Pirelli Diablo Rosso IV Corsa Test auf Landstraße und Rennstrecke

Die Neuheit 2022 für Hausstrecken Heizer und Trackday Besucher

Der noch sportlichere Bruder des Pirelli Diablo Rosso IV, mit dem Zusatz "Corsa" im Namen, bekommt für 2022 ein Update spendiert. Vom Vorgänger mit der Nummer Zwei, also dem Rosso Corsa II, springt man in der Nomenklatur nun direkt zur Vier. Laut Pirelli ein Reifen für die Rennstrecke, der aber auch im Alltag und bei Nässe noch funktioniert. Mit neuen Gummimischungen und etwas abgeändertem Profil-Design soll die Corsa-Variante nun eine noch bessere Performance bieten. Wir haben den Hypersport Pneu für Euch am Autodromo Internazionale del Mugello sowie auch auf den herrlichen Landstraßen Italiens getestet und uns selbst ein Bild gemacht.

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Für wen eignet sich der Pirelli Diablo Rosso IV Corsa?

Grundlegend platziert Pirelli den Corsa zwischen dem ultrasportlichen Semislick Supercorsa SP und dem Sportreifen-Flaggschiff Rosso IV. In Sachen Optik ist der Neue sofort als Teil der Pirelli Produktfamilie zu erkennen, wenngleich er 25 Prozent weniger Negativprofil auf die Lauffläche geschnitzt bekommen hat als der Rosso IV und damit klar ersichtlich mehr in Richtung Hypersport geht. Kurzum, der richtige Reifen für ambitionierte Hausstreckenheizer und Gelegenheits-Trackday-Besucher, welche mehr Temperatur-Resistenz und Grip im Trockenen suchen aber mit Abstrichen bei Nasshaftung und Laufleistung leben können.

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Die neuen Mischungen am Pirelli Diablo Rosso IV Corsa

Wie auch beim Vorgänger, dem Rosso Corsa II, ist der Vorderreifen in drei Bereiche mit zwei verschiedenen Mischungen unterteilt. Der mittlere Bereich besteht aus einer Full-Silica-Mischung, die etwa 45 Prozent der Laufflächen-Querschnittsbreite einnimmt. Sie hat von der Geradeausfahrt bis zu einem Winkel von rund 25 Grad Schräglage Kontakt zur Straße. Die Seitenbereiche verfügen über eine weichere Mischung. Am Corsa II sind noch reine Ruß-Mischungen an den Flanken des Vorderreifens platziert worden, nun hat man hier aber ebenfalls auf Full-Silica gesetzt. Durch den Einsatz innovativer Harze und Zusätze soll der Reifen selbst bei hohen Temperaturen in großer Schräglage noch mit hervorragendem Grip und verbessertem Feedback aufwarten.

Der Hinterreifen setzt in allen verfügbaren Dimensionen ebenfalls auf ein Bi-Compound Setup. (Anm.: Am Corsa II waren es am 190er und 200er Modell drei Mischungen.) Die zentrale Full-Silica-Mischung ermöglicht dabei ein schnelles Aufwärmen und einen exzellenten chemischen Grip auf allen Oberflächen. An den Schultern kommt hinten eine Mischung mit 100 Prozent Rußanteil zum Einsatz, die direkt vom Racing-Compound der SC3 Slicks abgeleitet ist. Diese Mischung sorgt selbst bei hohen Temperaturen und starker Beanspruchung für bestmöglichen Grip und tolle Traktion in Schräglage. Soweit die Theorie.

Pirelli Rosso Corsa IV mit Multiradius Kontur

Als weiterer technischer Punkt sei noch die Multiradius Kontur erwähnt. Das aus dem Rennsport bewährte Multiradius-Design bringt Pirelli nämlich auch beim Diablo Rosso IV Corsa wieder zum Einsatz. Hierbei wird für Teile der Reifen Lauffläche eine unterschiedliche Krümmung verwendet. Der zentrale Bereich hat eine spitzere Kontur, welche das Einlenken erleichtert und für ein agiles Fahrgefühl aus der Mittellage sorgt, während an den Schultern die Kontur weniger stark gekrümmt ausfällt, um die Aufstandsfläche in Schräglage zu erhöhen und somit mehr Sicherheit im Grenzbereich zu gewährleisten.

Pirelli Rosso Corsa IV Test auf der Landstraße

Bei morgendlichen Temperaturen von 6, 7 Grad Celsius wollte der Reifen auf unserer Tour im Hinterland zwischen Florenz und Bologna einmal spürbar warm geknetet werden. Nach wenigen Kilometern stellte sich aber bereits das gewohnt zugängige, eher weich gedämpfte Pirelli Fahrgefühl ein. In der ersten Wahrnehmung der "Corsa" also wieder ein typische Markenvertreter. Sowohl auf der KTM 1290 Super Duke R als auch auf der Ducati Streetfighter V4 S war zu spüren, dass der Reifen den Fahrzeugen eine grandiose Stabilität und ein ausgesprochen sattes Feeling in Schräglage verleiht. Das Einlenken in den Radius klappt willig und berechenbar aber ohne übermäßige Agilität zu versprühen. Ein Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist minimal zu spüren aber keineswegs störend. Gerade für die von Haus aus sehr wendig konstruierten Nakedbikes, wie die erwähnte Super Duke, subjektiv empfunden, genau die richtige Bereifung.

