Darum ist die neue MT-09 so viel besser!

Yamaha hat nachgebessert - und dabei fast alles richtig gemacht.

Die vierte Generation der Yamaha MT-09 kommt pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum auf den Markt. Die Änderungen zur dritten Modellgeneration wirken auf den ersten Blick nicht so zahlreich, man möchte mehr von einem Facelift sprechen. Tatsächlich ist die neueste MT-09-Generation jedoch ein großer Wurf, der fast alles besser kann. Denn neben Optik und Ausstattung hat sich auch der Charakter des japanischen Nakedbikes geändert.

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Bereits im Oktober 2023 hat Yamaha die Katze aus dem Sack gelassen und die Eckdaten samt Fotos der neuen MT-09 gezeigt. Musste die dritte Modellgeneration ob ihrer eigenwilligen Lichtmaske und der sehr auffällig platzierten Hupe noch mit viel Designkritik leben, bekommt die Yamaha MT-09 Modellgeneration 2024 nun endlich eine deutlich gefälligere Lichtmaske, die Hupe wurde auch unauffälliger in der Kühlerverkleidung versteckt und das große 5-Zoll-TFT-Farbdisplay samt neuer Lenkerschalter vereinfacht nun endlich die Bedienung soweit, dass man spielerisch durch die Menüs surfen kann auch während der Fahrt. Das Herzstück der MT-09, der auf Drehmoment ausgelegte Reihen-Dreizylindermotor (CP3), wurde hingegen nicht angerührt: Die 890 Kubikzentimeter Hubraum leisten noch immer 119 sehr motivierte Pferde und stemmen gefühlt in der Lebenslage 93 Newtonmeter Drehmoment. Da das Aggregat bereits jetzt die neue Abgashürde Euro 5 Plus ab 2025 schafft, wird Yamaha diesen Sahnemotor noch länger nicht anrühren. Und das ist sehr gut so, denn in der vierten Generation hat der CP3-Motor nur einen Feinschliff bei der Abstimmung bekommen, die den Motor aber noch feiner und präziser ansprechen lässt. Konkret geht es dabei um den Ansaugtrakt und die Ride-by-Wire-Gasgriffabstimmung. Zusammengefasst: Der MT-09-Motor der Modellgeneration 2024 geht genauso feurig ans Werk wie zuvor, ist aber nun auch in der schärfsten Gasgriffkennlinie (Modus 1) spürbar linearer und berechenbarer. Damit gehören verhaute Linien durch zu harsche Gaseinsätze der Vergangenheit an, auch in Spitzkehren und bei harten Lastwechseln. Danke, Yamaha, das war wichtig!

Test Yamaha MT-09 2024
Die neue MT-09 spendet deutlich mehr Vertrauen und Feedback. Alles richtig gemacht.

Größte Änderung: Die Ergonomie der neuen Yamaha MT-09

Die MT-09 war Yamahas Antwort auf die Frage: Was ist das beste Landstraßenmotorrad? Der Zugang der japanischen Ingenieure: Viel Drehmoment vom CP3-Motor, aufrechte Sitzposition, der Lenker hoch und nahe am Fahrer, ein moderater Kniewinkel, eine agile Geometrie des Fahrwerks und eine auffällige Optik. Yamaha nannte die Mischung intern gerne Naked-Motard, eine wörtliche Zusammenfügung der beiden Motorradgattungen die vereint werden sollten: Nakedbike und Supermotard. Bei der neusten MT-09-Generation hat man nun einen großen und auch mutigen Schritt gewagt und die spezielle Sitzposition deutlich in richtig Nakedbike / Roadster geändert. Konkret bedeutet das: Der Lenker ist um 34,4 Millimeter tiefer und um 1,5 mm näher zum Fahrer gerückt. Die Fahrer-Fußrasten sind aber 9,5 Millimeter höher und 30,6 Millimeter nach hinten gewandert. Bedeutet: Das Ergonomiedreieck aus Lenker-Fußrasten-Sitzposition ist sportlicher geworden und bietet nun spürbar mehr Vorderradorientierung. Die Sitzhöhe von 825 Millimeter ist dabei gleichgeblieben. Die Sitzbank ist aber nun zwei- statt einteilig ausgeführt und der Sitz ist im Schritt um 12 Millimeter schmäler geworden, womit sich der Schrittbogen reduziert und auch Fahrer mit kürzeren Beinen besser zum Boden kommen. In der Praxis bedeutet das, dass man im Sattel der neuen Yamaha MT-09 ein viel besseres Gefühl für das Vorderrad hat. Der Sitzbankanstellwinkel wurde flacher, womit man sich nun auch besser auf der MT-09 in verschiedene Sitzpositionen begeben kann. Diese kleinen Änderungen verleihen der Yamaha aber einen deutlich anderen Charakter.

