gibt es erstaunte Gesichter von
Enduristen ob unseres schweren Geräts, denn mehr als 450 cm³ werden hier
kaum bewegt. Ich zerquetsche hin und wieder eine Träne nach meiner guten
alten und vor allem leichten LC 4, obwohl sich die Guzzi tapfer hält. |
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Leider fahren wir im Regen, auch die Sicht ist durch Nebelschwaden
teilweise sehr schlecht, von Fernsicht gar keine Rede. Weiter oben gibt
es schon Schnee, der liegen bleibt. Das verdirbt uns zwar nicht die
Laune, nur das geplante Picknick. Schade, denn hier oben wäre es sicher
schön gewesen. Das Fahren ist zwar nicht leicht, aber es wird immer
besser. Trotz 3 Grad Außentemperatur wird uns nicht kalt. Die Guzzi läßt
sich auch im dritten Gang den Berg hinauf fahren, stirbt nie abrupt ab
und benimmt sich auch sonst mustergültig. Manfred versprüht gute Laune,
das ist ansteckend. Der Imbiß in der kleinen Bar des zu dieser Zeit
ausgestorbenen Schiorts Sestriere ist zwar für piemontesische
Verhältnisse einfach, aber Hauptsache, es ist warm im Lokal. |
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4. Tag: Tipps und eine Kupplung für
BMW in Turin. |
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Heute Hotelwechsel nach Borgo di Dalmazzo in verschiedenen Gruppen. Da
es schüttet wie aus Kübeln, wird über die Straße gefahren. Ich habe die
ehrenvolle Aufgabe, den zweiten Wagen zu pilotieren, was mich auf Grund
des Wetters nicht weiter stört. Im Hotel angekommen, reißt Manfred
gleich seine BMW auseinander, um die schon seit Tagen rutschende
Kupplung zu tauschen.
Er hat sie in Turin problemlos und sofort
bekommen, der freundliche Händler zeigte ihm dazu gleich an einer schon
zerlegten GS ein paar Feinheiten und gab Tipps zum Zusammenbau. Wirklich
helfen können ihm aber sicher unsere Kommentare, während wir das am Tag
zuvor verregnete Picknick auf der Rampe des LKWs nachholen. |
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5. Tag: Sonderprüfung durch
Wasserloch. Die Koffer halten dicht. |
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Ein Tag mit schönstem Wetter und viel Schotter. Zuerst über den Varaita-
Maira Kammstraße eine vergleichsweise lockere Strecke mit einer
traumhaften Fernsicht. Das Hochtal hallt wider vom Pfeifen der
Murmeltiere, die sich satt und träge von der Straße trollen. Sie sind
nicht gerade scheu und warten neugierig ab, ob von unserem Picknick
etwas übrig bleibt. Sie werden sich wohl etwas enttäuscht in ihre bauten
zum Winterschlaf zurückziehen müssen.
Die Straße Maira- Stura, die wir uns für den Nachmittag vorgenommen
haben, ist wesentlich anspruchsvoller, mit Kopfgroßen Steinen belegt und
mit den 250 kg Enduros nicht gerade leicht zu fahren. Die Abfahrt ist
zudem extrem ausgewaschen und es ist nicht immer leicht, den richtigen
Weg zwischen Abgrund und den gewachsenen Felsen zu finden. Doch das
beste kommt bekanntlich am Schluß.
Eine Sonderprüfung durch eine
Wasserpfütze, schön tief, am Grund von mehreren Spuren durchzogen und
extrem glatt. Natürlich versinkt auch die Guzzi im Morast, komplett mit
Fahrer und der Fotoausrüstung im Koffer. Aber sie erweisen sich als
vollkommen dicht, sogar die kleine Kamera im Handschuhfach am Tank
bleibt trocken. Das gilt weniger für den Fahrer, denn auch das beste
Gore Tex Gewand nützt wenig, wenn das Wasser oben reinrinnt. |
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6. Tag: 90 Kilometer am Schotter |
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Heute steht die ligurische Grenzstraße am Programm, 90 Kilometer
Schotter fast bis hinab zur französischen Küste. Zuerst hoch den Tenda
Paß, natürlich auf der alten Straße mit ihren 49 Kehren. Oben steht die
Ruine eines großen Forts der Italiener, einer der vielen Zeichen der
vielen sinnlose Kriege in diesen Bergen.
Einsetzender, teils heftiger
Regen verhindert weitere Taten. Nach 10% der Straßen bekommen wir von
einer Einheimeischen den guten Rat mit unseren schweren Geräten wieder
nach Hause zu fahren. Naß, wie wir sind, befolgen wir den Rat gerne. |
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Nicht nur die Kühe sind freundlich zu Bikern-
auch die Hirten. |
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7. Tag: Wandersfrauen reißen alles
aus, was nach Pilz aussieht. |
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Letzter Tag, wieder geht es auf den Colle di Tenda, allerdings etwas
westlich am Baisse de Peyrefique. Hier kommen wir in einen Almabtrieb,
die typischen weißen Kühe der Region kommen nun wie unsere Motorräder
über die kalte Jahreszeit in den warmen Stall. Auch hier überrascht uns
die Freundlichkeit der Senner, die so gar nichts gegen unsere Bikes
haben. Unglaublich, aber wahr. Im Grenzgebiet zu Frankreich begegnen wir
vereinzelt Militär, aber auch hier werden wir eher freundlich begrüßt
als geringschätzig beobachtet. Lediglich einzelne Wandersfrauen und
Männer, die alles was nach Pilz aussieht, abreißen, schauen böse, aber
damit können wir leben. Eine gute Jause in einer abgelegenen Berghütte
bildet den krönenden Abschluß, bevor es in unser Hotel zurück geht.
Jeder von uns weiß, daß er wiederkommen wird, solange es dieses Paradies
noch gibt. |
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Tourenplan |
| 13.09: |
Col de Busson |
| 14.09: |
Colle de Sommeiller |
| 15.09: |
Assietta Kammstrasse |
| 16.09: |
Hotelwechsel |
| 17.09: |
Varaita-Maira-Stura Kammstrasse (bester Tag) |
| 18.09: |
Colle di Tenda, Ligurische Kammstrasse (10% Teilstück) |
| 19.09: |
Colle di Tenda, Baisse de Peyrefique (westl. des Colle di Tenda) |
| 20.09: |
Heimreise |
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Nager gegen Boxer - David gegen Goliath. Die
Murmeltiere hoffen auf Reste unseres Picknicks |
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Interessante Links:
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Text: F.Farkas
Fotos: F.Farkas |
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