Bridgestone S23 Reifentest 2024

Intensivtest auf der Rennstrecke

Der S23 ist der Nachfolger des bereits gut bekannten S22 von Bridgestone, der für den sportlichen Einsatz bereits eine echte Nummer darstellt. Wie vielleicht viele von euch schon selbst "erfahren" haben, ist der S22 eine sehr gelungene Kombination aus neutralen Fahrverhalten, Grip und Handling. Mit dem neuen S23 hat Bridgestone nun in einigen Bereichen nochmals Updates vorgenommen und nun stellt sich die Frage: Ist Neues automatisch besser? Um das herauszufinden und um den neuen Hypersportreifen richtig auf den Zahn zu fühlen, lud Bridgestone nach Südafrika auf die Rennstrecke in Kyalami.

Nachdem der S22 bereits einige Jahre unverändert seinen Dienst in verschiedenen Motorrädern verrichtete, hat Bridgestone im Hintergrund bereits an weiteren Verbesserungen gearbeitet. Nicht dass er es nötig gehabt hätte, aber das Bessere ist des Guten Feind. Das war wohl die Direktive und so wurden ein paar Änderungen an der S22 Basis durchgeführt und das Ergebnis auf S23 getauft. Aber was genau sind die Änderungen?

Bridgestone S23 Änderungen im Detail

Am Auffälligsten ist sicherlich das leicht geänderte Profil. Hier wurden in erster Linie die Form und der Winkel der Profillinien angepasst. Das soll zu weniger Bewegung im Laufflächengummi besonders in Schräglage führen. Darüber hinaus soll auch der Verschleiß, der normalerweise an den Profilenden am stärksten ist, reduziert werden und bessere Laufleistungen ermöglichen. Auch die Wasserverdrängung soll dadurch profitieren, wobei diese wie bei Hypersportreifen üblichen geringen Profilanteilen, eher hintenanstehen.

Die nächste größere Änderung ist die Änderung der Gummimischung an der Flanke des Reifens. Das soll für nochmals mehr Grip in Schräglage führen und diesen konstanter halten. Der S23 hat dabei wie schon sein Vorgänger am Vorderreifen 3 und am Hinterrad 5 Mischungsstreifen. Eine wichtige Eigenschaft, wenn man eine weiche Mischung an der Flanke für maximalen Schräglagengrip, gepaart mit guten Laufleistungen im Mittelbereich erreichen möchte.

Bridgestone verspricht mit diesen Änderungen eine Steigerung in allen Hauptbereichen wie Grip, Stabilität und Laufleistung sowohl im Nassen wie im Trockenen. Entwickelt wurde der S23 in erster Linie in der sehr gefragten Größe 190/55-17 und 120/70-17. Es wird ihn aber auch in allen anderen geläufigen Größen geben. Erhältlich soll der neue Alleskönner ab Jänner 2024 sein.

Und wie hat er sich nun im Härtetest auf der Rennstrecke geschlagen?

Um einen so sportlichen Reifen wirklich gut an seine Grenzen bringen zu können, kommt man um einen Rennstreckentest eigentlich kaum herum. Deshalb wurde auch die Rennstrecke in Kyalami ausgewählt. Zum einen ist sie mit einem sehr gleichmäßigen Asphalt und ansprechenden Layout gesegnet und was wohl am wichtigsten war, ohne Glatteis wie derzeit auf vielen europäischen Rennstrecken. Zusätzlich wurden von Bridgestone unterschiedlichste Bikes mit den S23 in den jeweils passenden Größen ausgestattet. Mit dabei waren, quer durch die Bank, von den aktuellen High End Superbikes bzw. Streetfighter bis hin zum Einsteiger Naked Bike alles vertreten.

Was mir am Reifentest gut gefallen hat war, dass auf Reifenwärmer verzichtet wurde und man den Reifen auch im kalten Zustand testen konnte. Denn dieser Zustand ist gerade bei Straßenreifen ein wichtiger Aspekt, da wohl kaum ein Fahrer vor der Fahrt zur Eisdiele die Reifenwärmer anlegen wird.