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Sinneswandel im MT-09-Sattel: Mehr Vertrauen

Man hat jetzt in jeder Lebenslage mehr Druck am Vorderrad, kann sowohl bei langsamen als auch bei schnellen Kurven viel deutlicher spüren, was sich an der Front tut. Was nicht heißt, dass die MT-09 träger geworden ist und weniger gerne aufs Hinterrad steigen möchte. Yamaha hat hier beim Zielkonflikt zwischen Agilität und Stabilität den perfekten Kompromiss für die Langstraße gefunden. Durch die leichten Spin-Forged-Aluminiumfelgen, den leicht steileren Nachlauf und die neue Dämpfer-Abstimmung fräst sie nun spürbar stabiler aber nicht weniger handlich durch die Radien. Auch Highspeedkurven können nun deutlich gelassener durchfahren werden. Die vollverstellbare 41-Millimeter-Kayaba-USD-Gabel hat dafür straffere Gabelfedern bekommen und ein strafferes Dämpfersetting. Obwohl nun mehr Gewicht am Vorderrad lastet, bietet die Vorderradaufhängig mehr Feedback, spricht schön an und arbeitet in Summe spürbar sportlicher. Ohne dabei aber Restkomfort zu opfern und selbst auf Straßen zweiter Ordnung fährt man spurstabil drüber, mit 130 Millimeter Federweg vorne und 117 Millimeter hinten. Die Zeiten des Einnickens oder gar leichten Wegknickes der Front sind vorbei. Auch das Zentralfederbein im Heck ist neu abgestimmt, ist in Vorspannung und Zugstufe verstellbar und zeigt sich erfreulich feinfühlig ohne jemals zu bockig oder gar zu hart zu sein. Nur wenn man es ganz böse mit ihr treibt, könnte das Federbein noch einen Tick mehr Druckstufe vertragen.

Test Yamaha MT-09 2024
Der neue Bridgestone S23 Reifen mit M-Kennung, speziell für die MT-09 entwickelt.

Spezielle Bridgestone-Reifen für MT-09

Um das spielerische Handling zu behalten und trotzdem deutlich stabiler durch die Radien pflügen zu können, gibt es von Bridgestone extra entwickelte Sportgummis als Serienbereifung: den S23 M. Der normale Bridgestone S23 wurde erst kürzlich vorgestellt und ist ein Sportreifen der neuesten Generation. Für die MT-09 gibt es nun die M-Kennung, die angibt, dass der Reifen speziell für dieses Modell entwickelt wurde. Im Fahrbetrieb bedeutet das: Sehr viel Rückmeldung an den Fahrer, viel Grip, ein sattes Gefühl in Schräglage und trotzdem dieses leichtfüßige Handling. Die Kombination aus neuer Ergonomie, strafferem Fahrwerk, leicht angepasster Geometrie und den Bridgestone S23 M-Reifen lassen sportliche Fahrer nur jubeln. Bei all der Euphorie kommen die Fragen auf: Warum war das nicht immer so? Oder warum erst jetzt? Die Antwort gibt Yamaha selbst: Bei der Entwicklung der neuen MT-09 hat man intensiv auf Kundenfeedback gehört und dieses mehr einfließen lassen. Denn bei rund 200.000 verkauften MT-09-Modellen weltweit bis heute, gibt es genug Inputs, um den Ingenieuren zu helfen. Das war eine sehr gute und komplett richtige Entscheidung von Yamaha, denn die neue MT-09 ist damit zur besten ihrer Geschichte geworden.

Test Yamaha MT-09 2024
Neues 5"-TFT-Display, App-Konnektivität und neue Schaltereinheit links.

