HJC RPHA 71 Helm im Test über eine Saison

Integralhelm im Langzeittest in der 1000PS Redaktion

Der RPHA 71 repräsentiert die neueste Evolutionsstufe im Premium-Sporttouring-Segment bei HJC. Poky hat den Integralhelm eine Saison lang in verschiedenen Umgebungen und auf verschiedenen Motorrädern getestet.

Werbung
powered by Honda Austria
Mehr erfahren

Große Fußstapfen für den HJC RPHA 71

Schon den Vorgänger, den RPHA 70 hatten wir im Intensiv-Test. Damals in der für den RPHA 71 seit Kurzem ebenfalls verfügbaren Carbon-Variante. Kollege NoPain, der den Test 2021 durchführte, zeigte sich sehr angetan. Kann der RPHA 71 die hohe Erwartungshaltung erfüllen?

Anzeige

HJC RPHA 71 Features und Eigenschaften

Die größte Stärke, aber auch gleichzeitig eine große Herausforderung ist, dass der RPHA 71 die strenge ECE 22.06 Norm erfüllt, er ist dadurch deutlich sicherer aber eben trotz Carbon-Anteil auch etwas schwerer als sein Vorgänger. Die Premium Integrated Matrix (PIM) Evo-Schale und das hochdichte EPS gewährleisten eine verbesserte Stoßfestigkeit und bieten hohen Schutz. Damit sich der neue HJC am Kopf nicht schwer anfühlt, hat man in Aerodynamikarbeit investiert. Durch umfangreiche Windkanaltests wurde der RPHA 71 für eine aerodynamisch effizientere Fahrt optimiert. Der HJC RPHA 71 ist in beinahe unüberschaubaren Farb- und Dekorvarianten erhältlich.

HJC RPHA 71 Gewicht und Passform

Obwohl die äußere Hülle des HJC RPHA 71 aus Premium Integrated Matrix (P.I.M.) EVO CARBON gefertigt ist (was die Stoßfestigkeit auf ein neues Niveau hebt), ist er kein Leichtgewicht und mit 1600 Gramm in Größe L auch schwerer als sein Vorgänger. Dieses Schicksal teilt er sich mit vielen Integralhelmen, die über die neue ECE-Norm gehoben wurden. Allerdings sind beim RPHA 71 bereits eine in der Höhe anpassbare Sonnenblende und die Vorbereitung für die hauseigenen Kommunikationssysteme SMART HJC 21B und 50B integriert, was das Gewicht wieder relativiert.

Die Passform des HJC RPHA 71 ist für runde Köpfe besser geeignet als für längliche. In Summe hat man das Gefühl, dass sich die Passform im Vergleich zur Vorgängergeneration leicht verändert hat die neue Serie wirkt enger. Vor dem Kauf also unbedingt probieren. Ich zum Beispiel trage seit 2023 beispielsweise die Größe L statt M.

Belüftung am HJC RPHA 71

Es gibt Helme mit mehr Öffnungen am Markt. Die zwei großen Einlässe vorn und zwei Auslässe gewährleisten jedoch einen kontinuierlichen Luftstrom von vorne nach hinten, was die Belüftung und Kühlung während langer Fahrten unterstützt. Die Kinnbelüftung ist dabei in 3 Stufen einstellbar, während es bei der oben nur Stellung offen oder geschlossen gibt. In Summe funktioniert die Belüftung auch an heißen Tagen absolut zufriedenstellend. Naturgemäß heizen sich dunkle Farbvarianten schneller auf als helle, hier bildet auch der RPHA 71, den ich im dezenten matt-schwarzen MAPOS-Design ausgefasst habe, keine Ausnahme.

Klarer Durchblick: Pinlock serienmäßig am RPHA 71 Visier

Wie es sich für einen Premiumhelm gehört, kommt das Visier mit Pinlock, serienmäßig und bietet mit 99% UV-Schutz und einer Anti-Kratz-Beschichtung klare Sicht und zuverlässigen Schutz vor den Elementen, Wind- und Atemabweiser sind ebenfalls von Haus aus mit dabei. Das Visier schließt sehr satt und dicht, um es komplett in das neue Push-Release System einrasten zu lassen, muss man an dem dafür vorgesehenen überstehenden Visierteil links nachfassen. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist es zum Öffnen des Visiers dann erforderlich, den Knopf mit der linken Hand zu betätigen. So beschrieben, klingt der Vorgang zäh, nach wenigen Versuchen geht er jedoch in Fleisch und Blut über. Der Visier-Wechsel geht dank des Ratschensystems locker von der Hand, so lassen sich etwa ein getöntes oder verspiegeltes Visier aus dem Zubehör einsetzen.