Bedenken, dass die von den Slicks abgeleitete Ruß-Mischung an den Flanken des Hinterrads, möglicherweise bei den kühlen Vormittags-Bedingungen nicht ins richtige Temperatur-Fenster kommt, entpuppten sich als unbegründet. Der Grip im "handwarmen" Zustand war bereits mehr als ausreichend für unseren engagierten Ritt über den italienischen Asphalt. Die Traktionskontrolle war dabei nur mit barbarisch provozierten Manövern zur Arbeit zu überreden. Gut vorstellbar, dass im Sommer, bei Asphalttemperaturen von 50 Grad und mehr, der Reifen zur Bestform auflaufen wird. Hier macht sich dann auch die erhöhte Temperatur-Resistenz ohne Silica-Anteil in der Mischung an den Flanken des Hinterrades bemerkbar. Einen Vorgeschmack darauf lieferte der Nachmittag unseres Test-Tages bei der Fahrt am Autodromo Internazionale del Mugello.

Pirelli Rosso Corsa IV Test auf der Rennstrecke

Mugello ist in jeder Hinsicht beindruckend - eine gepflegte Anlage mit großartigem Asphalt und einer sehr flüssigen Kurven-Abfolge. Der ansteigende und abfallende Verlauf der Strecke mitsamt einigen schnellen Wechselkurven macht es darüber hinaus besonders interessant. Aber auch fordernd - bei alldem Gebotenen bleibt nicht viel Zeit zur Entspannung zwischendurch. Auf der langen Start-Ziel-Geraden liegt der Fokus voll am Erwischen der richtigen Linie über die Kuppe, wie auch dem darauf folgenden Bremspunkt bei deutlich über 300 km/h am Tacho. Und hier präsentiert Pirelli einen Straßenreifen? Durchaus selbstbewusst. Doch zurecht, wie sich nach den ersten Turns herausstellt.

Nach einer Runde am 5,2 km langen Autodromo ist der Reifen auf Temperatur. Der Corsa IV punktet bei der Hatz über die Rennstrecke mit herrlich zielgenauem Einlenkverhalten. Die Lenkpräzision in Kombination mit der bereits zuvor auf der Landstraße erlebten Stabilität schafft schnell Vertrauen beim Entern der Radien. Ein Aufstellmoment beim Gas anlegen in Schräglage ist quasi nicht vorhanden, somit lassen sich auch lange Kurven sehr sauber ziehen. Wird am Ausgang der Hahn voll geöffnet, meldet der Reifen transparent, mit leicht walkendem Feedback an, wenn das Haftungslimit erreicht ist. Wirklich top für einen Pneu, der auch im Alltag und bei Nässe noch funktionieren muss.

Auf eher handlichen Superbikes, wie der getesteten S 1000 RR von BMW, war auch das stabilitäts-fördernde Verhalten des Reifens wieder sehr positiv auszumachen. Auf stabilitäts-getrimmten Vertretern, wie der Panigale V4S, welche ebenfalls beim Test zur Verfügung stand, hätte es vielleicht ein wenig agiler sein dürfen. Wie schon zuvor aber auch hier die Einschätzung sehr subjektiv.

Pirelli Rosso IV Corsa Test Fazit

In Summe stellt der Rosso IV Corsa, im bereits recht breit aufgefächerten Produktportfolio von Pirelli, eine tolle Bereicherung dar. Im Speziellen für Hausstrecken-Enthusiasten auf der Suche nach dem letzten Quäntchen Grip und Sportfahrer, welche auch ab und an mal unkompliziert einen Trackday-Event besuchen möchten. Selbst bei kühlen Temperaturen im Alltag war dabei auf den neuen Pirelli verlass und dank Silica Mischung wird auch bei Regen noch ausreichend Sicherheit geboten. Letzteres haben wir zwar (noch) nicht ausprobiert aber soweit schenken wir den Erfahrungen der Pirelli Techniker unseren Glauben. Hartgesottene Tourenfahrer werden wohl ohnehin auf andere Produkte im Regal der Italiener greifen.

Positionierung des Diablo Rosso IV Corsa in der Pirelli Produkt Familie
Positionierung des Diablo Rosso IV Corsa in der Pirelli Produkt Familie

Pirelli Diablo Rosso IV Corsa - verfügbare Dimensionen

  • 110/70 ZR 17 verfügbar ab 07/2022
  • 120/70 ZR 17 verfügbar ab 01/2022
  • 150/60 ZR 17 verfügbar ab 07/2022
  • 180/55 ZR 17 verfügbar ab 01/2022
  • 180/60 ZR 17 verfügbar ab 04/2022
  • 190/50 ZR 17 verfügbar ab 06/2022
  • 190/55 ZR 17 verfügbar ab 01/2022
  • 200/55 ZR 17 verfügbar ab 05/2022
  • 200/60 ZR 17 verfügbar ab 05/2022

Bericht vom 08.04.2022 | 8.122 Aufrufe

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