Mehr Ausstattung, leichte Bedienung bei der MT-09 2024

Das Display und die Bedienung der dritten Generation war heute nicht mehr zeitgemäß, darum gibt es ab der vierten Generation ein schönes, großes 5-Zoll-TFT-Display und eine komplett neue Lenkerarmatur links, womit sich die Bedienung dramatisch verbessert. Hauptverantwortlich dafür: Der 5-Wege-Joystick, der intuitiv und blind zu bedienen ist. Eine Art Homebutton lässt einen ratzfatz zurückkommen und einen leicht zu bedienenden Tempomaten hat Yamaha auch noch eingepackt. Super! Ebenfalls neu auf der linken Seite ist ein Blinkerschalter, der nun eine Soft-Funktion hat. Drückt man nur leicht drauf, leuchtet der Blinker nur dreimal auf, bevor er automatisch erlischt. Drückt man fester, blinkt er länger. Leider hat sich im Fahrbetrieb bei vielen Journalisten die Bedienung als etwas zu fummelig herausgestellt. Hier bitte nochmals nachbessern, das geht besser. Der Kupplungshebel ist nun mehrfach verstellbar und optisch an den Bremshebel der neuen 16-Millimeter-Brembo-Radialbremspumpe angepasst. Die Menüführung ist deutlich überarbeitet worden und ist jetzt auch ohne Studium der Betriebsanleitung zu verstehen. Wer möchte, kann mittels Yamaha MyRide-App auch das Smartphone nahezu vollständig mit dem Motorrad verbinden, darüber Änderungen vornehmen und sich sogar eine Garmin-Navigation mit schöner Karte einblenden lassen. Stark!

Test Yamaha MT-09 2024
Die Riding-Modes sind komplett individuell einstellbar, die Bedienung dank 5-Wege-Joystick easy.

Volles Elektronik- und Assistenzpaket in der MT-09

Kein Motorradtestbericht, um nicht über all die elektronischen Helferleins zu berichten. Die neue Yamaha MT-09 kommt hier um es abzukürzen mit voller Hütte und ohne Aufpreise. Das heißt: 6-Achsen-IMU für schräglagenabhängige und fahrzustandsanalysierende Elektronik für Traktionskontrolle, ABS, Rutsch- und Wheeliekontrolle. Zusätzlich bietet die neue MT-09 noch eine Motorschleppkontrolle, um ein Blockieren des Hinterrads noch effektiver zu verhindern. Ebenfalls neu: Ein Quickshifter mit Blipper der dritten Generation. Das heißt, der Fahrer kann nun in jedem Fahrzustand hoch- oder runterschalten. Früher konnte man nur beim Beschleunigen hoch- und beim Verzögern runterschalten. Der bereits erwähnte Tempomat rundet das Elektronikpaket ab. Fein: Neben den drei vordefinierten Riding Modes (Sport, Street, Rain) gibt es noch zwei Modi, die der Fahrer komplett individuell abstimmen kann. Der Mode-Schalter ist rechts auf der Lenkerarmatur positioniert und lässt einen sehr raschen und verständlichen Moduswechsel zu. Jeder Modus lässt sich aber im Untermenü zusätzlich individualisieren, damit sind die Einstellungen für die Leistungsentfaltung und die Fahrassistenzsysteme gemeint. Und wer es gerne ganz pur und direkt mag, der kann auch alle Systeme ausschalten. Und dann brennt die Yamaha MT-09 ein richtig schönes, fahrintensives Feuerwerk ab, dass man aus dem Lächeln unterm Helm gar nicht mehr rauskommt. Schade: Deaktiviert man alle Fahrhilfen und schaltet die Zündung aus, muss beim neuerlichen Anstarten wieder alles deaktiviert werden. Und: Möchte man beispielsweise einen der zwei Individualmodi so einstellen, dass die Fahrassistenzsysteme aus bleiben, geht das so nicht. Entweder sie sind aus, in allen Modi oder eben an mit den spezifischen Einstellungen pro Modus. Auch die selektive Deaktivierung von z.B. Traktionskontrolle off und Slide Controll geht nicht. Hier ist das Motto: ganz oder gar nicht. Das ABS bleibt immer an. Dieses regelt aber ausgesprochen gut und lässt keine Kritik zu.

Test Yamaha MT-09 2024
Die neue Lichtmaske: schlank, hübsch, funktionell und massentauglich.

Mehr Sound und trotzdem leiser

Der Tank der neuen MT-09 baut tiefer (30 Millimeter) und breiter, (60 Millimeter) eine Konsequenz der geänderten Ergonomie. Die 14-Liter Tankvolumen konnten damit behalten werden, das Gesamtgewicht liegt bei nur 193 Kilogramm vollgetankt fahrfertig. Der CP3-Motor hat nun 94 Dezibel im Fahrzeugschein eingetragen, womit die MT-09 uneingeschränkt tiroltauglich ist. Trotzdem kommt sie einem lauter als die Vorgängerin vor. Das liegt am geänderten Ansaugtrakt, der nun über zwei Stege und zwei Gitter auf der Tankoberseite das aggressive Ansauggeräusch direkter an den Fahrer vermittelt. Der Auspuff ist praktisch unverändert und strahlt den Abgasstrahl weiterhin nach unten und nicht nach hinten ab. Auch das soll laut den Yamaha-Soundingenieuren das Fahrgeräusch um den Fahrer konzentrieren und weniger an die Umwelt abgeben. Eine zeitgerechte Lösung.