HJC RPHA 71: Materialanmutung und Verarbeitung

Der RPHA 71 ist hochwertig verarbeitet, die Spaltmaße passen und die Oberfläche macht einen sehr soliden Eindruck. Die Innenseite des Helms ist mit antibakteriellem Gewebe ausgestattet. Der Abtransport von Feuchtigkeit ist zufriedenstellend und das Material trocknet schnell. Die Kopf- und Wangenpolster sind abnehm- und waschbar, sodass man bei entsprechender Pflege lange Freude am Helm haben wird.

HJC RPHA 71: Lautstärke Geräuschniveau

Eines vorweg: Der RPHA 71 ist nicht der leiseste Helm am Markt. In dieser Preisklasse bzw. in diesem Segment setzt man als Tester einen hohen Maßstab an. Positiv zu beurteilen ist, dass der Lärmpegel bei geöffneten Belüftungen nicht wesentlich ansteigt. Bei Geschwindigkeiten von über 80 km/h und vor allem wenn man ein Kommunikationssystem nutzen möchte, würde ich jedenfalls einen passenden Gehörschutz empfehlen.

Anzeige

Test SMART HJC 21B im HJC RPHA 71

HJC bietet mittlerweile 6 verschiedene Kommunikationslösungen in drei Klassen, die Basis bilden jeweils Produkte vom etablierten Hersteller SENA. Das 21B ordnet sich mit 219 Euro UVP preislich im Mittelfeld des Portfolios ein. Die Installation geht rasch von der Hand, da der RPHA 71 im Inneren der Helmschale bereits mit entsprechenden Kanälen ausgerüstet ist, sodass die Verlegung der Kabelstränge keine Herausforderung mehr darstellt (was hat man da früher geflucht!). Das 21 B bietet Bluetooth 5.1, Geräuschunterdrückung und eine Verbindungsoption mit 3 weiteren Geräten/Personen auf eine Distanz von bis zu 1600 Meter. Die HJC App ermöglicht einen raschen Installationsprozess, wer mit SENA Geräten vertraut ist, wird auch ohne Bedienungsanleitung (die selbstverständlich beiliegt) loslegen können. Die Qualität der Sprach- und Musikwiedergabe ist zufriedenstellend, erst bei Autobahntempo gerät das System an seine Grenzen. Ein Gehörschutz mit Filtermöglichkeit ist definitiv empfehlenswert.

Das größte Asset des Systems ist die optimale Einpassung in den Helm, das macht sich vor allem beim Wechsel von einem Helm mit nachgerüstetem Com-System auf den HJC bemerkbar. Ein Helm kann noch so leise sein, wenn man an die Außenschale einen Klotz klemmt oder klebt, wird er laut, zudem wird die Aerodynamik negativ beeinflusst. All das kann einem beim integrierten System nicht passieren, so wird der RPHA 71 zum Leisetreter, im Vergleich zu jedem Helm mit Nachrüst-Com-System.

HJC RPHA 71: Test-Fazit

Der RPHA 71 ist ein Integralhelm, der die Bedürfnisse der allermeisten (sportlichen) Tourenfahrer gut befriedigt. Die Zeit der leichten Helme ist mit der ECE 22.06 Norm zwar mehrheitlich vorbei, ein paar Gramm mehr werden für die deutlich gestiegene Sicherheit jedoch gern in Kauf genommen. Hier bildet auch der HJC keine Ausnahme. Umso wichtiger waren die Entwicklungsstunden im Windkanal, denn der RPHA 71 liegt wirklich gut im Fahrtwind, wodurch auch längere Etappen ermüdungsfrei abgespult werden können. Einzig beim Geräuschpegel patzen die Spezialisten aus Südkorea ein wenig. Erfreulich hingegen ist die Belüftungsleistung und der Wärmeabtransport. Die neue Visiermechanik ist gut gelungen und die Passform massentauglich. Insgesamt ist der RPHA 71 definitiv eine Bereicherung für den Markt.

Autor

Bericht vom 30.12.2023 | 9.981 Aufrufe

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts