Yamaha Ténéré 700 World Raid 2026 Test
Mehr Elektronik, besseres Fahrwerk, gleiche Abenteuer-DNA
Die 2022 vorgestellte „World Raid“ Variante nimmt innerhalb der Ténéré-Modellfamilie eine besondere Rolle ein. Während die Standard-Ténéré als vielseitiger, robuster Allrounder gilt und die nachgeschärfte Rally-Version stärker auf Offroad-Performance ausgelegt ist, richtet sich die World Raid an Fahrer, die lange Reiseetappen etwas komfortabler absolvieren möchten und dabei vermehrt auf Asphalt, aber immer wieder auch auf Schotter unterwegs sind. Yamaha selbst nennt dieses Konzept „Adventouring“ – eine Mischung aus Adventure und Touring. Für das Modelljahr 2026 bekommt die World Raid nun ein umfangreiches Update mit moderner Elektronik, verbessertem Fahrwerk und zahlreichen Detailoptimierungen.
Mit der Yamaha Ténéré 700 World Raid hat Yamaha eines der erfolgreichsten Adventure-Bikes der vergangenen Jahre weiterentwickelt. Seit der Präsentation der ersten Ténéré 700 im Jahr 2019 hat sich das Modell zu einer festen Größe im boomenden Mittelklasse-Adventure-Segment entwickelt. Zwischen 2020 und 2024 ist dieser Markt in Europa um satte rund 75 Prozent gewachsen – und Yamaha hat davon kräftig profitiert: Mit rund 24 Prozent Marktanteil bleibt die Ténéré bis dato Marktführer in ihrer Klasse. Seit 2020 zählen die Ténéré-Modelle konstant zu den Top-5 der meistgekauften Motorräder in Europa, insgesamt wurden hier bereits rund 86.000 Maschinen verkauft.
Die 2022 vorgestellte ”World Raid” Variante nimmt innerhalb der Ténéré-Modellfamilie eine besondere Rolle ein. Während die Standard-Ténéré als vielseitiger, robuster Allrounder gilt und die nachgeschärfte Rally-Version stärker auf Offroad-Performance ausgelegt ist, richtet sich die World Raid an Fahrer, die lange Reiseetappen etwas komfortabler absolvieren möchten und dabei vermehrt auf Asphalt, aber immer wieder auch auf Schotter unterwegs sind. Yamaha selbst nennt dieses Konzept ”Adventouring” – eine Mischung aus Adventure und Touring. Für das Modelljahr 2026 bekommt die World Raid nun ein umfangreiches Update mit moderner Elektronik, verbessertem Fahrwerk und zahlreichen Detailoptimierungen.
Bewährter Parallel-Twin mit Euro5+ Update
Im Herzen der World Raid arbeitet weiterhin der bekannte CP2-Parallel-Twin, der bekanntlich in vielen anderen Yamaha-Modellen ebenfalls zum Einsatz kommt. Der flüssigkeitsgekühlte Zweizylinder mit 689 Kubik Hubraum liefert weiterhin rund 73,4 PS und 68 Nm Drehmoment. Für 2026 hat Yamaha den Motor der World Raid nach Vorbild der anderen Modelle dennoch überarbeitet. Das Triebwerk erfüllt nun ebenfalls die aktuelle Euro5+ Abgasnorm und erhält erstmals Ride-by-Wire. Dadurch werden zwei Gas-Ansprechverhalten möglich: ein direkter abgestimmter Sport-Modus sowie ein etwas sanfterer Explore-Modus, der sich besonders für schwierige Untergründe anbietet.
Auch das Ansaugsystem wurde intensiv überarbeitet. Ein neuer Lufteinlass in Kombination mit der elektronischen Abstimmung sorgt für einen Hauch mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Zusätzlich wurde das Getriebe für saubere Schaltvorgänge optimiert, und tatsächlich klappen Gangwechsel nun spürbar geschmeidiger als bisher. Ein Quickshifter mit Blipper-Funktion ist weiterhin leider nur gegen Aufpreis im Zubehörprogramm erhältlich.
Dass der Motor nicht zu den stärksten Aggregaten im Adventure-Segment gehört, liegt auf der Hand. Gerade auf der Straße merkt man nach schaltfaul im dritten Gang gefahrenen Serpentinen, dass 74 PS in einer vollgetankt 220 Kilo schweren Reiseenduro keine überdimensionierte Leistung darstellen. Wer zu zweit unterwegs ist oder einen sportlichen Fahrstil pflegt, wird feststellen, dass der Motor bis Topspeed 181 kmh zwar durchaus kräftig anschiebt, aber dennoch keine Bäume ausreißen kann. Im Gelände zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild. Hier spielt der CP2 seine Stärken aus. Die Leistungsentfaltung ist angenehm kontrollierbar, der Motor hängt sauber am Gas und liefert auch ohne Kupplungseinsatz genau jene Art von elastischem Drehmoment, die man auf Schotterpisten oder technischen Passagen braucht.