Test Yamaha MT-09 2024
Upgrade für die Bremse: 16-mm-Radialbremspumpe von Brembo. Beißt!

Muss es die Yamaha MT-09 SP sein?

Es wird wieder eine SP-Version geben. Diese besteht aus einem zusätzlichen Riding-Mode für Rennstreckenfahrer (Track), einem vollverstellbaren Öhlinsfederbein im Heck, Brembo Stylema-Bremssättel vorne, einer anderen Kayaba-Gabel und einer aufwendigeren Lackierung. Viele 1000PS-Leser wollten wissen: Muss es die SP-Version sein? Die Antwort: Nein, denn die neue Basis ist so gut, dass sich SP- und Standardversion zum Vorteil der normalen MT-09 angenähert haben. Ja, ein Öhlinsfederbein mit Ausgleichsbehälter wird auch auf der Rennstrecke länger mehr Performance liefern, Stylema-Zangen sind optisch und technisch erste Güte und die noch besser ansprechende Gabel ist auch nicht verkehrt. Aber wer nur auf der Landstraße unterwegs ist, der hat in der neuen MT-09 eine so starke Basis, dass man schon teuflisch scharf über die Straßen räubern muss, um den SP-Vorteil herauszufahren. Ein starkes Argument für die SP ist jedoch ihr sicher höherer Wiederverkaufswert. Und wenn man die rund 2.500 Euro mehr Budget hat, dann kann man schon zugreifen. Aber zwingend notwendig ist es in der vierten MT-09-Generation nicht mehr.

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Geht steil, die neue Yamaha MT-09
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Breites Zubehörprogramm von Yamaha

Serienmäßig gibt es im MT-09-Sattel keinen Windschutz. Wer diesen doch möchte, kann zwischen drei verschiedenen Windschildern aus dem Yamaha-Zubehörsortiment wählen. Dabei reicht die Range von Bikiniverkleidung, die gerade so das Display bedeckt und damit das Putzen erleichtert, bis hin zur größeren Scheibe, die sicher deutlich Winddruck vom Oberkörper nehmen wird. Weiteres Zubehör wie Handguards, zierlicherer Kennzeichenhalterung und Co. stehen auch zur Auswahl.

Test Yamaha MT-09 2024
Drei Farben stehen zur Auswahl: Grau/Cyan, Yamaha Blau und Schwarz

Preise und Verfügbarkeit Yamaha MT-09 2024

Drei Farben stehen zur Auswahl: Icon Blue, Midnight Cyan und Tech Black. Ab April ist die Standardversion verfügbar, aber Juni soll die SP-Version in den Handel kommen. Die Preise: Deutschland: ab 11.199 Euro / Österreich: ab 12.199 Euro / Schweiz: ab 11.299 CHF

Test Yamaha MT-09 2024
Die Yamaha MT-09 Jahrgang 2024 ist einfach nur leiwand!

Fazit: Yamaha MT-09 2024

Jawohl, da hat Yamaha ein richtig leiwandes Motorrad hingestellt. Alle Kritikpunkte der Vorgängerin erfolgreich überarbeitet, ohne dabei das Wilde und Spielerische der MT-09 zu kastrieren. Die vierte Generation ist reifer, präziser und geschliffener, fährt neutraler und stabiler, ohne ihre Leichtfüßigkeit einzubüßen. Ein herrliches Motorrad, welches durch viele Detailverbesserung aktuell ein nahezu unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis bietet und jetzt sogar richtig hübsch geworden ist. Die Yamaha-Händler werden sich nach Probefahrten vor Bestellungen nicht retten können. Hoffen wir, dass die Verfügbarkeit gegeben ist, denn die neue MT-09 ist die Definition des Wortes „Volltreffer“!


  • kräftiger Antritt in jeder Lebenslage / potenter Motor
  • aggressiver aber nicht zu lauter Sound
  • verbesserte Ergonomie für mehr Rückmeldung und Vertrauen
  • sehr gute Bremsen
  • üppige Basis-Ausstattung
  • präzises Chassis mit guter Alltagsabstimmung
  • schönes Display, gute Bedienung
  • extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • kein Windschutz
  • fummelige Blinkerfunktion

Bericht vom 25.02.2024 | 18.996 Aufrufe

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