Auch wenn der Reifen bereits im kalten Zustand mit guten Grip glänzt wird in den ersten Kurven noch etwas zurückhaltender gefahren. Denn auch wenn es sich um einen Straßenzugelassenen Reifen handelt, hat auch dieser natürlich im warmgefahrenen Zustand ein höheres Griplevel. Aber bereits hier zeigt sich eines der großen Vorteile des Reifens, nämlich das neutrale Fahrverhalten. Wie bereits vom S22 bekannt, lenkt auch der S23 ohne Gegenwehr ein und führt das Bike wie auf Schiene durch die Kurve ohne weitere Lenkimpulse setzen zu müssen. Bereits nach einer Runde hat der Reifen auf dem warmen Asphalt seine notwendige Temperatur an der Flanke und ist für richtige Schräglagen bereit. Wie von Bridgestone prognostiziert, zeigt der Reifen gerade in Beschleunigungszonen aus tiefen Schräglagen heraus eine ausgeprägte Stabilität und Rückmeldung. Eine wirkliche Bereicherung gerade bei starken Bikes. Allerdings zeigt sich nach ca. 5 sehr scharf gefahrenen Runden bei den aktuellen +200PS Superbikes ein beginnendes leichtes Sliden in der Beschleunigung. Das ist aber unter Berücksichtigung eines straßenzugelassenen Reifens und der brachialen Beschleunigungsgewalt auf sehr hohen Level. Was dabei aber besonders positiv auffällt ist wieder die Stabilität die sich während der Drifts einstellt. Auch wenn das Heck etwas quergeht, kommt nicht die kleinste Unruhe auf und macht so die "Querfahrt" zum Genuss, da auch die Gutmütigkeit im Grenzbereich hervorragend ist. Durch diese Ruhe können auch, die schon an fast allen Bikes arbeitenden Traktionskontrollen ihr ganzes Potenzial ausspielen. Eine echte Freude auch für die nicht so versierten Fahrer. Selbst an den Naked Bikes, die aufgrund ihrer Geometrie meistens weniger Stabilität aufweisen hilft der S23 um für Ruhe zu sorgen. Auch wenn diese Art von Bikes gerade bei höheren Geschwindigkeiten eher nervös reagieren, konnte die 200km/h schnelle Kurve in Kyalami nach dem langen bergab Stück voll durchgezogen werden.

Auch bei der Standzeit hat der neue Bridgestone überzeugt. Obwohl den ganzen Tag auf der Strecke von allen Fahrern richtig Feuer gegeben wurde zeigte sich der Reifen unbeeindruckt. Selbst am Ende des Tages war noch gut Gummi am Reifen und die Oberfläche in tadellosen Zustand. Wie sich das auf die Laufleistung auf der Straße auswirkt, konnten wir so aber nicht herausfinden. Hierzu müsste vorwiegend die Mischung in der Reifenmitte beansprucht werden, was aber auf der Rennstrecke naturbedingt schwer möglich ist.

Bridgestone S23 Fazit

Es ist Bridgestone wirklich gelungen den bereits sehr guten S22 nochmals zu Verbessern. Eine Revolution darf man sich allerdings nicht erwarten, dazu war der der Vorgänger bereits zu gut. Es wurden im Detail einige Verbesserungen verwirklicht, die besonders im sportlichen Einsatz zu spüren sind. Somit hat der S23 die Bezeichnung als Hypersportreifen mehr als verdient. Er ist genau der richtige Begleiter, wenn es um hohes Gripniveau auf normalen Straßen, gute Rückmeldung und neutrales Fahrverhalten geht. Selbst für den Abstecher auf die Rennstrecke ist er optimal gerüstet auch wenn es hier mit richtigen Rennreifen klarerweise noch etwas mehr Performance gibt. Aber dafür kann der S23 dort auch ohne Reifenwärmer auskommen und ist mit seiner Gutmütigkeit gerade für den Einsteiger eine super Wahl!

Autor
Martin_Bauer

MARTIN_BAUER

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Bericht vom 13.12.2023 | 15.529 Aufrufe

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