Moderne Assistenzsysteme ohne Overkill
Mit dem Modelljahr 2026 hält erstmals eine umfangreichere Elektronikplattform Einzug in die World Raid. Grundlage dafür ist eine neue 6-Achsen-IMU - bisher die einzige der ganzen T7-Palette. Sie liefert Daten für die schräglagenabhängige Traktionskontrolle, die sich in den Stufen ”Offroad” und ”Street” einstellen oder komplett ausschalten lässt. Zusätzlich gibt es eine Slide Control (nur aktiv bei eingeschalteter Traktionskontrolle), die über den Driftwinkel des Hinterrades wacht, sowie eine abschaltbare ”Brake Control”, die die Kurvenfunktion des ABS regelt. Jenes kann fürs Offroaden wahlweise nur am Hinterrad oder auch komplett deaktiviert werden, ein separater ABS-Knopf links neben dem Instrument ermöglich außerdem einen unkomplizierten Schnellzugriff, wenn man von der Straße ins Gelände (oder umgekehrt) abbiegt.
Ob bei einem Adventure-Motorrad mit rund 74 PS tatsächlich eine Traktionskontrolle nötig ist, darüber darf man durchaus diskutieren - Yamaha selbst hat ja mit den T7-Modellen bewiesen, dass auch der Verzicht auf Elektronik in der Praxis funktioniert und genau deshalb diese ”Reduktion auf das Notwendige” für viele Kunden reizvoll ist. Routinierten Offroadfahrern wird das TCS daher vermutlich selten tatsächlich helfen. Trotzdem bleibt die Schlupfregelung ein Sicherheitsfeature, das in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein kann und besonders Enduro-Neulingen das Leben erleichtert. Bei Bedarf lässt sich das TCS ohnehin jederzeit deaktivieren.
Zweifellos eine echte Bereicherung für lange Reisen ist dagegen der neue Tempomat, der nun serienmäßig integriert ist und vor allem auf langen Straßenetappen spürbar zur Entlastung des rechten Handgelenks beiträgt.
KYB-Fahrwerk der Ténéré World Raid – sensationelle Performance
Das vielleicht größte Highlight des Updates ist das überarbeitete Fahrwerk. Yamaha verbaut an der Front nun eine fein ansprechende 46-mm-Upside-Down-Gabel von KYB mit Kashima-Beschichtung, die vollständig einstellbar ist und 230 Millimeter Federweg bietet. Am Heck arbeitet ein komplett neu entwickeltes Federbein mit 220 Millimeter Federweg, neu abgestimmter Umlenkung und externem Ausgleichsbehälter. Auch hier lassen sich Zug- und Druckstufe sowie die Federvorspannung per Handrad einstellen. In der Praxis funktioniert dieses Fahrwerk schlicht sensationell gut, es ist ein echtes Highlight des Upgrades und hebt die Chassis-Performance der World Raid auf Augenhöhe mit dem Rally-Modell. Egal ob auf holprigen Landstraßen oder auf schnellen Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern – die World Raid vermittelt ein enormes Maß an Stabilität und Kontrolle und schluckt zumindest bei 75 Kilo Pilotengewicht auch derbe Schläge ohne durchzuschlagen. Unebenheiten werden souverän weggefiltert, ohne dass die Yamaha dabei schwammig wirkt. Besonders im Gelände überzeugt die Abstimmung. Die Schwerste der Ténéré-Familie lässt sich erstaunlich präzise über lose Untergründe bewegen und vermittelt dabei viel Vertrauen. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man das durchaus imposante Motorrad zum ersten Mal sieht: Denn auf den ersten Blick wirkt die World Raid mit ihrem großen Tank, der hohen Front und der insgesamt stattlichen Erscheinung eher wie ein Reisedampfer als ein ernstzunehmender Abenteuer-Begleiter. Sobald man sie fährt, merkt man jedoch schnell, dass sich die T7 World Raid dank ihres hervorragenden Fahrwerks und des gut dosierbaren Motors auch offroad deutlich leichter bewegen lässt, als man es erwartet hätte.
23-Liter-Doppeltank – gebaut für große Abenteuer
Ein Markenzeichen der World Raid bleibt weiterhin der charakteristische Doppeltank. Die beiden Aluminiumtanks fassen zusammen 23 Liter Kraftstoff, was laut Yamaha Reichweiten von bis zu 500 Kilometern ermöglichen soll. Die Tanks wurden für das neue Modelljahr überarbeitet und sind nun rund 1,5 Kilogramm leichter als beim Vorgängermodell. Durch die tiefe Position der Kraftstoffpumpe wird das Gewicht zusätzlich nach unten verlagert, was sich positiv auf das Handling auswirkt. Ein Detail bleibt jedoch unverändert: Da die beiden Tankhälften getrennt aufgebaut sind um ein Herumschwappen des Treibstoffs zu verhindern, müssen beim Tanken beide Seiten befüllt werden. Eine eventuell asymmetrisch Betankung wird durch das System jedoch ausgeglichen. Die üppige Reichweite und einzigartige Optik mit zwei Tankdeckeln erkauft sich der World Raid Pilot jedoch mit relativ breitem Knieschluss im Sitzen - in stehender Offroad-Position macht sich der Tank dagegen kaum negativ bemerkbar.
Sitzhöhe mit Einschränkungen für kleinere Fahrer
Optisch orientiert sich die World Raid weiterhin stark an waschechten Rallye-Motorrädern. Die hohe Front mit dem markanten Klarsicht-Tower, die Doppeltanks und die lange Silhouette verleihen der Maschine einen klaren Rallye-Look. Auch ergonomisch setzt Yamaha auf größtmögliche Bewegungsfreiheit. Die nun einteilige Sitzbank zieht sich ab sofort noch mehr über das Benzinreservoir und ermöglicht eine noch fahraktivere Körperposition. Die Sattelhöhe beträgt allerdings stattliche 890 Millimeter. Für kleinere Fahrer kann das im Gelände durchaus eine Herausforderung darstellen. Gerade bei langsamen Passagen oder schwierigen Untergründen verlangt die World Raid daher nach etwas Erfahrung – und/oder Körpergröße.
Ab Werk rollt die World Raid auf Pirelli Scorpion Rally STR Reifen, die in leichtem Gelände sowie auf Asphalt gleichermaßen für soliden Grip sorgen und sich als echte Allrounder längst etabliert haben – erst für Terrain mit starkem Gefälle oder weichen Untergrund empfiehlt sich jedenfalls die Montage einer schärferen 50:50-Bereifung. Die Kombination aus 21-Zoll-Vorderrad und 18-Zoll-Hinterrad an der Ténéré 700 World Raid ist für ernsthafte Offroad-Ambitionen ohnehin obligatorisch. Die Bremsanlage stammt von Brembo und funktioniert auch im Gelände hervorragend: Ihre Dosierbarkeit ist superfein und ermöglicht kontrolliertes, scharfes Bremsen auch auf losem Untergrund.
Detailverbesserungen für ungestörte Abenteuer
Neben den großen technischen Änderungen hat Yamaha auch viele kleine Details verbessert. So wurden beispielsweise die Seitendeckel überarbeitet, damit sie bei einem Sturz mehr Energie aufnehmen können. Der praktische GPS-Träger wurde mit Glasfasern wackelfrei verstärkt. Auch der Seitenständerschalter, der bei ausgeklapptem Ständer die Zündung unterbricht, wurde nun cleverer positioniert. Beim Vorgängermodell war dieser Schalter nicht selten ein Schwachpunkt, sobald das Motorrad im Gelände umgefallen ist und sich anschließend nicht mehr starten ließ. Ebenfalls für geschmeidigere Gangwechsel optimiert, wurde das Sechsganggetriebe. Der Aktivierungspunkt am Kupplungsdeckel wurde für bessere Ergonomie um 35 Grad im Uhrzeigersinn umpositioniert. Der jetzt dreiteilige Motorschutz sowie das Design des Kühlers wurde auch optimiert. Der neue, 16-fach einstellbare Lenkungsdämpfer lässt sich selbst mit Handschuhen hervorragend justieren. Das üppige 6,3-Zoll-TFT mit Connectivity und drei Anzeige-Themen wird zu guter Letzt über die neuen, bereits von anderen Yamaha-Modellen bekannten Armaturen bedient – das schmutzanfällige, unergonomische Daumenrad an der linken Lenkerhälfte gehört somit endlich auch bei der World Raid der Vergangenheit an. Solche Detailverbesserungen zeigen, dass Yamaha die Ténéré weiterhin als echtes Adventure-Motorrad für ernsthafte Botanik-Exkursionen versteht.
Ein Bereich, der im Langstreckeneinsatz nicht vollständig überzeugen kann, ist der Windschutz rund um den Helm. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten entstehen leichte Turbulenzen, die auf langen Autobahnetappen unangenehm auffallen können. Für ein Motorrad mit klarer Offroad-DNA bleibt der Wetterschutz dennoch akzeptabel, auch wenn hier noch klares Verbesserungspotenzial vorhanden wäre.
Modernisierung ohne Verwässerung des Charakters
Preislich positioniert sich die World Raid deutlich über der Standard-Ténéré. In Deutschland liegt der Preis bei 13.699 Euro, in Österreich bei 14.499 Euro. Damit richtet sich das Modell klar an jene Enduristen, die gezielt eine reiseorientierte Ténéré mit großer Reichweite und hochwertigem Fahrwerk suchen.
Mit dem (wegen der Euro5+ Emissionsvorschriften unumgänglichen) Update der Yamaha Ténéré 700 World Raid hat Yamaha genau das gemacht, was sinnvoll war: Die Plattform wurde modernisiert, ohne den ursprünglichen Charakter der Ténéré-Modelle allzu sehr zu verwässern. Der CP2-Motor bleibt bodenständig und gut kontrollierbar, das Fahrwerk gehört nun zu den größten Stärken des Motorrads und auch die neue Elektronik der Assistenzsysteme hält sich angenehm im Hintergrund, ist aber da, falls man sie tatsächlich brauchen sollte.
Trotzdem wird die World Raid vermutlich nicht das Motorrad für die breite Masse der Reiseenduristen sein. Dafür ist sie in manchen Bereichen zu kompromisslos: Der Sattel ist hoch und für Beifahrer nur eine Notlösung, der Reisekomfort auf der Asphalt-Langstrecke nicht auf allerhöchstem Ausstattungsniveau und auch der Motor ist eher auf Kontrollier- und Haltbarkeit als auf imposante Performance ausgelegt. Doch genau in ihrem eigenen Segment funktioniert die World Raid hervorragend: Als robuste Adventure-Maschine für weite Abenteuerreisen, lange Schotteretappen und echte Gelände-Abenteuer hat das auf Langstrecke getrimmte Modell des aktuellen Ténéré-Trios nach wie vor kaum direkte Konkurrenz im Mittelklasse-Adventure-Segment.
Fazit: Yamaha Tenere 700 World Raid 2026
Wer will, bezwingt mit ihr auch anspruchsvolles Gelände. Wer jedoch keine weiten Strecken überbrücken muss, wird dennoch die Leichtigkeit der Standard T7 vorziehen. Der breite Tank der World Raid macht sich nämlich in Ergonomie und Handling bemerkbar. Das hochwertige Fahrwerk steckt dagegen auch harte Offroad-Passagen gut weg und dank des Lenkungsdämpfers bleibt das Bike auch auf schnell überflogenen Feldwegen sehr stabil. 6-Achsen-IMU und Ride-by-Wire erlauben beim Ténéré Langstrecken-Flaggschiff außerdem die Integration von Kurven-ABS, Drift- und schräglagensensitiver Traktionskontrolle. Der Quickshifter muss jedoch extra bezahlt werden. Unterm Strich bewirbt sich die World Raid ihrem Namen entsprechend besonders bei Weltreisenden und ist in dieser Hinsicht mit großer Reichweite und viel Offroad-Komfort sehr gut durchdacht, aber dennoch nicht ganz so bequem wie andere Reiseenduros mit stärkerem Asphalt-Fokus.- Stabiles Fahrverhalten
- sehr robuster Gesamteindruck
- Sehr zuverlässig
- sehr hart im Nehmen
- starke Traktion
- souveränes Fahrwerk bieten breiten Einsatzbereich
- sehr praxistauglich
- mit modernen Assistenzsystemen ausgerüstet
- Tempomat serienmäßig
- Tolles Preis/Leistungsverhältnis der Tenere ging in Form World Raid etwas verloren
- der breite Tank reduziert die Bewegungsfreiheit
- Quickshifter nur gegen Aufpreis
- kein geschraubtes Rahmenheck, keine geschraubte Endtopf-Befestigung
- überschaubarer Komfort und Windschutz auf Asphalt, wenig Sozius-tauglich
FAQ zu Yamaha Tenere 700 World Raid 2026
* ABS mit drei Modi: komplett an, nur vorne (REAR OFF), komplett aus (OFF)
* Alle Systeme arbeiten schräglagenabhängig auf Basis einer 6-Achsen-IMU
* Kashima-Beschichtung zur Reibungsminimierung
* Neuer Vorspannungseinsteller oben an der Gabel
* Überarbeitetes KYB-Federbein mit 106 mm Hub (+5 mm)
* Neue Umlenkung für progressivere Federung
* Verbesserte Kühlung und gleichmäßige Dämpfung durch neue Konstruktion
* Optionale Sitzbank mit 15 mm niedrigerer Sitzhöhe
* Kupplungsabdeckung für mehr Beinfreiheit
* Kupplungshebel um 35° nach vorn versetzt
* Neue größere Fußrasten
* Handprotektoren in Fahrzeugfarbe
* Midnight Black
Bericht vom 23.03.2026 | 1.091 Aufrufe